Dirk Bernemann Vogelstimmen

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Inhaltsangabe zu „Vogelstimmen“ von Dirk Bernemann

Dirk Bernemanns neuestes Werk über Menschen mit Vergangenheit, die erkennen, dass sie auch Menschen mit Zukunft sein könnten. 'Und ich dachte: ein Frühlingstag. Ja, ja, ja, ein Frühlingstag. Der Mai hat seine Mitte erreicht. Doch was bringt die Mitte eines Mais, wenn es so was wie Vergänglichkeit gibt, wenn man von der Mitte eines Mais schon das Ende eines Novembers erkennen kann?'

Beängstigend. Favorit.

— ClaraOswald
ClaraOswald

Ich hatte mir was anderes vorgestellt und war darum leider eher enttäuscht..

— Marlee3007
Marlee3007

Schmerzhaft, Rührend, Ehrlich, Fantastisch!

— LiberteToujours
LiberteToujours

Mit Abstand eines seiner besten Werke, dennoch hoffe ich das es irgendwann noch eines kommt, was das toppen kann! Sehr zu empfehlen!

— CosmosChoco
CosmosChoco

Mein Lieblingsbuch vom Herrn Bernemann. Ich konnte nicht aufhören mit lesen und es hat mich auch tief bewegt. Bin gespannt was noch kommt!

— cosminchenchen
cosminchenchen

Sein bestes Buch. Aber nach dem, was ich schon über das im Herbst kommende Buch gehört habe, wird er mit jedem Buch noch besser werden.

— Schattenkaempferin
Schattenkaempferin

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  • Selbsthass, Selbstironie und Sinnlosigkeit.

    Vogelstimmen
    LiberteToujours

    LiberteToujours

    Die Geschichte eines 35 Jährigen der Mitten im Leben steht und doch eher vom Rand aus daran teilnimmt. Eine Geschichte über Sinn und Unsinn, über Ziele und sie auf halbem Weg wieder zu verlieren. Eine Geschichte über das Werden und über das Sein.. Bernemann nimmt mich immer ein bisschen mit. Der Mann schafft es einfach, mich irgendwo in meinem innersten zu packen und festzuhalten. Damit hatte ich also schon gerechnet. Aber dieses Buch ist mehr. Ob man will oder nicht, aber man findet sich in diesem Protagonisten wieder. Ich bin nicht so alt, hab noch keinen Job, betrachte mein Leben eigentlich als glücklich. Und trotzdem schleichen sich mit jeder Seite größere Zweifel in mein Herz. Bin ich nicht doch irgendwie genau so? Hat er nicht recht, wenn er zweifelt, wenn er hadert? Sollte ich das nicht auch tun? Wäre es nicht Zeit für eine Veränderung? "Vogelstimmen" ist nicht schön. Dafür ist es viel zu schmerzhaft. Ich habe mich beim Lesen nicht gut gefühlt, das Buch war wie eine schleichende Depression, die die Glieder mehr und mehr lähmt. Es ist nicht schön. Aber es ist großartig. Weil es ECHTE Gefühle weckt. Keine guten. Aber Echte. Dirk Bernemann hat mich aufgerissen und danach zum ausbluten liegen lassen, in einem alles verschlingenden Schleier von grau in grau. Kann man ihm das übel nehmen? Sicher nicht. Denn als das grau verschwand war alles ein bisschen heller als zuvor. Und man hat sich mal wieder selbst reflektiert - vermeidet man ja sonst eher. "Vogelstimmen" ist nicht schön. Es ist wertvoll.

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    • 2
  • Eine Menschwerdung

    Vogelstimmen
    Babscha

    Babscha

    28. April 2015 um 20:48

    Die überwältigende Sinnkrise. Das orientierungs- und lustlose Taumeln eines Menschen durch sein tägliches Einerlei. Die immer wieder gestellte Frage, wie es eigentlich weiter gehen soll mit dem eigenen Leben. Das ist die dumpfe Kernthematik des Buches, hier festgemacht an einem namenlosen, in irgendeiner deutschen Stadt allein lebenden Mittdreißiger, der sich durch seine Tage kämpft und der uns seine ganze Geschichte auch selbst erzählt. Erst nach und nach lernen wir ihn besser kennen, erfahren in Rückblenden von der freudlosen Kindheit eines sensiblen Jungen mit einem tumben desinteressierten Vater und einer überforderten, mal latent, mal offen aggressiven Mutter. Eine Jugend ohne Wärme und Verständnis und vor allem ohne Leitung, Halt und Orientierung durch Eltern oder Freunde. Eine Seele auf Sinnsuche, erstarrt in einem ungeliebten Buchhändlerjob und geschlagen mit einer inzwischen an Alzheimer im Endstadium erkrankten Mutter, die in einem Pflegeheim dem Ende entgegen vegetiert. Keine leichte Ausgangslage für eine räumlich wie emotional völlig auseinander gedriftete Familie. Aber es gibt einen Funken, der verborgen glimmt. Wer Bernemann kennt, weiß, dass hier keine weinerlich vorgetragene Durchschnittsbiografie mit Betroffenheitsgarantie ausgerollt wird. Nein, in der unverwechselbaren, einfach nur in permanenter genialer Wortakrobatik schwelgenden Sprache des Autors findet dieser das perfekte Gleichgewicht zwischen einer brutal-drastischen, vulgären und explosiven Sprache und im nächsten Moment wieder einem meisterhaften Gespür für menschliche Empfindsamkeit, die er direkt aus der Seele seines Protagonisten zum Leser transportiert. Wie immer nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund, knallt dem Leser seine Sätze einfach vor den Latz. Das muss man mögen. Und das tut es, weil es das wahre, literarisch unbeschönigte Leben widerspiegelt, so wie´s eben wirklich ist. Und von vornherein darf klar sein, dass seine Figur im Laufe der Geschichte nicht scheitern, sondern an sich selbst und anderen wachsen wird und zuletzt dann doch wieder etwas Boden unter den Füßen gewinnt. Dass dabei im Geschehen auch der Zufall zumindest ansatzweise mal leicht strapaziert wird, tut dem Ganzen überhaupt keinen Abbruch. Es geht um die Fortentwicklung eines Menschen, nicht um Nuancen im Handlungsverlauf. Das überzeugende Werk eines Autors mit tiefem Gespür für menschliche Problemzonen, die er so brachial wie gefühlvoll an die Oberfläche zu zerren versteht.

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  • Vogelstimmen von Dirk Bergemann

    Vogelstimmen
    GothicQueen

    GothicQueen

    23. May 2014 um 18:35

    Dieses Buch war noch eins der Bücher, die im Stil von "Ich hab die Unschuld kotzen sehen" geschrieben wurde. Das Leben scheint sinnlos, die Hauptperson scheint keinen Ausweg zu sehen. Tag für Tag das gleiche Delirium: Die Mutter ist im Altenheim und hat Alzheimer, während so gut wie gar kein Kontakt mehr zum Vater besteht. Ab und zu schafft es der Nachbar, den Protagonist aus dem Alltag zu ziehen. Doch im Großen und Ganzen vegetiert die Hauptperson nur vor sich her. Da stellt sich die Frage: Für was lebt man eigentlich? Super geschrieben! Für alle Fans des Autors nur zu empfehlen!

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  • 5 Sterne

    Vogelstimmen
    KaetheRouge

    KaetheRouge

    04. May 2013 um 10:22

    Definitiv mein Lieblingsbuch von Bernemann!
    Schon länger her, dass ich es gelesen habe, aber dennoch in sehr guter Erinnerung!
    Man kann nicht anders, als beim Lesen auch über sein eigenes Leben nachzudenken!

  • Rezension zu "Vogelstimmen" von Dirk Bernemann

    Vogelstimmen
    thomas_manegold

    thomas_manegold

    05. May 2011 um 12:32

    Der Skandalautor avanciert zum dauerhaft präsenten Schriftsteller. Dieser zweite Roman ist noch gar nicht so lange auf dem Markt und doch buhlt bereits der dritte Teil der Kurzgeschichtenserie "Ich hab die Unschuld kotzen sehen" umd die Gunst der Fans, während Roman Nummer drei noch für dieses Jahr bereits angekündigt ist. Was alle gute Autoren eint, ist Kontinuität - im Schreiben wie in der Präsentation. Und Dirk Bernemann zelebriert beides ausgiebig. Regelmäßige Lesereisen halten ihn nicht davon ab, Seite für Seite hochwertige Individualität abzuliefern. So auch mit "Vogelstimmen" Einziges Manko ist, dass lediglich die letzten Sätze des Werkes den Klappentext bilden. Die Quintessenz als Einstieg belastet ein Werk. Zwar ist bei "Vogelstimmen" das Ende irgendwie zweitrangig, aber das Buch würde mehr Wirkung erzielen, wenn man als Leser nicht wüsste, wie es (nicht) ausgeht... "Vogelstimmen" ist diesbezüglich zwar nicht pädagogisch, aber eben wertvoll. Erzählt wird die Geschichte eines einsamen jungen Mannes, der im Angesicht seines still vor sich hinblubbernden Lebens die Leiden seiner Umwelt in sich aufsaugt, um die eigenen zu kompensieren. Er sieht sich mit einem öden Job als Buchhändler konfrontiert und mit der alles überschattenden, fortschreitenden Demenz seiner Mutter, die ihn auf Raten verlässt. Auf dieser wunden Projektionsfläche tummeln sich fast schon lyrische Erinnerungen und Episoden, die ihm die Tristess, Gefühlsarmut und die Traurigkeit des eigenen Lebens offenbaren. Unser Held tritt aus dieser depressiven Stimmung den Weg eines Lernprozesses an, der den Lesenden einnimmt und ihm sehr subtil in die Erkenntnis schubst, dass jenes Leben, das da vor ihm ausgebreitet wird, auch das eigene sein kann. Nach dem Genuss von "Vogelstimmen" sieht man die Welt mit anderen Augen, kann vielleicht mit der eigenen Traurigkeit umgehen oder sie zulassen - und genau das ist eine Qualität, die Kritiker und Fans dem erfolgreichsten unbekannten Autor Deutschlands niemals zugetraut hätten. Somit ist das bislang ruhigste und in Punkto Gewalt wohl unspektakulärste Buch Bernemanns zugleich sein bestes und ausgereiftestes Werk, ist das traurigste Gedankenkonstrukt paradoxerweise auch das gewaltigste und hoffnungsvollste, was Bernemann bislang veröffentlicht hat.

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  • Rezension zu "Vogelstimmen" von Dirk Bernemann

    Vogelstimmen
    Textravaganzen

    Textravaganzen

    04. April 2011 um 15:37

    „Und ich dachte: ein Frühlingstag. Ja, ja, ja, ein Frühlingstag. Der Mai hat seine Mitte erreicht. Doch was bringt die Mitte eines Mais, wenn es so was wie Vergänglichkeit gibt, wenn man von der Mitte eines Mais schon das Ende eines Novembers erkennen kann?“ (vom Buchrücken) Dieses Mal gibt es keinen ,Anti-Pop’, sondern Gedanken und Gefühle, die wir alle kennen und haben. Zwar spielen wieder jede Menge Zigaretten und kollektives Betrinken eine große Rolle, aber dieses Mal bekommen wir die Innenansicht. Und da spielt sich eben viel mehr ab – Zweifel, Einsamkeit, Vergänglichkeit, Sinnlosigkeit. Das alltägliche Leben spricht, ganz nüchtern: „Ein Ziel ist: überleben und Gefühle haben.“ (9) Vogelstimmen ist die Geschichte eines 35-jährigen, der sein Lebenskonzept überdenkt, als er mit dem nahenden Demenztod der eigenen Mutter konfrontiert wird. Man kann fast schon sagen, dass man es hier mit einem modernen ‚coming of age’-Roman zu tun hat, der sich auszeichnet dadurch, ein (scheinbar) bedeutungsloses Dasein in bedeutungsvolle Worte zu kleiden. Und doch sind die einfachen Worte die treffsichersten: „Immer ist da was und das ist gut, und dann geht das weg und ich steh da und kann nicht mit.“ (192) Was irgendwo anfängt zwischen Verzweiflung und Melancholie endet recht optimistisch. Schade ist allerdings, dass ‚das große Finale’ (welches ich an dieser Stelle nicht zitieren mag) auf dem Buckrücken schon vorweg genommen wird. Es mag zwar die Pointe klipp und klar auf den Punkt bringen – aber muss es denn so explizit sein? Wenn man die letzten Seiten liest, spürt man zweifelsohne, dass oben zitiertes Ziel als abgehakt von der Liste gestrichen werden kann. Wenn man es schafft zu akzeptieren, dass etwas Schönes vergänglich sein muss, damit es schön sein kann. Und dass Vergänglichkeit und Zukunft einander nicht ausschließen.

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  • Rezension zu "Vogelstimmen" von Dirk Bernemann

    Vogelstimmen
    Schattenkaempferin

    Schattenkaempferin

    02. February 2011 um 10:07

    _Ich war ein Widerspruch. Zu denkend zum wirklichen Losleben und zu fühlend zum einfachen Ableben. Irgendwo dazwischen in den grauen Wartezimmern des Lebens, da hielt ich mich auf und starrte die Wände an, die mich einfach nur zurück anstarrten und mich regungslos in sich gefangen hielten. (Seite 113)_ In seinem zweiten Roman setzt Dirk Bernemann dem Leser einen Protagonisten vor, der nicht näher am Leben sein könnte: Irgendwie einsam, irgendwie unzufrieden, irgendwie ziel- und perspektivenlos lebt der namenlose Mittdreißiger vor sich hin, immer im Hinterkopf das Gefühl, etwas ändern zu wollen, etwas ändern zu müssen, und doch hilflos und ohne Antrieb sein Leben bestreitend. Die Mutter im Pflegeheim vor sich hinvegetierend, bei jedem sonntäglichen, inzwischen routinierten Besuch des Sohnes ein bisschen mehr tot als lebendig bekommt sie kaum noch etwas von ihrer Umgebung mit. Zum Vater eher sporadischen Kontakt, das Miteinander kann man kaum als eine Vater-Sohn-Beziehung bezeichnen, wird dem Protagonisten mehr und mehr klar, dass die Ehe seiner Eltern mehr aus Vernunftgründen denn aus Liebe geschlossen wurde. Dass sein Vater all die Jahre keine wirklich emotionale Nähe zeigen konnte, weil er sich etwas anderes von seinem Leben erhofft, etwas anderes für sein Leben geplant hat. Dass sein Vater möglicherweise das Leben eines anderen gelebt und sich selbst ein ganz anderes erträumt hat. _Abgründe gab es überall und Gründe, in diese Abgründe zu fallen, gab es auch mehr als Hunderte. Und manchmal standen sie da, die richtigen Richtungslosen, standen an Abgründen wie die Selbstmordunentschlossenen und feierten da ihre extravaganten Partys, während derer sie in die Tiefe rauschten. (Seite 227)_ Doch entgegen aller Annahmen stürzt ihn diese Erkenntnis nicht in einen Abgrund des Selbstzweifels, vielmehr rüttelt sie ihn wach: Das Leben ist genau das, was du aus ihm machst. Die Aufgabe, dein Leben in die Hand zu nehmen und es zu dem zu machen, wie du selbst es dir vorstellst, kann dir niemand abnehmen – und du kannst niemanden in die Verantwortung für diese Aufgabe ziehen. Bernemanns Protagonist lernt in kleinen, aber erkennbaren Schritten, dass das Leben nicht so eintönig, so vorgefertigt sein muss, wie er es kennt. Und mit ihm erkennt auch der Leser, der ohnehin erschreckend viele Parallelen zum eigenen Leben feststellt, dass nichts einem festen Plan untersteht, sondern alles beweglich ist. _Die Gefängnisse, in denen wir hier leben, haben wir uns selbst gebaut. (Seite 222)_ Der Ausbruch aus diesem selbstgefertigtem Gefängnis ist nicht leicht, gemeinsam mit dem Namenlosen begibt sich der Leser auf den steinigen Weg, etwas zu verändern – und diese Veränderung beginnt bei einem selbst, bei der ganz persönlichen Einstellung zum Leben und seiner Umgebung. Das Schicksal seiner Mutter, die an Demenz und Alzheimer leidet, wird aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, genauso wie die neue, zarte Beziehung seines Vaters zu einer anderen Frau, obwohl die Ehefrau noch gar nicht wirklich tot ist. Mit Vogelstimmen zeigt Dirk Bernemann, dass Vergänglichkeit nichts ausschließlich Schlechtes sein muss, sondern auch viel Gutes innehat. Vergänglichkeit als Chance der Veränderung, ohne an seinen Prinzipien und Wünschen zu zweifeln – das ist nur eine der Botschaften, die mit diesem erneuten Wunderwerk der Sprachmagie in die Leserwelt getragen werden. Zahlreiche Sätze und auch einzelne Worte rühren den Leser an, eine Identifizierung mit dem Protagonisten fällt fast beängstigend leicht und trotz aller anfänglichen Schwierigkeiten, die Bernemanns Sprach- und Schreibstil – und auch ganz einfach seine Herangehensweise an Alltägliches – beim Anlesen mit sich bringen, gehört auch Vogelstimmen erneut zu den Werken, die einen fesseln und auch nach dem Lesen nicht loslassen, sondern noch lange Zeit nachhallen. _Das Leben ist ein Rucksack voller alter Fotos, aber auch mit den ungefähren Landkarten noch nicht erschlossener Gebiete darin. (Seite 274)_ Dirk Bernemann stellt einmal mehr unter Beweis, dass die Einfachheit der Dinge ganze Bücher verdient, die es sich zu schreiben und zu lesen lohnt. Mit einer ganz eigenen Poesie in einer sonst eher derben und teilweise vielleicht auch anstößigen Sprache schafft er es erneut, den Leser nahezu zum Nachdenken zu zwingen, bringt ihn zum Innehalten, zum Luftholen inmitten des viel zu schnellen Lebens. Er beleuchtet kleine, zum in der Masse Untergehen verurteilte Szenen und Momente und bereichert damit nicht nur das Leben seines Protagonisten, der gar keinen Namen zum Dasein braucht, sondern auch das seiner Leser. Die mit Garantie auch zum nächsten Bernemann greifen werden, in der Sicherheit, ein neues Stück Anti-Pop-Literaturgeschichte in den Händen zu halten. Fazit: Mit Vogelstimmen setzt Dirk Bernemann seine spezielle Art des Schreibens fort. Wieder setzt er sich mit einem ernsten Thema auseinander, ohne offensichtlich anklagend zu wirken. Wenn man möchte, kann man diesen Roman als Lebensratgeber verstehen – muss man aber nicht. Nachdenklich und wachgerüttelt wird man als Leser zurückgelassen – ein Lesegenuss der besonderen Art, wie man es vom Autor gewohnt ist. Wertung: viereinhalb Sterne Handlung: 4/5 Charaktere: 5/5 Lesespaß: 4,5/5 Preis/Leistung: 4,5/5

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  • Rezension zu "Vogelstimmen" von Dirk Bernemann

    Vogelstimmen
    Sarlascht

    Sarlascht

    05. November 2010 um 11:57

    Dirk Bernemann’s Bücher sind für ihren Ekelfaktor berühmt, Vogelstimmen dagegen ist zwar noch gewohnt sarkastisch und ironisch, doch viel ruhiger, weit weg vom makaberen Gedankengut. Was besonders hervorsticht, ist der poetische Schreibstil. Jede Seite ist ein eigenes Gedicht. . Der Protagonist des Buches lebt ein kleines Leben, ohne viel Aufregung, aber auch nicht so wie er es sich träumte, doch was er träumte, weiß er selbst nicht mehr so genau. Der Job bedrückend, die Mutter ist an Alzheimer erkrankt, ist dem Tod näher als dem Leben und die Beziehung zum Vater ist auch eher kühl. Einziger Lichtpunkt im Alltagsgrau, ist der klavierspielende Nachbar Kai, dessen Musik durch die Wände, direkt ins Herz des Erzählers trifft. . Das Buch beschreibt das Leben einer 0815 Person, ein Leben was zig Mal in der wirklichen Welt vorkommt, doch eben weil es so unspektakulär ist, ist es besonders. Gedanken kommen den Leser bekannt vor, man kann sich mit den Worten identifizieren und besonders – man kann die Worte fühlen.

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  • Rezension zu "Vogelstimmen" von Dirk Bernemann

    Vogelstimmen
    Revontulet

    Revontulet

    19. October 2010 um 15:13

    Ich bin zwar mit anderen Erwartungen an das Buch rangegangen, aber das hat meine Begeisterung kein bisschen geschmälert, ganz im Gegenteil. Da ich bisher alle Bücher von Dirk Bernemann gelesen habe, war ich wieder auf zynisch kritische Texte, die aber durchaus witzig sind, eingestellt. Doch diese Geschichte ist anders: Gefühlvoll, ehrlich, drückend und traurig. Aber wahnsinnig gut. Der Protagonist ist ein zerbrechlicher, zielloser Typ, mitten im Leben und doch irgendwie daneben. Seine Mutter ist an Alzheimer erkrankt, sie erkennt ihn nicht mehr. Sein Beruf als Buchhändler ist eine einzige Enttäuschung und auch sonst läuft nix so richtig rund. Es geht viel um Gefühl in diesem Buch. Bernemann hat eine Wortwahl, die einem Gänsehaut auf den Körer zaubern kann und er schreckt nicht vor kreativen Wortschöpfungen zurück. Die Grundstimmung ist irgendwie so traurig melancholisch, aber die Geschichte ist zu schön geschrieben, um die Grenze zum Gefühl der Depression zu überschreiten. Einfach ein schönes Buch und ich freue mich auf mehr in dieser Art.

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