Dieter Spethmann Gemeinsames Geld ist gemeinsames Schicksal

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Inhaltsangabe zu „Gemeinsames Geld ist gemeinsames Schicksal“ von Dieter Spethmann

Der Autor ist der Überzeugung, dass eine gemeinsame Währung nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie durch organisches Wachstum entsteht. Dieses Kriterium erfüllt der heutige Euro nach seiner Ansicht nicht. Vielmehr enthält diese Währung ein hohes Maß an politischer Willkür – wie schon die Einführung der DM in der DDR 1990. Deshalb provoziert der Euro bisher eher zusätzliche staatliche Subventionen als bestehende abzubauen, was ein wichtiges Merkmal neuen Wettbewerbs wäre. Er lockt, anders als die DM zu ihrer Zeit, kein Wachstum hervor, sondern immer mehr Interventionen. Warum sonst würde der europäische Stabilitätspakt wackeln?

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  • Rezension zu "Gemeinsames Geld ist gemeinsames Schicksal" von Dieter Spethmann

    Gemeinsames Geld ist gemeinsames Schicksal

    michael_lehmann-pape

    21. January 2011 um 13:37

    Verkauft sich Deutschland unter Wert? Diese These steht zumindest, wenn man ihr im politischen Sinne nicht von vorneherein zustimmen will, immer wieder seit Ende des zweiten Weltkrieges in der Gefahr, sich zu bewahrheiten. Im Vorwort des Buches sieht Professor Wilhelm Hankel die Ursachen für diese Gefahr (und das ist offenkundig) in der jüngeren Geschichte Deutschlands, dass nach zwei Weltkriegen und der offenkundigen Schuld zum einen an diesen Kriegen und zum zweiten in diesen Kriegen den Zugang und den Stolz auf die eigenen, geschichtlichen und kulturellen Leistungen verloren hat und somit bei vielfachen Verhandlungen und politischen Anfragen in Gefahr steht, aus einer unteren Position heraus zu agieren. Dieter Spethmann, ehemaliger Thyssen Vorstand, hat diese Gefahr konkret im Blick auf die Schaffung der gemeinsamen Währung bereits im Jahre 2003 gesehen und postuliert. Die Kardinalsünde des Verzichtes einer Konvergenz unter den beteiligten Volkswirtschaften und den fehlenden Mut zu einer Bundesstaatlichkeit der Euro Zone nahm er damals zum Anlass, seine Befürchtungen im Rahmen von fünf Essays niederzulegen. Aus heutiger Sicht lesen sich viele seiner Gedanken wie eine kluge Voraussage, in Teilen fast wie eine Prophezeiung. Grund genug also, dass Buch gerade in der Zeit der ersten ernsthaften Krise des Euro und des gesamten europäischen Wirtschaftsraumes neu aufzulegen. Trotz der primär wirtschaftlichen Herangehensweise an das Thema, das den Laien hier und in der Begrifflichkeit und der Komplexität der Zusammenhänge überfordern mag, gelingt es Spethmann durch die Verknüpfung mit persönlich Erlebtem und den stetigen Verweis auf die praktischen Folgen der Geschehnisse und Entscheidungen, die Gefahren der gemeinsamen Währung, aber auch mögliche, konstruktive Wege stringent vor Augen zu führen. Und er hat ja Recht behalten, diese Erkenntnis fließt in die Lektüre immer mit ein. Rein politisches Denken, auch noch gespeist aus einem Grundgefühl ständiger Wiedergutmachung, die Ignoranz wirtschaftlichen Notwendigkeiten und Interventionen gegenüber sind bis dato die Wurzeln, die den gemeinsamen Währungsraum so angreifbar machen. Das hier ein jahrhundertealtes volkswirtschaftliches, aber auch kulturelles Erbe und eine volkswirtschaftliche Stärke Deutschlands, wenn schon nicht „verschleudert“, dann oft unter Wert preisgegeben werden, dass ist und bleibt eine zutreffende Beobachtung. So konstatiert Spethmann ohne jede Polemik, dass die mit Mängeln versehene und mit zumindest einem blinden Auge ausgestattete politische Führung bereits seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts den Bürger vielerlei Möglichkeiten eher beraubt, denn ihn darin fördert, mit guter Arbeit ein einigermaßen wirtschaftliche gutes Leben führen zu können. Dreh und Angelpunkt seiner Betrachtungen ist und bleibt aber die Währung, respektive deren Wertmehrung oder Wertminderung. Im Vergleich mit dem Schweizer Franken gelingt es Spethmann, klar aufzuzeigen, dass eine stabile Währung über lange Frist hin durchaus im Rahmen des Möglichen liegt, wenn man die demoskopischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen primär mit bedenkt und nicht rein politisches Wunschdenken die Oberhand gewinnt. Schon 2003 beschreibt Spethmann zudem präzise das Problem Griechenland. Natürlich bleibt Spethmann nicht bei der Anklage stehen. 2003 wie heute gilt sein konstruktiver Ansatz der politischen Notwendigkeit eines horizontalen Finanzausgleichs und der damit einhergehenden Konsequenz, auch Volkswirtschaften aus dem Verbund wieder auszuschließen, wo dieser nicht sinnvoll und nur unter Bedrohung gesunder Wirtschaften getätigt werden könnte. Ein Schritt, zu dem auch heute noch der politische Mut fehlt, der aber, nicht nur in Spethmanns Augen, die einzig vernünftige Lösung darstellen würde. Wie lange aber kann das noch gut gehen, dass eine auf Zeit gewählte Regierung das jahrzehntelang bewährte Medium des werthaltigen Sparens in seinen Grundfesten aushöhlt? Trotz seiner durchaus differenzierten Haltung zum Euro folgert Spethmann, dass dieses Konstrukt auf Dauer nicht halten wird ohne bundesstaatliche politische Vereinigung Europas, der er allerdings keine großen Aussichten attestiert. Und da viele seiner anderen Thesen sich bereits bewahrheitet haben, wäre es nicht gut, auf diese Analyse zu hören? Drei anschießende, kleinere Essays wenden sich vordergründig unternehmerischen Themen zu, lassen aber hintergründig immer wieder mitschwingen, dass die politischen Entscheidungen spätestens seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts zu wenig die wirtschaftlichen Grundfesten und Notwendigkeiten im Großen bedenken. Ein kluges Buch mit einer scharfen Analyse, die bereits durch die Wirklichkeit der letzten 8 Jahre bestätigt wurde. Immer noch und gerade wieder ein ernstzunehmender Beitrag aus der Wirtschaft, der politisch dringend zu bedenken wäre.

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