Drei sind ein Dorf

von Dina Nayeri 
4,5 Sterne bei17 Bewertungen
Drei sind ein Dorf
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Cellissimas avatar

Nicht schlecht, aber irgendwie anstrengend und nicht absolut fesselnd ... ihr erster Roman gefiel mir deutllich besser.

alupuss avatar

Ein sehr berührender Roman, der einen sehr nachdenklich hinterlässt

Alle 17 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Drei sind ein Dorf"

Mit knapp dreißig hat Nilou alles erreicht. Wer hätte je geglaubt, dass sie eine Eliteuniversität besuchen, einen weltgewandten Juristen heiraten und ihre eigene Wissenschaftskarriere beginnen würde? Als Kind ist sie mit ihrer Mutter aus dem Iran geflohen – in die tiefste amerikanische Provinz, wo man sie nicht eben offenherzig empfangen hat. Doch sie hat ehrgeizig nach den Idealen der westlichen Welt gestrebt und sich komplett neu erfunden. Alles könnte also gut sein, wäre da nicht Nilous Vater, ein opiumsüchtiger Verehrer altpersischer Lyrik, der ihr vom Iran aus die Kluft vor Augen führt, die die Familie voneinander trennt. Als Nilou in Amsterdam auf eine Gruppe iranischer Exilanten trifft, mit ihnen kocht und ihren Erzählungen lauscht, erwacht eine alte Sehnsucht in ihr: nach einer Heimat, in der sie ganz einfach sie selbst sein darf.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783866482869
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:368 Seiten
Verlag:mareverlag
Erscheinungsdatum:14.08.2018

Videos zum Buch

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,5 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne10
  • 4 Sterne6
  • 3 Sterne1
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Booky-72s avatar
    Booky-72vor 2 Monaten
    Drei sind ein Dorf

    Nilou hat im Alter von 8 Jahren mit Mutter und Bruder ihre Heimat Iran verlassen müssen, nur ihr Vater blieb zurück. Plötzlich ohne Heimat und jegliche Geborgenheit und das Leben muss ganz neu beginnen. Später lebt sie mit ihrem Mann in Holland und findet sogar Freunde, Landsleute, die ihr Schicksal teilen. Und doch gibt es nicht das Heimatgefühl, wie es nur ein ursprüngliches zu Hause hat. Auch das mehrmalige Aufeinandertreffen mit ihrem Vater gibt ihr dieses Gefühl nicht zurück.

    Eine berührende Geschichte, besonders in der heutigen Zeit, in der das Thema Flüchtling und Heimatvertriebenheit eine große Rolle spielt. Nicht gerade die leichteste Sommerlektüre, aber wertvoll und berührend. Meine Weiterempfehlung.


    Kommentieren0
    5
    Teilen
    bookgirls avatar
    bookgirlvor 2 Monaten
    Was ist Heimat?

    Inhalt

    Nilou hat mit dreißig Jahren eigentlich alles erreicht, was für ein Flüchtlingskind aus dem Iran nicht selbstverständlich ist. Sie hat eine Eliteuniversität besucht, ist mit einem Juristen verheiratet und beginnt ihre eigene Wissenschaftskarriere. Man könnte also meinen, dass sie es geschafft hat und alles gut ist. Wäre da nicht Nilous Vater, der bei der Flucht im Iran geblieben ist und ihr bei den seltenen Treffen immer wieder vor Augen führt, wie anders ihr Leben hätte verlaufen können. Als Nilou in Asterdam dann auch noch auf eine Gruppe iranischer Exilanten trifft und ihren Erzählungen lauscht, erwacht die Sehnsucht nach einer Heimat in ihr, in der sie sie selbst sein darf.

     

    Meine Meinung

    Dina Nayeri hat einen nachdenklich stimmenden Roman geschrieben, der sich Zentral mit der Frage nach der Heimat beschäftigt. Gerade in der heutigen Zeit könnte er nicht aktueller sein, auch wenn es Flüchtlinge schon immer gegeben hat. Doch was ist Heimat? Ist es ein Gefühl? Ist es greifbar? Ist eine Heimat nur der Geburtsort oder kann Heimat auch in der Ferne möglich sein, wenn man nur lang genug in einem anderen Land lebt? All diese Fragen stelle ich mir schon länger und habe daher „Drei sind ein Dorf“ mit großem Interesse gelesen.

