Dietmar Süß 'Ein Volk, ein Reich, ein Führer'

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Inhaltsangabe zu „'Ein Volk, ein Reich, ein Führer'“ von Dietmar Süß

"Ein Volk, ein Reich, ein Führer" – als im März 1938 die Kampagne für den "Anschluss Österreichs" an das Deutsche Reich auf Hochtouren lief, war dieser Dreiklang auf den Plätzen und Märkten immer wieder zu vernehmen. Er verknüpfte die Hoffnung auf soziale Harmonie mit der Sehnsucht nach nationaler Stärke und ließ gleichzeitig deutlich werden, dass hinter dem schönen Schein der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft die brutale Ausgrenzung all derjenigen lauerte, die nicht dazugehören konnten oder wollten. Rassistische Ungleichheit, so zeigt dieser beeindruckende Überblick, war das Strukturprinzip der deutschen Gesellschaft im Dritten Reich, immer weiter entgrenzte staatliche Gewalt war die zentrale Säule der neuen politischen Ordnung, und ein radikaler Antisemitismus war der Treibstoff, der die gesamte Maschine antrieb. Virtuos verwebt Dietmar Süß die konkreten Schicksale einzelner Menschen in seine Analyse und beschreibt, wie das NS-Regime das Leben der Deutschen von Grund auf veränderte.

Eine aufschlussreiche Zusammenfassung der deutschen Gesellschaft im Dritten Reich - lesenswert

— Bellis-Perennis

Umfassende, prägnante Zusammenfassung von 1933 bis 1945.

— Sikal

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    'Ein Volk, ein Reich, ein Führer'

    michael_lehmann-pape

    02. October 2017 um 13:31

    Differenzierte Aufarbeitung einer GesinnungWaren alle Deutschen Verehrer des „Führers“, nur am Ende wollte es keiner gewesen sein?Oder ging es einfach um das Bestehen im Alltag und was „die da oben“ machten, war relativ egal?Oder war Widerstand weit verbreitet, nur der Mut zum offenen agieren ungleich verteilt?Was eigentlich war (oder ist?) ein „Nationalsozialist“ bei Millionen, die aus verschiedenen Beweggründen, von der glühenden Verehrung bis zum pragmatischen Nutzen, Parteimitglieder waren?Sehr sorgsam und, vor allem, nicht in Puzzleteilen, sondern mit einer klaren, inneren Linie vollzeiht Süß chronologisch den Status Quo der Gesellschaft zu Beginn der Herrschaft des dritten Reiches nach (und räumt umgehend mit der Legende auf, nur bestimmte Schichten wären von Beginn an begeistert gewesen) und die Veränderung der äußeren Umstände und inneren Haltungen durch die Jahre hindurch bis zum Ende des zweiten Weltkrieges.„Der Nationalsozialismus war keineswegs über die Deutschen hereingebrochen, sondern fand Unterstützung in allen sozialen Gruppen: bei Arbeitern und Bauern, kleinen Angestellten und Beamten, Studenten und Wissenschaftlern, Pastoren, Offizieren, adeligen Grundbesitzern und Unternehmern“.Und, wer zu Anfang vielleicht noch überlegend vor der „Bewegung“ stand, änderte seine Haltung im Lauf der Jahre auf jeden Fall. Überwiegend zu „Dabei sein“, zahlenmäßig weniger in klarer Ablehnung.Dabei ist vor allem die „Gleichschaltung“ der Gesellschaft und die dazu aufgewendeten Methoden sehr beachtenswert im Buch nachvollzogen, wie alle bestehenden Vereine, kleineren Gemeinschaften, die ebenso Hort der Freizeit, wie auch Ort von Absprachen und Austausch darstellten, nach und nach aufgelöst, zumindest im Vollzug erschwert wurden, um in die (unter klarer Kontrolle stehenden) „neuen“ Vereine und Verbünde der NSDAP gesammelt überführt zu werden.Und ebenso, der eigentliche Kern des Buches, zeigt Süß differenziert auf, wie Linien bei den einzelnen Bürgern des Landes in sich differenzierten.„Heil Hitler. Heil Hitlermann“.So ruft ein kleiner Junge 1933. Noch ohne genau zu wissen, was da konkret geschieht. Aber ergriffen vom Gefühl, von Fackelzügen, zackiger Ordnung, vermeintlich klarem, „männlichen“ Auftreten.Oder Louise, von Beginn an Anhängerin. Doch ebenso verunsichert, als die Gewalt gegen jüdische Mitbürger, Nachbarn zunimmt. Mitsamt der inneren Zerrissenheit, dass ihr Ehemann und Vater ihrer Tochter jüdische Vorfahren hat. Und ihre „stramm“ auf Gesinnung getrimmte Tochter, voll glühender Verehrung, unter diesem Makel schon früh in der Schule zu leiden hat. Während Louise selbst demonstrativ beim jüdischen Kaufmann einkaufen geht.Dieses „sowohl als auch“, diese Mischung aus Begeisterung und alltäglicher Befremdung über das, was geschieht und doch mitgerissen sein, auch innerlich, bietet ein sehr breites, anschauliches Bild ins Innere des Dritten Reiches.„Hände hoben sich, Lieder setzten ein, die paar Leute in der Dunkelheit hinter uns riefen mit, Polizei und Volk waren eins in Hitler“.Was sich als Kern herauskristallisiert als primäres Moment einer emotionalen Beteiligung. „Eins sein in…“Wer über den Alltag im dritten Reich, die Veränderung desselben im Lauf der Jahre und die überwiegend vorhandene innere Haltung des „Volkes“ ein anschauliches Bild erhalten möchte, ist mit diesem Werk bestens bedient.

