Dieter Paul Rudolph Arme Leute

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Inhaltsangabe zu „Arme Leute“ von Dieter Paul Rudolph

Saarländisches Kleinstadtidyll mit toten Frauen. Die eine wird feierlich heimgeholt, zwei andere finden ihr gewaltsames Ende. Einem Maler wird ein Ohr abgeschnitten. Drei Jahre später kehrt Klaus Pirrmayer, der Ohrabschneider und Ehemann einer der ermordeten Frauen, aus dem Gefängnis in die Stadt zurück. Und provoziert die Honoratioren. In seinem Schlepptau die leichtlebige wie scheinbar ahnungslose Nachbarin Gelika als Helfershelferin. Dann läuft alles aus dem Ruder. Arme Leute sind sie alle. In ihren Köpfen sammeln sich Gedanken wie Spucke im Mund, werden in die Welt gerotzt. Während weiter gemordet, gelogen und betrogen wird. Auch wenn am Ende die Ecken der Vergangenheit ausgeleuchtet sind: Es bleibt dunkel, drum herum. Dieter Paul Rudolph, 1955 in Blieskastel/Saar geboren, arbeitet als Literaturwissenschaftler und Multimedia-Entwickler, Kritiker, Herausgeber und Autor. Sein erster Kriminalroman Menschenfreunde erschien 2008 im Shayol–Verlag. Er ist Herausgeber der zehnbändigen Reihe Criminalbibliothek 1850–1933, Mitherausgeber der Krimijahrbücher und als dpr fleißiger Blogger im Internet (www.hinternet.de/weblog).

Insgesamt ein recht bunter und spannender Krimi, der die Szenerie einer biederen Kleinstadt gekonnt transportiert. Auf die sprachlichen Mittel muss man sich jedoch einlassen können und wollen.

— kfir

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  • Rezension zu "Arme Leute" von Dieter Paul Rudolph

    Arme Leute

    kfir

    11. February 2010 um 09:23

    Ein Außenseiter wirbelt den Kleinstadtmief in einem saarländischen Provinzkaff durcheinander. Ein frisch verwitweter Mann schneidet einem Maler ein Ohr ab. Drei Jahre später ist er wieder auf freiem Fuß, doch die Geschichte ist nicht vergessen. In seinem Umfeld gab es schon zu viele Tote: Ein überfahrenes Mädchen mit Fahrerflucht, ein Einbruch mit Totschlag. Auch die verschwundenen Gebeine einer lang verstorbenen Adeligen sorgten für Aufsehen. Gras schien über die Vorfälle gewachsen zu sein, doch die erneute Anwesenheit des Ohrabschneiders alleine reicht schon aus, um Unruhe zu erzeugen. Über Jahrzehnte festgefahrene Klassenunterschiede manifestieren sich, eine verschworene Clique sieht sich und ihr Establishment in Gefahr und setzt sich zur Wehr. Was sich an sich recht einfach liest, weiß der Autor geschickt zu verschleiern. Der Leser bekommt nach einander die Geschehnisse aus drei verschiedenen Blickwinkeln präsentiert. Ist es zunächst der durch Erbschaft zu Geld gekommene Ohrabschneider, der nach verbüßter Haftstrafe den Tod seiner Frau hinterfragt, so kommt ab Mitte der Geschichte das stadtbekannte Flittchen zu Wort, die viele der Ereignisse aus nächster Nähe mitbekommen hat und mit hineingezogen wurde. Das Schlusswort gehört dann dem mit "Idiot" titulierten Dorfdeppen, der, von niemandem ernst genommen, doch einen allumfassenden Blick auf alle Bürger und diverse Geschehnisse hat. Diese drei Blickrichtungen auf die Geschichte liefern dem Leser nicht nur drei unterschiedliche Perspektiven mit jeweils eingeschränktem Kenntnisstand, sie entführen durch ihre differenzierte Sprache auch in den jeweiligen Micro-Kosmos des Erzählers. Hierbei macht es einem Dieter Paul Rudolph nicht eben einfach. Die als innere Monologe gestalteten Erzählungen der drei Akteure sind einerseits sprachlich dem jeweiligen Milieu und Bildungsstand angepasst, sie sind aber auch in der Sprache sehr verknappt. Diverse Gedanken- und Zeitsprünge, die nicht abgesetzt oder hervorgehoben werden, verwirren den Leser anfangs doch sehr. Hat man sich erst einmal in den Duktus und die Denke hinein gefunden, so kann man sich auf ein sehr schnelles und mitreißendes Buch freuen. Bis dahin ist es jedoch ein harter und zäher Weg, weil sich einem so manche Zusammenhänge erst später erschließen. Die Spannung der Geschichte hält sich somit anfangs recht in Grenzen. Erst mit zunehmenden Kenntnisstand vermag man eine Richtung in der Geschichte erkennen und die Lektüre gewinnt an Dynamik. Man sollte es deshalb gerade im ersten Drittel des Buches vermeiden, die Lektüre allzu oft zur Seite zu legen. Insgesamt ein recht bunter und spannender Krimi, der die Szenerie einer biederen Kleinstadt gekonnt transportiert. Auf die sprachlichen Mittel muss man sich jedoch einlassen können und wollen.

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