Dirk Brockmann

 4,3 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor*in von Survival of the Nettest, Im Wald vor lauter Bäumen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Dirk Brockmann, geboren 1969, ist Gründungsdirektor des Zentrums Synergy of Systems der Technischen Universität Dresden. Zuvor lehrte er in den USA und war dann Professor am Institut für Biologie der Berliner Humboldt Universität. Nach dem Studium der theoretischen Physik und Mathematik hat er sich früh mit komplexen Phänomenen außerhalb der traditionellen Grenzen der Physik beschäftigt. Besonders interessieren ihn Strukturen und Prozesse in komplexen biologischen und sozialen Netzwerken.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Dirk Brockmann

Cover des Buches Survival of the Nettest (ISBN: 9783423352826)

Survival of the Nettest

(5)
Erscheint am 17.06.2027
Cover des Buches Im Wald vor lauter Bäumen (ISBN: 9783423352116)

Im Wald vor lauter Bäumen

(3)
Erschienen am 13.07.2023
Cover des Buches Im Wald vor lauter Bäumen (ISBN: 9783955672119)

Im Wald vor lauter Bäumen

(0)
Erschienen am 16.02.2022

Neue Rezensionen zu Dirk Brockmann

Cover des Buches Survival of the Nettest (ISBN: 9783423284653)
Alriks avatar

Rezension zu "Survival of the Nettest" von Dirk Brockmann

Alrik
Wenn Bakterien die besseren Netzwerker sind

Wer denkt, dass die Natur nur aus Fressen und Gefressenwerden besteht, sollte mal Dirk Brockmann eine Chance geben. Der Typ serviert uns in „Survival of the Nettest“ eine ziemlich wilde Tour durch Bakterien, Viren, Pilze und sonstige schräge Mitbewohner, die seit Jahrmilliarden nichts anderes machen, als Deals auszuhandeln. Klingt nach einer Wirtschaftssimulation mit Schleim, ist aber faszinierender als jede Netflix-Doku.

Ständig dieses Gegeneinander, Survival of the Fittest und so – aber Brockmann dreht den Spieß um: Ohne Kooperation läuft gar nichts. Kein Baum, keine Mücke, nicht mal wir selbst wären hier ohne Symbiosen und clevere Team-Ups. Er macht aus trockener Biologie ein Feuerwerk aus Anekdoten, kuriosen Beispielen und manchmal so abgedrehten Bildern, dass ich mich gefragt habe, ob Bakterien nicht längst den besseren PR-Berater haben als wir Menschen.


Natürlich ist das Ganze kein Party-Roman. Manche Kapitel sind richtig wissenschaftlich, und da merkt man, dass Brockmann eben Forscher ist und nicht Stand-up-Comedian. Aber hey, man muss auch mal die Stirn runzeln dürfen, während man gleichzeitig über „nette Viren“ lacht. Ich schwöre, ich habe nach der Lektüre ernsthaft mein Frühstücksjoghurt mit völlig neuen Augen angesehen.


Was hängen bleibt? Kooperation ist das Ding. Wettbewerb bringt Evolution weiter, ja. Aber die richtig großen Knaller – Photosynthese, Nervensysteme, Kommunikation über Arten hinweg – sind das Ergebnis von Miteinander. Und Brockmann schafft es, diesen Gedanken nicht nur auf Biologie zu beschränken, sondern ganz sanft Richtung Gesellschaft zu schubsen.


Fazit: Ein Buch, das klug ist, Spaß macht und immer wieder kleine Mindblows liefert. Vier Sterne von mir, weil es trotz aller Leichtigkeit manchmal ein bisschen zu sehr ins Fachliche abtaucht. Aber definitiv eine dieser Lektüren, nach der man die Welt mit frisch polierten Augen sieht.