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 20.10.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   259 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  691 Punkte Beust                                          ---   352 Punkte Bibliomania                               ---   233 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  444,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 285 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   154,5 Punkte Code-between-lines                ---  154 Punkte DieBerta                                    ---   ?  Punkteeilatan123                                 ---   80 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   216 Punkte Frenx51                                     ---  103 Punkte glanzente                                  ---   94 Punkte GrOtEsQuE                               ---   84 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   181 Punkte Hortensia13                             ---   148 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  191 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   135 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte Kattii                                         ---   88 Punkte Katykate                                  ---   121 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   145 Punkte Kuhni77                                   ---   129 Punkte KymLuca                                  ---   110 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   285 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   257 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   94 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktemy_own_melody                     ---   18 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  148 Punkte Nelebooks                               ---  245 Punkte niknak                                       ----  313 Punkte nordfrau                                   ---   143 Punkte PMelittaM                                 ---   242 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   132 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 76 PunkteSandkuchen                              ---   241 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   195 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   315 Punkte SomeBody                                ---   189,5 Punkte Sommerleser                           ---   215 Punkte StefanieFreigericht                  ---   236,5 Punkte tlow                                            ---   165 Punkte Veritas666                                 ---   151 Punkteverruecktnachbuechern         ---   97 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   184 Punkte Yolande                                       --   189 Punkte

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    • 2500
  • Sehr informativ zu diesem heiklen Thema

    'Ein Volk, ein Reich, ein Führer'

