Dieter Kühn Schillers Schreibtisch in Buchenwald

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Inhaltsangabe zu „Schillers Schreibtisch in Buchenwald“ von Dieter Kühn

Von Schillers berühmtem Schreibtisch stehen in Weimar zwei Exemplare: das Original im Museum, mit Globus, zwei Kerzenhaltern, Schreibfeder – und eine maßgetreue Kopie in einem Lagerraum. Die Nachbildung entstand zwischen 1942 und 1943 auf Anordnung der Nationalsozialisten im Konzentrationslager Buchenwald, in Werkstätten, die der SS unterstanden. Ein Häftling hat dort die Kopie angefertigt. Dieter Kühn hat die genauen Umstände des Nachbaus recherchiert und führt eindrucksvoll vor Augen, welch absonderliche Verbindung das Dritte Reich hier mit der Weimarer Klassik eingeht. Er zeichnet einerseits Schillers Weg zum Schriftsteller nach und beleuchtet andererseits den Schillerkult der Nationalsozialisten. Eindrucksvoll schildert er, wie der Tisch, an dem Schiller seine Ideen der Freiheit und Menschenwürde formulierte, dort kopiert wurde, wo diese nichts mehr galten.

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  • Rezension zu "Schillers Schreibtisch in Buchenwald" von Dieter Kühn

    Schillers Schreibtisch in Buchenwald

    aba

    18. August 2011 um 18:45

    Zwei Schreibtische für Schiller Wie wichtig ist ein Schreibtisch für einen Schriftsteller? So trivial ist diese Frage nicht (schließlich ist der Schreibtisch der Arbeitsplatz jedes Schriftstellers) und so einfach zu beantworten ist sie auch nicht. In dem Fall von Friedrich Schiller (*1759 - +1805) spielte ein Schreibtisch eine ganz besondere Rolle: Schiller war vielleicht der erste Deutsche, der ausschließlich auf das Schreiben angewiesen war, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Lange nach Schillers Tod, und zwar während des Nationalsozialismus, gewinnt sein Schreibtisch an Bedeutung: Wichtige Kulturgüter müssen in Kriegzeiten bombensicher untergebracht werden. Die Nationalsozialisten waren außerdem der Meinung, dass die Besichtigung der Kulturgüter mit überragender Bedeutung dem deutschen Volk nicht vorzuenthalten wäre, sogar nicht während des Krieges. Dazu gehörten u. a. Museumsbesuche. Eins dieser besonders für das deutsche Volk fundamentalen Kulturgüter war das Schillerhaus in Weimar. Für das Problem, wie die wertvollen Gegenstände in diesem Museum bombensicher unterzubringen seien, aber gleichzeitig dem Publikum zugänglich zu machen, wurde schnell eine Lösung gefunden: Von den Möbeln im Schillerhaus wurden Kopien gefertigt, um sie auszustellen. Die Originalen wurden in Sicherheit gebracht. Darunter: Schillers Schreibtisch. Das extrem Makabre an diesem kaum bekannten Kapitel deutscher Kulturgeschichte: Die Kopien wurden von Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald (offizielle Bezeichnung: Weimar-Buchenwald) hergestellt. In seinem Buch „Schillers Schreibtisch in Buchenwald“ schildert Dieter Kühn Schillers Weg als Berufsschriftsteller: sein Leben unter der Tyrannei Carl Eugens Herzog von Württemberg, seine Flucht aus Stuttgart, sein Leben in der Anonymität und die Suche nach einem sicheren Ort, nach einem Ort zum Schreiben, einem Raum mit einem Schreibtisch. Hier wird noch einmal deutlich, wie wichtig ein Schreibtisch für Schiller gewesen ist. Abwechselnd dazu erklärt Kühn die Verbindungen zwischen dem Nationalsozialismus und der Weimarer Klassik, wie Weimar als „idealer Standort“ für ein Konzentrationslager in Frage kam und gleichzeitig als Symbol deutscher Kultur galt, die Schillerkult der Nazis, die Ausnutzung seiner Person für ihre morbiden Zwecke. Widersinnig und grauenhaft: Im Konzentrationslager Buchenwald, im selben Ort, in dem Menschen massenhaft ermordet wurden, lagerte der Schreibtisch von Friedrich Schiller. In diesem Ort wurde von den Händen eines Häftlings eine Kopie erzeugt. „Schillers Schreibtisch in Buchenwald“ ist ein ergreifender und absolut lesenswerter Bericht über den Wahnsinn und den Terror während der Herrschaft der Nationalsozialisten am Beispiel eines Objekts und seiner Geschichte.

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