Cover des Buches Survival of the Nettest (ISBN: 9783423284653)
SternchenBlaus avatar

Rezension zu "Survival of the Nettest" von Dirk Brockmann

SternchenBlau
NICHTS gäbe es ohne Kooperation

Als Charles Darwin damals "Survival of the Fittest" formulierte, gedachte er denjenigen Arten die größten Überlebenschancen zu, die am besten an die Lebenssituation angepasst sind. Leider wurde daraus ein "Überleben der Stärkeren", was nicht nur falsch ist, sondern dazu sozialdarwinistische Ideologien auf den Plan rief. Umso mehr gespannt war ich daher auf das Buch "Survival of the Nettest". Nicht zuletzt, weil ich Dirk Brockmanns ruhige und kompetente Erklärung von Pandemie-Modellen wirklich gerne mochte.

Bei der wirklich anregenden (Hör-)Lektüre hatte ich zahlreiche Aha-Momente. Brockmann erklärt anschaulich und mit Begeisterung und Humor. Ich glaube, ich war noch nie so begeistert von Mikroben und Mikrobiologie wie bei diesem Buch. Es gibt sogar Bakterien in Steinen, ja, tatsächlich in Steinen. Und im verstrahlten Kern von Tschernobyl, wie krass ist das denn? Hülsenfrüchte bringen ihre eigenen Pilze in den Wurzeln mit, die liefern ihnen Phosphat als Dünger. Die Pilze bekommen dafür Zucker im Austausch. Und Brockmann liefert unzählige solche coolen Fakten. Ich habe das Buch als ungekürzte Lesung von Alexander Gamnitzer gehört, der es mit ruhiger, angenehmer Stimme liest.

Darwin bleib bei seiner Theorie eine entscheidenden Erklärung schuldig, nämlich die Frage, wie die Anpassung GENAU schnell genug vonstatten geht. Jahrzehntelang akzeptierte da die Wissenschaft die Abkürzung: Und dann geschah ein Wunder. Schwups, Anpassung erfolgt.

Die Bedeutung von Kooperation zwischen verschiedenen Mikroben, Pflanzen und Tieren haben für dieses "Wunder" immer mal wieder Wissenschaftler*innen vermutet. Aber erst in den letzten Jahren bekam diese Forschung Rückenwind, u.a. durch die Entdeckung der Asgaard-Archeen. Brockmanns Buch hat mich beim Hören so oft begeistert, weil seine faszinierenden Forschungsergebnisse eben auch eine neue Erzählung liefern, dass Kooperation DAS wichtigste für die Entwicklung von Innovation ist. Und in unserer Welt sollten wir uns da viel mehr danach richten.

Eigentlich müssten hier fette 5 nette Sterne stehen. Aber trotz aller Begeisterung bin ich doch über ein paar Aspekte gestolpert:

So sehr ich Brockmanns Frust verstehen kann, dass sich diese Richtung in verschiedenen Wissenschaften lange ignoriert wurde, finde ich es doch unpassend, dass er deswegen an einigen Stellen von "Mainstream Wissenschaften" schreibt. Das Framing wird gerne im Umfeld der vermeintlichen "Alternativ-Wissenschaften" benutzt. Wenn Brockmann dann ausführt, dass einzelne Zellen z.B. von Scheimpilzen bei der Fortpflanzung zurücktreten, dann finde ich das zwar einerseits gut, weil die Summe größer ist wie die Teile. Wenn ich es aber auf Gesellschaften beziehe, dann könnte es wiederum einen sozialdarwinistischen Drall bekommen. Dieser ist meiner Meinung nach überhaupt nicht intendiert, aber da wäre eine Einordnung gut gewesen. Ebenso an der Stelle, wo in Bezug auf Menschen eine Banalität der Geschlechter nahegelegt wird, was aber in der Biologie viel vielschichtiger ist. Und dann hat mich das allerletzte Kapitel, in dem Brockmann ein Gespräch mit ChatCPT führt, wirklich genervt. Ich will doch nicht wissen, was der stochastische Papagei zu all dem sagt.