     

    Drei sind ein Dorf" ist ein Buch das von seinen starken Charakteren lebt, was vor allem für Nilou und ihren Baba gilt. Vater und Tochter könnten nicht unterschiedlicher sein und so ist es nicht verwunderlich, dass Nilou sich bei den wenigen Treffen mehr für ihren Vater schämt, als sich auf ihn freut. Nilou ist im Fokus des inneren Konflikts zwischen Zugehörigkeit und Abgrenzung. Ihre innere Zerrissenheit über die lange Zeit keine Rolle spielende iranische Heimat, erweist sich als mächtiger als gedacht.

     

    In die Erzählung der Gegenwart in Amsterdam webt Nayeri einerseits Rückblenden, in denen sie uns an dem Leben des Vaters Teil haben lässt und andererseits die familiären Treffen, die im Abstand vieler Jahre mit Baba stattfinden. Baba versucht dabei seine Opiumsucht zu verbergen und seine Vaterrolle so gut auszufüllen, als ob es die letzten Jahre nie gegeben hätte – ein aussichtsloses Unterfangen.

     

    Besonders gefallen hat mir, dass Nayeri mit sehr viel Einfühlungsvermögen ihre Geschichte erzählt und genau die Fragen in den Fokus stellt, mit denen sich jeder auseinandersetzt, der sich auch nur im Ansatz mit der Flüchtlingspolitik beschäftigt. Denn wie kann ein Mensch, dessen Heimat in einem anderen Land ist, integriert werden und sich als Mitglied einer Gesellschaft fühlen, wenn das Herz doch ganz woanders schlägt? Eine unmöglich zu beantwortende Frage …

     

    Fazit

    „Drei sind ein Dorf“ ist eine berührende, nachdenklich stimmende Geschichte, die sich mit dem Begriff Heimat auseinandersetzt und keine Antworten findet, aber das auch nicht muss, weil jeder diese Frage für sich selber beantworten muss, wenn er das denn kann.

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    Ignacio_Mendezs avatar
    Ignacio_Mendezvor 2 Monaten
    Schmerzlich (schön) berührend

    Es macht einfach zusätzlich Freude, wenn die äußere Verpackung mit den "inneren Werten" übereinstimmt! Dass ist immer meine Erfahrung mit den Büchern vom Mareverlag, denn sie sind durchweg schön gestaltet. Zumindest trifft das für alle Bücher zu, die ich bisher von diesem Verlag gelesen habe.

    So auch beim vorliegenden Buch "Drei sind ein Dorf" von Dina Nayeri. Das entsprechende Cover, die lebendigen Farben, haben mich sofort angesprochen. Es "fühlt" sich besser an, wenn soviel Liebe und Ehrgeiz in die Verarbeitung eines Buches investiert wurde.

    Nun aber genug zu den Äußerlichkeiten, letztendlich lesen wir doch die Bücher wegen ihrer "inneren Werte"! Und derer habe ich in diesem Buch vieler gefunden. Es ist eine sehr emotionale Geschichte, welche uns die junge Autorin erzählt. Eine Geschichte einer ständigen Reise auf der Suche nach dem Angekommensein, nach den eigenen Wurzeln, nach Heimat. Nayeri erzählt diese Geschichte anhand einer Biografie realistisch und dadurch zutiefst berührend. Ein Stück weit ist es Nayeri Geschichte selbst, emigrierte sie doch als 10-jährige aus dem Iran in die USA.

