Dietmar Höse "Fahre mit Gas"

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Inhaltsangabe zu „"Fahre mit Gas"“ von Dietmar Höse

Mit dem bisher umfangreichsten Band zur internationalen Entwicklungsgeschichte der Gasstraßenbahnen entführt Sie der Autor Dietmar Höse in die Zeit des technischen Aufbruchs am Ende des 19. Jahrhunderts, in eine Welt, in der die sich später ausprägende Dominanz der Elektrizität gegenüber anderen Formen der Kraft- und Energieerzeugung keineswegs absehbar war. Die Steinkohlengasindustrie besaß in Europas Städten eine große Lobby, da sie seit Jahrzehnten das Monopol für Beleuchtung und Heizung für sich vereinnahmt hatte. Die Patentämter der prosperierenden Industrienationen quollen über mit Erfindungen zur Mechanisierung von Prozessen aller Art. Auch im städtischen Verkehr war die Frage des motorischen Antriebs zur Ablösung der Pferdetraktion keineswegs geklärt. Pneumatische Systeme und der althergebrachte Dampfmotor standen mit verschiedenen Varianten in harter Konkurrenz zu dem immer geeigneter erscheinenden Elektroantrieb, als die Erfindung des Verbrennungsmotors eine weitere Alternative bot. Kaum jemand erinnert sich heute noch an den Maschinenfabrikanten Wilhelm Oskar Blessing, an den Aufbereitungsingenieur Friederich Carl Heinrich Lührig oder die Zivilingenieure Henry Percy Holt sowie William Meischke- Smith. Doch um das Jahr 1890 hatten diese Männer eine gemeinsame Vision, die für kurze Zeit die Aufmerksamkeit der verkehrstechnischen Fachwelt auf sich zog. Sie fassten den Entschluss, dem Weg des großen Vorbildes Dampfmaschine zu folgen und den von Nicolaus August Otto entwickelten 4- Takt- Gasmotor auf Schienen zu stellen, um ihn bei der anstehenden „Mechanisierung“ der Straßenbahnen nutz- und gewinnbringend einzusetzen. Dieses Buch deckt auf, welche Schwierigkeiten sich den Erfindern entgegenstellten, welche Rolle die Steinkohlengasindustrie bei der Vermarktung der Pionierleistung spielte und wie die elektrische Konkurrenz auf den alternativen Antriebsmotor reagierte. Dabei ist es mit Hilfe von tiefgründiger und umfassender Recherche gelungen, eine Vielzahl bisher unbekannter Fakten über in Vergessenheit geratene Aspekte der Entwicklungsgeschichte der Gas- Traktion ans Tageslicht zu befördern. Das Puzzle der über den ganzen Erdball verstreuten und nun zusammengefügten Archivalien führt den Leser auf der Spur der Gasbahnen aus Deutschland heraus und über die Niederlande, Polen, Frankreich, Russland, Spanien sowie Großbritannien, einschließlich der britischen Kolonien, bis nach Nordamerika. Große Namen der Gas- Industrie wie Wilhelm von Oechelhaeuser oder Corbet Woodall kommen hierbei ebenso ins Spiel wie die der Wissenschaftler und Professoren Adolf Karl Heinrich Slaby und Alexander Blackie William Kennedy. Besonderes Interesse werden auch die Bezüge erwecken, welche die Techniker und Unternehmer Lucien Alphonse Legros, Max Tippmann und Hugo Junkers mit der Gasstraßenbahnthematik verband. Durch Auswertung wiederaufgefundener technischer Zeichnungen, Notizen und Patente ist es gelungen, viele der in der Konstruktion versuchten und beim Bau der Gas-Straßenbahnen beschrittenen Wege zu entschlüsseln und zu dokumentieren. Die auf der Suche nach einem optimalen Kraftübertragungssystem gefundenen Lösungsansätze werden detailliert vorgestellt und vermitteln dem technisch interessierten Straßenbahnenthusiasten bemerkenswerte Erkenntnisse. Das Besondere dieses Buches besteht aber unter anderem auch darin, in verschiedenen Orten und Ländern angesiedelte Gasstraßenbahn-Episoden nicht nur aufzubereiten, sondern über ihre historisch vorhandenen Bezüge wieder miteinander zu verknüpfen. Die zahlreich verwendeten Zitate aus zeitgenössischen Quellen versetzen den Leser in die Gedankenwelt der damaligen Zeit und vermitteln ein realistisch empfindbares Zeitkolorit. Trotz unterschiedlichster lokaler Gegebenheiten zeichnen sich aufgrund des gemeinsam gelebten Traumes von der Gasstraßenbahn in den weltumspannenden Geschichten deutliche Parallelen ab. Der Aufschwung und Niedergang der Gasstraßenbahnen von Dresden, Dessau, Charlottenburg, Mannheim, Hirschberg, Paris, Blackpool, Manchester, Neath, Den Haag, Amsterdam und St. Petersburg stellt wie die Analyse der zahlreichen in-und ausländischen Projekte in 51 Kapiteln auf rund 800 Seiten nicht nur für die jeweiligen Lokal- Historiker eine Fundgrube dar, sondern bietet allen Freunden außergewöhnlicher „exotischer“ Schienenfahrzeuge ein Kompendium, dass es in dieser Form und diesem Umfang bisher nicht gegeben hat.

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