Dilek Güngör

 4.1 Sterne bei 26 Bewertungen

Lebenslauf von Dilek Güngör

Vermittlerin zwischen den Welten: Dilek Güngör, geboren 1972 in Schwäbisch Gmünd, ist eine deutsch-türkische Journalistin, Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie studierte Übersetzen in Germersheim, Journalistik in Mainz und Race and Ethnic Studies in Warwick, England. Heute ist sie als Journalistin bei der »Berliner Zeitung« und als stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift »Kulturaustausch« tätig. Güngör beschäftigt sich in ihrem Schreiben viel mit der deutsch-türkischen Verständigung, mit verschiedenen Kulturen und Integration. Ihre gesammelten Kolumnen aus verschiedenen Zeitungen erscheinen regelmäßig in Buchform. Außerdem ist sie stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift »Kulturaustausch« und schreibt als Gastautorin Beiträge für die Zeit-Online Kolumne »10 nach 8«. Neben ihrer Zeitungsarbeit verfasst sie auch Opernlibretti und Romane.

Alle Bücher von Dilek Güngör

Cover des Buches Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter9783492252669

Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter

 (11)
Erschienen am 01.10.2008
Cover des Buches Ich bin Özlem9783957323736

Ich bin Özlem

 (7)
Erschienen am 20.02.2019
Cover des Buches Unter uns9783442734351

Unter uns

 (5)
Erschienen am 04.09.2006
Cover des Buches Ganz schön deutsch9783492248969

Ganz schön deutsch

 (3)
Erschienen am 01.10.2007

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Rezension zu "Ich bin Özlem" von Dilek Güngör

"Werde ich jemals etwas anderes, jemand anderes sein als Türkin?" (S. 107)
leseleavor einem Jahr

Um diese zentrale Frage kreist Özlem, seit sie denken kann. Zu oft hat sie in ihrem Leben Fragen gehört wie: „Wie ist das eigentlich in eurem Land?“ oder „Gibt es bei euch Türken eigentlich auch xyz?“ Und natürlich den Klassiker: „Und wo kommst du eigentlich her?“ Özlem hat früh gelernt: Wenn man einen Namen wie den ihren hat, dann ist es egal, ob man in Schwäbisch Gmünd geboren ist und als Deutschlehrerin in Berlin arbeitet – man bleibt für immer die Türkin, auch sich selbst gegenüber. Denn wenn es nicht die anderen sind, die sie in die Rolle der Fremden drängen, dann tut sie es selber. Die Türkei – obwohl sie selber dort nur die Sommerferien verbracht hat – ist in ihrem Handeln, Denken, Bewerten immer präsent, der Background ihrer Eltern bestimmt ihre Gegenwart. Erst langsam, nach Streit mit engen Freunden wird Özlem bewusst, dass sie sich von den Eigen- und Fremdzuschreibungen befreien muss. Doch wer ist Özlem, wenn sie nicht „die Türkin“ ist?

Ich denke, wenn ich den Leuten nicht von Anfang an sage, dass meine Eltern aus der Türkei kommen, dann können sie nicht verstehen, wovon ich rede, dann ergibt der Rest keinen Sinn. Mein Name nicht, meine Biographie nicht, mein Beruf nicht. (S. 51)

Ich bin Özlem von Dilek Güngör ist ein hochaktueller Roman, der wichtige Fragen zu Identität, den eigenen Wurzeln, Integration, Zugehörigkeit und den Schranken in unseren Köpfen stellt. Er beleuchtet die Lebens- und Gedankenwelt der circa drei Millionen deutsch-türkischen Menschen in Deutschland, die sich daran gewöhnt haben, dass sie unvermittelt für ihre guten Deutschkenntnisse gelobt werden, als Experten für den Islam gelten und bei jeder lockeren Zusammenkunft mindestens einem im Raum die Herkunftsgeschichte ihrer Eltern erklären dürfen. Er thematisiert Rassismus, der sich nicht in beleidigenden Bezeichnungen äußert, sondern in einem subtilen Ausgrenzen, einem Aufzeigen von „wir, die schon immer da waren“ und „ihr, die dazugekommen seid“, in Verhaltensweisen, die das Thema Herkunft immer wieder evozieren, auch wenn es in der konkreten Situation überhaupt nicht zielführend ist.

Dabei geht Dilek Güngör überhaupt nicht anklagend und mit gehobenem Zeigefinger oder gar der Rassismus-Keule vor. Mit der Figur der Özlem schafft sie eine Protagonistin, die sehr reflektierend, sehr nachdenklich, sehr hinterfragend und selbstkritisch ist. Auch sie ist nicht frei vom Schubladendenken, sondern kategorisiert ihre Mitmenschen in „die Deutschen“ und „die Türken“ und schreibt ihnen Meinungen, Einstellungen, Handlungsmuster zu. Anhand von Erinnerungsfetzen und Alltagsszenen – das Buch besteht nur aus einem sehr grob geflochtenen Handlungsstrang – versucht Özlem Antworten auf die sie bedrängenden Fragen zu finden – und macht dabei deutlich, dass es keine einfachen Lösungen gibt.

