Dirk Schwieger Moresukine: Wöchentlich aus Tokio

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(1)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Moresukine: Wöchentlich aus Tokio“ von Dirk Schwieger

Ein Jahr lang befand sich der deutsche Comiczeichner Dirk Schwieger in Tokyo und startete dort im Januar 2006 sein interaktives Comic-Blog “Moresukine”. Per Internet machte er ein Angebot, das schnell auf reges Interesse stieß und sein Blog zu einem Geheimtipp rund um die Welt machte: Er ließ sich von seinen Lesern Aufgaben stellen, die ihn zur Auseinandersetzung mit seiner neuen Wahlheimat nötigten, und versprach seine Erfahrungen in der jeweils kommenden Woche als Comic zu veröffentlichen. Leser aus aller Welt schickten Dirk Schwieger auf Missionen durch die Gastronomie Tokyos, ließen sich von ihm Aspekte japanischer Mentalität, Kultur und Religion erläutern oder jagten ihn durch das berüchtigte Nachtleben der japanischen Hauptstadt. Auf diese Weise entstanden 24 tagebuchartige Episoden, in denen auf unterhaltsame Weise eine fremde Kultur vorgestellt wird.

Eine tolle Graphic Novel in Form eines Moleskine-Notizbüchleins, voll mit spannenden Kurzgeschichten zum japanischen Alltag.

— Catori
  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Moresukine"

    Moresukine: Wöchentlich aus Tokio

    Catori

    03. March 2017 um 17:56

    Was wäre, wenn sich jemand dazu verpflichtet, jegliche Aufgaben auszuführen, die man ihm aufträgt – egal wie unangenehm oder verrückt sie sein mögen?Der deutsche Zeichner Dirk Schwieger hat sich auf dieses Experiment eingelassen und die Leser seines Blogs darum gebeten, ihm Aufträge zu erteilen, die er während seines Japanaufenthaltes angehen sollte.  Seine Erlebnisse hielt er anschließend in Comicform fest.Handlung„Moresukine“ hat keine Handlung im eigentlichen Sinne. Der Zeichner stellt in jedem Kapitel eine neue Aufgabe vor, die ihm von einem User gestellt wurde und zeigt, auf welche Weise er sie bewältigt hat. Ähnlich einem Sushi-All-You-Can-Eat wird dem Leser durch die kurzen Kapitel Häppchen für Häppchen eine gänzlich neue Facette der japanischen Kultur offenbart.Oft musste Schwieger ins kalte Wasser springen und sich ohne tiefere Vorkenntnisse mit Telefonclubs, Fugu oder Para Para auseinandersetzen. Aber auch angenehmere Aufgaben wie ein Besuch im Ghibli-Museum  oder eine Wanderung  auf dem Berg Takao wurden ihm gestellt. Mit ehrlichem Humor offenbart der Zeichner, wie er auf meist unbeholfene Weise mit den kulturellen Unterschieden umzugehen versucht.Zusätzlich gibt es noch 10 Gastbeiträge von internationalen Comic-Künstlern, die er darum bat, ebenfalls eine Begegnung mit einem Japaner zeichnerisch festzuhalten. Interessant ist, wie verschieden diese Aufgabe ausgeführt wurde – während der eine sich mit Klischees befasst, driftet ein anderer bei einem Gespräch mit dem Sushi-Meister in philosophisch anmutende Gedankengänge ab und konfrontiert mit Fragen zur Überfischung. Obwohl die einzelnen Kapitel sehr unterhaltsam sind, werden die Themen eher oberflächlich umrissen (was allerdings auch dem Tagebuchcharakter geschuldet ist). Einige kulturelle Aspekte sind darüber hinaus nicht unbedingt neu und deshalb mehr durch den persönlichen Blick darauf interessant. ZeichnungenSchwieger stellt alles mit kräftigem Strich dar, verfeinert die einzelnen Bildelemente aber immer wieder mit feineren Details und Schraffuren. Oft nutzt er jedoch auch ganz bewusst plakative, schwarze Flächen, wenn er nur das wesentliche darstellen will.Hin und wieder integriert der Zeichner das Kapitelthema geschickt in seiner Panelgestaltung. Wenn er beispielsweise über seinen Besuch im Ghibli-Museum erzählt, sind die Panels eher locker und verwinkelt miteinander verbunden, während man überall ghibli-typische Elemente wie die Rußmännchen auf den Panelrahmen wiederfindet. Im Kapitel über die japanischen Kapselhotels fallen die Panels dagegen alle sehr klein und rechteckig aus, um die beklemmende Enge der Kapseln eindrücklich darzustellen. Die Beiträge der Gastzeichner stechen durch die gänzlich verschiedenen Zeichenstile hervor und bieten eine spannende, visuelle Abwechlsung. Schwieger erzählt im lockeren Ton von seinen Begebenheiten – Sprechblasen und der „Tagebuch“-Eintrag sehen stets so aus, als hätte er sie mit denselben dicken Fineliner niedergeschrieben, mit dem er auch alles aufzeichnet. Dabei werden Wörter, die besonders betont oder hervorgehoben werden sollen, meist durch eine größere Schrift deutlich. Darüber hinaus ergänzt Schwieger seine Zeichnungen teilweise mit japanischen Schriftzeichen, etwa wenn er die Vielfalt der japanischen Bezeichnungen für Pilze unterstreichen will.  BesonderheitenWenn man „Moresukine“ in den Händen hält, ist sofort klar, aus welchem Grund dieser Titel gewählt wurde. Die Buchform der Graphic Novel erinnert mit ihren abgerundeten Ecken, dem A5-ähnlichen Format und der einfarbigen Banderole stark an ein klassisches „Moleskine“-Notizbuch. Neben der zeichnerischen Gestaltung wird der Notizbuchcharakter unter anderem durch eine Besonderheit unterstrichen, die auf dem ersten Blick recht unscheinbar daherkommt: so wird man beim Lesen plötzlich von ein paar kleinformatigeren Seiten überrascht, bei denen sich herausstellt, dass sie nach zweimaligen Aufklappen das 6. Kapitel versteckt halten. So fühlt man sich tatsächlich ein bisschen so, als würde man gerade das chaotische Tagebuch eines Reisenden durchforsten. Das „Moleskine“-Design wird durch ein schmales Lesebändchen wunderbar abgerundet.Fazit„Moresukine“ ist mehr ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht als ein allgemeingültiger Reiseführer – dennoch und vielleicht auch gerade deswegen ist diese Graphic Novel so spannend. Wer an tagebuchähnlichen, unverfälschten Eindrücken zu Japan interessiert ist, bekommt hier eine kurzweilige und abwechslungs-reiche Unterhaltung mit einem erfrischenden Ansatz geboten. *Anmerkung: Ich habe diese Rezension zuerst auf japaniac veröffentlicht. Da ich jedoch aus Zeitgründen aus dem Team ausgestiegen bin, veröffentliche ich meine älteren Rezensionen nun hier in neuer Weise. Weniger

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks