Die Verängstigten

von Dima Wannous 
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Die Verängstigten
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

J

Jeden Morgen werden die Gefangenen nacheinander der Folter unterworfen - Dima Wannous schreibt schonungslos über den Krieg in Syrien.

Alle 1 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Die Verängstigten"

Als Suleima im Wartezimmer eines Psychologen Nassim, einen Arzt und Schriftsteller, kennenlernt, entspinnt sich zwischen den beiden eine Amour Fou, die viele Jahre andauert. Als in Syrien der Krieg ausbricht, flieht Nassim nach Deutschland und lässt nichts mehr von sich hören. Doch eines Tages erreicht Suleima ein Manuskript ihres Freundes. Bei der Lektüre stellt sie fest, dass Nassim eine Geschichte erzählt, die sehr viel mit ihrer eigenen zu tun hat. Salma, die Protagonistin aus Nassims Manuskript, erzählt von dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter, vom frühen Tod des Vaters und den Schwierigkeiten, mit Eltern aufzuwachsen, die unterschiedlichen Religionen angehören, in einer Familie, die von der Diktatur zermalmt wurde.
Für Suleima wird die Lektüre von Nassims Manuskript zu einer Reise zu sich selbst, in magischen Traumbildern arbeitet sie ihre eigene Vergangenheit auf, beginnt ihre Geschichte zu begreifen und macht sich schließlich auf die Suche nach der Frau, die ihr Schicksal teilt.
Das eindringliche Zeugnis einer von gesellschaftlichen und politischen Wirren beschädigten Biografie, die das Schicksal einer ganzen Generation wiederspiegelt, erzählt in einer kraftvollen und poetischen Sprache von einer der wichtigsten Stimmen der arabischen Gegenwartsliteratur.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783896676276
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:220 Seiten
Verlag:Blessing
Erscheinungsdatum:27.08.2018

Rezensionen und Bewertungen

Neu
5 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne1
  • 4 Sterne0
  • 3 Sterne0
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    J
    jamal_tuschickvor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Jeden Morgen werden die Gefangenen nacheinander der Folter unterworfen - Dima Wannous schreibt schonungslos über den Krieg in Syrien.
    Das Gefühl bleiernder Leichtigkeit

    „Literatur war in der arabischen Welt lange eine Gefangene der Politik“, sagt Dima Wannous. Sie hat an der Sorbonne studiert und lebt in London. Ihre ersten Erzählungen kündigten bereits 2007 die syrische Revolution von 2011 an. In „Dunkle Wolken über Damaskus“ schildert sie Diktaturgeschädigte in allen Schattierungen der Anpassung. Sie beschreibt die Spielarten des vorauseilenden Gehorsams von Schranzen in einer paranoiden Günstlingswirtschaft. Überall lauern Spitzel. Auch Assads alawitische Adlaten sind Gefangene einer kollektiven Depression.
    Dann kam die Revolution und zerstörte, so sagt es Wannous, Familien und Freundschaften. Die gesellschaftlichen Risse gingen durch die Decken der Häuslichkeit und zerfetzten die letzten Abschirmungen. Wannous gehörte zu der Schicht, die das Sagen hatte – zu jenen Alawiten (nicht Aleviten), die den engsten Ring um den Assad Klan bildeten. Alawiten bilden einen Mysterienkult, also eine Geheimgesellschaft. In Syrien kassierte ein Staat im Staat den Staat. Das konnte gelingen, weil Alawiten in der französischen Kolonialarmee, zunächst in der Légion syrienne und ab 1925 in den Troupes spéciales du Levant privilegiert wurden: im Gegenzug für die Bereitschaft, gegen die sunnitische Mehrheit vorzugehen. Vielleicht erklärt das Assads indifferentes Blutvergießen. Die syrische Mehrheit steckt nicht in der alawitischen Matrix. Das sind nicht seine Leute. Wannous stellt fest: In Syrien tobt kein Bürgerkrieg. Da lässt die Regierung das Volk zusammenschießen.“ Sie prophezeit: „Wir werden nicht wieder miteinander leben können.“
    „Syrien ist ein besetztes Land.“
    Plötzlich drehten sich auch die Gespräche der Auserwählten um Kontrollpunkte und steigende Lebensmittelpreise. Die Nähe zur Macht verschonte die Wannous‘ nicht von alltäglicher Not. Mit Freunden und Bekannten traf man sich nur noch, um festzustellen, wie fremd man sich geworden war. Das ist der Ausgangspunkt in Wannous‘ Roman „Die Verängstigten“. Der schreibende Arzt Nassim flüchtet vor dem Krieg nach Deutschland und geht da auf Tauchstation. Er überlässt es seiner Geliebten sich Sorgen zu machen und Mutmaßungen anzustellen. Suleima verdient so wenig, dass ihr Gehalt von den Fahrtkosten verpulvert wird. Sie arbeitet bei einer privaten Fluglinie, die prosperiert, seit der staatliche Luftverkehr auf die Bereitstellung einer Maschine reduziert wurde. Die permanente Nähe zu den Spielräumen der komfortabel den Kriegshärten nach Saudi-Arabien entgehenden Besserverdienern gibt Suleima ein „Gefühl bleiernder Leichtigkeit“. Ihre Seele trennt sich vom Körper und sie verliert jeden Halt.
    Eines Tages empfängt Suleima ein Manuskript ihres desertierten Geliebten, das ihre Biografie spiegelt. Vorderhand geht es um religiöse Spannungen und totalitäre Verhältnisse. In Wahrheit geht es um das Eingemachte der Empfängerin. Auf den Brückenbögen der Lektüre bricht Suleima zu einer Selbstkonfrontation auf. Sie begreift: Das Regime spaltet die Gesellschaft vorsätzlich. Jeder soll sich nur seinem Milieu verbunden fühlen.
    Gleichzeitig erlebt ein Offizier der republikanischen Streitkräfte seine Verhaftung. Man degradiert ihn, bis er sich nackt unter Nackten in einer überfüllten Zelle wiederfindet, froh darüber, den schmerzhaftesten Zumutungen gerade einmal nicht ausgesetzt zu sein. Einem Kameraden im Leid ist die Unterhose nicht weggenommen worden. Das gibt dem Offizier ein Rätsel auf. Er fragt in die Runde, doch niemand erklärt ihm die Sache.
    Jeden Morgen werden die Gefangenen nacheinander der Folter unterworfen. Eines Tages kehrt der Mann mit Unterhose aus dem Behandlungszimmer zurück und bricht tot in der Zelle zusammen. Die Überlebenden stürzen sich auf die Leichen und kämpfen um die Unterhose. Dem Sieger gehört sie bis zu seiner Begnadigung im Tod.
    Wannous schildert den Umschwung von Liebe in Hass und den Durchmarsch einer Psychose, die nach allen greift. Die Psychose, das ist der Krieg. Seine postumen Rationalisierungen sind Kunstwerke der Unwahrheit.

    Kommentieren0
    0
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks