Dietrich Schulze-Marmeling

 4,7 Sterne bei 59 Bewertungen

Lebenslauf

Dietrich Schulze-Marmeling, geboren am 8. Dezember 1956 in Kamen/Westfalen, gehört zu den profiliertesten und produktivsten Fußballautoren- und historikern in Deutschland. Schulze-Marmelings erstes Fußballbuch erschien 1992 und trug den Titel „Der gezähmte Fußball. Zur Geschichte eines subversiven Sports.“ Christoph Biermann schwärmte damals in der „tageszeitung“: „Manchmal schlägt man ein Buch auf und fragt sich nach einer durchlesenen Nacht, warum es das nicht schon vorher gegeben hat. (...) Dieses Buch schafft nämlich den Durchbruch. Es ist der erste ernsthafte Versuch einer Fußballgeschichte in Deutschland, die auch die politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen des Spiels einbezieht. (...) Ein brillanter Steilpass aus defensiver Sprachlosigkeit und vagen Mittelfeldgeraune.“ Es folgten u.a. Bücher über Borussia Dortmund und den FC Bayern München, denen der Charakter von „Standardwerken“ attestiert wurde. Ebenso erging es seinen Veröffentlichungen „Das goldene Buch der Fußballweltmeisterschaft“ und „Das goldene Buch des deutschen Fußballs“ (mit Hardy Grüne), die beide in mehreren Auflagen erschienen sind. Auch zur Geschichte großer internationaler Vereine hat Schulze-Marmeling erfolgreiche Bücher vorgelegt, so zum FC Barcelona, zu Manchester United, Celtic Glasgow und zuletzt zum FC Liverpool („Reds“). Für seine bislang wertvollste Veröffentlichung erachtet der Autor indes „Davidstern und Lederball. Die Geschichte der Juden im deutschen und internationalen Fußball“, die mit dazu beitrug, dass die Geschichte des deutschen Fußballs „umgeschrieben“ wurde. Der Literaturkritiker Helmut Böttiger urteilte in der „Zeit“: „Eine absolut herausragende Veröffentlichung. Hier liegt der Idealfall vor: Fußball als Kulturgeschichte.“ Für das Buch „Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur“ wurde Schulze-Marmeling mit dem Preis für das Fußballbuch des Jahres ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Fußballkultur und lebt in Altenberge bei Münster. Dietrich Schulze-Marmeling schreibt auch für den Die Werkstatt Blog. Alle Artikel findet ihr hier: Zum Blog

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Hans Rosenthal und der Fußball (ISBN: 9783896847355)

Hans Rosenthal und der Fußball

Neu erschienen am 01.10.2026 als Taschenbuch bei Edition Einwurf GmbH.

Alle Bücher von Dietrich Schulze-Marmeling

Cover des Buches Im Land der tausend Derbys (ISBN: 9783730702093)

Im Land der tausend Derbys

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Erschienen am 28.10.2016
Cover des Buches 1974 (ISBN: 9783730706602)

1974

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Erschienen am 06.10.2023
Cover des Buches Boykottiert Katar 2022! (ISBN: 9783730705452)

Boykottiert Katar 2022!

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Erschienen am 05.05.2021
Cover des Buches Die Bayern (ISBN: 9783895338212)

Die Bayern

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Erschienen am 01.11.2011
Cover des Buches 1966 (ISBN: 9783730707807)

1966

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Erschienen am 02.10.2025
Cover des Buches Barça (ISBN: 9783895337208)

Barça

(2)
Erschienen am 01.06.2013
Cover des Buches Der Fall Özil (ISBN: 9783730704318)

Der Fall Özil

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Erschienen am 31.07.2018

Neue Rezensionen zu Dietrich Schulze-Marmeling

Cover des Buches Toni Kroos (ISBN: 9783730707074)
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Rezension zu "Toni Kroos" von Dietrich Schulze-Marmeling

Ketty
Toni Kroos

Vorneweg: Ich bin kein großer Fußballfan und schaue auch außer den Spielen der Nationalmannschaft eigentlich kein Fußball. Ich finde aber Toni Kroos als Persönlichkeit sehr interessant und wollte aus diesem Grund das Buch lesen.

Ich muss auch zugeben, ich habe mir etwas ganz anderes darunter vorgestellt als das, was ich gelesen habe. Es geht nur um Toni Kroos als Fußballspieler und seinem Werdegang. Persönliche Informationen oder welche die nichts mit einem Verein zu tun haben gibt es nicht. Ob hier jetzt alles und vor allem alles richtig verarbeitet wurde kann ich leider nicht sagen. Es hört sich aber gut recherchiert an. Erwähnenswert ist auch, dass es nicht nur um Toni allein geht, sondern es wird auch von vielen anderen Persönlichkeiten des Fußballs berichtet, die entweder mit Kroos gespielt , ihn trainiert oder sonst wie gefördert haben oder die etwas über ihn zu sagen hatten. Ab und zu schweift der Autor dann etwas ab.

