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vor 5 Monaten

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Was mit einer toten Nonne beginnt, endet mit der Wahl der ersten schwarz-grünen Regierung im Bund.
Südlich von München findet ein Schwammerlsucher eine erwürgte Nonne, an einem Kran baumelt ein toter Junge und in der Rechtsmedizin liegt ein exhumiertes Politikerehepaar, das auf Polonium untersucht werden soll. Zwei Tage später sind aller vier Leichen weg. Hauptkommissarin Paulig übernimmt es, sie zurückzubringen. Ohne es zu ahnen, gerät sie in das Fadenkreuz von Mächten, die das unter allen Umständen verhindern wollen. Als auf sie geschossen wird und ein Ärzteehepaar, das zu viel weiß, getötet wird, weiß sie, dass auch sie in Gefahr ist.
Im Höhenkirchner Forst findet sie die verschwundenen Leichen, aber nicht nur sie. An kleinen Tischen und Stühlen sitzen fünf Nonnen und ein Dutzend tote Kinder, über Jahrzehnte zusammengetragen, dazu verdammt, auf ewig einander beim Verfaulen zuzusehen. Mittendrin derjenige, der das alles angerichtet hat. Oder nicht? Paulig kann ihn nicht mehr befragen. Er stirbt im Kugelhagel des SEK, das es übernimmt, die Leichen zurückzubringen. Aber sie kommen nie an. Wer hat ein Interesse daran? Vielleicht eine der Parteien, die in Berlin an einer Regierungsbildung arbeiten? Und wer ist es der, der über Jahrzehnte eine Nonne und einen Jungen nach dem anderen von der Straße gepflückt hat, um mit ihnen seine Internatserlebnisse nachzuspielen?

