Dietrich Kothe Zeitennehmer

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Inhaltsangabe zu „Zeitennehmer“ von Dietrich Kothe

Tom, der Journalist, war von Schlägern niedergemacht worden. Offenbar war er auf brisantes Material gestoßen. Wer aber steckte hinter dem Attentat? Doch nicht etwa Schulfreund Karl? Der hatte sich zum Manager entwickelt und spielte in der Highsociety eine Rolle. Karl hatte sogar dafür gesorgt, dass Tom einen Redaktionsposten besetzen konnte. Karl handelte dabei nicht ganz selbstlos. Denn er spielte Tom fortan Material seines Interesses zu. Doch was sollte Karl bewogen haben, Banditen auf Tom anzusetzen? Tom hat schließlich im schier endlosen Krankenstand Zeit, Rückblick zu halten, sozusagen Ermittlungen anzustellen. Er taucht dabei in scheinbar ferne Welten ab – die vorerst im Irrenhaus enden.

Keine schnurstracks erzählte Kriminalstory, vielmehr die literarische Erörterung eines Kriminalfalles

— Gerhard_Ebert
Gerhard_Ebert

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    Zeitennehmer
    Gerhard_Ebert

    Gerhard_Ebert

    04. February 2016 um 16:50

    Keine schnurstracks erzählte Kriminalstroy, vielmehr ein kunstvoll gefügtes Konstrukt literarischer Erörterung eines Kriminalfalles mit existenzphilosophischem Schlussakkord. Die Absätze des Textes von Dietrich Kothe erscheinen wie monolithische Blöcke, fest ineinander gefügt sind Vorgänge, Dialoge und Monologe. Diese auffallende Vordergründigkeit des Formalen überrascht nicht bei einem Autor, der zugleich Bildender Künstler ist. Sein Zugriff auf Realität und deren literarische Formung erinnert mich an Barlach, dessen wunderliche Skurrilität in Sachen menschlichen Daseins Kothe meines Erachtens wohl gar überbietet. Wir leben halt in erbarmungslos perversen Zeiten. Der des Lebens kundige Autor entwirft mit launiger Ironie akribisch das Porträt eines Jounalisten, Tom geheißen - ein Mensch, der gleichsam ständig neben sich steht, um sein Tun und Denken analysieren zu können. Anfangs liegt er allerdings wie eine Mumie eingewickelt im Bett eines Krankenhauses. Er ist nämlich brutal überfallen worden, wahrscheinlich weil Fotos, die er beim Brand des Schlosses eines Super-Reichen geschossen hat, Beweismaterial für Brandstiftung des Schlossherrn sein könnten – eines ehemaligen Schulfreundes.    Ausgehend von diesem offensichtlich kriminellen Tatbestand bedient der Autor psychologisch feinfühlig als „seelischen Stuhlgang“ zwei Erzähllinien – einmal das stupide Dasein Toms in der „Gesundheitsfabrik“ mit einem todkranken Bettnachbarn und zum anderen Toms Bemühung um Ablenkung, nämlich Kramen in den Erinnerungen an den „Edelfaulpelz“ Karl bezw. Charly bezw. Charles. Die Reminiszensen an diesen ehemaligen Mitschüler aus der Klosterschule, wo „fortwährend der Himmel auf dem Spiel stand“, bezieht Tom aus Notizen aus jener Zeit. Fazit der umfangreichen Einleitung: Charles hatte sich Ende der Sechziger im beharrlichen Widerstand gegen die schulischen „Dompteure“ zum „Gentleman“ entwickelt. Nun also steht fest: Dieser Tom ist ein gründlicher, gewissenhafter Journalist und pflegt die Lebensprobleme, die ihm widerfahren, zwecks möglicher Klärung mehrfach hin und her zu wenden - ob nun live oder in der Erinnerung. Das ist vom Autor mit reizvollen Apercus garniert. Etwa: „…du hast dir bald gesagt, in diesem Job darf einen überhaupt nichts wundern.“ Oder: „Dieser Vakuumgesellschaft stopfen wir die Löcher.“ Oder: „Elsbeth – die wandelnde Gesprächsbereitschaft“. Oder: „Der kleine Mann hat eben nicht den Eierkopf für die Philosophie.“ Leider aber hält diese zu Ausführlichkeit verleitende poetische Struktur merklich auf. Das Geschehen zieht sich hin. Auch Toms weiteres Schicksal behandelt der Autor mittels zweier Erzähllinien. Er schildert dessen anfängliche Genesung, während welcher er seinenHelden wieder in skizzierte Erinnerungen abtauchen lässt. Wie nämlich der ominöse Fall in den Achtzigern in Gang kam, wie der Chefredakteur ihn in tiefstem Vertrauen auftrug, einem vermeintlichen“Lustknäuel“ irgendwo am Starnberger See, festgehalten vom Fotografen Dittle, nachzugehen. Fürs Archiv, versteht sich. Und wie bei der Recherche vor Ort, bei der „verwöhnten Meute“ der „Scheckheft-Aristokratie“, unerwartet Karl auftauchte. Und wie er Kontakt mit seinem einstigen Freund suchte, der „mittels Heirat“ wohlhabend geworden war. Immer wieder meiselt der Autor an den Situationen, verweilt bei den Umständen – und die Handlung scheint still zu stehen. Situation Brand des Schlosses anläßlich seiner Wiedereröffnung nach aufwendiger Restaurierung: Unter den illustren Gästen plötzlich ein sonderbarer Typ mit Sonnenbrille, Schlapphut und Koffer! Wenig später „Feuer!“ Und die Gäste als erste und coole Zuschauer. Und inmitten der angesichts der Feuersbrunst jauchzenden und klatschenden Menge der noch coolere Schloßherr. Seltsame Umstände. Tom vermag sie nicht zu kompensieren. Er begreift sich als  journalistischen Lakai eines cleveren Machers, der mit Hilfe der Treuhand bei der Abwicklung des vereinnamten Ostens reich geworden ist. Noch träumt Tom davon, dem Staatsanwalt zuvor zu kommen. Doch statt zu genesen, gleitet er ab in den Wahnsinn und landet im Irrenhaus. Wer gedankendichten, sezierenden sozialen Realismus mag, wird absolut auf seine Kosten kommen. Ein Buch von philosophischem Anspruch und origineller Spannung. Vom schließlichen Verlauf wird  hier nichts ausgeplaudert. Es handelt sich wirklich um einen delikaten Kriminalfall, einen Aufreger von ganz eigener Art. 

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