TEXT

von Dmitry Glukhovsky 
3,6 Sterne bei23 Bewertungen
TEXT
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Positiv (11):
J

Ein toller Roman mit Tiefgang

Kritisch (2):
dartmauss avatar

Kein wirklicher Thriller

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Inhaltsangabe zu "TEXT"

Moskau, im Herbst 2016: Als Ilja nach sieben Jahren Straflager nach Hause kommt, ist nichts mehr, wie es war. Seine Mutter stirbt wenige Tage vor seiner Rückkehr an einem Herzinfarkt, seine Freundin ist längst mit einem anderen zusammen, und sein Jugendfreund begegnet ihm mit größtem Argwohn. Enttäuscht ertränkt Ilja seine Trauer im Alkohol, bis er im Rausch der Verzweiflung jenen Fahnder aufsucht, der ihn vor sieben Jahren zu Unrecht hinter Gitter brachte. Im Affekt ersticht Ilja ihn und nimmt ihm sein Smartphone ab. Als Ilja nach seiner Tat im Handy des verstorbenen Petja stöbert, stößt er auf verstörende Spuren aus dessen Vergangenheit. Und immer wieder erreichen ihn besorgte Nachrichten von Petjas Mutter und dessen schwangerer Freundin Nina. Ilja beginnt, ihnen an Petjas Stelle zu antworten, und seine Identität verschmilzt immer mehr mit der jenes Mannes, den er getötet hat. Meisterhaft verknüpft Dmitry Glukhovsky das Schicksal zweier junger Männer, die sich schuldig gemacht haben, jeder auf seine Weise. Und so fühlt sich der eine dazu verurteilt, das Leben des anderen zu Ende zu führen – hat er doch mit dessen Smartphone sein Seelen-Reservoir gefunden, die Bilder und Chats, den TEXT seines Lebens. Ein außergewöhnliches Werk, das an die große russische Erzähltradition mit ihrer immer wiederkehrenden Frage nach Schuld und Sühne anschließt und Bestsellerautor Dmitry Glukhovsky von einer aufregend neuen Seite zeigt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783958901971
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:340 Seiten
Verlag:Europa Verlag
Erscheinungsdatum:31.08.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    unas avatar
    unavor einer Stunde
    Es ist kalt

    Ich war sehr neugierig ein Buch von Dmitry Glukhovsky zu lesen. Sein Werk `Metro 2033`, welches er mit 18 Jahren im Internet veröffentlichte, wird teilweise sehr gelobt und klingt interessant; ebenso der Beginn von `Text`:
    `Die Fensterscheibe zeigte verschwommene Tannen, das weiße Bildrauschen eines Novemberschneesturms; Telegrafenmasten flimmerten, schoben sich ins Bild wie Streifen auf einem verkratzten Stummfilm. Russland wurde auf der Scheibe gezeigt, und seit Solikamsk sah es immer so aus: Tannen, Schnee, Masten, dann eine Lichtung mit gedemütigten Bauernhütten, dann ein Bahnhof mit anämischen Zweistöckern aus Silikatziegeln und wieder Tannen, die millionenfach entlang der Schienen steckten, dicht und undurchdringlich – wie Stacheldraht, kein Durchkommen. Aber in dieser Endlosigkeit und Einförmigkeit der natürlichen Bebauung Russlands lag auch seine ganze Kraft, Größe und Schönheit. Ja, schön war das, verdammt! ` 

    Vom Klappentext erfährt man bereits die Grundgeschichte. Ilja ist nach sieben Jahren Haft auf dem Weg nach Hause zu seiner Mutter, seinem einzig verbliebenen positiven Fixstern in einer kalten korrupten Welt. Doch statt ihrer warmen Kohlsuppe und willkommenen Tränen,  erwartet Ilja bei seiner Ankunft Leere und Kälte, die Mutter ist zwei Tage zuvor verstorben.  Ohne Halt richtet Ilja seine Fokus auf Chasin, der ihn als korrupter Drogenfahnder vor sieben Jahren unrechtmässig hinter Gitter brachte. Ilja macht ihn ausfindig und ersticht ihn
    und die trist-tragische Geschichte wird noch trister und schrecklich hoffnungslos.
    Durch Chasins iPhone, das er an sich genommen hat, lernt Ilja sein Opfer, dessen Opfer er war intim kennen. Im Speicher des Mobiltelefons ist fast dessen gesamtes Leben erfahrbar. Unzählige Nachrichten, Chats, Bilder, Videos, vermitteln intime Kenntnisse die Ilja erforscht und er beginnt mit Chasins Mutter, dessen Freundin Nina, später dem Vater, Kollegen & Vorgesetzten hauptsächlich per Nachrichten an Stelle von Chasin zu kommunizieren.
    Was als zaghafte, ausweichende und hinhaltende Kommunikation beginnt, wird immer gewagter und intensiver, bis Ilja am iPhone zu Chasin mutiert.  Als Chasin agierend, verschmolzen mit seinen eigenen Gedanken und Intentionen nimmt er Einfluss auf Chasins Umfeld, mit dem er sich immer mehr auseinandersetzt. Es gibt zB. einen Nachrichtenaustausch mit Chasins Vater, da habe ich  zwischendurch vergessen, dass Ilja nicht mit seinem eigenen Vater kommuniziert, so stark emotional involviert ist Ilja in die Kommunikation. Chasins Vater ist eine Schlüsselfigur der Geschichte,  hartherzig, im korrupten System erfolgreich und unehrlich. Hatte man zu Beginn wenig Mitleid für das Mordopfer Chasin, beginnt man ihn durch das Kennenlernen seines Vaters, ähnlich wie Ilja als Opfer, kranker, kaltherziger, korrupter Umstände wahrzunehmen. So senkt sich die Schuld und das Verbrechen über Chasins Vater und Chasin auf Ilja herab, der Schuld und Verbrechen weiterführt und mit dem Mord an Chasin ebenfalls zum Täter wird.
    Eine Geschichte beinahe ohne Trost, in die einzig die lebendige, schöne Nina ein wenig Schimmer bringt und deren einzig wirklich rechtschaffene Person Iljas Mutter gewesen war. Es gibt nur wenige reale Begegnungen in der Erzählung, ein Dreh und Angelpunkt ist das iPhone, was gemäss unserer modernen Zeiten, seiner mittlerweile erschreckend zentralen Stellung in vielen Leben entspricht. 
    Der eigenwillige teils modern-poetische Stil und diese urbane, kranke Handy-verknüpfte Story, im kalten Russland angesiedelt,  haben ihren Reiz und die schonungslose Schilderung  eines unglücklichen Lebens und liebloser Umstände ist markant und herausfordernd. Jedoch ist die Geschichte frustrierend und teilweise langatmig bzw. mühsam zu lesen, vor allem im Mittelteil.
    Lesenswert oder nicht ? Jein, das muss wirklich jeder selbst entscheiden, ich weiss es nicht...

    ’Übel war die Nacht: kein Schlaf, kein Ort, um rauszugehen, ein Plage-Mond, zu wenig Wodka, das Kissen heiß, die Decke dick, wirre Träume oder Nicht-Träume, der Kühlschrank rumpelte, die Autos draußen, motorenwach, drangen mit Scheinwerfern in die Wohnung, Schatten kahler Birken krochen die Wände hoch, und immerzu brummte ihm der Kopf. Dem ausgeschalteten Telefon wurden angstvolle Mitteilungen gesandt: wie Vögel mit Wucht gegen geputzte Fensterscheiben schlagen und einem den Schlaf rauben.’

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    J
    Johennivor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Ein toller Roman mit Tiefgang
    Und am Ende bleibt was

              Ich finde das Cover sehr schönund es hat für mich gut zum Thema gepasst. Der Schreibstil ist interessant, spannend und gut zu lesen.
    In dem Buch geht es um einen jungen Mann, der zur falschen Zeit, am falschen Ort an den falschen Mann geraten ist. 
    Leider ist Ilja nicht vom Glück verfolgt und gerät immer tief in einen Sumpf dem er kaum entkommen kann.
    Ich hatte die ganze Zeit, dass Gefühl beim Lesen, dass er ein netter und guter Mensch ist. Nur seine Handlung nicht immer rational, was es am Ende so spannend gemacht hat. Das Ende hat mich auch getroffen. Das ganze Buch war nicht vorhersehbar und es zeigt wie das Leben spielen kann, wenn andere Mächt mitmischen und man die Mächte nicht befriedigen kann.
    Ein Buch mit Tiefgang worüber es sich lohnt, einen Augenblick länger nach zudenken. 
            

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    S
    scoutervor 3 Tagen
    Moskauer Sumpf

    Ilja wird aus dem Gefängnis entlassen das ihm Petja, ein Drogenfahnder, eingebrockt hat. Als er nach Hause kommt ist seine Mutter tot und dieses wirft ihn komplett aus dem Gleichgewicht. Er fährt nach Moskau um Petja zu finden und tötet ihn. Das Handy des Toten nimmt er an sich und taucht immer tiefer in das Leben des Petja ein, erst um die Entdeckung des Toten zu kaschieren und dann übernimmt die Neugier sein Handeln. Der Drogenfahnder Petja ist tief in Drogengeschäfte verwickelt. Ilja verstrickt sich tief in dieses Leben, das nicht seins ist.
    Der Autor zeichnet ein düsteres Bild von Moskau und seiner Umgebung. Aber Moskau zieht die Hauptfigur magnetisch an. Die Verwicklungen von Polizei und Miliz in diesem Sumpf werden durch eine drastische Sprache dargestellt.
    Sehr interessanter Roman!

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    Abibliophobias avatar
    Abibliophobiavor 3 Tagen
    Tristesse

    Der Roman „Text“ des Autors Dmitry Glukhovsky handelt von Ilja, der nach 7 Jahren aus einem Straflager in Russland freikommt, in der für ihn neuen Welt zurechtkommen muss und auf Rache sinnt. Er ersticht den Menschen, der ihn Hinter Gittern gebracht hat und nimmt dann seine Identität an.

    Das Buch beginnt sehr trostlos, bei Iljas Entlassung erwartet ihn nichts mehr und nichts ist mehr, wie es vorher war. Seine Freundin hat sich schon frühzeitig von ihm getrennt und seine Mutter, die einzige Bezugsperson in seinem Leben, stirbt ein paar Tage vor seiner Entlassung. Die Hoffnungslosigkeit, Tristesse und Trostlosigkeit zieht sich durch das ganze Buch. Ich habe bisher noch kein Buch des Autors gelesen, bin aber von seinem prägnanten Sprachstil sehr überzeugt. Man spürt bereits zu Beginn, welche Auswirkungen die Zeit im Straflager auf Iljas weiteres Leben hat. Der Autor nimmt den Leser immer wieder gefangen, gerade als Ilja die Identität von Chasin annimmt und in seinem Namen weiter mit Nina und Chasins Eltern schreibt, vergisst man zwischendurch, dass es sich um Ilja handelt und nicht um den Toten. Auch Ilja selbst wird immer mehr zu Chasin, die beiden Welten verschmelzen und er verliert immer mehr den Bezug zu seinem eigenen Leben. Diese Flucht in eine andere Identität beschreibt der Autor sehr gut und authentisch. Zu Ilja selbst hat man beim Lesen ein gespaltenes Verhältnis, sympathisch ist er nun wirklich nicht, aber dennoch faszinierend, vielleicht gerade wegen der Trostlosigkeit. Das interessante und abwechslungsreiche Leben des Autors wirkt sich auf jeden Fall auf den Roman aus, dieser Autor lebt für seine Bücher. Die Handlung ist sehr durchdacht, er wagt sich in ein Genre fernab der unterhaltsamen leichten Lektüre und überzeugt auf jeder Seite. Die Trostlosigkeit spiegelt sich in allem wieder, in der Beschreibung Russlands, in der Handlung und in den Charakteren. Zu Beginn etwas befremdlich, aber gerade deshalb ein sehr gelungener Roman.

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    Curins avatar
    Curinvor 4 Tagen
    Kurzmeinung: Nicht ganz mein Geschmack, aber auch nicht schlecht.
    Ein melancholischer Roman

    Nach sieben Jahren Straflager darf Ilja endlich nach Hause zurückkehren, doch schnell stellt er fest, dass er nicht einfach so sein altes Leben weiterleben kann. Seine Mutter ist kurz vor seiner Ankunft verstorben und seine Freundin hat längst einen anderen Mann. Vor lauter Wut sucht er Petja auf, der ihm damals Drogen untergeschoben hat und bringt ihn ihm Affekt um... .
    In diesem etwas schwermütigem, aber sprachgewaltigem Roman erzählt Dmitry Glukhovsky von einem jungen Menschen, dem übel mitgespielt wurde und der sich mit einer schrecklichen Tat im Nacken nun in Moskau durchschlagen muss. Dabei übernimmt Ilja quasi das Leben seines größten Feindes mit dessen Smartphone und kommt damit erstaunlich gut durch.
    Ilja ist von Anfang an keine sympatische Figur. Obwohl ihm wirklich übel mitgespielt worden ist, hat man nur zeitweise etwas Mitleid, weil er sich ziemlich schnell in eine sehr kritische Richtung entwickelt. Anstatt zu versuchen, sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken, wird er zum Mörder und verbaut sich seinen Neustart gleich selbst. 
    Das eigentlich spannende an Iljas Geschichte ist jedoch, dass er das Smartphone von Petja an sich und so auch gleich dessen Leben übernimmt. Für mich war dabei erschreckend, wie einfach und schnell scheinbar anhand von Textnachrichten, Bildern und E-mails, rekonstruiert werden kann, wie eine Person lebt und was sie tut. Vor allen Dingen zeigt sich im Roman auch, wie einfach es Ilja fällt, Petja nachzuahmen und seinen Kontakten wie der Mutter, der Freundin und Kollegen so zu antworten, dass dessen Verschwinden ihnen gar nicht auffällt.
    Der Autor schreibt melancholisch und schafft es, den Geisteszustand, die Hoffnungslosigkeit und die Gefühle von Ilja sehr gut darzustellen. Leider wird die Zeit im Straflager im Roman völlig ausgeklammert und kaum bis gar nicht beschrieben, was ich sehr schade fand.
    Insgesamt hat mich ,,Text" letztendlich etwas ratlos zurückgelassen und ich hatte mir auch etwas mehr Spannung versprochen. Letztendlich hat das Buch meinen Geschmack nicht ganz getroffen, aber dennoch empfehle ich es hier weiter.

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    R
    RubyKairovor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Ein außergewöhnliches Werk, das an die große russische Erzähltradition mit ihrer immer wiederkehrenden Frage nach Schuld und Sühne anschließ
    Der neue Roman von Kultautor Dmitry Glukhovsky.

