Dieter Burdorf

 4,3 Sterne bei 19 Bewertungen
Autor*in von Einführung in die Gedichtanalyse, Dieses unruhige Ich und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Dieter Burdorf ist Professor für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Universität Leipzig und Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Bei C.H.Beck ist von ihm erschienen: "Friedrich Hölderlin" (2011).

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Dieses unruhige Ich (ISBN: 9783406844843)

Dieses unruhige Ich

(3)
Neu erschienen am 18.05.2026 als Gebundenes Buch bei C.H.Beck.

Alle Bücher von Dieter Burdorf

Cover des Buches Einführung in die Gedichtanalyse (ISBN: 9783476122841)

Einführung in die Gedichtanalyse

(16)
Erschienen am 02.09.1997
Cover des Buches Dieses unruhige Ich (ISBN: 9783406844843)

Dieses unruhige Ich

(3)
Erschienen am 18.05.2026
Cover des Buches Einführung in die Gedichtanalyse (ISBN: 9783476022271)

Einführung in die Gedichtanalyse

(0)
Erschienen am 05.10.2015
Cover des Buches Friedrich Hölderlin (ISBN: 9783406612794)

Friedrich Hölderlin

(0)
Erschienen am 26.10.2011

Neue Rezensionen zu Dieter Burdorf

Cover des Buches Dieses unruhige Ich (ISBN: 9783406844843)
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Rezension zu "Dieses unruhige Ich" von Dieter Burdorf

ingaburg
Ein unruhiges, suchendes und zerissendes Ich

Ingeborg Bachmann zählt bis heute zu den faszinierendsten und widersprüchlichsten Stimmen der deutschen Literatur. Am 25. Juni 2026 wäre sie 100 Jahre alt geworden.

 Mit seiner Biografie über Ingeborg Bachmann legt Dieter Burdorf (Professor für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie) ein beeindruckend umfangreiches und tiefgehendes Portrait dieser außergewöhnlichen Dichterin vor. Es ist keine klassische, streng chronologische Lebensbeschreibung, sondern er nähert sich dieser Autorin über ihren intensiven Briefwechsel an und zeichnet so das Bild eines „unruhigen Ichs“, wie sie sich selbst einmal beschrieben hat.

Und genau dieses unruhige, suchende und zerrissene Ich zieht sich durch die mehr als 700 Seiten. Es wird schnell deutlich, dass Ingeborg Bachmann eine Frau war, die weder an Orten noch in Beziehungen wirklich ankommen konnte. Ihr Leben war von Sehnsucht, Schmerz, aber auch von Stärke und einem unbedingten Willen zum Schreiben geprägt. 

Besonders berührt haben mich ihre immer wiederkehrenden Krisen und der immense Druck unter dem sie stand. Ihr Leben war geprägt von der schweigenden Nachkriegsgesellschaft, einer männerdominierten Welt und ihren schwierigen Männerbeziehungen wie etwa zu Max Frisch. Gelichzeitig bin ich beeindruckt von ihrem progressiven, fast schon skandalösen Lebensstil für die 1950er und 60er Jahre sowie ihren klaren feministischen Ansichten.

Die Beschreibungen über die Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Paul Celan, Marie Luise Kaschnitz und Nelly Sachs verleihen der Biografie zusätzliche Tiefe und zeigen, wie sehr Bachmann im Austausch mit anderen gewachsen ist und zugleich an ihnen zerbrach.

Dieses Buch liest man nicht einfach nebenbei. Es ist ein Werk zum Innehalten, zum Nachdenken und zum Zurückblättern. Mich hat besonders beeindruckt, wie akribisch Burdorf recherchiert hat. Allein der umfangreiche Anhang spricht für sich.

 Eine intensive, fordernde und beeindruckend starke Biografie!

Große Leseempfehlung für alle Literatur-Nerds!

Cover des Buches Dieses unruhige Ich (ISBN: 9783406844843)
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Rezension zu "Dieses unruhige Ich" von Dieter Burdorf

Svenjas_BookChallenges
Ein umfangreiches und wertvolles Porträt einer faszinierenden Frau und Dichterin

Am 25. Juni 2026 wäre der 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann – eine der bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts, die leider bereits 1973 im Alter von 47 Jahren ums Leben kam. Ich bin das erste Mal während meines Masterstudiums mit ihren Texten in Berührung gekommen; in einem Ingeborg-Bachmann-Seminar, das von Dieter Burdorf geleitet wurde, bei dem ich später auch meine Masterarbeit geschrieben habe (übrigens über Paul Celan, der wohl großen und tragischen Liebe Bachmanns). Und Burdorf hat jetzt mit „Dieses unruhige Ich“ eine Biografie der Lyrikerin vorgelegt, die mich angesichts ihres Umfangs und der Akribie, mit der sie sich auf die Spuren eines kurzen, aber wahnsinnig bewegten Lebens begibt, extrem beeindruckt hat.

