Dietmar Sous Sweet about me

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Inhaltsangabe zu „Sweet about me“ von Dietmar Sous

Wie belanglose Sticheleien eine menschliche Tragödie auslösen können Vater, Mutter, Teenagertochter, ein Häuschen vor der Stadt, Familienurlaub an der Nordsee. Mehr Normalität war nie. Bis Maya einmal zu oft den wunden Punkt des Vaters trifft. Er rastet aus, sie flieht und läuft in ein Auto, ist tot. Das Leben wird plötzlich zum Horrortrip. Als der wenig lebenstaugliche Musikjournalist seine große Liebe Betty kennenlernt, beginnt für ihn ein Familienleben, wie es normaler nicht sein kann. Die schlimmsten Probleme bereiten ihm Tochter Mayas kommerzieller Musikgeschmack und ihre Leidenschaft für den Schutz der Natur. Und da sind ab und an die Sticheleien, seine Ungeschicklichkeit und Wehleidigkeit betreffend. Am ersten Tag der Herbstferien kommt es aus scheinbar heiterem Himmel zum Eklat. Maya läuft aus dem Ferienhaus weg und stirbt nach einem Verkehrsunfall. Damit gerät das Leben des Erzählers völlig aus den Fugen: Er verliert seinen Job an die eigene Tatenlosigkeit, die potenzielle Adoptivtochter an die Bitterkeit, die sich im Leben des Paares eingenistet hat, und schließlich Betty an die kruden Heilsversprechen einer religiösen Sekte. Doch das ist noch längst nicht alles. Dietmar Sous erzählt auf seine unnachahmlich lakonische Art, angereichert mit viel Musik, wie eine heile Welt zerbricht, und ermöglicht einen tragikomischen Blick in die Abgründe eines kleinbürgerlichen Lebens. (Quelle:'Fester Einband/22.02.2012')
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  • Rezension zu "Sweet about me" von Dietmar Sous

    Sweet about me

    michael_lehmann-pape

    25. February 2012 um 11:44

    Langsamer innerer Zerfall „Gabrielle Cilmi sang Sweet about me“. Und dieses Lied wird hängen bleiben im Kopf, tragisch verankert und auch späterhin mit tragischen Folgen versehen sein. Eines der aktuellen Lieblingslieder der Tochter der Familie. In diesem Urlaub der Patchworkfamile in Holland . Betty, die Frau, Maya, die Tochter und der Ich-Erzähler im Buch, 55jährig, Musikjournalist, mit zwei linken Händen per se ausgestattet, aber auch mit einer erschwerten Zugangsweise zum eigenen emotionalen Erleben und dem anderer, was tragische Folgen haben wird. Einer, der um seine inneren Verletzungen kaum weiß und deswegen nicht souverän zu reagieren versteht, mit tödlichen Folgen. Nach einem, wie so oft nichtssagenden, Streit zwischen der Tochter und ihrem Stiefvater läuft Maya zunächst fort, will sich dann entschuldigen, wird einfach (sprachlos ist er, der Ich-Erzähler, wenn es darauf ankäme, Empathie zu zeigen) stehen gelassen und dann Opfer eines Verkehrunfalls, an dessen Folgen sie stirbt. Soweit die Ausgangssituation des „Niedergangs“ einer Beziehung und der Menschen in dieser, die Dietmar Sous anlegt. Denn das Eigentliche des Romans ist der oft ganz beiläufige, sezierende, Blick des Autors auf den „Nicht-Umgang“ des Protagonisten und seiner Frau Betty mit diesem Unglück, diesem Tod, letztlich mit sich selbst im eigenen Leben. Innere und äußere Flucht, das ist die Handlungsweise der Beiden in der nahen Zukunft. Sei es der verzweifelte Versuch, ein Mädchen zu adoptieren, das der toten Tochter äußerst ähnlich sieht, sei es der Kauf einer neuen Wohnung, die eigentlich zu teuer ist. Sei es die Hinwendung Bettys zu einer strengen, religiösen Sekte (die im übrigen weder dem Leser noch dem Ich-Erzähler im Roman in ihrer Entwicklung bewusst wird, die plötzlich im Raum steht). „So tun, als ob es nicht geschehen wäre“. Was nicht helfen wird. Auch einer der letzten Versuche der beiden Eheleute, noch einmal körperlich zueinander zu finden wird von diesem kleinen Lied zerstört (und das mit Absicht, denn die Nachbarn aus der oberen Etage haben eine ziemliche Aggression gegen das Paar entwickelt und extra leistungsstarke Stereoboxen gekauft). Die ganze Geschichte eskaliert letztendlich durch dieses Lied und was es auslöst in hoch dramatischer und dennoch lapidar erzählter Form. Nur eines geschieht nicht. Eine „offene und gemeinsame Trauer“ wird vermieden. Die Folgen sind zunehmende Lethargie und Sprachlosigkeit da, wo es wichtig wäre, zu reden. Ursachen und Folgen, die Sous sprachlich präzise veranschaulicht, die Schwäche des Mannes, nirgends dagegen zu halten und nie ein wirklich klares Wort zu sprechen. Ein Prozess, denn Dietmar Sous dabei nicht offenlegend beschreibt, sondern beständig in den kleinen und großen Ereignisse des Romans hintergründig mitlaufen lässt, als Ursache all des Verhaltens und damit, wie nebenbei, den inneren Zerfall und Absturz gerade seines Ich-Erzählers eindrucksvoll nachvollzieht. Manchmal zu nebenbei. Wie erwähnt, wichtige Entwicklungen wie die Hinwendung zur Religion beschreibt Sous nicht, sondern setzt sie dem Leser einfach plötzlich vor. Eine Sprachlosigkeit untereinander, eine innere Distanz, die in dieser Intensität dann doch teils einfach auch unrealistisch wirkt. Auch der plötzliche Jobverlust deutete sich zwar an durch die lethargische Haltung des Journalisten, in dieser Form wie im Buch ist dies allerdings ebenfalls kaum glaublich. Wohin das aber alles führt, wie sich das Finale des Buches gestaltet, dass ist wieder ein in sich stimmiger Paukenschlag, eine Explosion an Aktion, die man der Hauptfigur kaum mehr zugetraut hätte und die doch wieder, das Drama der Geschichte eben, in die falsche Richtung losgeht und die Falschen eigentlich trifft. Dietmar Sous legt eine Studie eines inneren Zerfalls vor, in der die Unfähigkeit, das eigene Innere auszudrücken und mit dem Lebenspartner in eine echte Kommunikation zu treten einen immer schneller voranschreitenden Lebensverlust nach sich zieht. Beiläufig fast geschildert, hier und da mit Längen und wenig realistischen Einwürfen, durchaus aber den Leser mit auf diese tragische innere Reise nehmend.

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