    Nayeri greift ein Thema auf, welches heute sehr viele und zukünftig immer mehr Menschen betrifft. Millionen von Menschen sind auf der Flucht, Millionen von Menschen leben fernab ihrer Herkunft, Millionen von Menschen haben einen Migrationshintergrund. Ein Jeder stellt sich im Laufe seines Lebens die Frage nach der eigenen Herkunft, nach der Heimat. Diese Frage, bzw. daraus resultierende Gedanken und Handlungen, sind maßgeblich von Bedeutung für die Bildung einer eigenen Identität, für die Bildung der Persönlichkeit. Es ist durchaus eine anerkennenswerte Leistung, wenn Menschen mehrere Einflüsse, usw. in ihre Persönlichkeit positiv integriert haben. Ich erkenne darin einen Gewinn für das Individuum und die Gesellschaft.

    Dieser Prozess geht aber nicht so einfach "von der Hand". Er ist oft mühsam und von Rückschlägen gekennzeichnet. Immer wieder muss sich dieser Mensch hinterfragen, oft nehmen Zweifel die Oberhand. Auch diese Momente beschreibt die Autorin eindrucksvoll, wenn es, z. B. um bestimmte Zwänge geht, um Erwartungen von Anderen die zu erfüllen sind.

    Dabei könnte so vieles so viel einfacher sein. Würden wir tatsächlich in einen Austausch der Kulturen treten, so würden wir sehr viele Gemeinsamkeiten kennenlernen. Es gibt nämlich durchaus mehr was uns verbindet, als was uns voneinander trennt. Wir könnten beobachten, wie andere Menschen mit ähnlichen Herausforderungen und Problemen umgehen und voneinander lernen. Ein anderer Mensch ist keine Konkurrenz zu mir, ein anderer Mensch ist eine Ergänzung in meinem Leben.

    "Drei sind ein Dorf" hat mich, mal wieder, zum Nachdenken über die Themen Heimat, Herkunft, Familie gebracht. "Mal wieder", weil ich diese Themen nie als vollkommen abgeschlossen erlebe. Diese Fragen haben mich in meiner Jugend durchaus noch stärker bewegt als heute, viele Fragen habe ich für mich persönlich beantwortet. Und, dennoch, immer wieder treten Gedanken in dieser Richtung bei mir auf. Mag sein, dass diese häufig von außen angestoßen werden, durch elendige und sich immer wieder wiederholende politische Diskussionen. Was auch immer der genaue Grund sein mag, sie bleiben ein Begleiter im Leben. Literatur, wie dieses Buch, verdeutlichen mir, dass ich mit diesen Fragen nicht alleine stehe. So wird aus einem Buch ein Wegbegleiter, ein freundschaftlicher Ratgeber.


    Kommentieren0
    1
    Teilen
    alupuss avatar
    alupusvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein sehr berührender Roman, der einen sehr nachdenklich hinterlässt
    Nur wer die Sehnsucht kennt - weiß wie ich leide

    Nur wer die Sehnsucht kennt – weiß wie ich leide

     

    Ein sehr berührender Roman, der einen sehr nachdenklich hinterlässt.

     

    Inhaltsangabe:

    Mit knapp dreißig hat Nilou alles erreicht. Wer hätte je geglaubt, dass sie eine Eliteuniversität besuchen, einen weltgewandten Juristen heiraten und ihre eigene Wissenschaftskarriere beginnen würde? Als Kind ist sie mit ihrer Mutter aus dem Iran geflohen – in die tiefste amerikanische Provinz, wo man sie nicht eben offenherzig empfangen hat. Doch sie hat ehrgeizig nach den Idealen der westlichen Welt gestrebt und sich komplett neu erfunden. Alles könnte also gut sein, wäre da nicht Nilous Vater, ein opiumsüchtiger Verehrer altpersischer Lyrik, der ihr vom Iran aus die Kluft vor Augen führt, die die Familie voneinander trennt. Als Nilou in Amsterdam auf eine Gruppe iranischer Exilanten trifft, mit ihnen kocht und ihren Erzählungen lauscht, erwacht eine alte Sehnsucht in ihr: nach einer Heimat, in der sie ganz einfach sie selbst sein darf.

