Dieter Thomä

 3,9 Sterne bei 9 Bewertungen

Lebenslauf

Dieter Thomä, geboren 1959 in Heidelberg, ist Professor für Philosophie an der Universität St. Gallen. Zuvor arbeitete er als Redakteur beim Sender Freies Berlin. Er schreibt regelmäßig für Die Zeit, die NZZ und andere Zeitungen und Zeitschriften. Bei Hanser ist erschienen: Väter. Eine moderne Heldengeschichte (2008) und (mit Vincent Kaufmann und Ulrich Schmid) Einfall des Lebens. Theorie als Autobiographie (2015).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Dieter Thomä

Cover des Buches Warum Demokratien Helden brauchen. (ISBN: 9783550200335)

Warum Demokratien Helden brauchen.

(2)
Erschienen am 25.10.2019
Cover des Buches Der Einfall des Lebens (ISBN: 9783446249141)

Der Einfall des Lebens

(1)
Erschienen am 24.08.2015
Cover des Buches Heidegger-Handbuch (ISBN: 9783476022684)

Heidegger-Handbuch

(1)
Erschienen am 15.07.2013
Cover des Buches Vaterlosigkeit (ISBN: 9783518295472)

Vaterlosigkeit

(1)
Erschienen am 07.12.2009
Cover des Buches Die Zeit des Selbst und die Zeit danach (ISBN: 9783518580257)

Die Zeit des Selbst und die Zeit danach

(1)
Erschienen am 22.05.1990
Cover des Buches Vom Glück in der Moderne (ISBN: 9783518292488)

Vom Glück in der Moderne

(1)
Erschienen am 25.08.2003

Neue Rezensionen zu Dieter Thomä

Cover des Buches Warum Demokratien Helden brauchen. (ISBN: 9783550200335)
BarbaraDruckers avatar

Rezension zu "Warum Demokratien Helden brauchen." von Dieter Thomä

BarbaraDrucker
Gut argumentiertes Plädoyer für Helden

Kaufentscheidend war für mich der Untertitel: Plädoyer für einen zeitgemäßen Heroismus. Sehr klug analysiert der Autor das Heldentum und dröselt es akribisch auf. Er entlarvt falsche oder unvollständige Heldenbegriffe und leistet allein bei der Definition von Helden ganze Arbeit. Für ein wissenschaftliches Buch ist es ausgesprochen gut zu lesen und auch inhaltlich, von der Aussage her, bin ich ihm begeistert Zeile für Zeile gefolgt.

Allerdings hätte ich mir ein Kapitel über die Scheinhelden in der heutigen Politik gewünscht. Über populistische Politiker, die die Sehnsucht nach Helden erkennen, missbrauchen und trotz ihres unbestrittenen Charismas alles andere als heldenhaft agieren. Im Klappentext werden diese Lichtgestalten angesprochen, und meiner Meinung nach wäre gerade im Heldenkontext eine Diskussion dieser Methoden dringend angezeigt. Hätte es dieses Kapitel gegeben, hätte ich mit Freuden fünf Sterne vergeben.

Eine Randbemerkung zur E-Book-Version: Das Inhaltsverzeichnis ist nur auf die Hauptüberschriften der doch sehr langen Abschnitte komprimiert, was die Orientierung im Buch außerordentlich erschwert. Derselbe Detaillierungsgrad wie im gedruckten Buch wäre extrem hilfreich, gerade um zurückzublättern oder nachzuschlagen.

Cover des Buches Heidegger-Handbuch (ISBN: 9783476022684)
M

Rezension zu "Heidegger-Handbuch" von Dieter Thomä

M.Lehmann-Pape
Leben – Werk und Wirkung in umfassender Darstellung

 

„Einer der Autoren hat die Arbeit an diesem Buch ---- mit einem Kreisspiel verglichen....... Jemand malt den Kopf eines Menschen, faltet dann das Papier  ....... und dieser gibt das Blatt an seinen Nachbarn, dieser malt den Hals des Menschen, faltet wieder um ... und so fort, bis der Mensch fertig gemalt ist“.

 

Dieses anschauliche Beispiel trifft die Herangehensweise dieses Buches sehr gut. Differenziert und je aus eigener Perspektive wenden sich die verschiedenen Beiträge der Autoren im Buch den vielfachen Facetten Heideggers zu. Mit einem gravierenden Unterschied zum „Kreisspiel“. Während dort meist eine zum lachen anreizende Verzerrung der fertigen, gemalten Figur letztlich vor Augen steht, versteht es dieses Handbuch durchaus, die einzelnen Elemente nahtlos aneinander anzupassen. Den Lebensweg Heideggers, in ausführlicher Weise seine Gedanken und Werke und zu guter letzt auch die Rezeption und den Einfluss Heideggers zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.

 

Insofern ist das  Buch als ein Ganzes zu sehen und zu lesen, bietet aber, dem Begriff „Handbuch“ gemäß, ebenso dem Leser die Möglichkeit, gezielt zu einzelnen Themen oder Gedankenreihen Heideggers sich einzulesen und diese zu vertiefen.

 

In der Struktur bietet der erste Teil des Buches eine chronologische Darstellung von Heideggers Werk und berücksichtigt dabei in guter Form die spezielle Arbeitsweise Heideggers, der im überwiegenden Teil seine Gedanken in Vorlesungen und einzelnen Aufsätzen und zudem über lange Zeiträume hinweg entwickelt hat. Das Handbuch bietet demzufolge ebenfalls verschiedene Darstellungsweisen. Nehmen viele Beiträge konkrete Bezug auf ein einzelnes Werk, eine Abhandlung, eine Vorlesung, stehen daneben auch Beiträge im Buch, die sich mit Textgruppen befassen, mithin einen bestimmten Entwicklungsschritt Heideggers über die Zeiten hinweg verfolgen. So bietet dieser erste Teil auch einen Blick der Übersicht auf die Entwicklung Heideggers als Momentaufnahmen und in Zusammenhängen.