Autor: Dieter Weißbach
Buch: Böse

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vor 5 Monaten

Internatserlebnisse

›Willkommen in Walenberg‹ Das Schild über der Tür zum Schlafsaal, Beginn der großen Verwerfung, Dreh- und Angelpunkt seiner Erinnerungen. Seitlich einfallendes Licht, Kinderbetten in Reih und Glied, über einer Dose Bohnerwachs kauernd eine Nonne in grauer Tracht und Arbeitsschürze. Hinter ihm eine Frau, die sich hinunterbeugt und ihm einen Kuss auf die Stirn drückt. Seine Mutter. Groß, stolz, nicht ahnend, dass sie ihn acht Jahre nicht zu Gesicht bekommen wird. Denn das Schulheim des Seraphischen Liebeswerks Frauenau, von Generationen verängstigter Kinderseelen am Leben gehalten, war nicht nur ein Ort, von dem es kein Entrinnen gab, sondern auch keinen Zutritt. Dafür und für alles andere sorgte Oberschwester Zerafina, oberste Lehrschwester und Herrin über dreihundert mehr oder weniger unschuldige Kinderseelen. Aufrechte Haltung, sehnige Hände, die Fingernägel akkurat geschnitten, das Gesicht von einer gestärkten Haube in Form gepresst. Die Augen klar, die Zähne perfekt geformt, in der Mitte leicht gewölbt. Niemals hätte er sich Oberschwester Zerafina mit geschlossenen Lippen vorstellen können, immer nur mit diesem kraftvollen Strahlen des in seiner Erinnerung schneeweißen Doppelbogens ihrer Zähne.
»Wissen Sie noch, wie wir es nannten?«
»Ja«, lächelte sie. »Walenberg-Qualenberg.«
»Das klingt, als wären sie stolz darauf.«
»Nicht stolz. Ein wenig zufrieden vielleicht. Wir haben schließlich nur getan, was unsere Pflicht war. Auf dem Platz, den uns Gott vorbestimmt hat.«
»Dann war es demnach Gottes Wille, wie Sie uns behandelt haben?«
»Was meinst du?«
»Dass sie uns geschlagen haben.«
»Sicher. Aber nicht ohne Grund. Nichts geschieht ohne Grund. Denn immer ist es Gott, der unser Handeln bestimmt. Du schaust so skeptisch? Lass es mich an einem Beispiel erklären. Jesus ist der Weinstock, Gott ist der Gärtner und wir sind die Reben. Du erinnerst dich. Es gibt fruchtbare und unfruchtbare Reben. Und nur Gott ist es gegeben, sie zu unterscheiden. Die unfruchtbaren Reben, und mögen sie noch so schön gewachsen sein, dem göttlichen Weingärtner können sie nichts vormachen. Er wird sie abschneiden und dem Feuer übergeben. Aber bevor er das tut, bemüht er sich um sie. Und das tut er durch die Eltern, die weltlichen Lehrer, aber vor allem durch uns, das Liebeswerk der katholischen Kirche. Er ist es, der uns lenkt, unsere Gedanken, Worte und Taten.«
»Interessant. Und das hat meine Mutter gewusst?«
»Was?«
»Dass es Gottes Plan war, dass ich, kaum hatte sie sich umgedreht, schon die erste gefangen habe.«
»Ja. Sonst hätte sie dich ja wohl kaum in unsere Obhut gegeben.«
»Aber sie hat mich nie geschlagen.«
»Ich weiß. Das hat sie mir gesagt.«
»Ich weiß. Aber woher kommt es, dass Sie sich noch daran erinnern?«
»Das kann ich dir erklären. Sie war die einzige Mutter, die uns damals gebeten hat, ihr Kind zu schonen. Die damals schon diesem modernen Irrglauben aufgesessen ist, wie er heute Allgemeingut zu sein scheint, von wegen Kinder haben einen Anspruch auf eine gewaltfreie Erziehung.«
»Aber das klingt doch eigentlich sehr fortschrittlich. Ich nehme an, Sie wissen, dass Sie heute vor Gericht kommen würden mit Ihren Erziehungsmethoden?«
»Das weiß ich sehr wohl. Trotzdem ist es ein Unverstand. Das Gegenteil ist nämlich richtig. Kinder haben ein Recht auf Züchtigung. Kinder sind nicht von Natur aus gut. Sie können nicht einfach nur durch gutes Zureden und Vorbilder erzogen werden. Man sieht doch, was dabei herauskommt. Sodom und Gomorrha. Heute mehr denn je. Dabei spreche ich gar nicht mal von denen, die von Natur aus böse sind, die nur lachen, wenn man ihnen mit gut gemeinter Überzeugungsarbeit kommt. Versteh mich bitte nicht falsch. Aber diese ständige Milde, dieses für alles Verständnis haben müssen heutzutage, das führt doch zu nichts. Kein Wunder, dass niemand mehr weiß, was richtig und was falsch ist. Und vergiss nie, wir schlagen nicht, weil uns das gefällt. Glaub mir, uns tut das mehr weh als euch. Was ihr körperlich erduldet, ist nichts im Vergleich zu den Seelenqualen, die wir erleiden, wenn wir euch züchtigen müssen. Aber das nehmen wir auf uns. So steht es nun mal geschrieben: ›Wen der Herr liebt, den züchtigt er, wie ein Vater seinen Sohn, den er gern hat. Die Zuchtlosen verspottet er, den Gebeugten erweist er seine Gunst.‹ Daran haben wir uns immer gehalten. Und was damals richtig war, kann heute nicht falsch sein.«
»Das mag ja alles sein. Aber Sie haben eben zugegeben, dass meine Mutter nicht wollte, dass ich geschlagen werde. Warum haben Sie sich einfach darüber hinweggesetzt?«
»Das habe ich eben versucht, dir zu erklären. Wir haben nun mal mehr Verantwortung vor Gott als vor den Eltern. Ich möchte nicht einst vor meinem himmlischen Richter stehen und mich fragen lassen müssen, wem hast du gedient: Verantwortungslosen Eltern, verblendeten Politikern, selbst ernannten Weltverbesserern, oder mir, deinem Herrn und Gott, dessen Werkzeug du bist.«
»Das heißt, Sie konnten gar nicht anders.«
»Genauso ist es. Gott ist es, der uns führt. Wir müssen es nur zulassen.«
»Hm. Das gefällt mir.«