    Meine Meinung:

    Nilou verlässt im Alter von 8 Jahren zusammen mit ihrer Mutter Pari und ihrem Bruder Kian den Iran. Nilou und Kian unter einer Decke versteckt. Pari, die Ärztin und bekennende Christin war musste fliehen, da sie immer mehr von der Polizei bedrängt wurde. Der Vater Bahmann bleibt zurück, da er eine gute gehende Zahnarztpraxis hatte und Opiumsüchtig war. Nilou wurde plötzlich ihrer Wurzeln und ihrer Heimat beraubt und ist auf der verzweifelten Suche nach ihrer Identität. Pari findet mit ihren Kindern nach zwei Jahren endlich in Amerika in der tiefsten Provinz Zuflucht. Nilou hat im Grunde genommen alles erreicht, sie ist Wissenschaftlerin und lebt mit ihrem französischen Mann in Amsterdam. Aber glücklich ist Nilou nicht, denn die Sehnsucht nach ihrer wahren Identität lässt sie nicht los. Sie hat im Kleiderschrank sich eine Parzelle gebaut, die auch ihr Mann nicht betreten darf. Auch schleppt sie ihre Erinnerungen mit sich und es sieht so aus wie ein Rucksack auf zwei Beinen. Mit ihrem Baba hat sie sich drei Mal getroffen, aber sie hat ihn nur als 30jährigen Mann fest in ihrer Erinnerung. Sie vergleicht ihren Baba mit dem Iran, wo sie sich als Kind wohl gefühlt hatte und glücklich war. Erst als sie sich mit anderen Iranern in einem leer stehenden Haus trifft, wo gemeinsam gekocht und auch Geschichten aus dem Iran erzählt werden kommt sie zu der Erkenntnis, dass sie sich immer als Ausländerin fühlen wird. Zitat: „ Im Laufe der Jahre hat sie gelernt, sich anzupassen, überall neu anzufangen und so zu leben, als sich eigen sie dorthin. Es fühlt sich an wie eine Lüge, jetzt mehr denn je.“ S. 257

    Dina Nayeri hat einen eindrucksvollen Roman geschrieben, der mich emotional sehr berührt und aufgewühlt hat. Es ist ein sehr anspruchsvolles Buch, welches auch einen sehr nachdenklich hinterlässt, denn auch die politischen Situationen in Holland und dem Iran wurden angesprochen. Bei diesem Roman merkt der Leser die verzweifelte Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit.

    Zitate aus dem Buch:

    „Machten Europäer sich eigentlich klar, was für ein Glück sie hatten, durch den Zufall der Geburt so viel Ordnung und Fürsorge zu erfahren?“ S. 299  

    „Alles geht zu Ende. Alles. Alle Liebe und Wahrheit. Familie ist alles. Sie erneuert sich wie die Haut eines Reptils. Sie bleibt bestehen.“ S. 353

    „ Wenn du etwas verloren hast, kehrst du zu dem Ort zurück, wo du es zuletzt gesehen hast, suchst danach, stellst den Raum auf den Kopf.“ S. 362

     

     

     


    Kommentieren0
    26
    Teilen
    hannipalannis avatar
    hannipalannivor 2 Monaten
    Vater und Tochter - so fern und doch so nah...

    Als Achtjährige flieht Nilou mit ihrer Mutter und ihrem Bruder aus dem Iran nach Amerika. Ihr Vater bleibt zurück. In 'Drei sind ein Dorf' erzählt sie - inzwischen dreißig Jahre alt und Wissenschaftlerin in den Niederlanden - von der Flucht und von den Treffen mit ihrem Baba, von ihrem Leben 'zwischen den Stühlen' - der Vergangenheit im Iran und ihrem gegenwärtigen Leben an der Seite eines erfolgreichen Juristen und selbst nicht minder erfolgreich. Auch ihr Baba Bahman kommt zu Wort - er erzählt uns sein Leben, das parallel im Iran verläuft. Er will sich zum dritten Mal scheiden lassen, ist süchtig nach Opium und irgendwie läuft alles aus dem Ruder.


    Vor allem die Vater-Tochter-Beziehung ist etwas suboptimal. Er liebt seine Nilou, diese denkt zwar oft an ihn, hat aber irgendwann damit aufgehört ihn zu vermissen. Sie sieht ihn vor sich, wie er war im Iran, als sie noch eine Familie waren. Es fällt ihr schwer, in dem stets älter werdenden Mann, der sehr offensichtlich dem Opiumkonsum sehr zugetan ist, diesen Vater wiederzufinden. 

    Wir erhalten Einblick in die Gefühlswelten beider und wie schön die Autorin uns teilhaben lässt an diesen Treffen, aber auch an den Dingen, die dazwischen passieren. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und kann es sehr empfehlen. Falls ihr aber den Debütroman ('Ein Teelöffel Land und Meer') der Autorin noch nicht kennt, solltet ihr den zuerst lesen. 

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    Barbara62s avatar
    Barbara62vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein bedrückendes Zeugnis der Entwurzelung.
    Heimatlos

    Gleich doppelt hat der mareverlag bei diesem Roman das Original übertroffen: Einmal wirkt das sowieso schon wunderschöne Cover in warmen Farbtönen mit dem charakteristischen weißen mare-Balken noch wesentlich edler und zum anderen ist der Titel "Drei sind ein Dorf", den man erst gegen Ende versteht, viel ausdrucksstärker als das amerikanische "Refuge". 

    Nilou Hamidi, geboren im iranischen Revolutionsjahr 1979, wächst behütet als Liebling ihres Vaters in Isfahan und Ardestun, dem Dorf ihrer Großeltern, auf. Als ihre Mutter Pari als Christin und Ärztin zunehmend Zielscheibe der Sittenpolizei wird, verlässt sie mit Nilou und deren jüngerem Bruder Kian 1987 das Land. Der Vater Bahman bleibt zurück, seine Zahnarztpraxis, seine Heimatverbundenheit und seine Opiumsucht hindern am Mitkommen. Zwei Jahre sind Pari, Nilou und Kian auf der Flucht, bis sie Asyl in den USA erhalten. Die Alpträume werden Nilou nie mehr verlassen, auch wenn sie das Lernen als Mittel gegen die Angst entdeckt, in Yale studiert und promoviert, den erfolgreichen Anwalt Gui heiratet und schließlich mit ihm nach Amsterdam geht, wo sie Anthropologie an der Universität lehrt. Äußerlich verkörpert Nilou alles, was eine geglückte Integration auszumachen scheint, doch im Inneren fühlt sie sich gehetzt und heimatlos: „Dass sich nichts je richtig abgeschlossen anfühlt. Dass sie etwas Wesentliches in Isfahan zurückgelassen hat und sich nicht daran erinnern kann, was es war.“ Den verständnisvollen Gui kann sie nicht an ihrer Zerrissenheit teilhaben lassen, beklagt die fehlenden gemeinsamen Wurzeln, gibt ihm aber keine Chance, sie zu verstehen.

    Der Roman spielt hauptsächlich im Jahr 2009, in dem Nilou immer unruhiger wird und schließlich in einem von Iranern besetzten Haus in Amsterdam erstmals Freunde findet. Ihnen muss sie nichts erklären, sie verstehen einander ohne Worte. Gleichzeitig wird die Situation für ihren Vater im Iran immer prekärer, denn während der Unruhen nach den Wahlen wird er aufgrund einer falschen Beschuldigung unter Hausarrest gestellt. Daneben gibt es Rückblenden auf die vier Treffen zwischen Nilou und ihrem Vater in 22 Jahren der Trennung: 1993 in Oklahoma City, 2001 in London, 2006 in Madrid und zuletzt 2008 in Istanbul.