    Bellis-Perennis

    30. September 2017 um 15:12

    Der Verlag C.H.Beck hat eine mehrteilige Reihe zum Thema „Die Deutschen und der Nationalsozialismus“ herausgebracht. Vorliegendes Buch von Dietmar Süß ist eines davon.Da uns in Kürze keine Zeitzeugen mehr berichten können werden, wie sie diese Zeit er- und überlebt haben, ist es notwendig mit dem Abstand der Jahre die Schreckensherrschaft der Nazis zu beleuchten.Wer waren sie nun „Die Deutschen“? Sind alle der Propaganda des Diktators auf den Leim gegangen? Wie kann es sein, dass der größte Teil der Bevölkerung Deutschlands und Österreichs die Heilsversprechungen geglaubt hat? Und das quer durch alle Bildungsschichten? Und was ist mit der lahmen Verteidigung, von den Gräueln der Judenverfolgung nichts gewusst zu haben?In vier großen Kapiteln versucht der Autor diesen Mechanismen auf den Grund zu gehen. Dabei lässt er neben historischen Fakten auch Menschen dieser Zeit sprechen. Auch Briefe werden zitiert um uns die Bedingungen zu erklären, unter denen dieses Regime hatte sich so lange halten können.• Terror und Begeisterung• Führer und Gefolgschaft• Kriegerische Volksgemeinschaft• Glauben, sterben, überlebenInnerhalb der Kapitel gibt es weitere Unterteilungen, so dass die manchmal schwierige Kost leichter lesbar ist.Das erste Kapitel „Terror und Begeisterung“ geht der Definition „Nationalsozialist“ nach. Wer ist nun ein solcher? Definitiv sind Juden und Kommunisten keine Nazis. Die landläufige Meinung, nur die Schergen der SA und SS wären Nazis, lässt sich nicht aufrechterhalten. Der Nationalsozialismus ist auch nicht wie ein Hagelsturm plötzlich über die Gesellschaft hereingebrochen. Auch die Weltwirtschaftskrise allein, hat die Nazis nicht an die Macht gebracht. Vielmehr ist die Unterstützung für die Ideen mehr oder weniger schleichend in die Familien eingedrungen - quer durch alle Bevölkerungsschichten und Glaubensrichtungen. Sowohl die Katholische als auch die Evangelische Kirchen haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Die Befürworter und Anhänger sind auf die Heilsversprechen der Agitatoren hereingefallen. Durch straffe Organisation, wenig Müßiggang (und selbst der wird im richtigen Sinn gestaltet) sowie ständige Propaganda, beeinflusst die Partei ihre Bürger. Nichts ist dem Zufall überlassen. Alles bestens organisiert. Die Menschen werden in zwei Klassen geteilt: in „arisch“, „erbgesund“ und „nützlich“ oder „unnütz“, „Volksschädling“ usw..Doch innerhalb der „richtigen“ Deutschen bleiben die Klassenschranken bestehen. Allerdings werden sie, durch entsprechende Rituale, wie dem „Deutschen Gruß“ oder den Dreiklang „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ brüllend zu einer amorphen Masse, die sich trefflich manipulieren lässt. Im zweiten Kapitel „Führer und Gefolgschaft“ stellt der Autor die Grausamkeit des Regimes dar, mit der, nicht der gesunden Norm entsprechende Menschen, einfach ermordet werden. Allerdings nicht ohne, vorher noch für allerlei medizinische Experimente gequält worden zu sein. In diesem Kapitel kommt klar heraus, dass man mehr über das Verschwinden von chronisch kranken, behinderten und/oder verwirrten Menschen wusste, als man später zugeben wird.Gleichzeitig dringt der Nationalsozialismus immer tiefer in den Alltag ein. Religiöse Feste werden im Sinne der Machthaber umgedeutet. Der Aufschrei der Kirchen bleibt wieder aus.Das dritte Kapitel „Kriegerische Volksgemeinschaft“ widmet sich dem behördlich verordneten und moralisch geduldeten Raubzügen an jüdischem Eigentum. Hier gibt es mehrere Gruppierungen: • jene, die sich schamlos am Vermögen der Juden