NICHTS gäbe es ohne Kooperation

Als Charles Darwin damals "Survival of the Fittest" formulierte, gedachte er denjenigen Arten die größten Überlebenschancen zu, die am besten an die Lebenssituation angepasst sind. Leider wurde daraus ein "Überleben der Stärkeren", was nicht nur falsch ist, sondern dazu sozialdarwinistische Ideologien auf den Plan rief. Umso mehr gespannt war ich daher auf das Buch "Survival of the Nettest". Nicht zuletzt, weil ich Dirk Brockmanns ruhige und kompetente Erklärung von Pandemie-Modellen wirklich gerne mochte.

Bei der wirklich anregenden (Hör-)Lektüre hatte ich zahlreiche Aha-Momente. Brockmann erklärt anschaulich und mit Begeisterung und Humor. Ich glaube, ich war noch nie so begeistert von Mikroben und Mikrobiologie wie bei diesem Buch. Es gibt sogar Bakterien in Steinen, ja, tatsächlich in Steinen. Und im verstrahlten Kern von Tschernobyl, wie krass ist das denn? Hülsenfrüchte bringen ihre eigenen Pilze in den Wurzeln mit, die liefern ihnen Phosphat als Dünger. Die Pilze bekommen dafür Zucker im Austausch. Und Brockmann liefert unzählige solche coolen Fakten. Alexander Gamnitzer liest das Hörbuch mit ruhiger, angenehmer Stimme.

Darwin bleib bei seiner Theorie eine entscheidenden Erklärung schuldig, nämlich die Frage, wie die Anpassung GENAU schnell genug vonstatten geht Jahrzehntelang akzeptierte da die Wissenschaft die Abkürzung: Und dann geschah ein Wunder. Schwups, Anpassung erfolgt.

Die Bedeutung von Kooperation zwischen verschiedenen Mikroben, Pflanzen und Tieren haben für dieses "Wunder" immer mal wieder Wissenschaftler*innen vermutet. Aber erst in den letzten Jahren bekam diese Forschung Rückenwind, u.a. durch die Entdeckung der Asgaard-Archeen. Brockmanns Buch hat mich beim Hören so oft begeistert, weil seine faszinierenden Forschungsergebnisse eben auch eine neue Erzählung liefern, dass Kooperation DAS wichtigste für die Entwicklung von Innovation ist. Und in unserer Welt sollten wir uns da viel mehr danach richten.

Eigentlich müssten hier fette 5 nette Sterne stehen. Aber trotz aller Begeisterung bin ich doch über ein paar Aspekte gestolpert:

So sehr ich Brockmanns Frust verstehen kann, dass sich diese Richtung in verschiedenen Wissenschaften lange ignoriert wurde, finde ich es doch unpassend, dass er deswegen an einigen Stellen von "Mainstream Wissenschaften" schreibt. Das Framing wird gerne im Umfeld der vermeintlichen "Alternativ-Wissenschaften" benutzt. Wenn Brockmann dann ausführt, dass einzelne Zellen z.B. von Scheimpilzen bei der Fortpflanzung zurücktreten, dann finde ich das zwar einerseits gut, weil die Summe größer ist wie die Teile. Wenn ich es aber auf Gesellschaften beziehe, dann könnte es wiederum einen sozialdarwinistischen Drall bekommen. Dieser ist meiner Meinung nach überhaupt nicht intendiert, aber da wäre eine Einordnung gut gewesen. Ebenso an der Stelle, wo in Bezug auf Menschen eine Banalität der Geschlechter nahegelegt wird, was aber in der Biologie viel vielschichtiger ist. Und dann hat mich das allerletzte Kapitel, in dem Brockmann ein Gespräch mit ChatCPT führt, wirklich genervt. Ich will doch nicht wissen, was der stochastische Papagei zu all dem sagt.

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