Die Verängstigten

von Dima Wannous 
4,4 Sterne bei5 Bewertungen
Die Verängstigten
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Erschütternd, aber nicht einfach zu lesen

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Jeden Morgen werden die Gefangenen nacheinander der Folter unterworfen - Dima Wannous schreibt schonungslos über den Krieg in Syrien.

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Inhaltsangabe zu "Die Verängstigten"

Als Suleima im Wartezimmer eines Psychologen Nassim, einen Arzt und Schriftsteller, kennenlernt, entspinnt sich zwischen den beiden eine Amour Fou, die viele Jahre andauert. Als in Syrien der Krieg ausbricht, flieht Nassim nach Deutschland und lässt nichts mehr von sich hören. Doch eines Tages erreicht Suleima ein Manuskript ihres Freundes. Bei der Lektüre stellt sie fest, dass Nassim eine Geschichte erzählt, die sehr viel mit ihrer eigenen zu tun hat. Salma, die Protagonistin aus Nassims Manuskript, erzählt von dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter, vom frühen Tod des Vaters und den Schwierigkeiten, mit Eltern aufzuwachsen, die unterschiedlichen Religionen angehören, in einer Familie, die von der Diktatur zermalmt wurde.
Für Suleima wird die Lektüre von Nassims Manuskript zu einer Reise zu sich selbst, in magischen Traumbildern arbeitet sie ihre eigene Vergangenheit auf, beginnt ihre Geschichte zu begreifen und macht sich schließlich auf die Suche nach der Frau, die ihr Schicksal teilt.
Das eindringliche Zeugnis einer von gesellschaftlichen und politischen Wirren beschädigten Biografie, die das Schicksal einer ganzen Generation wiederspiegelt, erzählt in einer kraftvollen und poetischen Sprache von einer der wichtigsten Stimmen der arabischen Gegenwartsliteratur.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783896676276
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Blessing
Erscheinungsdatum:27.08.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    LittleMissEMmAs avatar
    LittleMissEMmAvor 11 Tagen
    Eigentlich unbeschreiblich

    Dies war für mich der erste Roman aus der arabischsprachigen Welt und ich wäre gerne in der Lage, ihn im Original zu lesen.
    Bereits der Klappentext offenbart, dass dies kein leicht zu lesender Roman ist. Hieraus ein paar Stichworte: Psychologe, Amour Fou, Krieg, Flucht, schwieriges Verhältnis zur Mutter, früher Tod des Vaters, unterschiedliche Religionen, Diktatur, Verarbeitung der eigenen Vergangenheit, Reise zu sich selbst.
    Es ist kein Roman, den man "einfach so" liest oder der spurlos an einem vorbeigeht. In den aktuellen politischen Wirren, die nicht nur die Gesellschaft(en) an sich, sondern jede einzelne Person in ihrem täglichen Leben beeinflussen (können), ist dieser Roman ein Mahnmal.
    Absolut empfehlenswert!

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    C
    Cat83vor 24 Tagen
    Bewegender Einblick in die syrische Geschichte

    Suleima lernt im Wartezimmer ihres Psychologen Kamil den Arzt und Schriftsteller Nassim kennen. Zwischen ihnen entwickelt sich eine über Jahre andauernde Beziehung, die sich einerseits durch große Distanz und andererseits durch Momente des tiefen Verständnisses auszeichnet. Als Nassim schließlich mit seinem Vater nach Deutschland flieht, bleibt Suleima allein zurück. Sie erhält jedoch ein Manuskript ihres Freundes, dessen Inhalt sie immer mehr an ihre eigene Familiengeschichte erinnert. Parallelen wie der frühe Tod des Vaters oder der vermisste Bruder sind ebenso auffällig wie das schwierige Verhältnis zur Mutter. 

    Durch die Lektüre des Romans setzt sich Suleima mehr und mehr mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander und will sich schließlich mit Salma, der Frau, die hinter Nassims Protagonistin steckt, treffen.

    Das Buch ist in einer klaren, aber dennoch leichten und poetischen Sprache verfasst und lässt sich sehr gut lesen. Ich hatte mich literarisch noch nie mit der Geschichte oder Politik Syriens beschäftigt, und trotzdem gelang der Einstieg in den Roman reibungslos. Wannous schafft es, die Zerrissenheit eines ganzen Landes beispielhaft an der Familie aufzuzeigen. Denn auch innerhalb dieser haben sich durch unterschiedliche Religionszugehörigkeiten der einzelnen Mitglieder tiefe Risse gezogen, die sich auch Jahre später nicht so einfach kitten lassen. Keiner traut dem anderen und die Angst vor Überwachung und Folter durch das Regime sind allgegenwärtig. Diese Themen verarbeitet Wannous jedoch nicht plakativ oder mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern verwebt sie geschickt mit der Geschichte ihrer Protagonisten. 

    Im Nachwort der Übersetzerin Larissa Bender ist auf sechs Seiten unter anderem ein kurzer Abriss der syrischen Geschichte seit 1946 aufgeführt. Dieser hilft noch einmal dabei, die im Roman erwähnten historischen Ereignisse einzuordnen. 

    Ich kann das Buch nur empfehlen, da es nicht nur sprachlich ein echter Gewinn ist, sondern ebenso einen Einblick in die syrische Gesellschaft bietet, wie man ihn nur über die Literatur erhalten kann. Emotional, aufwühlend und nachhaltig. 

    Die volle Punktzahl habe ich nicht vergeben, da mir das Ende etwas zu abrupt kam. Beim Rückblick auf den Roman überwiegen jedoch klar die starken und eindringlichen Bilder. Absolut empfehlenswert!

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    B
    biancaschvor einem Monat
    Kurzmeinung: Erschütternd, aber nicht einfach zu lesen
    Angst

    Ich habe mich auf die vorherigen Rezensionen verlassen und habe vorab das Nachwort gelesen. Ich glaube, dass es mir geholfen hat das Buch zu verstehen. Der Satz "Angst ist der Protagonist diese Buches" (aus dem Nachwort) blieb mir beim Lesen immer im Hinterkopf. Trotzdem fiel mir der Schreibstil nicht leicht. Für mich war es vielleicht ein bisschen zu viel Poesie. Aber inhaltlich ist es einfach erschütternd und ergreifend.

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    Herbstroses avatar
    Herbstrosevor einem Monat
    Angst lässt die Seele erkalten …

    In der überfüllten Praxis des Psychotherapeuten Kamil lernen sie sich kennen und lieben, die 30jährige Suleima und der Arzt und Schriftsteller Nassim. Ihre Beziehung dauert viele Jahre und ist überschattet von Diktatur und Bürgerkrieg in Syrien. Nassim wird verhaftet und 30 Tage unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt. Nach seiner Freilassung flieht er nach Deutschland. Lange hört Suleima nichts mehr von ihm, bis sie eines Tages das Manuskript seines neuen Romans erhält. In der Protagonistin Salma glaubt Suleima, sich selbst wieder zu erkennen. Auch sie verlor früh ihren Vater, hatte ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter und auch ihre Familie ist während der Diktatur auseinander gerissen worden. Für Suleima ist Nassims Geschichte der Anlass, ihre eigene Geschichte und Vergangenheit zu hinterfragen, beklemmende und schmerzhafte Erinnerungen aufzuarbeiten und letztendlich zu sich selbst zu finden …

    Die Autorin Dima Wannous wurde 1982 in Damaskus geboren und studierte an der dortigen Universität und an der Sorbonne in Paris Französische Literatur. Sie lebt derzeit in London und schreibt regelmäßig für arabischsprachige Tageszeitungen. Ihr Roman "Die Verängstigten" stand auf der Shortlist für den "International Prize for Arabic Fiction 2018". 

    Es geht im ganzen Roman um Angst, Angst vor der Angst, Panik und Panikattacken, Trauer und Verzweiflung – 247 Buchseiten lang. Das muss man erst mal aushalten! Angst scheint das Leben aller in Syrien zu beherrschen, scheint sie in den Wahnsinn zu treiben und bei allen ihre Spuren zu hinterlassen. Nicht nur die Opfer, auch die Täter leiden unter psychischen Störungen und bevölkern Kamils Wartezimmer. – Irgendwann wurde es mir zu viel, ich war wie betäubt und konnte das Gelesene nicht mehr richtig einordnen, war nur noch unbeteiligte Beobachterin. Sehr hilfreich mir war dann das Nachwort von Larissa Bender beim Verständnis zur Geschichte des Landes und zum Realisieren dieses teilweise autobiografischen Romans.

    Fazit: Ein außergewöhnliches Werk über die Absurdität des syrischen Alltags – berührend und verstörend. 

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    J
    jamal_tuschickvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Jeden Morgen werden die Gefangenen nacheinander der Folter unterworfen - Dima Wannous schreibt schonungslos über den Krieg in Syrien.
    Das Gefühl bleiernder Leichtigkeit

    „Literatur war in der arabischen Welt lange eine Gefangene der Politik“, sagt Dima Wannous. Sie hat an der Sorbonne studiert und lebt in London. Ihre ersten Erzählungen kündigten bereits 2007 die syrische Revolution von 2011 an. In „Dunkle Wolken über Damaskus“ schildert sie Diktaturgeschädigte in allen Schattierungen der Anpassung. Sie beschreibt die Spielarten des vorauseilenden Gehorsams von Schranzen in einer paranoiden Günstlingswirtschaft. Überall lauern Spitzel. Auch Assads alawitische Adlaten sind Gefangene einer kollektiven Depression.
    Dann kam die Revolution und zerstörte, so sagt es Wannous, Familien und Freundschaften. Die gesellschaftlichen Risse gingen durch die Decken der Häuslichkeit und zerfetzten die letzten Abschirmungen. Wannous gehörte zu der Schicht, die das Sagen hatte – zu jenen Alawiten (nicht Aleviten), die den engsten Ring um den Assad Klan bildeten. Alawiten bilden einen Mysterienkult, also eine Geheimgesellschaft. In Syrien kassierte ein Staat im Staat den Staat. Das konnte gelingen, weil Alawiten in der französischen Kolonialarmee, zunächst in der Légion syrienne und ab 1925 in den Troupes spéciales du Levant privilegiert wurden: im Gegenzug für die Bereitschaft, gegen die sunnitische Mehrheit vorzugehen. Vielleicht erklärt das Assads indifferentes Blutvergießen. Die syrische Mehrheit steckt nicht in der alawitischen Matrix. Das sind nicht seine Leute. Wannous stellt fest: In Syrien tobt kein Bürgerkrieg. Da lässt die Regierung das Volk zusammenschießen.“ Sie prophezeit: „Wir werden nicht wieder miteinander leben können.“
    „Syrien ist ein besetztes Land.“
    Plötzlich drehten sich auch die Gespräche der Auserwählten um Kontrollpunkte und steigende Lebensmittelpreise. Die Nähe zur Macht verschonte die Wannous‘ nicht von alltäglicher Not. Mit Freunden und Bekannten traf man sich nur noch, um festzustellen, wie fremd man sich geworden war. Das ist der Ausgangspunkt in Wannous‘ Roman „Die Verängstigten“. Der schreibende Arzt Nassim flüchtet vor dem Krieg nach Deutschland und geht da auf Tauchstation. Er überlässt es seiner Geliebten sich Sorgen zu machen und Mutmaßungen anzustellen. Suleima verdient so wenig, dass ihr Gehalt von den Fahrtkosten verpulvert wird. Sie arbeitet bei einer privaten Fluglinie, die prosperiert, seit der staatliche Luftverkehr auf die Bereitstellung einer Maschine reduziert wurde. Die permanente Nähe zu den Spielräumen der komfortabel den Kriegshärten nach Saudi-Arabien entgehenden Besserverdienern gibt Suleima ein „Gefühl bleiernder Leichtigkeit“. Ihre Seele trennt sich vom Körper und sie verliert jeden Halt.
    Eines Tages empfängt Suleima ein Manuskript ihres desertierten Geliebten, das ihre Biografie spiegelt. Vorderhand geht es um religiöse Spannungen und totalitäre Verhältnisse. In Wahrheit geht es um das Eingemachte der Empfängerin. Auf den Brückenbögen der Lektüre bricht Suleima zu einer Selbstkonfrontation auf. Sie begreift: Das Regime spaltet die Gesellschaft vorsätzlich. Jeder soll sich nur seinem Milieu verbunden fühlen.
    Gleichzeitig erlebt ein Offizier der republikanischen Streitkräfte seine Verhaftung. Man degradiert ihn, bis er sich nackt unter Nackten in einer überfüllten Zelle wiederfindet, froh darüber, den schmerzhaftesten Zumutungen gerade einmal nicht ausgesetzt zu sein. Einem Kameraden im Leid ist die Unterhose nicht weggenommen worden. Das gibt dem Offizier ein Rätsel auf. Er fragt in die Runde, doch niemand erklärt ihm die Sache.
    Jeden Morgen werden die Gefangenen nacheinander der Folter unterworfen. Eines Tages kehrt der Mann mit Unterhose aus dem Behandlungszimmer zurück und bricht tot in der Zelle zusammen. Die Überlebenden stürzen sich auf die Leichen und kämpfen um die Unterhose. Dem Sieger gehört sie bis zu seiner Begnadigung im Tod.
    Wannous schildert den Umschwung von Liebe in Hass und den Durchmarsch einer Psychose, die nach allen greift. Die Psychose, das ist der Krieg. Seine postumen Rationalisierungen sind Kunstwerke der Unwahrheit.

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