Dieter Forte Das Labyrinth der Welt

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Inhaltsangabe zu „Das Labyrinth der Welt“ von Dieter Forte

Dieter Fortes grandioses Buch ist kein Roman, kein Sachbuch und kein Essay, aber vielleicht alles zusammen: Eine poetische Geschichte der Bilder und Bücher, des Lesens und Schreibens, des menschlichen Miteinanders im Lauf der Jahrhunderte. Das alles vor dem Hintergrund der alten europäischen Kulturstadt Basel, in der Dieter Forte seit vier Jahrzehnten lebt – eine Stadt der Künstler und Denker, der Drucker, Kupferstecher und Alchimisten, der Kaufleute und Bankiers, der Wissenschaftler und Narren. Sie kommen aus der Tiefe der Vergangenheit, verweilen vor dem Auge des Lesers, verwickeln ihn in ein Gespräch der großen Fragen und Antworten. Was ist der Mensch? Was macht er mit seiner Zeit – und was die Zeit mit ihm?

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    Das Labyrinth der Welt

    HeikeG

    02. August 2015 um 13:52

    Eine der wichtigsten Figuren der brasilianischen Literatur, der große, heute für die meisten Europäer vergessene Joaquim Maria Machado de Assis, äußerte einmal: "Doch der Größere bei diesem Buch bist du, mein Leser. Du willst schnell vorwärtskommen, aber dieses Buch ist langsam. Du liebst die gradlinige, pralle Erzählung, aber dieses Buch macht Umwege, schaut nach rechts und links, überlegt, denkt nach und lacht darüber." Sind seine Worte, gesetzt an den Beginn des Buches von Dieter Forte, als persönliche Widmung nach der Lektüre zu verstehen? Nein, natürlich nicht. Denn der Sohn eines Portugiesen und einer Afrikanerin starb 1908. Und doch könnte seine Feststellung als Leitmotiv über dem grandiosen Text des in Düsseldorf geborenen und seit vier Jahrzehnten in Basel lebenden Autors stehen. Dieter Fortes Buch ist alles andere als lineares Erzählen. Handlung und Ende wird der Leser gleichfalls vermissen. Wenn man so etwas wie ein Rahmenkonstrukt erkennen könnte, dann ist dies Fortes immer wieder aufblitzende, gewählte Heimatstadt. Basel dient ihm als Gerüst und Verankerungspunkt, als Mittelpunkt und Gedankeninsel, um die herum er seine Geschichten aufbaut und ansiedelt. Er lebst fungiert allenfalls als Barde oder Jongleur, als professioneller Erzähler, der die alten Geschichten aus der Mythologie mit neuen aus der Historie des Menschen verwebt. Der bereits mehrfach preisgekrönte Autor verknüpft sie "zu einem labyrinthischen Bildteppich, der nicht zu deuten war, denn keiner kannte mehr den genauen Ablauf des Geschehenen, keiner kannte mehr die Wahrheit." "Das Buch war ein Labyrinth aus Labyrinthen, die aus Labyrinthen erwuchsen, aus endlosen Mäandern, Spiralen, Kreisen und Linien, deren Ende ein neuer Anfang war. Ariadnefäden aus geheimnisvollen Mustern, in denen alles nah und fern zugleich war, Geburt und Tod, Licht und Finsternis, Welt und Geist. Mosaike und Ornamente, die sich im Auge des Betrachters immer neu zusammensetzten, Fragmente, die das Einzelne und das Ganze umfassten, ohne dass einer bestimmen konnte, was das Einzelne und was das Ganze war. Eine Komposition aus Bildern und Worten, die das Chaos formte in der erfindenden Ordnung des Menschen." Dieter Fortes "Labyrinth der Welt" erweist sich jedoch keineswegs als unverständliches, schwer erfassbares Lesekonvolut. Im Gegenteil. Federleicht gleitet man durch seinen Text. Doch Vorsicht! Machado de Assis hatte vollkommen recht. Schnelles Vorwärtskommen ist auch hier fehl am Platz. Man muss verweilen und noch einmal lesen, muss sich ausruhen und die Worte verinnerlichen, um der allerorts verstreuten Lichtpunkte gewahr zu werden. Um Fortes Sätze, die zuweilen eine tiefe Weisheit, Erkenntnis und unglaubliche Schönheit ausstrahlen, genießen zu können. Sätze, die man sich rahmen lassen möchte. Der Autor erzählt die Geschichte des Menschen in fünf Kapiteln in Worten, in Bildern und im Glauben (Das verlorene Paradies / Bücher und Bilder / Was ist der Mensch? / Erzählen wir / Und wie weiter?). Dem Bibliothekar, dem Kustos und dem Prediger begegnet man immer wieder. Ein Maler und ein Autor gesellen sich zuweilen hinzu. Und natürlich der stetig präsente Narr. Fragen werden gestellt: Wie interpretiert man die Welt? Welche Begriffe sind recht und welche wahr? Leuchttürme tauchen auf und verschwinden. Nur andeutungsweise erkennt man darin bekannte Personen, die Geschichte geschrieben haben: Marie die Jüdin - Begründerin der Alchemie, Michelangelo, Shakespeare, James Joyce und viele andere mehr. Und immer wieder Basel. Die Stadt fungiert als Wissensspeicher und Grundierung. Forte beginnt im Paradies, arbeitet sich über Mittelalter und Renaissance bis in die Gegenwart vor. Doch keine fortlaufende, stringente Handlung erwartet den Leser, sondern kurze Texte über drei, vier Seiten, die beinahe für sich stehen und sich ständig verändern, aber dennoch eine Einheit bilden, "denn die Geschichten der Menschen sind das Leben der Welt, und seine Erzählungen die immer erneute Interpretation." Imaginiertes Bild und Wort bilden eine untrennbare Einheit. Doch Vorsicht: Das Berechenbare enthält immer etwas Unberechenbares. Denn die "Frage nach den Dingen hinter dem Schein der Welt war des Menschen Maß, die exakte Bestimmung der Wahrheit galt als schlichte Dummheit." Fazit: Als intellektuelles Lesevergnügen par excellence offenbart sich Dieter Fortes "Labyrinth der Welt": eine "Verdichtung des Nacheinanders zur Zeitlosigkeit", ein ständiges Fragen nach den Dingen hinter dem Schein der Welt, ein Mosaik selbiger, "ein labyrinthisch gemaltes Polyptychon, das in seinen sich mehrfach überlagernden Perspektiven, ineinander verschachtelten Ebenen und vielfachen Blickpunkten die Gleichzeitigkeit der Welt zeigte, die dem Menschen gesetzte Grenze von Zeit und Raum in einem einzigen wahrhaften Augenblick aufhob". Polyphon und kontrapunktisch wie eine Fuge. Ein wunderbarer Spielplatz der unbegrenzten Fantasie. "Das Labyrinth der Welt, Metamorphose des Seins, finde sich da heraus, wer kann. Wohl dem, der einen Gott hat und in einem festen Glauben lebt."