Was das Buch so besonders, außergewöhnlich und wertvoll macht, ist vor allem der Ansatz, den Burdorf verfolgt. Er erzählt eben nicht einfach nur Bachmanns Leben und Wirken chronologisch nach, sondern zeichnet anhand ihres umfangreichen Briefwerks ein unglaublich detailliertes und faszinierendes Porträt einer zerrissenen Frau, die an keinem der vielen Orte, an denen sie lebte, und in keinem der vielen Menschen, die sie kannte, schätzte und liebte, jemals wirklich eine Heimat fand. Dabei stellt Burdorf eine Aussage Bachmanns über sich selbst als Motto seiner Biografie voran: „Dieses unruhige Ich“. Und im Verlauf des mehr als 700 Seiten starken Buches wird immer deutlicher, wie sehr diese Aussage zutrifft.

„Dieses unruhige Ich“ erzählt wie gesagt nicht chronologisch von Bachmanns Leben, sondern folgt ihren Lebensstationen und zeigt anhand ihrer Beziehungen, Freund- und Bekanntschaften zu so bedeutenden Menschen wie Paul Celan, Max Frisch, Henry Kissinger, Marie-Luise Kaschnitz oder Nelly Sachs ganz unterschiedliche Seiten einer faszinierenden Frau und Dichterin. Besonders beeindruckt haben mich Bachmanns progressiver Lebensstil und ihre durchaus feministischen Ansichten, die im Kontext der 1950er und 1960er Jahre ja fast schon skandalös gewesen sein müssen. Gleichzeitig haben mich ihre immer wiederkehrenden psychischen Probleme und Zusammenbrüche sehr berührt – Dieter Burdorf gelingt es unglaublich gut, greifbar zu machen, unter welchem Druck Bachmann Zeit ihres Lebens stand, wie stark sie unter der schweigenden Nachkriegsgesellschaft und unguten Beziehung wie der zu Max Frisch gelitten hat. Und wie sehr all das auch ihr Schreiben beeinflusst haben mag.

Als Germanistin haben mich natürlich auch die Passagen besonders interessiert, in denen es um die Entstehung von Bachmanns Gedichten und Prosatexten und um den lyrischen Dialog mit Paul Celan geht. Aber eigentlich fand ich jedes Kapitel von „Dieses unruhige Ich“ ungemein spannend und aufschlussreich und bin am Ende sehr beeindruckt von Dieter Burdorfs wahnsinnig akribischer und umfangreicher Arbeit. Es ist natürlich kein Buch, das man mal eben am Stück runter liest – ich habe ungefähr 3 Wochen daran gelesen, meist kapitelweise, damit mir auch wirklich nichts entgeht. Und das war eine intensive und faszinierende Lektüre, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Cover des Buches Dieses unruhige Ich (ISBN: 9783406844843)
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Rezension zu "Dieses unruhige Ich" von Dieter Burdorf

Alrik
Ingeborg Bachmann zwischen Licht, Liebe und Abgrund

Manche Bücher kommen nicht laut polternd zur Tür rein, sondern setzen sich einfach an den Tisch, schauen einen an und sagen: Jetzt hör mal kurz zu. Dieses unruhige Ich ist genau so ein Buch.


Dieter Burdorf erzählt Ingeborg Bachmann nicht wie eine staubige Literaturfigur aus dem Regal, sondern als Frau voller Widersprüche, Sehnsucht, Stärke, Schmerz und diesem dauernden inneren Flackern. Beim Lesen hatte ich öfter den Gedanken: Mensch, was muss in dieser Frau alles los gewesen sein. Ruhm, Liebe, Sprache, Zusammenbrüche, Freundschaften, Verletzungen und immer wieder dieses Schreiben, als würde daran das ganze Leben hängen.


Besonders stark fand ich, wie Beziehungen nicht einfach als Klatschfutter serviert werden. Paul Celan, Max Frisch, Hans Werner Henze und andere tauchen nicht auf wie Namen zum Angeben, sondern als Menschen, die Bachmann geprägt, getragen, verletzt oder gespiegelt haben. Das macht die Biographie intensiv, manchmal schwer, aber nie billig.


Ganz ehrlich, zwischendurch musste ich langsamer lesen. Nicht, weil es langweilig war, sondern weil dieses Leben nicht mal eben nebenbei wegzulesen ist. Da steckt viel Dunkelheit drin, aber auch wahnsinnig viel Kraft. Burdorf schreibt klug, nah dran und mit Respekt. Kein Sensationsgehechel, eher ein genaues Hinsehen.


Für mich ist das eine starke Biographie für alle, die Literatur nicht nur lesen, sondern spüren wollen. Kein Buch für nebenbei, aber eins, das nachhallt.

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