DRW

vor 5 Monaten

Mord als Mittel der Politik

Paulig vertiefte sich in ihr Grünzeug, Schäfer-Kaan in ihr schlechtes Gewissen. Mit der erfolgreichsten Kriminalbeamtin des Landes, einer Frau, die Rechtsgeschichte geschrieben hatte, so umzugehen, war einfach nicht korrekt. Lustlos knabberte sie an den Resten ihres Schnitzels und erinnerte sich an den Fall des Doppelmörders Alfons Stockinger, und wie Paulig als Reaktion auf das skandalös milde Urteil den Dienst quittierte und erst Jahre später zurückkehrte. Das hätte sie nie gekonnt. Loyalität ging ihr über alles.
Als Paulig fertig gegessen hatte, war sie froh, endlich aufstehen zu können. Vor der Tür zur Rechtsmedizin blieben sie stehen.
»Schon komisch, gell?«, übte Schäfer-Kaan sich in Unbefangenheit.
»Ja«, grollte Paulig. »Wie bestellt und nicht abgeholt.«
Englmacher öffnete und sperrte gleich wieder ab.
»Geht in Ordnung. Aber ab jetzt absolute Funkstille.«
Ihre brennende Mähne verschwand zwischen zwei seitlich versetzten Stellwänden. Schäfer-Kaan und Paulig gingen außen herum. Vor den Seziertischen vier und fünf blieben sie stehen.
»Sind sie das? Ist das dein geheimer Fall?«
Ehe Sabine »Vorsicht, es könnte sein, dass die kontaminiert sind« rufen konnte, hatte Paulig bereits eines der Laken in der Hand.
Die Türglocke meldete den nächsten Besucher. Oberstaatsanwalt Maximilian Bernhauer.
Er sieht müde aus, stellte Paulig fest.
Die beiden waren seit vielen Jahren befreundet. Seit dem Fall eben jenes Mörders, bei dem es ihr nicht gelang, über ihren Schatten zu springen. Für ihn, der aus Gründen der Weisungsgebundenheit oft genug nicht konnte wie er wollte, ein Geschenk. Nur mit einer Mitarbeiterin wie ihr war es ihm möglich, dieses absurde Gesetz, das es so nur noch in Tschechien und Österreich gibt, zu unterlaufen. Umso mehr befremdete es Paulig, dass hier offensichtlich ein Fall in Bearbeitung war, von dem er sie absichtlich fernhielt.
»Und«, fuhr sie ihn an. »Was ist jetzt so geheim an der Geschichte? Darf ich dich erinnern, dass ich die Chefin der Mordkommission bin? Oder um was geht es hier?«
»Um nichts«, beschwichtigte Bernhauer. »Wir untersuchen lediglich zwei Tote.«
»Und warum macht ihr dann so eine Staatsaffäre draus?«
»Staatsaffäre? Wie kommst du denn darauf?«
Bernhauer warf Englmacher einen verblüfften Blick zu, den diese mit einer abwehrenden Handbewegung beantwortete, zupfte sich an der Nase und nahm Kurs auf ihr Büro.
»Christine? Kommst du bitte? Wenn die Damen uns einen Augenblick entschuldigen würden?«
Er drückte die Türe zu und kam direkt zur Sache.
»Die beiden, die man uns da auf den Tisch gepackt hat, sind ein verstorbener Expolitiker und seine Frau. Die zuständige Regierung hat die Bundesregierung gebeten, sie untersuchen zu lassen. Erstens weil sie ihrer eigenen Gerichtsbarkeit nicht traut, und zweitens weil das unter keinen Umständen publik werden darf. Und, um deine Frage vorwegzunehmen, ich bin nicht befugt, dir zu sagen, um wen es sich handelt.«
Paulig drehte sich zum Sezierraum. Die Wand war aus Glas, halbhoch satiniert.
»Die wissen auch nicht mehr«, winkte Bernhauer ab. »Hier im Haus bin ich der Einzige, der die Identität der beiden kennt. Aber ich kann dich beruhigen, es ist kein Politiker von aktueller Relevanz. Du würdest ihn wahrscheinlich nicht einmal kennen. Auf jeden Fall, jetzt liegen sie bei uns, wir untersuchen sie, und dann sind sie auch schon wieder weg. Und keiner hat was gesehen oder gehört.«
»Das ist alles?«
»Ehrlich gesagt, mir reicht das.«
»Nur weil Sabine vorhin gemeint hat, die wären vielleicht kontaminiert.«
»So. Hat sie das.«
Er fasste sich erneut an die Nase. Die Angelegenheit schien ihn mehr zu beschäftigen, als er zugeben wollte. Als er sich entschieden hatte, ließ er los.
»Du erinnerst dich doch bestimmt noch an den Fall Alexander Litwinenko, den Kremlkritiker. November 2006. War damals in allen Medien.«
Paulig wusste, wie er es gerne hatte, wenn er seinen Dozententon anschlug: Aufmerksames Schweigen und an den passenden Stellen andächtiges Nicken.
»Es gibt da gewisse Ähnlichkeiten. Die Mediziner gingen ja erst davon aus, dass es sich um Thallium handelt. Erst kurz vor seinem Tod hat man entdeckt, dass es Polonium war, was ihm aber auch nichts geholfen hätte. Das nur nebenbei. Bei Arafat hat man übrigens Ähnliches angenommen. Das Problem an dem Zeug ist nur, dass es extrem flüchtig ist. Aber auch wenn man es nicht mehr direkt nachweisen kann, so gibt es doch Indikatoren. Das eine ist der Krankheitsverlauf, das andere medizinisches Fachchinesisch. Auf jeden Fall«, er vollführte eine Armbewegung, die bei einer Blaskapelle unweigerlich zu einem Tusch geführt hätte, »warum der Fall ausgerechnet bei uns gelandet ist, keine Ahnung. Wahrscheinlich wollte unser Ministerpräsident wieder einmal dezent darauf hinweisen, dass Bayern auch hier Weltspitze ist. Du kennst ja seine Sprüche. Schlicht ausgedrückt, wir haben die Möglichkeiten, die Mittel und das Personal. Was ich sagen will, bei uns wird schließlich noch richtig geforscht. Hast dich wohl schon auf einen spannenden Fall gefreut. Tut mir leid. Was macht eigentlich deine Nonne?«
»Wie? Ach so. Wir sind dran.«
»Noch was. Falls dir so ein geschniegelter Heini über den Weg läuft, mit Anzug und Fliege, das ist der zuständige Staatssekretär. Harry Pfahlrichter. Wenn du ihn siehst, geh ihm besser aus dem Weg.«
»Warum?«
»Ein Wichtigtuer. Steckt überall seine Nase rein.«

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Isabell47

vor 4 Monaten

Mittwoch bis Donnerstag (33-80)
@Alex1309

Ja, das hat mich auch umgehauen.....einfach so mal den Weggang der Nonnen mit Gott erklären....

Isabell47

vor 4 Monaten

Mittwoch bis Donnerstag (33-80)
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Booky-72 schreibt:
die Gespräche in Kursivschrift finde ich besonders interessant, vor allem sprachlich gut, zu jeder Aussage, Bibelzitat ein gleichwertiges mit anderen Worten, eindrucksvolle Gespräche.

Ja, nicht nur die Gespräche sind interessant, sondern auch die Erinnerungen an das Internat. Ich ahne, dass dies keine Seltenheit war, denn es kommen ja heute auch immer noch Missbrauchsfälle ans Licht und die Dunkelziffer ist sicherlich bedeutend höher. Mir wird ganz schlecht dabei..

Isabell47

vor 4 Monaten

Mittwoch bis Donnerstag (33-80)
@Ladybella911

Ja, der Name ist gelungen....obwohl ich generell die Namensgebungen der Figuren sehr passend finde...

Isabell47

vor 4 Monaten

Fazit/Rezensionen

Hallo, ganz vielen lieben Dank für dieses grandiose Buch, was mich wirklich gefesselt hat. Leider habe ich zunächst einmal "vergessen" zu lesen, da es unter Zeitungen "vergraben" lag. Entschuldigung! Mir haben die Figuren ganz egal ob Paulig, Ötzi, Veigl etc es sehr angetan und ich finde sie so "normal" - einmal keine völlig gestörten Ermittler - sehr angenehm. Das Thema selbst "Gewalt und Missbrauch", sowie der politische Background um die geheimnisvollen Leichen - Klasse!
Hier ist meine Rezension
https://www.lovelybooks.de/autor/Dieter-Wei%C3%9Fbach/B%C3%B6se-1245790390-w/rezension/1449609460/ , die ich auch noch auf Thalia, Amazon und anderen Portalen verlinken werde.

DRW

vor 4 Monaten

Freitag vor Pfingsten bis Dienstag
@Isabell47

Das geht runter :-)

claudi-1963

vor 4 Monaten

Fazit/Rezensionen

Ich hatte ja nun das Glück das mir der Verlag das Buch zukommen lassen hat. Das hat mich sehr gefreut und so kam ich in den Genuss des zweiten Buches von dir. Es hat wieder Spaß gemacht mit dem Team Paulig zu ermitteln und ich hoffe das der nächste Fall bald kommt. Ich jeden Fall würde mich sehr freuen und wäre gerne wieder bereit diesen zu lesen.
Hier meine Rezension:

https://www.lovelybooks.de/autor/Dieter-Wei%C3%9Fbach/B%C3%B6se-1245790390-w/rezension/1451842638/1451857223/

Ich werden ihn wie schon beim letzten bei diversen Buchhändlern, Buchcommunities und meiner Facebook Seite posten.

Booky-72

vor 3 Monaten

Fazit/Rezensionen

heute von mir endlich die Rezi:

https://www.lovelybooks.de/autor/Dieter-Wei%C3%9Fbach/B%C3%B6se-1245790390-w/rezension/1454842311/

bei Amazon und wasliestdu unter Bookstar eingestellt

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