    Dina Nayeri, die selbst im Alter von zehn Jahren aus dem Iran in die USA emigrierte, erzählt abwechselnd über Bahman und über Nilou, unterbrochen durch die Rückblenden aus Nilous Sicht. Zu Beginn des Romans lässt sie Bahman wegen seiner dritten Scheidung einen Tag im Gericht zubringen, wo er und wir Zeuge von 13 Scheidungen werden – ein meisterhafter Kunstgriff, der mich sofort in den Iran katapultiert hat. Überhaupt war Bahman für mich die eindrucksvollste Figur in diesem Roman, auch wenn er durch seine Opiumsucht und seine Weigerung, den Iran mit seiner Familie zu verlassen, vermutlich die Hauptursache für Nilous Zerrissenheit ist. Mit Nilou habe ich dagegen bei allem Verständnis für ihren doppelten Verlust von Heimat und Vater oft gehadert, mit ihrer Unfähigkeit zur Kommunikation und ihrer Weigerung, Gui an sich heranzulassen.

    "Drei sind ein Dorf" war eine ebenso bedrückende wie desillusionierende Lektüre für mich, die mich etwas ratlos zurücklässt, doch ist es Dina Nayeri ausgezeichnet gelungen, meine Perspektive auf die Flüchtlingsthematik zu erweitern. Ich bin sicher, dass mir die Geschichte nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird.

    http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/dina-nayeri-drei-sind-ein-dorf/

    Kommentare: 2
    68
    Teilen
    stefanbs avatar
    stefanbvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein anspruchsvoller Roman über den Iran, Heimat, Flucht und Familie.
    Verkauf deine Klugheit, erwirb dir Staunen

    Dina Nayeris anspruchsvoller Roman „Drei sind ein Dorf“ handelt von „Dr. Bahman Hamidi, einem Bonvivant und Opium-Schrägstrich-Wasserrutschen-Liebhaber“ [195] „unfähig seine Praxis, sein Ansehen, sein warmes Dorf und seine Fotos zurückzulassen.“ [231] Und es handelt von „Nilou, der Amerikanerin oder Europäerin oder was auch immer sie jetzt war.“ [22]

    Die übergreifenden Themen sind die Flucht aus dem Iran von Nilou, ihrer Mutter und ihrem Bruder, was Familie bedeutet, wie sich Heimat definieren lässt.

    Dass dies alles nicht unbedingt leichte Themen sind, merkt man an den Reflektionen von Nilou, die sich von Amerika nach Holland begibt. „Bereitete mich auf meine zweite Flucht vor. … Ich konnte mich nicht zu Hause fühlen.“[98] Auch wenn Nilou ihre eigene, sehr beeindruckende Karriere startet, einen Juristen (Gui) heiratet, so bleiben bei ihr manche persönlichen, emotionalen Gefühle auf der Strecke. Auch kann sie ihre alten Gewohnheiten nicht ablegen. Dies stellt Gui sehr treffend dar. „Du bist von einem anderen Planeten.“ [92]

    Immer wieder kommt die Autorin auf die Grüne Revolution zu sprechen. Teheran wird während dieser Revolution zum Schlachtfeld und Nilous Vater „dachte an seine eigene Tochter, die diesem Wahnsinn entkommen war.“ [162] Wir bekommen einen Einblick in den Iran, den Ablauf, wie auch von höchster richterlicher Stelle entschieden wird. Nämlich total willkürlich. Aber auch in anderen Ländern ist nicht alles Gold was glänzt und so stellt sich die Protagonistin Nilou im Westen die Frage: „Wie kann ein Vorgang so willkürlich und subjektiv hässlich sein?“ [175] Aber auch andere Charaktere merken, dass es im Migrationsland nicht unbedingt besser ist als zuhause. „Im Iran hat man mich schikaniert, festgenommen…. Und dann komme ich hier an, und derselbe Mist verfolgt mich.“ [179]

    Das Buch von Nayeri fordert, regt zum Diskutieren an. Dabei geht es nicht immer darum, wie man in der Heimat verwurzelt ist, sondern auch um kulturelle Unterschiede und Glaubensrichtungen. „Tod für Amerika, Tod für Israel. … Dahin führt es, wenn man einen Gott anbetet.“ [213] Als Beispiel auf einen Terroranschlag, von Bahman diesbezüglich angebracht.
    Es finden sich aber auch einige Stellen, die einen schmunzeln lassen. „Spar dir die Bosheiten für deine Ehefrau auf.“ [199]