 

Der zweite Teil des Buche stellt im Folgenden zentrale Begriff Heideggers („Sein“, „Welt“, „Wahrheit“, „Kunst“, Ereignis“ u.a.) heraus und erläutert diese in zugänglicher Form.

 

Im dritten Teil des Handbuches steht die Rezeption, der Kontext und die Wirkung Heideggers im Mittelpunkt der Darstellung mit einem Schwerpunkt auf jene Denker, die direkt oder indirekt von Heidegger beeinflusst wurden (Heidegger hatte einen beachtlichen Schülerkreis). Im besonderen achtet das Buch darauf, jene Schüler hervorzuheben, die al „eigenständige Entwickler“, initiiert durch Gedanken Heideggers, gelten können.

 

Erst im vierten, abschließenden Teil des Buches findet sich die Biographie Heideggers. Was in dieser Reihenfolge Sinn macht, denn gerade nach der gründlichen Vorarbeit zum Denken Heideggers und zur Aufnahme dieses Denkens im breiteren Rahmen findet sich das nötige Verständnis, in den Darstellungen zum Lebenslauf die Wechselwirkungen zur Zeit zu erkennen und die vielfachen Kommentare Heideggers zur je aktuellen Zeitlage sachgemäß einordnen zu können. „Eine politische und private Berg- und Talfahrt“ (gerade im kritischen Blick auf Heideggers Rolle im dritten Reich und sein persönliches Ergehen nach Ende des Krieges), so konzentriert sich der Blick auf das Leben Heideggers in diesem vierten Teil des Handbuches heraus.

 

Im Gesamten bietet das Handbuch eine fundierte, sehr breite und sehr differenzierte Darstellung von Leben, Werk und Wirkung jenes Philosophen, der wie kaum ein anderer Schüler und Denker seiner Zeit beeinflusst hat, weit über seine eigene Person und sein Leben hinaus. So, wie „das Denken Sartres oder Foucoults ohne Heidegger „nicht denkbar“ gewesen wäre“, so finden sich teils übermächtige Spuren vielfach im Werk anderer Denker und ziehen eine breite Spur nicht nur in der deutschen Philosophie vor und nach dem zweiten Weltkrieg.

 

In welchen Zusammenhängen und Assoziationen ein solcher „philosophischer Brocken“ steht, dies herauszufiltern, dazu dient dieses Handbuch in bester Weise.

Cover des Buches Väter (ISBN: 9783423346320)
W

Rezension zu "Väter" von Dieter Thomä

WinfriedStanzick
Rezension zu "Väter" von Dieter Thomä

Hätten Sie gedacht, dass die Ermordung des Königs während der Französischen Revolution etwas zu tun hat mit der seit längerem aktuellen Debatte um die "neuen Väter", die fehlenden Väter, die zu starken oder die zu schwachen, je nachdem, wer da spricht und analysiert ?

Der in St. Gallen lehrende Philosoph Dieter Thomä hat wohl auch aus eigener Betroffenheit ein wunderbares kulturhistorisches Buch geschrieben, eine "Heldengeschichte" die er all denjenigen gewidmet hat, "die wissen, das sie gemeint sind."

Der Rezensent, spät gewordener Vater eines mittlerweile fünfjährigen Sohns jedenfalls fühlte sich angesprochen bei der Lektüre dieses Buches und nicht nur hervorragend unterhalten, sondern auch vielfältig herausgefordert und in Frage gestellt. Und ich habe eine Menge beim Lesen gelernt, nicht zuletzt, dass es sinnvoll ist, als Vater seine eigene Rolle sehr pragmatisch anzugehen, sich von der ganzen Debatte um die schlechten oder guten Väter nicht dermaßen verunsichern zu lassen, dass man gar nicht mehr handlungsfähig ist. Denn seit jener am Anfang erwähnten Tat, der sich später dann durch den "Tod Gottes" (Nietzsche) noch ein Vatermord der transzendenten Kategorie anschloss, hat sich eine schmerzliche Lücke ergeben, die die heutigen willigen Männer nur mühsam füllen können. Sich dabei klar zu machen, dass man sich dabei auch aus Schlachten heraushalten kann, dien schon der eigene Großvater und Vater geschlagen haben, kann für die Männer eine große Entlastung sein.

Ich kann das Buch allen betroffenen Vätern, aber auch ihren Frauen nur empfehlen. Es vermittelt Dir in Deiner Situation, die Du wahrscheinlich als sehr vereinzelt empfindest, einen historischen Überblick, eine Einordnung und einen Sinnzusammenhang. Das , was Du da tust und auch lässt in Deiner Vaterrolle, das hat alles einen Sinn, es lohnt sich, darüber zu reflektieren, ohne sich gleich freiwillig klein zu machen.
Sei ein Mann, der seine Vaterrolle aktiv annimmt und sich nicht lediglich an dem orientiert, was er glaubt, dass Deine Frau oder wer auch immer von Dir erwartet. Lebe pragmatisch und im Eingeständnis Deiner Grenzen Dein Vatersein, auch als liebevoller und zugleich männlicher Partner Deiner Frau. Deine Kinder, Deine Töchter und Söhne werden es Dir danken, auch wenn Sie es Dir vielleicht nie so sagen werden. Aber Sie werden später ihre eigene Rolle als Vater oder Mutter besser und glücklicher leben können, ja sich überhaupt erst zu ihr trauen, weil sie einen Vater gehabt haben, der dazu stand mit allen seinen Stärken und Schwächen.

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