Dirk Bernemann

 4 Sterne bei 1.058 Bewertungen

Lebenslauf

Dirk Bernemann wurde im Dezember 1975 geboren. Während seiner Zeit als Poetry-Slamer veröffentlichte er in verschiedenen Anthologien und spielte in Punk-Bands. 2005 erschien dann sein erster Erzählband unter dem Titel "Ich habe die Unschuld kotzen sehen", dem zwei Jahre später ein zweiter Band folgte.

Alle Bücher von Dirk Bernemann

Cover des Buches Ich hab die Unschuld kotzen sehen (ISBN: 9783937536590)

Ich hab die Unschuld kotzen sehen

(284)
Erschienen am 03.01.2005
Cover des Buches Ich hab die Unschuld kotzen sehen 1+2 (ISBN: 9783453675605)

Ich hab die Unschuld kotzen sehen 1+2

(254)
Erschienen am 06.10.2008
Cover des Buches Und wir scheitern immer schöner (ISBN: 9783866080546)

Und wir scheitern immer schöner

(125)
Erschienen am 14.02.2007
Cover des Buches Satt. Sauber. Sicher (ISBN: 9783866085589)

Satt. Sauber. Sicher

(74)
Erschienen am 10.01.2014
Cover des Buches Ich hab die Unschuld kotzen sehen 3 (ISBN: 9783866081345)

Ich hab die Unschuld kotzen sehen 3

(49)
Erschienen am 14.02.2018
Cover des Buches Asoziales Wohnen (ISBN: 9783453676718)

Asoziales Wohnen

(39)
Erschienen am 08.09.2014
Cover des Buches Vogelstimmen (ISBN: 9783866081352)

Vogelstimmen

(34)
Erschienen am 20.09.2010

Neue Rezensionen zu Dirk Bernemann

Cover des Buches Schützenfest (ISBN: 9783453273399)
Spider_Schneiders avatar

Rezension zu "Schützenfest" von Dirk Bernemann

Spider_Schneider
Eine schöne Abwechslung

Schützenfest von Dirk Bernemann war für mich vor allem eine willkommene Abwechslung zu Büchern, die ihre Handlung mit möglichst viel Spannung, zahlreichen Wendungen und ständigen Höhepunkten vorantreiben wollen. Das Buch geht einen anderen Weg und nimmt sich viel Zeit, seine Geschichte und seine Figuren aufzubauen. Gerade diese ruhigere Art des Erzählens hat mir gut gefallen.

Besonders auffällig ist der Schreibstil von Dirk Bernemann. Er besitzt einen deutlichen Wiedererkennungswert und hebt sich von vielen anderen Autoren ab. Die Sprache wirkt eigenständig und trägt entscheidend dazu bei, die besondere Stimmung des Buches zu erzeugen. Diese wird meiner Meinung nach sehr gekonnt vermittelt. Man kann sich gut in die beschriebenen Situationen hineindenken und bekommt ein Gefühl für die Figuren und ihre Umgebung. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die während des Lesens durchgehend spürbar bleibt.

Die Geschichte entwickelt sich über einen längeren Zeitraum und verzichtet dabei weitgehend auf künstliche Spannungsbögen oder unnötige dramatische Zuspitzungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Buch langweilig wäre. Vielmehr entsteht eine ruhige Form der Neugier. Obwohl die Handlung nicht ständig versucht, den Leser mit neuen Überraschungen bei Laune zu halten, wollte ich immer wissen, worauf die Geschichte hinausläuft und wohin der Autor mich letztlich führen möchte.

Diese Art des Erzählens muss man wahrscheinlich mögen. Wer eine rasante Handlung, große Wendungen oder durchgehende Spannung erwartet, könnte das Buch stellenweise als zu langsam empfinden. Ich persönlich fand das gemächliche Tempo jedoch angenehm und teilweise sogar entspannend. Es war für mich kein Buch, das ich wegen eines Cliffhangers unbedingt in einer Nacht zu Ende lesen musste. Trotzdem habe ich gerne weitergelesen, weil mich die Richtung der Geschichte interessiert hat.

Insgesamt ist Schützenfest ein angenehm zu lesendes Buch mit einem eigenständigen Schreibstil und einer überzeugend vermittelten Stimmung. Für mich war es genau die richtige Lektüre für zwischendurch und eine gelungene Abwechslung zu spannungsorientierten Geschichten. Wer sich auf das langsame Erzähltempo einlassen kann und einen ungewöhnlichen, wiedererkennbaren Stil schätzt, sollte dem Buch eine Chance geben.

Cover des Buches Ich hab die Unschuld kotzen sehen (ISBN: 9783937536590)
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Rezension zu "Ich hab die Unschuld kotzen sehen" von Dirk Bernemann

anja86
ZWISCHEN DRECK UND POESIE!



Mit Ich hab die Unschuld kotzen sehen eröffnet Dirk Bernemann eine mehrteilige Reihe, die bereits mit ihrem ersten Satz keinen Zweifel daran lässt, was einen erwartet: Guten Tag, die Welt liegt in Trümmern.

Bernemanns Debüt ist roh, düster und kompromisslos. Es wirft einen schonungslosen Blick auf eine Gesellschaft, die nach außen geordnet wirkt, während unter der Oberfläche menschliche Abgründe lauern.

Im Mittelpunkt steht das hässliche, ungeschönte Leben abseits einer scheinbar perfekten Fassade. Bernemann führt in die trostlosen Ecken einer namenlosen Großstadt und zu Menschen, die kaum noch Hoffnung oder Halt besitzen. Das Bild einer vermeintlich heilen Gesellschaft wird konsequent eingerissen. Die namensgebende Unschuld scheint darin längst keinen Platz mehr zu haben.

Thematisch beschäftigt sich das Buch mit den Schattenseiten des menschlichen Lebens. Gewalt, Drogen, Sex, Missbrauch, Selbstzerstörung, Einsamkeit und emotionale Leere spielen ebenso eine Rolle wie die verzweifelte Suche nach Nähe, Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit.

Eine klassische Geschichte von Anfang bis Ende sollte man hier nicht erwarten. Stattdessen besteht das Buch aus vielen kurzen Episoden und einzelnen Schicksalen. Zunächst wirken diese unabhängig voneinander, doch nach und nach werden immer mehr Verbindungen sichtbar. Wege kreuzen sich, vermeintliche Nebenfiguren rücken plötzlich in den Mittelpunkt und aus vielen kleinen Puzzleteilen entsteht langsam ein größeres Gesamtbild.

Gerade dieser ungewöhnliche Aufbau macht das Buch so unberechenbar. Szenen enden teilweise abrupt und die nächste Geschichte beginnt unmittelbar, ohne dass es lange Erklärungen gibt. Dadurch entsteht ein beinahe rauschhaftes Lesegefühl. Stellenweise fühlt man sich genauso orientierungslos wie die Figuren selbst, was hervorragend zur Grundstimmung des Buches passt.

Besonders auffällig ist Bernemanns Sprache. Der Schreibstil ist hart, direkt, teilweise vulgär und bewusst abgehackt. Kurze, oft stakkatoartige Sätze treiben den Text voran und unterstreichen seinen rauen, unruhigen Charakter. Gewalt und andere Grenzüberschreitungen werden dabei ohne Beschönigung dargestellt. Zwischen all dieser Hässlichkeit finden sich jedoch immer wieder melancholische und beinahe poetische Sätze. Gerade dieser Gegensatz zwischen rauer Direktheit und Poesie macht den Schreibstil besonders und sorgt dafür, dass manche Passagen noch lange im Kopf bleiben.

Auch die nüchterne Art, mit der Grausamkeiten geschildert werden, verstärkt deren Wirkung. Der Erzähler bewertet kaum und gibt nicht vor, was man dabei empfinden soll. Die Ereignisse stehen einfach im Raum und wirken gerade durch diese Kälte teilweise noch unangenehmer und eindringlicher.

Ich hab die Unschuld kotzen sehen ist unbequem, dreckig und verstörend. Die Struktur braucht zunächst einen Moment, entwickelt aber schnell einen ganz eigenen Sog. Besonders die bedrückende Atmosphäre und die miteinander verwobenen Schicksale machen das Buch zu einer außergewöhnlichen Lektüre.

Ein Buch, das provoziert, wehtut und sicherlich nicht jedem gefallen wird. Wer sich jedoch auf die schonungslose Darstellung und die direkte Sprache einlassen kann, bekommt ein intensives Leseerlebnis, das so schnell nicht aus dem Kopf verschwindet.

Cover des Buches Animal Love Train (ISBN: 9783957910363)
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Rezension zu "Animal Love Train" von Dirk Bernemann

GothicQueen
Animal Love Train

In dem kurzen Büchlein „Animal Love Train“ entführt uns Dirk Bernemann in eine Reihe von sehr kurzen, unkonventionellen Tiergeschichten. Wir begegnen verschiedenen tierischen Protagonisten – darunter einem Nashorn, einem Blindenhund und einem Känguru –, die alle eines gemeinsam haben: Sie stecken in den Zwängen ihrer Existenz fest. Auf der Suche nach Befreiung brechen sie aus ihren Systemen aus. Ihre Wege kreuzen sich schließlich in einer Großstadt, wo sie versuchen, auf ihre ganz eigene Weise zu überleben.
Das Buch lag nun schon sehr lange in meinem Regal, bis ich es endlich gelesen habe. Die Idee hinter dem Buch ist wirklich stark: Es handelt sich um eine moderne, düstere Fabelsammlung. Der Autor nutzt die Tiere als Metaphern für menschliche Abgründe und gesellschaftliche Zwänge. Es geht um den drängenden Wunsch nach Freiheit und den Ausbruch aus dem System – ein absolut spannender Ansatz.

Bernemanns Schreibstil ist dabei gewohnt direkt, zynisch, unangepasst und sehr metaphorisch. Genau hier lag für mich jedoch die Schwierigkeit: Der Funke ist nicht ganz übergesprungen. Obwohl ich die tiefere Absicht des Autors hinter den Texten im Nachhinein verstehe – nämlich den ungeschönten, harten Überlebenskampf in unserer modernen Gesellschaft zu zeigen –, blieb mir der Zugang beim Lesen selbst verwehrt. Die Geschichten sind so abstrakt und kryptisch verpackt, dass ich sie ohne Hilfe nicht ganz durchdringen konnte.
Die kreative und tiefgründige Grundidee hat mir gut gefallen, aber der abstrakte Stil hat es mir schwergemacht, das Buch richtig zu genießen. Für Fans von Bernemanns speziellem Stil ein tolles Werk, für mich reicht es für solide 3 von 5 Sternen.

Gespräche aus der Community

Cover des Buches Asoziales Wohnen
Unsichtbar_Verlags avatar
Unsichtbar_Verlag

Liebe Lovelybooks und Unsichtbar-Fans!

Ihr habt euch bei unserer Abstimmung für Dirk Bernemanns neuen Roman "Asoziales Wohnen" entschieden. Das freut uns sehr! Wir sind uns sicher, dass wir damit eine spannende Leserunde mit interessantem Diskussionsstoff vor uns haben!

 

Über das Buch:

Wie wohnt man eigentlich richtig? Warum sind manche Tage depressive Kinder, die heute nicht mehr zum Spielen rauskommen? Was verbirgt sich hinter den Türen, hinter denen Menschen leben, die nie die Tür öffnen? Haben Autoren jeden Tag Sex?
Warum nicht?
Asoziales Wohnen beschäftigt sich mit dem Zusammenleben von Menschen,
die Nutznießer und Opfer von räumlicher und zeitlicher Enge werden. Und je enger und später es wird, desto mehr wird der Mensch zur Marionette der Verhältnisse.


„Hinter jeder Tür eine eigene Vorstellung von Leben. Mitten in deutscher Mittelmäßigkeit,
denn die Gegend hier ist eher so mittelgut, nicht wirklich asozial, aber auch nicht einbruchswürdig.
Parkbuchten, Fahrradständer, Kinderspielplätze. Alles da. Aber eben auch
nicht mehr. Wer mehr will, wohnt woanders.“

Fremdzitate über Bernemann und dieses Buch:

"Bernemann hätte jetzt schon das Talent eines Don de Lillo, wollte er dem Leben nicht erstmal noch anständig auf die Fresse hauen." Phillip Boa


"Gemessen an Bukowski, Hemmingway und Hunter S. Thompson mag Bernemann wie ein ruhigerer Vertreter seiner Gattung erscheinen. Dieser Eindruck erweist sich jedoch, verbringt man in den Abendstunden ein wenig Zeit mit ihm, als vollends haltloser Trugschluss." Jörkk Mechenbier (Love A)

122 Beiträge

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