bereichern (Mitarbeiter von Behörden, Dienststellen und Bonzen des Regimes)• jene, die auf ein Schnäppchen hoffen und recht wenig Unrechtsbewusstsein besitzen• jene, die wenigstens versuchen, einen halbwegs angemessen Preis zu bezahlen und die deswegen ein schlechtes Gewissen haben und Angst vor einem späteren „Zahltag“• die letzte Gruppe, nämlich jene, die sich an dem entwürdigenden Gerangel um fremdes Eigentum nicht beteiligt haben, ist die kleinsteDenunziationen, Spitzeldienst usw. nehmen überhand. Selbst in der eigenen Familie ist man sich nicht mehr sicher, ob nicht die eine oder andere Bemerkung im Spaß oder Zorn hingeworfen, nicht den Abtransport in das nächste KZ bedeutet.Im letzten Kapitel „Glauben, leben, sterben“ wird nochmals der ganze Wahnsinn des Regimes zusammengefasst. Obwohl nun den meiste klar ist, dass der Krieg verloren ist, wird weiter für den „Endsieg“ getrommelt: Sinnlose Durchhalteparolen, Willkür bei Verhaftungen und Hinrichtungen, immer mehr Entbehrungen bei der Zivilbevölkerung.Manche haben ihren Glauben verloren, andere finden in gerade wieder, allerdings abseits der etablierten Kirchen.Ein spannendes Detail wird hervorgehoben: In den späteren Jahren des Krieges verschwindet Hitler beinahe von der Bildfläche. Auch seine Radioansprachen werden weniger. Es scheint, als ob er die Fäden nicht mehr alleine in der Hand hielte. Seine Adlaten wie Goebbels, Speer usw. toben sich in seinem Namen aus. Dass sich der Diktator rarmacht, gibt Anlass zu wilden Spekulationen, die allerdings nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert werden.Nachfolgender Faktor ist ebenso zynisch wie makaber: Die sogenannte „Leichentrauung“. Um nämlich in den „Genuss“ einer Witwen- und Waisenrente zu kommen, muss die deutsche Frau mit einem Soldaten verheiratet gewesen sein, denn ein uneheliches Kind, nein das geht gar nicht. Wenn nun eine schwangere Verlobte die Heiratsabsichten glaubhaft darstellen konnte, griff man zu eben dieser Art der Trauung, um wenigstens die finanzielle Versorgung zu gewährleisten.Meine Meinung:Dietmar Süß spannt in seinem Buch einen Bogen von Beginn der 1930er Jahre bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945.In eindringlicher Sprache, jedoch ohne Pathos, legt er seinen Lesern Tatsachen vor. Die Zeitzeugenberichte sind sorgfältig recherchiert und perfekt eingearbeitet. Trotz der vielen Zahlen, Daten Fakten lässt sich das Buch sehr gut lesen. Ein kleiner Fehler ist mir als Österreicherin beinahe schmerzhaft in die Augen gestochen: „im oberösterreichischen Leoben“ (S. 263). Leoben war und ist immer eine Stadt in der Steiermark. Obwohl dieses Buch der zweite Teil einer Reihe ist, kann es für sich alleine gelesen werden. Ich denke jedoch, die anderen Bücher zu lesen, wäre ein gute Ergänzung. Das sind:• „Dass ihr mich gefunden habt“ (Sybille Steinbacher)• „Ihr wisst, wollt es aber nicht wissen“ (Markus Roth)• „Ein Leben wie ein Traum“ (Moritz Föllmer)• „Kanonen statt Butter“ (Tim Schanetzky)• „Dieser Krieg ist der große Rassenkrieg“ (Birthe Kundrus)• „Es gibt keine Nazis in Deutschland“ (Norbert Frei)Gerade letzteren Titel lohnt es sicher, angesichts der aktuellen politischen Lage in Deutschland und auch Österreich, zu lesen. Vielleicht ist es doch noch möglich, das gänzliche Abdriften in den rechten Sumpf hintanzuhalten.Fazit:Ein sehr informatives Buch, das vor allem durch seine sachliche Sprache und durch die Einarbeitung von authentischen Quellen besticht. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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  • Ein Volk, ein Reich, ein Führer - ein Slogan oder mehr?

