Ingeborg Bachmann zählt bis heute zu den faszinierendsten und widersprüchlichsten Stimmen der deutschen Literatur. Am 25. Juni 2026 wäre sie 100 Jahre alt geworden.
Mit seiner Biografie über Ingeborg Bachmann legt Dieter Burdorf (Professor für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie) ein beeindruckend umfangreiches und tiefgehendes Portrait dieser außergewöhnlichen Dichterin vor. Es ist keine klassische, streng chronologische Lebensbeschreibung, sondern er nähert sich dieser Autorin über ihren intensiven Briefwechsel an und zeichnet so das Bild eines „unruhigen Ichs“, wie sie sich selbst einmal beschrieben hat.
Und genau dieses unruhige, suchende und zerrissene Ich zieht sich durch die mehr als 700 Seiten. Es wird schnell deutlich, dass Ingeborg Bachmann eine Frau war, die weder an Orten noch in Beziehungen wirklich ankommen konnte. Ihr Leben war von Sehnsucht, Schmerz, aber auch von Stärke und einem unbedingten Willen zum Schreiben geprägt.
Besonders berührt haben mich ihre immer wiederkehrenden Krisen und der immense Druck unter dem sie stand. Ihr Leben war geprägt von der schweigenden Nachkriegsgesellschaft, einer männerdominierten Welt und ihren schwierigen Männerbeziehungen wie etwa zu Max Frisch. Gelichzeitig bin ich beeindruckt von ihrem progressiven, fast schon skandalösen Lebensstil für die 1950er und 60er Jahre sowie ihren klaren feministischen Ansichten.
Die Beschreibungen über die Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Paul Celan, Marie Luise Kaschnitz und Nelly Sachs verleihen der Biografie zusätzliche Tiefe und zeigen, wie sehr Bachmann im Austausch mit anderen gewachsen ist und zugleich an ihnen zerbrach.
Dieses Buch liest man nicht einfach nebenbei. Es ist ein Werk zum Innehalten, zum Nachdenken und zum Zurückblättern. Mich hat besonders beeindruckt, wie akribisch Burdorf recherchiert hat. Allein der umfangreiche Anhang spricht für sich.
Eine intensive, fordernde und beeindruckend starke Biografie!
Große Leseempfehlung für alle Literatur-Nerds!














