Schützenfest von Dirk Bernemann war für mich vor allem eine willkommene Abwechslung zu Büchern, die ihre Handlung mit möglichst viel Spannung, zahlreichen Wendungen und ständigen Höhepunkten vorantreiben wollen. Das Buch geht einen anderen Weg und nimmt sich viel Zeit, seine Geschichte und seine Figuren aufzubauen. Gerade diese ruhigere Art des Erzählens hat mir gut gefallen.
Besonders auffällig ist der Schreibstil von Dirk Bernemann. Er besitzt einen deutlichen Wiedererkennungswert und hebt sich von vielen anderen Autoren ab. Die Sprache wirkt eigenständig und trägt entscheidend dazu bei, die besondere Stimmung des Buches zu erzeugen. Diese wird meiner Meinung nach sehr gekonnt vermittelt. Man kann sich gut in die beschriebenen Situationen hineindenken und bekommt ein Gefühl für die Figuren und ihre Umgebung. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die während des Lesens durchgehend spürbar bleibt.
Die Geschichte entwickelt sich über einen längeren Zeitraum und verzichtet dabei weitgehend auf künstliche Spannungsbögen oder unnötige dramatische Zuspitzungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Buch langweilig wäre. Vielmehr entsteht eine ruhige Form der Neugier. Obwohl die Handlung nicht ständig versucht, den Leser mit neuen Überraschungen bei Laune zu halten, wollte ich immer wissen, worauf die Geschichte hinausläuft und wohin der Autor mich letztlich führen möchte.
Diese Art des Erzählens muss man wahrscheinlich mögen. Wer eine rasante Handlung, große Wendungen oder durchgehende Spannung erwartet, könnte das Buch stellenweise als zu langsam empfinden. Ich persönlich fand das gemächliche Tempo jedoch angenehm und teilweise sogar entspannend. Es war für mich kein Buch, das ich wegen eines Cliffhangers unbedingt in einer Nacht zu Ende lesen musste. Trotzdem habe ich gerne weitergelesen, weil mich die Richtung der Geschichte interessiert hat.
Insgesamt ist Schützenfest ein angenehm zu lesendes Buch mit einem eigenständigen Schreibstil und einer überzeugend vermittelten Stimmung. Für mich war es genau die richtige Lektüre für zwischendurch und eine gelungene Abwechslung zu spannungsorientierten Geschichten. Wer sich auf das langsame Erzähltempo einlassen kann und einen ungewöhnlichen, wiedererkennbaren Stil schätzt, sollte dem Buch eine Chance geben.


























