Dimitri Stachow Der Retuscheur

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Inhaltsangabe zu „Der Retuscheur“ von Dimitri Stachow

Ein Fotograf löscht Menschen aus Fotos – und damit aus dem Leben Heinrich Müller lebt in Moskau und ist ein erfolgreicher Fotograf, doch plötzlich ereignen sich mysteriöse Dinge in seinem Leben: Alle Personen, die er aus Fotos herausretuschiert hat, kommen unter merkwürdigen Umständen ums Leben. Heinrich wird das ungute Gefühl nicht los, dass diese Todesfälle etwas mit ihm zu tun haben. Verfügt er etwa über die teuflische Gabe, Menschen aus dem Leben zu löschen, sobald er ihr Konterfei von einer Fotografie entfernt?

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  • Rezension zu "Der Retuscheur" von Dimitri Stachow

    Der Retuscheur
    BuechermonsterBlog

    BuechermonsterBlog

    24. October 2011 um 23:22

    Zum Roman: „Der Retuscheur“ von Dimitri Stachow ist wieder mal eines der Bücher, die ich in der Buchhandlung in der Kiste der Mängelexemplare gefunden habe und das ich sonst wahrscheinlich niemals gekauft hätte. Für zwei Euro kann man aber eigentlich nicht viel falsch machen, die Idee hinter dem Roman klang interessant und mit der Auszeichnung „Ein Mystery-Thriller der Extraklasse“ kann man mich eigentlich immer ködern… Genrich Genrichowitsch Miller (die Hauptfigur wird im gesamten Buch nicht ein einziges Mal „Heinrich Müller“ genannt…) ist Fotograf in Moskau. Mühsam hat er sich seinen eigenen Fotoladen aufgebaut und beschäftigt einen eigenen Agenten, der ihn regelmäßig mit neuen Models versorgt. Diese dienen Genrich nicht nur als Fotomotive, sondern gerne auch mal zum amüsanten Zeitvertreib, und nicht wenige junge Frauen finden sich nach dem Shooting in seinem Schlafzimmer wieder. In seinem Leben hatte der junge Russe eigentlich erst eine ernsthafte Beziehung, welche jedoch ein tragisches Ende nahm. So wurde seine Jugendliebe Lisa bei einem nächtlichen Handgemenge getötet, nachdem sie Genrich versehentlich ins offene Messer gefallen ist, welches dieser kurz zuvor einem Angreifer entwendet hatte. Das Trauma um Lisas Tod verfolgt den Fotografen auch heute noch regelmäßig. Mehr oder weniger zufällig findet Genrich eines Tages heraus, dass er über eine unheimliche Gabe verfügt. Als eine seiner Nachbarinnen stirbt, fällt ihm auf, dass er diese kurz zuvor aus einem seiner Fotos herausretuschiert hat. Genrich ist zunächst nur etwas beunruhigt, als jedoch weitere Menschen sterben, die vorher seinen Retuschearbeiten zum Opfer gefallen sind, wird ihm immer klarer, dass er für die Tode verantwortlich ist. Wenig später stellt sich sogar heraus, dass bereits sein Vater über diese „Fähigkeit“ verfügte. Während Genrich versucht, mit seiner mysteriösen Entdeckung umzugehen, bleibt seine „Gabe“ auch anderen Menschen nicht verborgen: Mächtigen Menschen, die Genrichs Retuschen für ihre eigenen Zwecke einsetzen wollen… Für einen Mystery-Thriller ist Dimitri Stachows Roman eigentlich erstaunlich bodenständig. Um Genrichs Fähigkeit wird kein großes Brimborium veranstaltet, sondern diese wird einfach als gegeben hingenommen und bleibt (mit Ausnahme der Vererbung vom Vater auf den Sohn) konsequent ohne Erklärung. Überhaupt ist die Geschichte wenig mysteriös oder gar unheimlich, vielmehr wirkt das Buch fast schon wie eine eher altmodische Erzählung. Statt übersinnliche Elemente stehen hier andere Themen im Mittelpunkt: russische (Geheimdienst-)Geschichte, Politik, Liebe, Verschwörung und eine ungewöhnliche Vater-Sohn-Beziehung. Vom Grundgedanken her ist das eigentlich kein schlechter Ansatz, doch Stachow schöpft das Potenzial seiner Idee nicht vollständig aus und macht die Handlung zudem unnötig kompliziert. So springt er munter in der Zeit vor und zurück, oft nur um wenige Stunden, doch diese Zeitspanne reicht bereits aus, um den Leser zu verwirren. Oft fühlt man sich, als würde irgendwas fehlen, und manche Szenen passen einfach logisch betrachtet nicht zueinander. Hier wird einem meist erst hinterher klar, dass die Passagen chronologisch nicht in der richtigen Reihenfolge stehen. Zudem gräbt der Autor oft in der Vergangenheit der Hauptfigur und blickt häufig auf Momente mit seinem Vater sowie seiner Freundin Lisa zurück. Positiv fallen jedoch die interessanten Charaktere ins Gewicht, denn nahezu jeder einzelne ist in gewisser Weise zwielichtig. Die Motive der Figuren sind oft schwer zu durchschauen, was der Geschichte zusätzlichen Reiz verschafft und für manch überraschende Wendung sorgt. Auch der historische und gesellschaftliche Hintergrund der Story weiß zu überzeugen. So erfährt man einiges über die früheren Organe des sowjetischen Staatsapparates wie den KGB, zudem erzeugt Stachow gekonnt eine Atmosphäre des Misstrauens. Die Hauptfigur gerät im Laufe der Handlung immer tiefer in politische und äußerst dubiose Machtspiele, voll von Verrat und Gewalt. Mein Fazit: Ich hatte zugegebenermaßen keine großen Erwartungen an „Der Retuscheur“, und wurde daher auch nicht wirklich enttäuscht. Trotzdem hätte man aus der durchaus faszinierenden Grundidee deutlich mehr herausholen können. Für ein Buch, das als „Mystery-Thriller“ beworben wird, gibt es hier eindeutig zu wenig Mystery, aber vor allem nicht genug Thrill. Es handelt sich vielmehr um eine solide Erzählung, die trotz der Gabe des Fotografen überraschend realistisch daherkommt. Denn diese steht eigentlich gar nicht im Mittelpunkt der Geschichte, vielmehr zeichnet Stachow ein interessantes Bild der russischen Gesellschaft nach der Auflösung der Sowjetunion. Allerdings macht sich der Autor durch seine verworrene Erzählstruktur selbst viel Spannung zunichte und nimmt zu viel Geschwindkeit aus der Story. Wem das Szenario gefällt, der darf trotzdem einen Blick riskieren, zumal der Roman mit knapp sieben Euro recht günstig ist. Wer jedoch einen rasanten und geheimnisvollen Mystery-Thriller erwartet, wird von „Der Retuscheur“ aber eher enttäuscht sein. Meine Wertung: 6/10

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