Dinaw Mengestu Unsere Namen

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Inhaltsangabe zu „Unsere Namen“ von Dinaw Mengestu

In einer verschlafenen Kleinstadt im Mittleren Westen verliebt sich die junge Sozialarbeiterin Helen in den Afrikaner Isaac. Die Welten, aus denen sie stammen, scheinen unvereinbar, die Kluft zwischen ihnen zu groß. Um sie zu überbrücken, fängt Helen an, die Schatten in Isaacs Vergangenheit auszuleuchten.

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  • Von verlorenen Identitäten

    Unsere Namen
    Wortwelten

    Wortwelten

    Wir waren die ganze Zeit nur die Hälfte dessen gewesen, was wir hätten sein können. (S. 310) Eine amerikanische Kleinstadt in den siebziger Jahren. Rassismus ist noch immer stark präsent, als die Sozialarbeiterin Helen den verschwiegenen Studenten Isaac aus Uganda betreut, der für ein Jahr ein Stipendium für die USA erhalten hat. Obwohl die beiden so unterschiedlich sind und Isaac kaum etwas über sich preisgibt, verlieben sich die beiden ineinander. Verglichen mit meinen übrigen Mitmenschen, war Isaac fast gar nicht vorhanden, kein Geist, sondern ein schemenhafter Umriss, den ich verzweifelt auszumalen versuchte. (S. 31) Ein paar Monate zuvor: Isaac reist aus einem winzigen äthiopischen Dorf nach Kampala, der Hauptstadt Ugandas, in der sich einige Jahre nach der Befreiung von der britischen Kolonialherrschaft ein diktatorisches Regime breitgemacht hat. Noch heißt Isaac nicht Isaac, er ist nur ein namenloser Junge, der Englisch aus viktorianischen Romanen lernte und vorgibt, Student zu sein, um irgendwo dazugehören zu können. Auf dem Universitätscampus trifft er auf den eigentlichen Isaac. Dieser ist forsch und selbstbewusst, jemand, der sich nicht scheut, an den vorherrschenden Repressionen Kritik auszuüben. Trotz ihrer Gegensätze entsteht zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft. Wir waren wie zwei Menschen, die sich unerwartet mitten in der Wüste begegneten, nachdem in Wochen der Einsamkeit die Überzeugung in ihnen gereift war, die Welt wäre ein unbewohnter Ort. (S. 13) Auf diesen beiden Handlungs- und Zeitebenen erzählt der Autor Isaacs Geschichte und seine Entwicklung von einem jungen Mann, der nichts von der Welt gesehen hat außer seinem Dorf und davon träumt, Schriftsteller zu werden, zu einem verschlossenen Menschen, der nirgendwo hin gehört und in dessen Erinnerung sich die Grausamkeiten des Krieges eingebrannt haben. Isaacs wirklichen Namen erfährt der Leser nicht. Weder Uganda noch die USA sind sein Heimatland, seine Zugehörigkeit wurzelt eher in den Menschen, die er kennen- und liebenlernt, wie den eigentlichen Isaac in Uganda und die etwas weltfremde Helen in den USA. Doch diese Zugehörigkeiten sind fragil, sie bilden immer nur einen Spiegel der Gegenwart, der nichts von dem reflektiert, was vorher war oder später sein könnte. Isaac kannte weder die Vorteile noch die Nachteile eines Lebens in unmittelbarer Nähe zur eigenen Vergangenheit. Worum ich ihn ganz sicher nicht beneidete, war die besondere Art von Einsamkeit, die daher rührte, nichts wirklich sein Eigen nennen zu können. (S. 33) Hautnah erlebt Isaac die Veränderungen in dem afrikanischen Staat mit, den Beginn einer Revolution, die mit dem Versprechen von Freiheit beginnt und mit denselben Machtkämpfen und blutigen Auseinandersetzungen ausgetragen wird, wie sie wohl jedem Krieg innewohnen. Bewusst verzichtet der Autor hier auf historische Präzision, vielmehr dienen Isaacs Erlebnisse, dessen erste schriftstellerischen Versuche mit der Dokumentation der Revolutionsbewegung beginnen, als Beispiel für so viele unsinnige Machtkämpfe, für so viele Kriege, die nur mit leeren Versprechungen geführt werden und die vielmehr eine Plattform sind für diejenigen, die sie planen. Dazwischen werden Menschenleben zerrieben und Identitäten aufgelöst. Warum war mir vorher nie aufgefallen, wie viel Leere es in einem menschlichen Leben gab, Leere, die gefüllt werden musste? (S. 107) Aus Helens Perspektive wird parallel zu der Handlung in Uganda Isaacs Ankunft in den USA beschrieben, der Beginn ihrer Liebesbeziehung und die Unmöglichkeit, wirklich miteinander zu kommunizieren, so groß sind die Differenzen zwischen den beiden und so schwierig ist es für Helen, etwas über Isaac zu erfahren. Helens Denkmuster sind einfacher als Isaacs, kennt sie doch nur das Leben in der Kleinstadt und nichts weiter von der Welt, und mitunter handelt sie etwas befremdlich. Daher bleibt die angebliche Tiefe ihrer Liebe für den Leser nicht immer nachvollziehbar, man findet kaum etwas, woran man ihre Gefühle festmachen kann. Hinzu kommt der stellenweise etwas nüchterne Sprachstil, der häufig eine gewisse Distanz zwischen dem Leser und der Erzählfigur Helen aufrechterhält. Die Freundschaft zwischen den beiden Isaacs in Uganda wird hingegen vielschichtiger und überzeugender geschildert und auch, wie die beiden sich voneinander zu entfernen beginnen, der eine abgestoßen von den Auswirkungen des Krieges und der andere immer tiefer in das aktive Geschehen hineingezogen. Inzwischen bin ich wohl mehr Kilometer gelaufen als jeder andere und habe begriffen, dass ich jeden Tag meines restlichen Lebens weiterlaufen könnte und trotzdem nie ein endgültiges Zuhause finden würde. Das ist nichts, worüber man traurig sein müsste. Vielen Menschen geht es schlechter. Sie träumen davon, an einen Ort zu gehören, der sie nicht haben will. (S. 135) Mit zunehmendem Handlungsverlauf nähern sich die beiden Erzählebenen einander an. Die einzelnen Kapitel sind meist sehr kurz, so dass man beide Erzählstränge tatsächlich fast parallel zueinander liest. Immer wieder werden fast unsichtbare Details eingestreut, die sie zusätzlich auf geschickte Weise miteinander verbinden. Am Ende werden zwar nicht alle Fragen geklärt, doch der Roman bietet einen interessanten Einblick in den Beginn und die Auswirkungen von Machtkämpfen und Kriegen und die Schwierigkeit, mittendrin in alldem man selbst zu bleiben. Neben der Liebesgeschichte ist der Roman vor allem eine Geschichte um Freundschaft, Vertrauen und ständige Neuanfänge und eine Art Analyse einer Identitätssuche, von der fraglich bleibt, ob sie tatsächlich jemals irgendwo enden kann.

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    • 3
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    29. October 2014 um 14:03
  • Themen-Challenge 2014 - Bücher, auf denen hauptsächlich Schrift auf dem Cover ist

    Daniliesing

    Daniliesing

    Dieses Thema gehört zur Themen-Challenge 2014:

    Hier könnt ihr euch über eure gelesenen Bücher zu Thema 11 austauschen!

    • 52
  • Leserunde zu "Unsere Namen" von Dinaw Mengestu

    Unsere Namen
    KEIN & ABER Verlag

    KEIN & ABER Verlag

    Der Kein & Aber Verlag eröffnet eine Leserunde zum Roman Unsere Namen von Dinaw Mengestu: eine eindringliche Liebesgeschichte, die mit Klarheit und Sinn fürs Widersinnige den Abgrund universeller Fragen auslotet. Es ist ein unaufgeregtes Leben, das die Sozialarbeiterin Helen in ihrer Heimatstadt im Mittleren Westen führt. Als sie die Gelegenheit bekommt, sich um Isaac zu kümmern, sagt sie sofort zu. Etwas Geheimnisvolles geht von dem Afrikaner aus, dessen Akte nichts von ihm verrät als seinen Namen. Helen fängt an, in seiner Vergangenheit zu forschen, und kommt ihm dabei immer näher. Doch je mehr sie über Isaac in Erfahrung bringt, desto größer wir das Verwirrspiel um seine Person. Mit schonungsloser Schärfe und Präzision seziert Mengestu Unterschiede wie Parallelen der westlichen und der afrikanischen Identität und formt daraus eine unerschrockene und ergreifende Liebesgeschichte.  Leseprobe Dinaw Mengestu, 1978 in Addis Abeba geboren, emigrierte 1980 mit seiner Mutter und seiner Schwester in die USA. Für seine zwei bisherigen Romane Zum Wiedersehen der Sterne und Die Melodie der Luft erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und wurde vom New Yorker auf der renommierten Liste „20 Under 40“ geführt. Dinaw Mengestu lebt mit seiner Familie in New York. Wir suchen neugierige Leserinnen und Leser, die Lust haben, in Mengestus Liebesgeschichte einzutauchen und eine Rezension zu verfassen. Hierfür verlosen wir 20 Bücher. Beantwortet uns bis zum 4. September folgende Frage, um in den Lostopf zu springen: Das Buch kreist um Fragen nach Herkunft, Identität und Ethnizität. Die dort geschilderte Zersplitterung betrifft nicht nur einzelne Menschen, sondern auch ganze Länder oder Kontinente. "Isaac kannte weder die Vorteile noch die Nachteile eines Lebens in unmittelbarer Nähe zur eigenen Vergangenheit. Worum ich ihn ganz sicher nicht beneidete, war die besondere Art von Einsamkeit, die daher rührte, nichts wirklich sein Eigen nennen zu können. Dass er gelegentlich »Boy« oder »Nigger« genannt wurde, war schlimm genug. Aber niemanden zu haben, der ihn gekannt hatte, bevor er hierhergekommen war, niemanden, der ihn allein durch seine Existenz daran erinnern konnte, dass er eigentlich jemand ganz anderes war, war ungleich schlimmer.“ aus: Unsere Namen Was versteht ihr unter Identität? Gibt es für euch „die“ eine Identität, oder habt ihr auch verschiedene „Leben“? Die Gewinner werden am 05. September an dieser Stelle bekannt gegeben! Wir sind gespannt auf eure Beiträge und freuen uns auf die Leserunde! Euer Kein & Aber Verlag

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    • 231
  • Namenlose menschliche Identität in einem namenlosen afrikanischen Land

    Unsere Namen
    savanna

    savanna

    16. October 2014 um 21:52

    "Identitäten" lautet das Schlüsselwort dieser Neuerscheinung des äthiopisch-amerikanischen Autors Dinaw Mengestu. Welche Identität haben wir, können wir ausleben oder auch annehmen? Tiefgreifende Fragen, die in einem Roman zum Vorschein kommen, der etwa zur Hälfte in einem namenlosen afrikanischen Land und zur Hälfte im Mittleren Westen der USA spielt. Hinweise deuten klar auf Uganda in der unruhigen Zeit vor der Diktatur Idi Amins, auch wenn der Autor vieles in seinen Beschreibungen so vage gehalten hat, um stellvertretend auch für andere afrikanische Konfliktherde der Vergangenheit und Gegenwart zu sprechen. Im Fokus steht ein junger Äthiopier, der als Student nach Kampala kommt und dort in die Anfänge der Revolution verstrickt wird. Mit einem zeitlichen und örtlichen Sprung kann der Leser diesem jungen Mann bis in die USA folgen, wo er als Immigrant der Sozialarbeiterin Helen zugeteilt wird. Aus Helen und Isaac wird ein Paar, das sich in der amerikanischen Gesellschaft der 70er Jahre jedoch keinesfalls frei bewegen kann. 'Schwarz-weiß' ist hier bei Weitem keine beliebte Farbkombination. "Unsere Namen" ist ein Roman vieler Ebenen. Ich bin mir sicher, dass der Leser beim mehrmaligen Lesen noch weitere Ebenen entdecken wird. Es passt nicht in die Sparte eines 'Afrika-Romans', auch nicht zum Genre 'Liebesroman'. "Unsere Namen" ist schwer einzuordnen, in jedem Fall jedoch anspruchsvolle Literatur.

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  • In der Fremde ein Niemand

    Unsere Namen
    serendipity3012

    serendipity3012

    In der Fremde ein Niemand Die Sozialarbeiterin Helen lernt im Rahmen ihrer Tätigkeit den Afrikaner Isaac kennen, dem sie helfen soll, sich in den Vereinigten Staaten zurechtzufinden. Die beiden verlieben sich ineinander – im Mittleren Westen in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Ding der Unmöglichkeit, diese Liebe offen auszuleben. Die Vorurteile, der Rassismus sind allgegenwärtig, also verheimlichen die beiden ihre Beziehung. Isaac, der Äthiopier, hat die Monate vor seiner Zeit in den USA in Uganda verbracht, wo es schwere Unruhen gab, Bewegungen gegen die neue Regierung; was friedlich begann, geriet bald außer Kontrolle und niemand war seines Lebens mehr sicher. Wer Isaac wirklich ist, das wird weder in den Abschnitten, die in Uganda spielen, ganz klar, noch wird es in denen in den USA deutlich. Seine jetzige Identität hat er sich von einem Freund in Afrika geliehen, ein Freund namens Isaac und ein Name von vielen, die er in seinem Leben getragen hat. Einer von mehreren Gründen, warum Dinaw Mengestus dritter in Deutschland erschienener Roman den Titel „Unsere Namen“ trägt. Einerseits ist es ein afrikanischer Brauch, den Generationen vergangener Zeiten durch die Weitergabe ihrer Namen an die Kinder ein Denkmal zu setzen, so dass man es schon mal auf über 10 Namen bringen kann, andererseits erhält Isaac im Laufe seines Lebens immer wieder neue Namen und „Isaac“ ist nur einer von ihnen. Wie unser Protagonist wirklich heißt? Wir wissen es nicht. „Unsere Namen“ erzählt die Geschichte dieses Mannes: Er selbst erzählt die Geschehnisse in Uganda, erzählt von seinem Freund, dem anderen Isaac, dessen Namen er annahm, als er in die Staaten einreiste. Auf der anderen Seite ist es Helen, die von ihrem, dem „falschen“ Isaac erzählt; sie weiß nicht, dass er in Wirklichkeit ein anderer ist, dass sie seinen richtigen Namen gar nicht kennt. Die Abschnitte wechseln sich ab, so dass wir die Ereignisse in Uganda von unserem Protagonisten selbst erfahren, und das, was in den USA passiert, uns „Isaac“ nur aus Helens Perspektive zeigt. Ein geschickter Kniff des Autors, der den Roman umso spannender macht, da es immer wieder Leerstellen gibt, die erst nach und nach gefüllt werden. Insgesamt bedient sich Mengestu einer eher distanzierten, nüchternen Sprache, was den Effekt hat, dass man als Leser immer ein Stück außen vor bleibt. Andererseits aber ein durchdachtes Stilmittel, nur so scheinen die immer brutaleren Beschreibungen dessen, was in Uganda passiert, ertragbar zu sein. Die Passagen, die Helen erzählt, zeugen davon, dass auch sie ein Stück orientierungslos ist, eine alleinstehende Frau Anfang dreißig in den 70er Jahren, die manche vielleicht schon eine „alte Jungfer“ nennen, auf der Suche nach etwas, das ihrem Leben einen Sinn gibt. Die versucht, die deprimierenden Seiten ihres Berufes als Sozialarbeiterin nicht zu nah an sich herankommen zu lassen. So unterschiedlich die beiden Liebenden auch sein mögen, beide sind sie auf der Suche. Mengestus Roman konzentriert sich stark auf seine zwei, eigentlich drei Hauptfiguren, wechselt die Perspektiven, zeigt von innen und von außen verschiedene Facetten dessen auf, was Identität bedeuten kann. Beschäftigt sich mit Heimat- bzw. Heimatlosigkeit „Unsere Namen“ liest sich oftmals bedrückend, manchmal auch hoffnungs- und schonungslos. Wahrhaben möchte man diese Hoffnungslosigkeit nicht, wenn man das Buch schließlich zuklappt, aber wenn man genau hinschaut, muss man das vielleicht auch gar nicht.

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    • 3
    Wortwelten

    Wortwelten

    16. October 2014 um 12:50
  • Gesellschaftliche Abgründe in den USA und Uganda

    Unsere Namen
    Orisha

    Orisha

    "Das Buch kreist um Fragen nach Herkunft, Identität und Ethnizität. Die dort geschilderte Zersplitterung betrifft nicht nur einzelne Menschen, sondern auch ganze Länder oder Kontinente." - so wurde Mengestus Buch beworben und ich wollte es lesen. Im Grunde geht es auch um Identität und vor allem auch Ethnizität und dennoch geht es um viel mehr, aber beginnen wir am Anfang. Zwei Handlungsstränge: eine in Uganda und eine in den USA angesiedelt. In den USA trifft die Sozialarbeiterin Helen auf Isaac, ihren neuen Klienten. Obwohl sie kaum etwas über ihn weiß, beginnen beide eine Affäre. Ein mutiger Schritt, bedenkt man die rassistischen Tendenzen und die kleinbürgerliche Intoleranz mittelgroßer amerikanischer Städte in den 1960-70er Jahren. In Uganda treffen wir auf Isaac und Langston. Zwei junge Männer, die in Kampala gestrandet sind und davon träumen, an der Universität zu studieren. Vor allem Langston wünscht sich Literatur zu studieren. Beide lernen sich auf dem Campus kennen und freunden sich an. Doch die Zeiten sind schwierig und so lassen die ersten Unruhen im Zuge der Unabhängigkeit Ugandas nicht lange auf sich warten. Beide geraten zwischen die Fronten, teils selbst provoziert, teils unschuldig. Vor allem Isaac scheint einen Plan zu verfolgen, will er doch für ein besseres Uganda kämpfen. Und das kann er, als er auf Joseph trifft, der beide unter seine Fittiche nimmt. Doch damit gelangen sie in Kreise, die einer Revolution sehr nahe stehen. "Unsere Namen" ist die Geschichte von Isaac und Helen sowie von Isaac und Langston. Zwei ungleiche Paare auf zwei Kontinenten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mengestu fängt Ugandas Umbruch sehr gut ein. Die Anspannung in den Straßen Kampalas, die Unruhe, die Angst vor einem Militärschlag, dem nächsten Putsch, der nächsten Revolution ist greifbar. Isaac und Langston dienen Mengestu hier als Protagonisten, die es vermutlich zu Hauf in Kampala gab und vermutlich noch gibt. Von der Umbruchsstimmung getrieben, vom Streben nach einem besseren Leben, geraten sie ziemlich naiv in die Fänge jener, die strategisch versuchen, ihre Machtposition im Land auszubauen. Dass sie dabei vor Mord, Kindersoldaten und Gewalt nicht zurückschrecken ist leider Realität. Auf der anderen Seite stehen Isaac und Helen, die sich dem Rassismus der 1960er Jahre im mittleren Westen der USA stellen müssen. Dabei versucht Helen immer wieder aus ihrem tristen Leben auszubrechen und zwingt Isaac und ihre Umwelt sich mit ihr auseinanderzusetzen. Dass sie dabei immer mal eine Grenze zu überschreiten scheint, ohne dass es dabei um das große Gute geht (die Bekämpfung des Rassismus), sondern selbstsüchtige Tendenzen aufzeigt, scheint Helen egal. Obwohl die Charaktere gut gewählt sind, vor allem um die gesellschaftlichen Missstände auf beiden Kontinenten aufzuzeigen, und die Geschichte an sich spannend gehalten wird, blieben mir die Motive für bestimmte Handlungsweisen der drei Hauptprotagonisten verborgen. Vieles ist angerissen, angedeutet, aber letztlich nicht voll ausgebaut. Man bleibt als Leser etwas unzufrieden zurück, da sich mir eben nicht immer erschließt, was die Charaktere antreibt. In Bezug auf die gesellschaftlichen Hintergründe – oder man sollte wohl besser Abgründe sagen – punktet das Buch wiederum voll und ganz. Und auch sprachlich ist das Buch wunderbar umgesetzt. Fazit: Ein gutes Buch, um sich mit den gesellschaftlichen Belangen der 1960er Jahre in den USA und in Uganda auseinanderzusetzen.

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    • 3
  • Rezension zu "Unsere Namen" von Dinaw Mengesten

    Unsere Namen
    KerstinnI

    KerstinnI

    10. October 2014 um 11:29

    " >>Weißt du warum?<< fragte er mich. Ich tat so, als hätte ich die Frage nicht verstanden, und starrte auf meine Schuhe, in der Hoffnung, dass er sie nicht noch einmal stellte. Natürlich wiederholte er sie dennoch. >>Warum was?<< fragte ich zurück. >> Willst du hierbleiben, weil du deinen Freund nicht im Stich lassen willst oder weil du nicht wüsstest, wohin du sonst gehen solltest?<< " (S.187) "Die Tatsache, dass wir am Tisch sitzen blieben, obwohl ich am liebsten weggerannt wäre, bewies, zu welchen Opfern wir bereit waren, Nachdem wir das Restaurant verlassen hatten und wieder im Auto saßen, sagte Isaac zu mir:         >> Jetzt weißt Du es. So brechen sie Deinen Willen, ganz langsam.<<" (S. 56)   Dieser Roman beinhaltet Diskussionsmaterial zu ethnischen Fragen, zur Identität eines Einzelnen und zur Frage, was eine Beziehung ausmachen kann oder aber, was eine Beziehung aushalten kann. Die Geschichte beginnt in Uganda kurz vor der Revolution und erzählt in zwei Strängen die Geschichte von Isaac und Helen. Während im Isaacs Strang seine Geschichte aus Uganda wiedergegeben wird, erzählt Helens Strang ihre und Isaacs (Liebes-)Geschichte. Dabei wird der Leser auf zahlreiche gesellschaftliche Probleme aufmerksam gemacht, die in der amerikanischen oder in der afrikanischen Geschichte zu finden waren oder sind. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht in geschichtlichen Hintergründen, die zu kennen teilweise hilfreich gewesen wären, sondern viel mehr in den persönlichen Entwicklungen und den Problemen der Protagonisten die verschiedenen Kulturen zu vereinen. Die Protagonisten sind aus meiner Sicht in ihrem Handeln durchaus diskutabel. Besonders das Verhalten von Helen schien mir oft widersprüchlich, so dass ich nur bedingt Sympathie für sie empfinden konnte. Isaac dagegen macht eine starke Entwicklung durch, welche für mich auch nicht vollständig nachvollziehbar war. Zu groß schien mir diese Veränderung. Möglich ist hier aber auch, dass die Erzählstränge durch die Unterschiedlichen Erzählperspektiven verschiedene Sichtweisen auf Isaac darstellen sollen, die Wahrnehmung scheint dann jedoch sehr differenziert. Der Schreibstil ist in jedem Fall gut. Zwar hätte ich mir mehr Tiefgang in einigen Passagen gewünscht, jedoch ist dieses Buch gut zu lesen. Was mich ein wenig stört, ist dass der Klappentext in meinem Fall falsche Erwartungen herbeigerufen hat. Aus meiner Sicht geht es in diesem Buch weniger um eine eindringliche Liebesgeschichte, als viel mehr um die Überwindung kultureller Unterschiede, ethnischer Unterschiede und um die Suche nach sich selbst. Fazit: Ein durchaus eindringliches Buch, welches sich nicht "eben mal" Lesen lässt, aber durchaus lesenswert ist!

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  • Die Frage nach der Identität

    Unsere Namen
    Deengla

    Deengla

    05. October 2014 um 20:02

    Kurzmeinung Ein Buch, das ziemlich viele Emotionen vermittelt und viele Fragen aufwirft, die unbeantwortet bleiben. Obwohl viele sehr gute Ansätze, hat mich das Gesamtbild nicht ganz überzeugt. 3 1/2 Sterne. Inhalt Uganda: Isaac und Langston sind junge Männer, die in die Hauptstadt Kampala gekommen sind und sich als Studenten ausgeben. Sie freunden sich an und man verfolgt die Entwicklung dieser Freundschaft sowie die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in dieser Zeit, die schließlich zu Mord, Totschlag und Flucht führen. USA: In den 70er Jahren nimmt sich Sozialarbeiterin Helen des afrikanischen Flüchtlings Isaac an. Dieser fasziniert sie sehr und bald entwickelt sich mehr zwischen den beiden. Doch eine weiße Frau, ein schwarzer Mann, im tiefsten Mittleren Westen der USA - hier sind Probleme vorprogrammiert. Außerdem hat Isaac nur ein Visum für ein Jahr. Meine ausführlichere Meinung Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Isaacs und Helens Perspektive. Hier muss ich jedoch eindeutig sagen, dass mir Isaacs Kapitel, die in Uganda spielen, viel besser gefallen haben und ich mich doch mit der teilweise recht fremden Welt und Umständen leichter identifizieren konnte als mit Helen. Helen war für mich ein Charakter, deren Handlungsweisen ich nur sehr selten nachvollziehen konnte und mit der ich so meine Probleme hatte. Natürlich war es trotzdem interessant, gelebten Rassismus in Amerika durch das Lesen mitzuerleben, aber diese Abschnitte haben mich einfach nicht so gefesselt und hatten für mich auch die ein oder andere Länge. Man stellt sich beim Lesen viele Fragen, von denen die wenigsten beantwortet werden, auch wenn es einige Andeutungen gibt. Dank einer Lesung, die ich besucht habe, weiß ich, dass dem Autor die Figuren, nicht Details und historische Fakten, wichtig waren. Mit diesem Wissen kann ich das Buch viel besser hinnehmen, kann mir aber vorstellen, dass es manchen Leser doch eher unzufrieden zurücklässt. Die Geschichte konzentriert sich auf einige, wenige Figuren, die alle außergewöhnliche Beziehungen führen bzw. in solchen Beziehungen zueinander stehen. Es ist für mich mehr die allgemeine Frage nach der Identität: wer sind wir? Was bedeutet ein Name? Wie viele Identitäten und Rollen können wir in einem Leben annehmen? Kennt uns jemand wirklich - kennen wir uns wirklich? Dies ist für mich die ganz große Stärke des Buches. Auch der Schreibstil hat mich teilweise bezaubern können, da er doch sehr speziell und individuell ist. Dennoch war das gesamte Leseerlebnis leider nicht so fesselnd, wie es hätte sein können. Fazit Ein Buch, was viele interessante Themen anreißt und mir auf jeden Fall lange im Gedächtnis bleibt. Da ich leider überhaupt keinen Zugang zu einer der beiden Hauptfiguren hatte und mir manches doch zu abstrakt blieb, nur 3 1/2 Sterne, aber eindeutige Tendenz zu 4.

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  • Kein einfaches Buch

    Unsere Namen
    Larischen

    Larischen

    05. October 2014 um 13:03

    Helen ist Sozialarbeiterin und betreut den aus Uganda stammenden Studenten Isaac. Helen verliebt sich in den ungewöhnlichen Mann mit der antiquierten Sprache und es beginnt eine Liebesgeschichte im Amerika Ende der siebziger Jahre, die alles andere als einfach ist. Der zweite Teil der Handlung spielt in Uganda, noch vor Isaacs Flucht nach Amerika. Der Leser wird zum Beobachter einer sehr besonderen Männerfreundschaft zwischen dem wahren Isaac und Langston in Zeiten des Chaos. Denn Uganda ist mit seiner Hauptstadt Kampala ein Hort der Gewalt und politischer Unsicherheit. Dinaw Mengestu hat mit „Unsere Namen“ einen Roman geschaffen, der vieles andeutet, aber am Ende mindestens genauso viel im Unklaren lässt. Relativ schnell wird klar, dass der „richtige Isaac“ nicht derjenige ist, den Helen in Amerika trifft, wie es dazu kam bleibt allerdings lange offen. Die bedrückende und gewalttätige Stimmung des Romans kommt beim Leser sehr gut an, dafür bleiben die Protagonisten allerdings nur schemenhaft zu erkennen und es fehlt an vielen Stellen an Hintergrundinformationen, die der Leser sich selbst zusammen reimen muss oder auf sein (begrenztes) Hintergrundwissen zurückgreifen muss. Nichtsdestotrotz ist der Roman auf seine ganz eigene Art und Weise fesselnd und das Thema Identität spielt eine wichtige Rolle. Welche Rolle spielt die eigene Herkunft für andere Menschen? Kann man die eigene Identität vergessen? Und kann man einfach eine neue Identität annehmen? Langston, der spätere Isaac, ist wohl der Meister im Spiel mit den Identitäten. Für ihn beginnt mit dem Verlassen des Heimatdorfes und dem Ablegen seiner 13 Namen eine lange Reise, in der ihn die eigene Herkunft aber niemals ganz loslässt. Auch Helen ist gefangen in ihrer Identität und den damit verbunden Wertvorstellungen. Obwohl sie diesen selbst kritisch gegenüber steht fällt es ihr nicht leicht, sie abzulegen. „Unsere Namen“ ist so vielschichtig und mit vielen Andeutungen versehen, dass mir eine strukturierte Kritik und Wiedergabe sehr schwer fällt. Zwar bin ich mit den Protagonisten gar nicht wirklich warm geworden, aber die vermittelte Stimmung hat mich viel über die Handlung nachdenken lassen. Für mich steht bei diesem Werk allerdings nicht die Liebesgeschichte im Vordergrund, die wird für mich im günstigsten Fall nur oberflächlich behandelt. Doch für das Thema Identität und die damalige Situation in Uganda hat mich Dinaw Mengestu sensibilisiert.  

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  • Bedrückende Geschichte über Krieg, Liebe und Freundschaft

    Unsere Namen
    Geri

    Geri

    03. October 2014 um 14:22

    Das simple Cover, ohne jeglichen Schnickschnack und trotzdem eindringlich wirkend, drückt genau das aus, was einen in der Geschichte erwartet! Es geht um Isaac, der aus den kriegslastigen Verhältnissen Afrikas nach Amerika aufbricht und dort auf Sozialarbeiterin Helen trifft, die viel mehr für ihn sein wird, als eine helfende Hand in einer völlig neuen Welt.  Parallel dazu geht es aber auch um Isaacs Vergangenheit, die einen sehr großen Teil der Handlung ausmacht und oft sehr verwirrend ist, da man als Leser immer nur Häppchen hingeworfen bekommt, aus dem sich dann (mehr oder weniger) letztlich ein Ganzes ergibt. Man merkt schon: so richtig überzeugt bin ich von der Umsetzung nicht. Die wohl größte Enttäuschung ist für mich der Klappentext, denn dieser verspricht:"Eine eindringliche Liebesgeschichte, die mit Klarheit und Sinn fürs Widersinnige den Abgrund universeller Fragen auslostet.".  Liebesgeschichte... Ein starkes Wort, wenn man bedenkt, dass die Protagonisten Helen und Isaac sich in Wahrheit überhaupt nicht kennen und auch beide nicht wirklich darauf aus sind, diesen Fakt zu ändern - Hauptsache man hat sich gegenseitig und kann der Einsamkeit entfliehen. Antworten auf die Millionen Fragen, die sie vermutlich beide an ihr Gegenüber haben (man kennt als Leser ja nur Helens Sichtweise, was die Beziehung betrifft, da Isaacs Part grundsätzlich in der Vergangenheit spielt), sind hier zwar gesucht, aber ob man sie letztlich auch wahrhaben möchte, steht auf einer anderen Karte. Was mich aber so richtig gestört hat ist, dass der Klappentext ausschließlich auf das Thema Liebe und seine Schwierigkeiten hinweist, jedoch völlig unterschlägt, wie stark politische Themen und eine Männerfreundschaft die Handlung an sich reißen, so dass für Helen und Isaac als "Paar" verhältnismäßig wenig Raum bleibt. Da war meine Erwartungshaltung leider eine völlig andere. Auch Klarheit konnte ich nur bedingt finden, denn besonders die Zustände in Afrika werden nicht genau benannt und somit ist man auf jeglichen Hinweis des Erzählers angewiesen, ohne sich anderweitig konkret historisch einlesen zu können. Dies hat es mir etwas schwer gemacht, da ich mich vorher eher weniger mit diesem Thema allgemein befasst habe und somit schwieriger in die Geschichte hinein gefunden habe.  Zum Schreibstil möchte ich gerne ein Zitat einbringen, was mich berührt hat: "Schweigen ist längst nicht so schlimm, wenn man gemeinsam schweigt, denn dann fehlen die traurigen und einsamen Untertöne." Hieran sieht man sehr schön, dass der Autor was kann und vor allem auch die bedrückende Stimmung besonders gut auszudrücken weiß!  Es kam jedoch des Öfteren vor, dass ich Pausen einlegen musste oder mich in langatmigen Stellen wiederfand, die für mich ausschließlich in Isaacs Kapiteln auftraten, während ich mich auf Helens jedes Mal gefreut und schon auf ihre nächste Erzählung hingefiebert habe.  Was macht man nun mit einem Buch, was definitiv kein Standardwerk der einfachen Unterhaltungsliteratur ist, aber eben auch nur zur Hälfte richtig fesseln kann?  Fazit: Ich habe mich für 3 Sterne entschieden, da ich eine gewisse Faszination für dieses Werk nicht abstreiten kann, mich der teilweise poetische Schreibstil begeistert, jedoch inhaltlich (insbesondere durch eine vom Klappentext falsch geschürte Erwartungshaltung) ein zu großes Chaos herrscht.  

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  • Das Recht auf Heimat

    Unsere Namen
    Himmelfarb

    Himmelfarb

    Dinaw Mengestu, der als aufsteigender Stern der internationalen Literaturszene gerühmt wird, hat mit "Unsere Namen" seinen dritten Roman vorgelegt. Und was für einen... Isaac ist ein junger Mann, der Mitte der 1970er Jahre aus dem von bürgerkriegsähnlichen Zuständen gebeutelten Uganda in die USA flieht. Seine genaue Herkunft bleibt dem Leser, wie auch seiner Betreuerin in den USA, Helen, der zweiten Hauptfigur des Romans, verborgen. Alles was man weiß ist, dass der junge Mann gebürtiger Äthiopier ist, seinen richtigen Namen abgelegt hat, und sich für Literatur begeistert. In parallel erzählten Handlungssträngen, welche jeweils die Perspektive wechseln -mal erzählt Isaac, mal Helen- erfährt man mehr und mehr über Isaac. In den USA werden die beiden ein Paar, müssen jedoch mit dem immer noch herrschenden Rassismus kämpfen. Die dritte wichtige Person dieses Romans ist der "richtige" Isaac, ein weiterer junger Mann, der sich, genau wie der andere, in Kampala auf dem Universitätsgelände herumtreibt und davon träumt, zu studieren. Im späteren Verlauf wird er Revolutionär, begeht Gräueltaten, schenkt aber seinem einzigen Freund seinen Namen und seine Identität. Daraus wird der andere Isaac. Das Hauptthema des Buches ist eben jene Identität. Namen sind Schall und Rauch; vielleicht sogar unsere Herkunft, aber das wichtigste überhaupt ist die Liebe. Die Vorgänge der Revolution in Uganda werden drastisch geschildert und stehen stellvertretend für alle bewaffneten Konflikte dieser Welt. Auch die Situation in den USA ist nicht paradiesisch, denn Isaac und Helen leiden am alltäglichen Rassismus. Die Bereitschaft aufeinander zuzugehen und Veränderungen zuzulassen, führt am Ende aber vielleicht dazu, daß sie eine gemeinsame Zukunft haben. So gesehen ist der Roman voller Hoffnung. Bildhaft und in ruhigem Ton erzählt Dinaw Mengestu uns von dieser bewegten Zeit. Am Ende steht ein Abschied und ein Anfang. Berührend ist das, denn die heilende Kraft der Liebe bleibt keine Behauptung. Man sollte Mengestu im Auge behalten, denn seine Botschaft ist wichtig: Heimat kann überall entstehen und wir alle haben ein Recht darauf, trotz aller Unterschiede.

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    • 3
  • Identitätssuche

    Unsere Namen
    Buchina

    Buchina

    30. September 2014 um 16:10

    Der Protagonist des Roman, er nennt sich Langston, möchte in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, studieren. Aber dafür fehlt ihm das Geld, dennoch geht er jeden Tag zum Unigelände und beobachtet die Studenten. Er lernt Isaac kennen, dem es ähnlich geht. Sie werden Freunde. Es sind unruhige Zeiten in Uganda. Auch Langston und Isaac sehen sich als Revolutionäre. Obwohl Issac eher der Handelnde ist und Langston der Beobachter und Mitläufer. Immer mehr werden sie in die politischen Umbrüche gezogen. Dieser Handlungsstrang wechselt immer wieder mit einem zweiten, der mehr in der Zukunft spielt. Langston nennt sich jetzt Isaac und lebt in den USA, dank eines einjährigen Visums. Helen ist Sozialarbeiterin und seine Betreuerin. Schnell wird sie seine Geliebte. Während der Uganda-Handlungsstrang aus der Sicht von Langston erzählt wird, ist im USA-Strang Helen die Erzählerin. Dadurch erhält man einen komplexen Blick auf den Charakter Langston/Isaac. Aber auch in Helens Gefühlswelt bekommt man als Leser sehr gut Einblick. Mit den zwei Handlungssträngen knallen zwei sehr unterschiedliche Welten aufeinander. Zum einen Uganda vor und während der Revolution und das USA, mittlerer Westen, nach außen frei, aber in der Realität durch Rassismus geprägt. Auch die beiden Hauptcharakter Langston und Helen wirken sehr unterschiedlich, sind aber gleich in ihrem Bedürfnis aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen. Ich brauchte eine ganze Weile, um in den Roman zu kommen. Das erste Drittel fiel mir schwer zu lesen. Das lag für mich hauptsächlich daran, dass es kaum Hintergrundinfos gab und die Handlung und die Charaktere manchmal etwas konfus wirkten. Erst nach und nach konnte ich mich in die Charakter hineinversetzen und besser verstehen. Wirklich nahe sind sie mir aber bis zum Schluss nicht gekommen. Für den Uganda-Handlungsstrang fehlten mir eindeutig die Hintergrundindormationen. Hat man nicht gerade selbst ein wenig mit der Geschichte Uganda auseinandergesetzt, erfuhr man durch dieses Buch nicht wirklich etwas. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass der Konflikt so austauschbar wurde, nach dem Motto, wieder irgendein Konflikt im weiten Afrika. Die Charakterzeichnung war dagegen sehr ausführlich und auch interessant, aber dennoch fehlte etwas. Insgesamt ein interessantes Buch zum Thema Identität mit etwas schwer zugänglichen Charakteren und austauschbaren Handlungsort.

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  • Verwirrspiel um Identitäten

    Unsere Namen
    bookgirl

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    30. September 2014 um 15:42

    Inhalt Die Sozialarbeiterin Helen führt ein ruhiges Leben in ihrer Heimatstadt im Mittleren Westen. Nun soll sie sich um den Afrikaner Isaac kümmern, der ein einjähriges Visum für einen Aufenthalt in den USA erhalten hat. Helen und er werden schnell ein Paar, auch wenn sie außer seinem Namen nichts von ihm weiß. Je mehr sie über seine Vergangenheit in Erfahrung bringt, desto größer wird ihre Verwirrung. Ein paar Monate zuvor in Uganda: Isaac und sein Freund Langston träumen von einer besseren Zukunft. Für die gesellschaftlichen Veränderungen ist insbesondere Isaac bereit Opfer zu bringen. Wenn nötig sogar für sein Land zu sterben. Meine Meinung In seinem Roman erzählt Dinaw Mengestu, wie ein geheimnisvoller Äthiopier in den 70er Jahren über den Umweg Uganda in den USA landet. Als er von seinem Dorf aufbricht, um sein Glück zu finden, hat er noch dreizehn Namen "Jeder Name stammte von einer anderen Generation meiner Familie. Und alle waren der Meinung, dass meine Familie sich glücklich schätzen durfte, eine so lange Geschichte vorweisen zu können." Doch als er Uganda erreicht, legt er alle seine Namen ab. "Als ich in Kampala ankam, war ich ein Niemand. Und genau das wollte ich auch sein." Als ein Niemand möchte er sich in Uganda neu erfinden. Doch in Uganda hat sich Idi Amin an die Macht geputscht und nun geht es um Bürgerkrieg und blutige Gemetzel. Auf dem Universitäts-Campus werden ihm eine Reihe von Spitznamen gegeben, bis ihm sein einziger ugandischer Freund Isaac seinen Namen schenkt und ihm das Leben rettet. Mit seinem Pass und Studentenvisum kann er sich aus den ugandischen Wirren in die USA retten. Während der echte Isaac immer tiefer in die Rebellion gegen Idi Amin verstrickt ist, fängt er einen ruhiges Leben in der kleinen Stadt Laurel an. Dort trifft er Helen, die ihn unter ihre Fittiche nimmt und sich in ihn verliebt. "Unsere Namen" wird aus zwei Perspektiven erzählt, die sich kapitelweise abwechseln. In den Amerika-Kapiteln erzählt Helen von den Schwierigkeiten ihrer heimlichen Liebe mit dem falschen Isaac, die dadurch erschwert wird, dass die Beziehung zu einem Dunkelhäutigen in den 1970er Jahren nicht geduldet wurde. In den Uganda-Kapiteln erzählt der Namenlose aus Äthiopien die Geschichte über seine Freundschaft mit dem echten Isaac. Die Charaktere in "Unsere Namen" werden von Dinaw Mengestu weder facettenreich noch tiefschürfend dargestellt. Offensichtlich legt er größeren Wert darauf, die Umstände und Beziehungen zwischen den Protagonisten zu beleuchten. Allerdings hat mir an manchen Stellen ein wenig Emotionalität gefehlt, die die Figuren nachvollziehbar hätte handeln lassen und sie mir näher gebracht hätte. Dinaw Mengestu schreibt stattdessen ruhig und sehr sachlich. Für meinen Geschmack jedoch zu sachlich. Fazit "Unsere Namen" ist ein ruhig, sachlich und emotional zurückhaltend erzähltes Verwirrspiel um Identitäten. Ein Buch mit Anspruch, aber für meinen Geschmack manchmal zu kühl und unnahbar.

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  • Afrikanischer Fatalismus versus amerikanische Bigotterie

    Unsere Namen
    wandablue

    wandablue

    Afrikanischer Fatalismus versus amerikanische Bigotterie. Flüchtlingsheime und Asylbewohner gehören zu unserem alltäglichen Leben inzwischen dazu. Irgendwo auf der Welt ist immer Krieg und es ist nur allzu verständlich, dass die Menschen, die über den Ausbruch dieser Kriege nicht bestimmten, jedoch von seiner Wucht überrollt werden, ins Ausland fliehen. Wer aber hat sich mit einem dieser Menschen wirklich befasst? Mit seinen Ängsten, seiner Vergangenheit, seinen Traumata und Hoffnungen? Helen muss und will es tun, denn sie ist Sozialarbeiterin, doch eine ohne Leidenschaft. Von ihrer Heimat sagt sie: „Wir wohnten in einem ruhigen, fast ländlichen Städtchen im Mittleren Westen (Laurel), wo die Meinung anderer alles bestimmte. In den Augen meiner Mutter war der äussere Schein das Wichtigste überhaupt.“ Es sind die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts, die Segregation ist seit wenigen Jahren aufgehoben. Isaac ist schwarz. Arm. Unterprivilegiert. Ein Austauschstudent. Ein Flüchtling. Ein Gast. Sein Englisch ist antiquiert, doch ansonsten tadellos. Und er ist Helen anvertraut. Sowohl Isaac wie auch Helen möchten den Zwängen ihrer jeweiligen Gesell-schaftsschicht entkommen, doch während Helen sagen muss, „Meine Beziehung zu ihm [Isaac], war die weiteste Reise, die ich jemals angetreten habe“, ist Isaac bereit gewesen alles, aber auch wirklich alles aufzugeben, um den Stammesansprüchen zu entfliehen: „Auf der Busfahrt in die Hauptstadt legte ich alle Namen ab, die meine Eltern mir gegeben hatten“. Von Stund an wird er, der Äthiopier, immer diejenige Identität leben, die ihm zufällig zugewiesen wird, Slumbewohner, Student, Freund, Feind, Bote, Konspirateur, Opfer, Täter, Flüchtling, Liebhaber. Eine Schattenexistenz, die nicht einmal in den intimsten Momenten mehr ist als das: flüchtig, schwammig, von ungefähr, zurückweichend. In zwei parallel laufenden Erzählsträngen deckt der Autor die Lebensgeschichte Issacs auf und legt die Liebesgeschichte von Helen und Isaac auf. Die „Helen-Kapitel“ spielen jeweils in der Gegenwart, die „Isaac-Kapitel“ beleuchten Isaacs Leben davor in Kampala, Uganda, wo er mehr und mehr in das politische Tagesgeschäft verstrickt wird und sich instrumentalisieren lässt. Denn in Uganda herrscht zehn Jahre nach der Unabhängigkeit die pure Willkür. Wer am Leben bleibt, wird bestimmt durch Zufälligkeiten. Wie kommen nun Helen und Isaac miteinander zurecht in den USA? Grossartig, solange sie sich gegenseitig bedeckt halten und dafür sorgen, sich in der Öffentlichkeit nicht als Paar identifzieren zu lassen. Doch dann verändern sie sich. Dem gesamten Roman fehlt der gesellschaftspolitische Unterbau. Der Autor erlaubt es sich, diesen nur anzudeuten und den Rest der Phantasie des Lesers und dessen Recherchen zu überlassen. Mengestu ist überhaupt ein Meister der Andeutungen. Selten wird klar, warum die Protagonisten tun, was sie tun, oder lassen, was sie lassen. So kann natürlich auch nichts fehl interpretiert werden ... Ein Zugangs-Code böte die umständebedingte fatalistische afrikanische Mentalität, die besonders als Isaac in Laurel ankommt, auf die bigotte Geisteshaltung des mittleren amerikanischen Bürgertums stößt und viel mehr Konfliktpotential bereit gehalten hätte. Doch da der Fokus ausschliesslich auf dem Vordergrund, nämlich auf den agierenden Personen Helen und Isaac liegt, die sich zudem nur skizzenhaft offenbaren und Hintergrund nicht ausreichend beleuchtet wird, bleibt der Roman für mich stellenweise zwar ein bedrückendes Flüchtlingsschicksal, aber im Beliebigen und von daher ohne Nachhall; gesellschaftspolitisches Streiflicht ohne Auseinandersetzung. Das schwarz-weisse Paar hat mich in Willi Heinrichs „Gottes zweite Garnitur“ mehr beeindruckt. Fazit: Dieser Roman ist absolut Geschmacksache. Deshalb kann ich weder zu noch abraten. Für mich war er ein Zwei-Personen-Stück, das ich sehr gerne im Theater aufgeführt gesehen hätte, aber als Roman war es mir zu wenig Himmel und viel zu wenig Erde. Kategorie: gehobene Literatur Verlag Kein & Aber, 2014

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  • Die Macht der Liebe

    Unsere Namen
    Xirxe

    Xirxe

    Zwei Erzählstränge umfasst dieses Buch, von denen einer sich langsam dem anderen annähert. Es ist Anfang der 70er in den USA, die Rassegesetze sind gerade einige Jahre zuvor aufgehoben worden, als die Sozialarbeiterin Helen den Auftrag erhält, sich um den afrikanischen Austauschstudenten Isaac zu kümmern. Es gibt nur wenige Informationen über seine Person und Helen beschleicht das Gefühl, dass er ein, wenn nicht mehrere Geheimnisse hat. Dennoch (oder vielleicht gerade deshalb) verliebt sie sich in ihn, eine Liebe, die ihr bisheriges Leben völlig durcheinanderwürfelt. Der zweite Erzählstrang berichtet von Isaacs Leben in Uganda und wie er zu dem Menschen wurde, den Helen kennenlernt. Es ist die Geschichte eines armen Dorfjungen, der in der Hauptstadt eher zufällig in Unruhen und die Anfänge einer Revolution gerät und Zeuge wird, wie aus Liebe Entsetzen und Terror entstehen können. Mir gefiel die Geschichte dieser zwei Menschen, die einerseits so viel gemeinsam haben, andererseits aber unglaublich viel trennt. Bei Beiden löst die Liebe erhebliche Veränderungen aus, doch die Erfahrungen die Isaac macht, bleiben Helen in dieser Grausamkeit glücklicherweise erspart. Dennoch wird auch ihr Leben schwieriger, denn die Liebe zu einem Afrikaner in jenen Zeiten ist alles andere als erwünscht. Leider werden die gesellschaftlichen Hintergründe nur grob umrissen - mehr Details hätten das Buch sicherlich um einige 100 Seiten anwachsen lassen können, was ich jedoch nicht als Nachteil empfunden hätte. So bleibt es bei einer, nein zwei Liebesgeschichten vor dem Hintergrund der 70er Jahre in Uganda und den USA.

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    • 2
    dicketilla

    dicketilla

    28. September 2014 um 11:45
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