Dimitri Todorov 22 Jahre Knast

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Inhaltsangabe zu „22 Jahre Knast“ von Dimitri Todorov

Todorov war der erste Geiselgangster Deutschlands. Ein höchst umstrittener Richterspruch verurteilte ihn zu lebenslänglich. Zur Tatzeit war er 24 Jahre alt - als er entlassen wurde, war er 48. Dies ist seine Geschichte, erzählt in einer eindringlichen Sprache, mit leisen Bildern und harten Worten.

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  • Leben als "Lebenslänglicher"

    22 Jahre Knast

    Ginevra

    München, 1971: ein spektakulärer Banküberfall sorgt für Aufsehen. Die beiden Kleinkriminellen Hans-Georg Rammelmayer und Dimitri Todorov dringen in die Filiale der Deutschen Bank in einer Nobelstrasse ein – direkt gegenüber von Feinkost Käfer. In ihrer Gewalt befinden sich mehrere Geiseln, Angestellte und Kunden der Bank. Ihre Forderung: eine Million D-Mark in unregistrierten Scheinen. Neben einem Aufgebot der Polizei finden sich bald tausende von Schaulustigen ein. Da die beiden Täter sich den Touch von Freiheitskämpfern geben, haben sie die Sympathien der Zuschauer zunächst auf ihrer Seite. Doch die Lage wird immer unübersichtlicher, als der Geldtransport Stunden auf sich warten lässt – und die ersten Schüsse fallen…Todorov, geb. 1947, der einzige überlebende und gefasste Täter dieses legendären Bankraubs, beschreibt in seiner Autobiografie zunächst seine Kindheit, der Weg in die Kriminalität, diverse Gefängniserfahrungen – und seinen persönlichen Weg in ein bürgerliches Leben. Da ich durch einen Kriminalroman (Jörg Maurer/ Schwindelfrei ist nur der Tod) von diesem Raub erfahren habe, interessierte mich die Darstellung Todorovs sehr. Sein Buch musste ich mir gebraucht besorgen, auch in der Leihbücherei war es nicht vorrätig. Beim Lesen wurde mir klar: es geht Todorov vor allem darum, nicht ständig mit „DEM“ Banküberfall in Verbindung gebracht zu werden, der relativ wenig Raum einnimmt. Weite Strecken des Buches zeigen ihn als einen Menschen, der recht selbstbezogen wirkt, sich wenig in andere Menschen hineinversetzt und der sich eigentlich nur nach einem ganz normalen Leben als Homosexueller sehnt – nicht ganz einfach, wenn man bedenkt, dass er schwere Straftaten beging und 22 Jahre hinter Gittern verbrachte. In dieser Zeit führte er eine langjährige Beziehung zu einem ebenfalls homosexuellen Mitgefangenen, was in den 70-er Jahren durchaus toleriert wurde. Einige Vorurteile über das Leben im bayerischen Gefängnis konnte ich durch diese Lektüre abbauen. Vielleicht war es seine intensive Beschäftigung mit Literatur und Philosophie, die letztendlich dazu führten, dass Todorov heute ein ganz normals Leben führt – weitgehend vergessen von der Öffentlichkeit. Vom Schreibstil her fand ich das Buch – für einen Anfänger und Autodidakten – relativ gelungen, eher sachlich, wenig gefühlsbetont, dafür mit Fakten und Graffitis aus dem Knastleben angereichert, die mir zu denken gaben. Was bringt ein typischer Gefängnisaufenthalt wie dieser dem Straftäter – und letztlich unserer Gesellschaft? Diese Frage klingt zwar an, bleibt aber offen, und hinterlässt auch in mir Ratlosigkeit. Was mir eindeutig fehlten, waren Fotos und Zeitungsartikel, um die Person Todorovs und seine Erlebnisse lebendiger erscheinen zu lassen.Fazit: eine interessante Biographie, erstaunlich unspektakulär und authentisch. 4 von 5 Sternen!

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  • Ein spektakulärer Fall

    22 Jahre Knast

    Ginevra

    06. May 2016 um 21:02

    Dimitri Todorov, geb. 1947, genießt einen zweifelhaften Ruf - er war der erste Geiselnehmer im Nachkriegsdeutschland. Bei einem spektakulären Banküberfall im Jahr 1971 besetzte er gemeinsam mit seinem Komplicen Hans-Georg Rammelmayer die Filiale der Deutschen Bank in der Münchner Prinzregentenstrasse. Todorov und Rammelmayer gaben sich als moderne Robin Hoods aus und nannten sich - ganz zeitgeistgerecht - die "Rote Front", die Geld für Projekte in armen Ländern erpresst. Auf diese Weise erschienen sie ihren Geiseln sogar sympathisch - später wurde dieser Effekt als "Stockholm-Syndrom" bekannt.7 Stunden lang mussten die Geiseln zusammen mit ihren Geiselnehmern ausharren, bis die Polizei das Geld aufgetrieben hatte - inzwischen wurden sie mit Feinkost versorgt, tranken Sekt und wähnten sich in relativer Sicherheit. Draußen warteten und grölten tausende von Schaulustigen. Die Polizei schien völlig überfordert mit dieser neuen Situation. Niemand ahnte das schreckliche Ende, das zwei Leben forderte.Todorov wurde zu "lebenslänglicher Haftstrafe" verurteilt - ob zu Recht oder nicht, ist bis heute strittig. Sein Leben vor der Haft, der legendäre Bankraub und die langen Jahre im Straubinger Gefängnis sind Inhalt seiner Autobiografie. Mich hat dieser Bericht so gefesselt, dass ich ihn in einem Tag durchgelesen habe. Besonders die Schilderung des Bankraubs fand ich sehr authentisch, hier haben mir allerdings einige Fotos und Original-Zeitungsberichte gefehlt - deshalb ein Stern Abzug!Das (Über-)Leben hinter Gittern, seine eheähnliche Beziehung zu einem Mithäftling, sein Kampf um Weiterbildung, der holprige Weg in die Freiheit - all das fand ich interessant und anschaulich beschrieben. Der Sprachstil ist eher einfach, auf mich wirkte das gesamte Buch seltsam unterkühlt und distanziert - vielleicht Todorovs Grundproblem?Fazit: eine interessante Lektüre, die durch eine Außenansicht, Fakten, Fotomaterial o.ä. noch deutlich hätte aufgewertet werden können.4 von 5 Sternen!

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  • Rezension zu "22 Jahre Knast" von Dimitri Todorov

    22 Jahre Knast

    BRB-Jörg

    23. January 2010 um 22:39

    Dimitri Todorov war der erste Bankräuber Deutschlands, der nach dem 2. Weltkrieg Geiseln nahm. Am 4. August 1971 überfiel er mit seinem Komplizen eine Filiale der Deutschen Bank, wurde gefasst und anschließend in einem höchst umstrittenen Verfahren zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Als er einfuhr, war er 26. Als er begnadet wurde, 48. Zu diesem Zeitpunkt hatte er also fast die halbe Zeit seines Lebens hinter Gittern verbracht. Davon erzählt dieses Buch. Todorov blickt dabei zurück auf die Tat, stellt sich seiner Schuld. Er erzählt von den Erniedrigungen im Knast und dem immer wieder kehrenden Tagesablauf. Er ist ein gebrochener Mann, jedoch stets auch immer mit dem Willen, die Haft zu überleben. Auf dem Backcover des Buches ist zu lesen, dass er "mit leisen Bildern und harten Worten" erzählt. Dem ist nichts hinzuzufügen. Ein beeindruckender Roman!

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