Cover des Buches Politik im Spiel (ISBN: 9783896847256)
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Rezension zu "Politik im Spiel" von Bernd-M. Beyer

Joseph_Weisbrod
Von Otto Nerz bis Julian Nagelsmann

Warum die Geschichte der Nationalmannschaft nie unpolitisch war

Der Spannungsbogen dieser anderen Geschichte der deutschen Nationalmannschaft reicht vom jüngsten bis zum zweitjüngsten Cheftrainer. Otto Nerz wurde 1926 mit 34 Jahren Reichstrainer, Julian Nagelsmann im September 2023 Bundestrainer. Am Beispiel der insgesamt zwölf Nationaltrainer, darunter die Weltmeister Sepp Herberger (1954), Helmut Schön (1974), Franz Beckenbauer (1990) und Joachim Löw (2014), lässt sich, so die bewährte Autoren-Doppelspitze Dietrich Schulze-Marmeling und Bernd-M. Beyer in ihrem neuen Buch, „die jeweils vorherrschende politische Stimmungslage in Deutschland“ trefflich beschreiben.

Der ehemalige Sozialdemokrat Otto Nerz trat 1933 der SA und ein Jahr später der NSDAP bei. Der erste hauptamtliche Reichstrainer beschwor die „Gefahr der Verjudung im Fußball“ und propagierte einen „judenfreien europäischen Sport“. Bevor der Freund von Karl Eberhard, Leibarzt des Holocaust-Cheforganisators Heinrich Himmler, 1949 in einem sowjetischen Sonderlager starb, war er u. a. für die Leidenswege der jüdischen Nationalspieler Gottfried Fuchs und Julius Hirsch mitverantwortlich. 

Davon zeugt einer der in diese scharfsichtige Geschichtschronik eingebauten Exkurse. Gottfried Fuchs, der mit zehn Toren in einem Länderspiel gegen Russland immer noch den deutschen Rekord hält, und Julius Hirsch, als Torjäger beim Deutschen Meister Karlsruher FV einer der besten deutschen Stürmer, wurden wie alle Juden bereits 1933 „freudig und entschieden“ aus der Nationalelf und ihren Vereinen „entfernt.“ 

Das lange Martyrium von Julius Hirsch, zu dessen Ehren der DFB jährlich den „Julius Hirsch Preis“ verleiht, endete im März 1943 mit dessen Ermordung in Auschwitz. Dem nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich inhaftierten Gottfried Fuchs gelang 1940 wie durch ein Wunder die Flucht nach Kanada. Nerz-Nachfolger Sepp Herberger arrangierte sich zwar mit dem NS-Regime, „schützte“ jedoch seine Nationalspieler vor der Nazipropaganda und wurde im Entnazifizierungsverfahren lediglich als Mitläufer eingestuft. 

Auch der vor 125 Jahren 1900 gegründete Deutsche Fußball-Bund erwies sich mit Spitzenfunktionären wie DFB-„Fußballführer“ Felix Linnemann als willfähriger Steigbügelhalter des NS-Regimes. Der ehemalige Nationalspieler Rudolf Gramlich war als Mitglied der Waffen-SS im polnischen Krakau an einem Erschießungskommando und einer Vergeltungsaktion mit über 900 ermordeten Menschen beteiligt. Nach dem Kriegsende avancierte der spätere Ehrenpräsident von Eintracht Frankfurt als Vorsitzender des Bundesliga-Ausschusses ab 1967 zu einem der mächtigsten Männer im deutschen Fußball. 

Hermann Neuberger, 1944 einer der jüngsten NS-Hauptmänner im Generalstab, gilt als einer der Väter der Bundesliga. Der autoritäre DFB-Präsident spielte anlässlich der WM 1978 in Argentinien eine verhängnisvolle Rolle. Er sympathisierte mit der herrschenden Militärdiktatur, verweigerte trotz bester Junta-Kontakte den Erfolg versprechenden Einsatz für die Freilassung der in der Folterhaft ermordeten deutschen Studentin Elisabeth Käsemann und empfing den früheren Nazi-Oberst Hans-Ulrich Rudel, Gründer eines NS-Hilfswerks in Argentinien, im WM-Quartier der Nationalmannschaft, einem Erholungsheim der argentinischen Luftwaffe. Nach dem Finale rügte Neuberger die Spieler von Vizeweltmeister Niederlande, weil sie dem Diktator und Massenmörder Jorge Rafael Vileda den Handschlag verweigert hatten. 

Dass die Geschichte der Nationalmannschaft immer ein Spiegelbild der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung war bzw. ist, zeigen auch die Ausführungen über das Brandt’sche „Wagnis der Demokratie “, das während der WM 1974 - mit dem deutsch-deutschen „Systemvergleich“ - von Franz Beckenbauer, Paul Breitner & Co. in der spartanischen Sportschule Malente geübt wurde, bis hin zum „Fall Özil/Erdogan“ vor der WM 2018 und der „Mannschaft unterm Regenbogen“ bei der verkorksten Winter-WM 2022 in Katar. 