    Kommentare: 1
    141
    Teilen
    Petriss avatar
    Petrisvor 2 Monaten
    Von Vätern, Kulturen und Flucht

    Drei gute Gründe, warum ich dieses Buch unbedingt lesen wollte:
    1. Der erste Roman der Autorin, Ein Löffel Land und Meer, hatte mich begeistert und berührt, ich war schon neugierig auf den neuen Roman!
    2. Das Cover! Das Buch sieht einfach so schön aus, dass ich es unbedingt besitzen musste.
    3. war es die Geschichte, die mich ansprach.

    Und ich muss sagen, meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern noch übertroffen. Dieser Roman hat mich wie schon der Vorgänger unterhalten, berührt und zum Nachdenken gebracht! Ein würdiger zweiter Roman der Autorin.

    Das Cover ist in Realität noch schöner als auf dem Bild und wenn man den Roman gelesen hat, merkt man, dass der /die Gestalterin das Buch genau gelesen hat. Die Kirschen kommen in der Geschichte vor, genau so wie die gelbe Farbe von Safran eine wichtige Rolle spielt. Man hat fast das Gefühl, dass das Cover nach Orient duftet. Immer wieder entdeckte ich im Text Stellen, bei denen ich dachte: "Ach das passt ja auch zum Cover."

    Und natürlich die Geschichte. Es geht um die junge Wissenschaftlerin Nilou, als Kind floh sie mit ihrer Mutter und dem Bruder aus dem Iran in die USA. Der Vater blieb zurück, es gab nur wenige Wiedersehen. Nilou, die ihrem Vater sehr nahe stand litt unter der Trennung, aber vielleicht noch viel mehr unter seiner Drogensucht.
    Mit 30 lebt Nilou verheiratet mit einem Franzosen in Amsterdam. Nach einem Abend im iranischen Kulturzentrum beginnt sie, sich ihrer Wurzeln zu stellen, es fällt ihr aber schwer, ihren Ehemann daran teilhaben zu lassen.

    Ein wunderbarer Roman über Fremdsein, Heimat, Flucht und auch Familie mit all ihren Bindungen, die Flügel verleihen, aber auch Klotz am Bein sein können.

    Wieder ein sehr schönes Buch aus dem Hause mare!

    Kommentare: 2
    64
    Teilen
    DanielaAlges avatar
    DanielaAlgevor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Eine Geschichte über den Verlust der Heimat
    Diese Buch klingt nach und macht nachdenklich

    Nilou, die Protagonistin, flüchtet mit ihrer Mutter und ihrem Bruder als Kind aus dem Iran. Nach der Flucht studiert sie in Amerika und lebt dann mit ihrem französischen Ehemann in den Niederlanden. Die Geschichte wird größtenteils aus ihrer Sicht erzählt, aber viele Szenen spielen auch im heutigen Iran, wo ihr Vater weiterhin lebt.

    Es gibt wenig Hoffnung. Das Buch zeigt sehr intensiv die Probleme auf, mit denen Menschen zu kämpfen haben, wenn sie ohne Heimat, ohne Wurzeln in einem fremden Land aufwachsen und leben müssen. Tatsächliche Integration, wie wir alle es uns wünschen würden, scheint in dieser Geschichte unmöglich und die Ehe mit einem Partner, der unter völlig anderen Voraussetzungen aufgewachsen ist, erfordert sehr viel Mut und Feingefühl. Leider tut Nilou sich sehr schwer damit.

    Ihr Vater ist ein sehr spezieller Charakter. Einerseits witzig, charmant und liebevoll, andererseits ein Gefangener seiner Opiumsucht. Die Autorin erzählt detailgenau und intensiv. Szenen, die unter die Haut gehen. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter. Vielleicht nicht unbedingt für einen lockeren Urlaubstag am Strand!