Ich bin Özlem ist insgesamt ein kluges Buch, das bei aller Brisanz in der Thematik für meinen Geschmack jedoch zu trocken bleibt. Dies liegt eindeutig an dem eher essayistisch angehauchten Stil und Aufbau; die einzelnen Szenen werden hin- und hergewendet, unters Mikroskop gelegt, in ihrer Komplexität zu fassen versucht. Was dabei fehlt: Emotionen! Ich hätte Özlem mehr Wut, mehr Zorn, mehr Energie gewünscht. Vielleicht wäre sie dann weniger fair gewesen, weniger versöhnlich, doch ich hätte ihr ein reinigendes Gefühlsgewitter gegönnt, die Möglichkeit, den seelischen Ballast von knapp 40 Jahren einmal herauszuschreien. So kam ich ihr zwar gedanklich nahe und habe einige gute Denkanstöße mitgenommen – in ihre Haut wurde ich jedoch nicht hineingezwungen. Für mich ist das Buch daher zu viel Impulsreferat und zu wenig mitreißende Geschichte. Daher insgesamt nur 4 Sterne, eine Leseempfehlung gibt es aber durchaus.

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Rezension zu "Ich bin Özlem" von Dilek Güngör

Sensibel, brutal ehrlich und mit Weitblick
sarah_elisevor einem Jahr

Sensibel, brutal ehrlich und mit Weitblick beschreibt die Berlinerin Dilek Güngör, wie ihre Protagonistin Özlem für ihr Umfeld eine von diesen vermeintlich „anderen“ zu sein scheint und für sich selbst doch eigentlich nicht. Und wie schwer es ist, sich den Gewohnheiten loszureißen, um die eigene Geschichte erzählen zu können, unabhängig von der Migrationsgeschichte der Eltern.



Özlem ist müde. Sie will sich in Ordnung fühlen, wie sie ist. Ich schließe mit meinem Lieblingssatz: „Als Kind hatte ich keinen Namen für das Gefühl, das mich quälte. Ich hielt es für Bauchweh. Es macht tatsächlich Bauchschmerzen. Jetzt habe ich Namen dafür, aber Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind große Worte. Damit, dachte ich, habe ich doch nichts zu tun.“

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Rezension zu "Ich bin Özlem" von Dilek Güngör

Ich bin Özlem
Petrisvor einem Jahr

Özlem gehört zu jenen Türkinnen, von denen die deutschen Freundinnen, wenn sie über Integrationsprobleme und Problemschulen diskutieren, sagen: „Aber dich meinen wir gar nicht.“ Aber so einfach ist das alles nicht. Özlem fühlt sich nirgends wirklich zugehörig. Sie versucht etwas zu sein, von dem sie selber nicht weiß, was das genau sein soll.

Nach außen ist ihr Leben perfekt. Sie ist mit Philipp verheiratet, hat einen Beruf, den sie mag, zwei Kinder. Sie spricht mehrere Sprachen, hat ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern und einen interessanten Freundeskreis. Und dennoch dreht sich ihr Denken und Reflektieren um die Frage ihrer Identität, ihrer Zugehörigkeit. Ihr Leben wird geprägt von Scham und schlechtem Gewissen. Das belastet auch ihre Freundschaften.

An einem Wochenende mit Freunden läuft das Fass über. Aber gleichzeitig ist es vielleicht auch der Anstoß, um die kreisenden Gedanken aus ihrem Kreisverkehr zu befreien.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, das Thema der Selbstdefinition, des Dazugehörens, des Fremd- und Andersseins, das Gefühl, nicht zu genügen, das kennen wir alle. Viele der Gedanken sind uns vertraut, auch wenn wir nicht zwischen zwei Nationalitäten stehen. Es war interessant, Özlems Gedanken zu folgen, manchmal hätte man sie gerne einfach geschüttelt und ihr gesagt, dass sie aufhören soll, sich so anzustrengen und so viele Gedanken zu machen, dass sie großartig ist, so wie sie ist. Es handelt sich bei diesem Roman nicht um romantische Sozialkomödie über gelungene Integration und auch nicht um eine Tragödie über ein schweres, von Rückschlägen, Schwierigkeiten und Pech begleitetes Emigrantenleben. Genau das macht es interessant und macht es einem als Leser*in leicht, Özlem zu verstehen (wenn auch nicht immer) und sich mit manchen ihrer Gedanken zu identifizieren.


Ein spannendes Buch zum Thema Identität, Zugehörigkeit und Fremdsein. Eine Autorin, die man sich merken muss!

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