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  • Menschengeschichten

    Das Labyrinth der Welt

    michael_lehmann-pape

    15. April 2013 um 14:43

      Auch wenn Dieter Forte in diesem, sprachlich auf hohem Niveau angesiedelten, Buch grundsätzlich einen zeitübergreifenden Blick vor allem auf „seine“ Stadt Basel wirft, der Titel des Buches täuscht nicht.   Es ist schon die Welt, die Menschen zu allen Zeiten, denen sich Forte umschreibend, assoziierend, in kleinen und größeren Begebenheiten und Worten nähert. Jene Menschen, die von Beginn an, zunächst mit einfachen Symbolen und Zeichnungen, bald darauf aber bereits mit wachsenden Worten, das „Bild ihrer Welt erschufen“ und mit diesem Bild, mit diesen vielen, vielen „Gemälden aus Worten“ der Jahrhunderte sich selbst eine Orientierung in dieser Welt schaffte.   „Denn alle Bilder und Worte versuchen nur, die innerste Erinnerung wiederzufinden, die für immer im Menschen sein wird. Das Paradies“.   Sehnsucht ist das, was den Menschen treibt und Sehnsucht ist damit auch das, um was Forte in seinen Geschichten und Reflektionen kreist. Notwendige Reflektionen, denn im Lauf der Zeit entstand ein wahres Labyrinth aus Worten „und die Bilder wurden undeutbar in ihren wechselnden Formen“. Orientierung also tut Not, um jene innere Orientierung (wieder) zu finden.   So, wie es „der erste Architekt“ in klaren Strukturen schöpferisch anging, Aber auch in den „weichen“ Orientierungen wie die der „Schönheit“, die einmal das „Lieblingswort der gebildeten und wohlhabenden Bürger der Stadt war“. Und bei der es schwer ist, eine gemeinsame Orientierung zu finden, wie Forte an einer Anekdote um die neue Kuppel der alten Kathedrale vor Augen führt.   Mehr und mehr im Verlauf der Lektüre wird deutlich, dass aus den „engen“ Anfängen der ersten, tastenden Versuche, mit Worten die Welt zu fassen bis in die Gegenwart hinein eine (fast) „unbegrenzte Weite“ der Möglichkeiten, der Wege, der Geschmäcker, der Betrachtungswinkel heraus geworden ist. Wie es dem „aufrecht stehenden“ Menschen aus Sicht Fortes heraus auch angemessen ist. Die Wahl der Freiheit ist ein hohes Gut.   Sorgsam, langsam, mit Umwegen, Nebenlinien geht Forte „der Welt“ nach. So, wie er konstatiert, das „Der Schöpfer“ am siebten Tage eben nicht sah, dass es gut war, sondern „das es nicht gut war“, denn ihm war die Erde „abhanden gekommen“, die nun in sich selbst und von sich selbst aus auf Entdeckungsreise ging in Geschäft, Kunst, Malerei, Dichtung, Schönheit. Aber hatte man da denn nun die Welt entdeckt oder sich doch nur in ein weiteres Labyrinth begeben?   Forte legt ein durchaus langsam zu lesendes Buch vor, in dem er mit seiner fast poetischen, beschreibenden, assoziativen Sprache den Leser immer wieder in neue Erkenntnisse, neue Windungen und Wege hineinführt und dies in der Form von der einfachen Erzählung bis zur Allegorie, mit stets doch (und auf Dauer nicht immer einfach zu lesender) bedeutungsschwangeren Worten.   So deutet Forte (und stellt dar) die Welt als ein Konglomerat einer Vielzahl von Geschichten, Worten, von Suche und Sehnsucht, die aufgenommen, erfasst, durchdacht und, durchaus auch, dann umgesetzt und erprobt werden wollen, wie es Professor B. (Resignatus genannt) in einer der Geschichten im Buch auch auf sich nimmt.   Ein Buch, dass sich einer klaren formalen Zuordnung entzieht und in poetischer Sprache zur Weltfindung anreizen möchte. Mit vielen, vielen Gedanken und Hinweisen, die es wert sind, gelesen zu werden. Auch wenn die Lektüre durchaus Aufmerksamkeit und Mühe erfordert.

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