    'Ein Volk, ein Reich, ein Führer'

    Sikal

    24. September 2017 um 11:05

    Das vorliegende Buch ist einer von sieben Bänden der von Norbert Frei herausgegebenen Reihe und ist auch für sich allein lesbar. Der Autor Dietmar Süß gliedert sein Werk in vier Großkapitel, die allesamt in kleinere Abschnitte unterteilt werden. So wird in jedem Kapitel ein anderer Kernpunkt herausgearbeitet, entweder die soziale Lage der Bevölkerung, die Begeisterung der Jugend, die Kriegshierarchie oder der viel zu lang anhaltende Glaube an den Endsieg. Ergänzend zu den historischen Fakten werden von Süß viele Fallbeispiele zur Veranschaulichung der jeweiligen Thematik gebracht. Terror und Begeisterung Bereits im ersten Abschnitt geht Süß der Frage nach, wie denn nun ein Nationalsozialist zu definieren sei. Oft wird die Meinung vertreten, dass mit Nationalsozialisten durchwegs die Schläger der SS oder einige radikalisierte Kämpfer gemeint sind. Doch der Nationalsozialismus war nicht plötzlich über Deutschland hereingebrochen, er fand Unterstützer aus allen sozialen Gruppen – Arbeiter, Bauern, Angestellte, Studenten, Offiziere, …, in sämtlichen Glaubensrichtungen und schlich sich in familiäre Auseinandersetzungen. Es wurde offensichtlich, dass die Bevölkerung in ihrer Mehrheit bereit war, sich einer Politik nationaler „Erlösung“ zu unterwerfen. Die „Partei des Volkes“ war bestens organisiert, angewiesen auf noch so kleine Ortsgruppenleiter bzw. Blockwarte usw., die natürlich „arischer Rasse“ und „erbgesund“ sein mussten. Ständig an der Tagesordnung die Frage über die Volksgenossen: Stand er auf der richtigen Seite, hatte er die richtige Moral, die richtige Haltung? Denunziation und Stigmatisierung wurden zur Tagesordnung, ebenfalls der wichtige deutsche Gruß mit erhobenem rechtem Arm. Der Dreiklang „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ spiegelt den Wunsch nach nationaler Größe, verbunden mit dem im Zentrum stehenden Führer. Führer und Gefolgschaft In diesem Kapitel wird die Grausamkeit des Regimes an den Pranger gestellt. Die Volksgesundheit stand an vorderster Stelle, gesunde kampfkräftige junge Menschen wurden immerhin benötigt, um das Deutsche Reich zur verdienten nationalen Größe werden zu lassen. Da durften natürlich körperliche und geistige „Erbschäden“ (z.B. Epilepsie, Blindheit, angeborener Schwachsinn …) nicht durchschlagen und so entschied das Erbgesundheitsgericht darüber ob es präventiv zu einer Zwangssterilisation kommen sollte oder nicht. Vermutlich fielen insgesamt 400.000 Menschen diesem „Gesetz zur Verhütung“ zum Opfer. Der Nationalsozialismus eroberte sich seinen Platz im Festkalender diverser Städte, wollte mithilfe „Freut euch des Lebens“ und der Durchführung etlicher Festlichkeiten die Volksmoral stärken und ein Stück individuelles Vergnügen aufrechterhalten. Kriegerische Volksgemeinschaft Während Mitglieder der NSDAP die Gewaltbereitschaft unterstützte oder förderte, gab es ebenfalls diejenigen, die wegschauten oder sogar Verständnis aufbrachten. Die Pogrome schufen den Anfang einer Enteignungswelle, die Finanzbehörden erklärten sich bereit, Privateigentum der Juden „in Verwahrung“ zu nehmen, Korruption und Vertreibung standen an der Tagesordnung. Nachbarschaftliche Gemeinschaft wurde grundlegend verändert, Konfession und politische Einstellung zu einem Problem innerhalb von Familien- und Freundeskreis, Konflikte wurden über Denunziation ausgetragen und hatten oft schwerwiegende Folgen. Glauben, sterben, überleben Im letzten Kapitel wird noch einmal zur Gänze der Wahnsinn bewusst gemacht, welches Leid die Zivilbevölkerung zu tragen hatte, Flucht, Hunger und Tod standen an der Tagesordnung. Den Endsieg immer noch vor Augen, wurde wahllos gemordet und vertrieben, die Willkür ausgelebt. Hitler selbst verschwand mehr oder weniger in der Versenkung, vermied öffentliche Auftritte und bot somit den Grundstock wilder Spekulationen. Viele Überlebende kehrten traumatisiert und gebrochen nach Kriegsende in ihr Leben zurück und versuchten ihren Alltag zu bestreiten. Somit spannt Süß einen Bogen vom Anfang der 30er Jahre bis 1945. Der sachliche, flüssige Schreibstil des Autors macht das Buch gut lesbar. Durch die verschiedenen Kernpunkte und teilweise eingestreute Paradebeispiele wird das Thema gut aufgearbeitet und man findet als Leser einen breiten Querschnitt dieser Zeit. Der Autor stellt die Wahrnehmung durch Zeitgenossen und Erlebnisberichte in den Vordergrund, verbindet diese mit historischen Gegebenheiten und schafft somit ein lebendiges Buch. Einziger Kritikpunkt: Süß klammert Widerstandsbewegungen aus, erwähnt keinerlei Hilfsaktionen durch die Bevölkerung – dies stand hier wohl nicht im Fokus, wäre aus meiner Sicht jedoch erwähnenswert gewesen.

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