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    DieBertas avatar
    DieBertavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Familiengeschichte, die dem Leser das Leben von Flüchtlingen, hier aus dem Iran, näherbringt.
    Drei sind ein Dorf von Dina Nayeri

    Mit knapp dreißig hat Nilou alles erreicht. Wer hätte je geglaubt, dass sie eine Eliteuniversität besuchen, einen weltgewandten Juristen heiraten und ihre eigene Wissenschaftskarriere beginnen würde? Als Kind ist sie mit ihrer Mutter aus dem Iran geflohen – in die tiefste amerikanische Provinz, wo man sie nicht eben offenherzig empfangen hat. Doch sie hat ehrgeizig nach den Idealen der westlichen Welt gestrebt und sich komplett neu erfunden. Alles könnte also gut sein, wäre da nicht Nilous Vater, ein opiumsüchtiger Verehrer altpersischer Lyrik, der ihr vom Iran aus die Kluft vor Augen führt, die die Familie voneinander trennt. Als Nilou in Amsterdam auf eine Gruppe iranischer Exilanten trifft, mit ihnen kocht und ihren Erzählungen lauscht, erwacht eine alte Sehnsucht in ihr: nach einer Heimat, in der sie ganz einfach sie selbst sein darf.

    „Drei sind ein Dorf ist der Roman der Stunde. Diese Geschichte von Heimatlosigkeit, von der Suche nach einem Zuhause, einem Zufluchtsort, hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht – in diesen Tagen, wo Flüchtlingsschiffe keinen Hafen mehr finden, wo in den USA kleine Kinder von ihren Müttern getrennt werden, wo Zuwanderungsängste die ganze politische Debatte bestimmen. Drei sind ein Dorf ist ein Appell an die Menschlichkeit – und gleichzeitig ein Roman über die Liebe, über Sehnsucht und Verletzungen, ein kluger, vielschichtiger Roman von einer Autorin, die genau weiß, wovon sie spricht. “
    Julia Westlake

    Kommentieren0
    19
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    Mare_Verlags avatar
    Liebe Lovelybooks-Leserinnen und Leser,

    wir nähern uns mit riesigen Schritten dem Start unseres neuen Herbstprogrammes! Es gibt neuen Lesestoff der im Iran geborenen Schriftstellerin Dina Nayeri, die mit Drei sind ein Dorf ihren aktuellen Roman veröffentlicht. Das Buch erscheint am 14. August, und wer nicht so lange warten möchte, kann mit ein bisschen Glück eines von 15 Vorabexemplaren gewinnen.


    Zum Buch:

    Mit knapp dreißig hat Nilou alles erreicht. Wer hätte je geglaubt, dass sie eine Eliteuniversität besuchen, einen weltgewandten Juristen heiraten und ihre eigene Wissenschaftskarriere beginnen würde? Als Kind ist sie mit ihrer Mutter aus dem Iran geflohen – in die tiefste amerikanische Provinz, wo man sie nicht eben offenherzig empfangen hat. Doch sie hat ehrgeizig nach den Idealen der westlichen Welt gestrebt und sich komplett neu erfunden. Alles könnte also gut sein, wäre da nicht Nilous Vater, ein opiumsüchtiger Verehrer altpersischer Lyrik, der ihr vom Iran aus die Kluft vor Augen führt, die die Familie voneinander trennt. Als Nilou in Amsterdam auf eine Gruppe iranischer Exilanten trifft, mit ihnen kocht und ihren Erzählungen lauscht, erwacht eine alte Sehnsucht in ihr: nach einer Heimat, in der sie ganz einfach sie selbst sein darf.




    Beantwortet einfach bis zum 23. Juli folgende Frage und vielleicht dürft Ihr Euch schon bald über ein brandneues mare-Buch freuen:*


    Was ist für Euch Heimat? 



    * Bedingung ist, dass Ihr Euch zeitnah am Austausch in allen Leseabschnitten beteiligt und abschließend eine Rezension zum Buch schreibt.

    Bitte veröffentlicht Eure Rezension nicht vor dem 14. August 2018 auf anderen Seiten als lovelybooks.de.
    Zur Leserunde

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor 4 Monaten
    Klingt sehr interessant.
    Kommentieren

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks