Dirk Blasius Ehescheidung in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert

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Inhaltsangabe zu „Ehescheidung in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert“ von Dirk Blasius

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  • Rezension zu "Ehescheidung in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert" von Dirk Blasius

    Ehescheidung in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert
    Sokrates

    Sokrates

    12. September 2011 um 12:15

    Die Ehescheidung als Bekundung eines freien Willens der ehemals miteinander Verheirateten, die Ehe nicht weiter führen zu wollen, ist zwar schon seit der Frühen Neuzeit bekannt, wurde damals jedoch nur in absolut restriktiv zu behandelnden Ausnahmefällen zugelassen. Scheidung war somit nur in den Fällen möglich, wo es mit dem moralischen-religiösen Kodex der katholischen und später auch der protestantischen Kirche konform ging. Mit dem In-Kraft-Treten des Allgemeinen Preußischen Landrechts 1794 änderte sich die Rechtslage etwas; bevölkerungspolitische Überlegungen wurden wichtiger für die Landesherren und führten zu einem liberaleren Scheidungsrecht. Restriktive Regelungen kamen jedoch wieder für die Länder Deutschlands, die unter dem Einfluss des Code Civil standen, dem Zivilrecht der Franzosen. Zwar war auch dort Liberalismus und Gleichberechtigung der Geschlechter angedacht, gelang in der Umsetzung jedoch nur marginal. Zu sehr war man noch im Althergebrachten verwurzelt. Dirk Blasius schildert die Entwicklung der Scheidungsfrage und des Scheidungsrechts ab der Einführung des Allgemeinen Preußischen Landrechts bis in die 1950er Jahre des letzten Jahrhunderts. Wichtig ist für ihn im Besonderen die gesellschaftliche Lage zu schildern, die spätestens ab 1800 zu einer Änderung der moralischen Einstellung führte. Daneben spricht er das Nichtehelichenrecht und das Konkubinat an – beides Lebensmodelle, die rein rechtlich in Grauzonen bis hin zur Illegalität existierten und für die Betroffenen im Fall des Konkubinats eine Verwirklichung ihrer emotionalen Wünsche in der Partnerschaft bedeuteten, gesellschaftlich jedoch die Ausgrenzung und Rechtelosigkeit zur Folge hatten. Das Buch ist gedacht als akademisch-wissenschaftliche Arbeit. Der Text setzt somit beim Leser in den Grundzügen rechtshistorisches und historisches Vorwissen voraus. Auch von Vorteil sind Kenntnisse der kulturgeschichtlichen Situation. Trotz alledem ist das Buch sehr verständlich, gut zu lesen und überdies bislang die einzige mir bekannte Publikation zu diesem Thema überhaupt.

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