Auch die EM 2024 hatte eine politische Schlagseite. Und da sind wir wieder bei Julian Nagelsmann. Der SPIEGEL schrieb: „Nagelsmann tut auf den EM-Pressekonferenzen das, was Scholz unterlässt. Er erklärt sein Handeln.“ Starkolumnist Sascha Lobo lobte gar den „nagelsmannschen Gemeinschaftspatriotismus.“ Doch als der smarte Zeitenwende-Bundestrainer mit einer Umfrage konfrontiert wurde, nach der immerhin jeder Fünfte der Befragten sich mehr „weiße Spieler“ in der Nationalelf wünschte, kritisierte Nagelsmann nicht etwa diese rassistische Einstellung, sondern die “Scheiß-Umfrage“. 

AfD-Rechtsaußen Björn Höcke verachtet „einen Fußball, dem aus jeder Pore die Regenbogenideologie quillt", und betont: "Heute kann ich mich nicht mehr mit unserer Nationalmannschaft identifizieren". Die vom Thüringer AfD-Vorsitzenden propagierte (und gerichtlich sanktionierte) Nazi-Parole „Alles für Deutschland“ könnte auch als Überschrift des dunkelsten Kapitels in der Nationalmannschafts-Geschichte dienen: Für die bleiernen 25 Jahre zwischen 1920 bis 1945. Die völkisch-antidemokratische Saga vom „deutschen Volksgemeinschaftsgeist“ und „fremder Mentalität“: Sie ist in rechten Kreisen leider wieder salonfähig! Um so wichtiger ist ein solches Aufklärungsbuch. 

Joseph Weisbrod 

Info: Dietrich Schulze-Marmeling, Bernd-M. Beyer: „Politik im Spiel – Die andere Geschichte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft“. 2025. 320 Seiten. 26 Euro. Edition einwurf

Cover des Buches 1974 (ISBN: 9783730706602)
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Rezension zu "1974" von Dietrich Schulze-Marmeling

Dr_M
"WM-Historie, politische Geschehnisse und Kulturgeschichte"

Was man nicht alles mit einer gewonnenen Weltmeisterschaft in Verbindung bringen kann, ist schon erstaunlich. Hätten die Niederländer 1974 gewonnen, wäre das völlig in Ordnung gewesen. Aber Geschichte ist immer die Geschichte der Sieger. Und da Deutschland knapp gesiegt hatte, wird die Weltmeisterschaft aus dieser Perspektive erzählt. Kaum jemand erinnert sich noch, wenn er es überhaupt kann, an die tatsächlichen Umstände. Das kann man mit diesem Buch nachholen oder überhaupt erst verstehen. Es ist schon verblüffend, wie gut es den beiden Autoren gelingt, die Monate vor der Weltmeisterschaft und das Turnier selbst zu schildern.

Vielleicht sehen das Menschen, die die Ereignisse damals nicht miterlebt haben, anders, weil sie den Vergleich nicht haben, keine Erinnerungen besitzen. Mich hat jedoch erstaunt, wie diese Zeit wieder vor meinem geistigen Auge auftauchte. Und das verdanke ich den tagebuchartigen Berichten dieses Textes. Wer allerdings allein auf Statistiken und kalte Fakten orientiert sein sollte, dem wird dieses Buch weniger gefallen. Es versucht die Stimmung wiederzugeben, in dem sich das Land und die Mannschaft befanden. Und das gelingt ihm sehr gut. Wenn man sich dafür allerdings weniger interessiert, wird man sich vielleicht langweilen.

Natürlich kann man auch eine Menge aus dem Text lernen. Zum Beispiel, dass es eine Konstante im deutschen Fußball gibt: Die Unfähigkeit des DFB und seiner meist wenig intelligenten Funktionäre. In der Gegenwart werden Verträge mit Trainern verlängert, die keine Zukunft besitzen. Es wird die richtige Haltung mit einer Binde demonstriert, das "National" an der Mannschaft gestrichen oder sonstiger (oft teurer Unfug) betrieben. Damals, so liest man es im Buch, gab es Sexverbote, drakonische Freiheitsbeschränkungen für die Spieler in Vorbereitung auf die WM, und anschließend wurden die Spielerfrauen von der Siegesfeier ausgeschlossen. Die Selbstherrlichkeit der DFB-Funktionäre war und ist wirklich verblüffend.

Selbstherrlich ist auch das Stichwort für die Mannschaft und einige Spieler. Nur so ging das Prestigespiel gegen die DDR verloren, was immerhin wenigstens ein Wachmacher war. Am Ende stand der WM-Sieg, verdient oder auch nicht. Mit dem deutschen Sieg ging allerdings unter, dass die Holländer den Fußball tatsächlich revolutioniert hatten, was in der Folge Spanien zu Erfolgen führte, denn dort wurde der "totale Fußball" hin exportiert. So wurde der FC Barcelona groß gemacht.

Das ist allerdings ein anderes Thema. In diesem Buch geht es vorrangig um den deutschen Erfolg, der aber jedoch erwartbar kurzlebig war, weil er weder von einer Idee, noch von einer wirklichen Mannschaft getragen wurde.

Das Buch zu bewerten, fällt mir etwas schwer, weil ich vermute, dass die Herangehensweise nicht jedem gefallen wird. Wenn man sie akzeptiert, ist es ein gelungenes Buch.

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