"Ein Lachen
Blütenranken winden sich
in die Höhe
Schlingen sich um
Meinen Nacken"
Entgegen meiner üblichen Vorgehensweise, werde ich versuchen diese Rezension kurz zu halten. Der Band hat mich gleichsam berührt und doch auch verärgert und ich will nicht mit diesen meinen auseinandertendierenden Gefühlen versuchen ein umfassenden Bild zu zeichnen, sondern einfach nur kurz meinen Eindruck darstellen.
Dieser Eindruck war anfangs sehr positiv. Gut, Herr Hobelsberger ist kein großer Dichter, aber jede noch so kleine Dichtung kann oft viele Funken jener wahrhaftigen Sprache enthalten, die das Wesen der Dinge zu beanspruchen, gleichsam zu verhüllen, zu deuten und zu offenbaren weiß. Gerade Liebesgedichte haben da immer eine erhöhte Chance.
"Hast du nicht gesagt
ich fliege
in deinen Armen"
So begann der Band mit sehr schönen Ideen. Etwas zu fragmentarisch manchmal, nun gut; etwas zu wenig Zurückhaltung, nun ja. Das mag den Weg zu erhabenen Gefühlen verbauen, aber manchmal muss man das Potential von Gedichten einfach in ihren Möglichkeiten sehen, was ich immer versuche und hier liegt die Stärke halt in der Offenheit, die man ein bisschen auf die eigene Haut übertragen, ins eigene Lächeln hereinlassen muss - Mitfühlen statt Mitdenken.
"Es ist eine Lust mit dir
Durchs taufrische Gras zu gehen
Barfuß. Dabei
Dein perlendes Lächeln, das es einzufangen gilt."
Unangenehm vielen allerdings früh schon die Reime auf. Hobelsberger bevorzugt eine sehr freie, dem Zug der freien Zeilenumbrüche folgende Form des Gedichts, mit der sich Reime schlicht und einfach nicht verbinden lassen. Ich höre oft, dass Leute stöhnen, wenn von Jamben und dergleichen geredet wird. Aber sie haben ihren Zweck, denn Gereimtes klingt außerhalb dieser Taktgeber nahezu immer unharmonisch. Als sei das Gedicht ein elegantes, zufriedenes Balancieren von ein paar Tellern und zack! ist der Reim der Teller, der doch heruntergefallen ist. Einfach zuviel des Guten.
Des Weiteren hat man später im Band stark das Gefühl (gewiss nicht bei allen Gedichten und ich möchte nicht verallgemeinernd alle mit einschließen, aber die Tendenz ist gegeben), dass Hobelsberger die Lockerheit eingebüßt hat, die seine Liebesgedichte erfreulich machte und deren Fehlen viele andere Verse beinahe unerträglich macht, wenn das auch ein starkes Wort ist. Denn ein Dichter muss locker sein, auch im Zorn oder beim Witzemachen, in der Kritik etc.
Lakonie ist das wichtigste!
"Das Leben gleicht Baumwipfeln im Wind
Die Sonne treibt ihr Schattenspiel
Du bist dir nicht sicher, ob du erwachsen bist
Oder noch Kind?"
Natürlich stechen noch einige gute Bilder und auch gute Gedicht heraus. Aber die gesamte Mischung erscheint etwas willkürlich und insgesamt hätten dem Band vielleicht ein paar weniger Gedichte oder eine längere Wartezeit gutgetan. Letztlich ist es eine Lyrik, die mehr von sich spricht, als es vielleicht gut ist. Lyrik braucht Distanz, selbst wenn sie "hautnah" sein soll, spätestens wenn sie den Bereich der Liebesgedichte verlässt. Nun, was heißt -braucht-, -muss-, -soll-?, wird man sagen. Sicher, eigentlich ist Lyrik keiner Tendenz unterworfen. Aber sie hat ihre eigenen, inneren Vorstellungen, die keiner, der sie schreibt vernachlässigen oder abändern kann. Und diese Vorstellungen werden hier nur zum Teil erfüllt.
Schöne Liebesgedichte, zusammen mit durchwachsenen Versen