              Moskau war ein Gemisch aus allem: aus unvereinbaren Gebäuden, aus nicht zueinander passenden Menschen, aus entgegengesetzten Zeiten: Mal hatte man an die Seele und an Kathedralen geglaubt, mal an den Körper und an Schwimmbäder; und alles hatte sich in Moskau eingerichtet, nichts wurde je vollständig überwunden oder für immer vernichtet. Eigentlich wollte Ilja nur sein altes Leben zurück haben, die Qualen von sieben Jahren Straflager vergessen. Als junger Student war er in einem Moskauer Club in eine Drogenrazzia geraten. Bei der Durchsuchung fand man Briefchen mit Kokain bei ihm, doch die hatte ihm Petja, einer der Fahnder, zugesteckt, um dem aufmüpfigen Ilja seine Macht zu demonstrieren. Nach sieben dunklen Jahren will Ilja nun ein neues Leben beginnen und Petja, den er in Gedanken das Schwein nennt, verzeihen. Doch alles kam anders; als Ilja nach Hause kommt, ist nichts mehr, wie es war. Seine Mutter stirbt wenige Tage vor seiner Rückkehr an einem Herzinfarkt, seine Freundin ist längst mit einem anderen zusammen, und sein Jugendfreund begegnet ihm mit größtem Argwohn. Enttäuscht ertränkt Ilja seine Trauer im Alkohol, bis er im Rausch der Verzweiflung jenen Fahnder aufsucht, der ihn vor sieben Jahren zu Unrecht hinter Gitter brachte. Im Affekt ersticht Ilja ihn und nimmt ihm sein Smartphone ab. Im Rausch der Verzweiflung begeht er einen folgenschweren Fehler, und sein Leben wird fortan von dem Smartphone eines Toten bestimmt. Als Ilja beginnt, auf die eingehenden Nachrichten des Verstorbenen zu antworten, verstrickt er sich immer tiefer in dessen Vergangenheit. Bis er getrieben von Schuldgefühlen und den Zwängen einer fremden Identität in der brodelnden Metropole Moskau untertaucht. Dmitry Glukhovsky öffnet mit seinem packenden, politischen Roman das Tor zu einer dunklen Welt. Dabei gelingt es ihm, den Leser derart in einen Strudel aus Vertrauen, Misstrauen, Geständnissen und Täuschungen zu ziehen, dass nichts anderes übrig bleibt, als sich selbst und seine eigene Handlungsweise zu hinterfragen. Damit bleibt am Ende dieses emotionalen Auf und Abs nur noch eine Frage offen: Wie weit würdest du gehen? Doswidanja. Nur zu empfehlen. Ein konsequentes Psychogramm eines Täters, erst Charakterdrama, dann Thriller clever konzipierte Verliererballade. Der Wunsch nach Freiheit, Schuldgefühle die den Protagonisten nicht ruhen lassen und ein dunkles Geheimnis... Eine Odyssee in den Wirren der brodelnden Metropole Moskau. Ein großartiger Spagat zwischen Unterhaltung und Anspruch, ein sehr lesenswerter Roman! Einfach nur Weltklasse!!
           

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    dj79s avatar
    dj79vor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Eine Offenbarung des russischen Staates, Schwermut und Hoffnungslosigkeit des Protagonisten. Ein Roman in Gedanken.
    Schwer und schwermütig

    Der Roman von Dimitry Glukhovsky erzählt nicht nur von Ilja, einem gebrochenen jungen Mann, der zu Unrecht verurteilt, gerade aus dem Straflager entlassen wurde, sondern berichtet darüber hinaus von Korruption, Polizeigewalt und Überwachung der Menschen durch den Staatsapparat. Er zeigt auf, wie schnell man in diesem Umfeld Opfer von Willkür werden kann, wie abgestempelt und chancenlos einmal auffällig gewordene Personen sind. Als Ilja aus der Gefangenschaft heimkehrt, ist er ein Fremder. Moskau hat sich verändert, Nichts scheint mehr so zu sein, wie es war. Einzig die „Hüter von Recht und Ordnung“ sind für Ilja überall erkennbar. Bei seiner Ankunft zu Hause muss er dann auch noch feststellen, dass seine Mutter vor ein paar Tagen verstorben ist. Lediglich ein Topf Kohlsuppe ist ihm von ihr geblieben. Ilja betäubt seinen Schmerz mit Alkohol, zieht schließlich los zu dem Ort, wo sein Unglück begann und trifft auf seinen Peiniger, Petja. Im Affekt ersticht er ihn und nimmt dessen Handy an sich. Doch das ist nur der Anfang einer erschreckenden Odyssee. Petjas Handy, als Tor zu dessen Leben, lässt Ilja nach und nach begreifen, warum er ins Straflager musste. Der Roman betrachtet hauptsächlich die beiden Charaktere, Ilja und Petja. Dabei entstammt die gesamte, Petja betreffende Handlung der Vergangenheit. Sie entsteht als Interpretation aus Iljas Studien der eMails, WhatsApps, Fotos, Videos und Sprachnachrichten, die in Petjas Handy gespeichert sind. Um Petjas Umfeld hinzuhalten, setzt Ilja dessen Kommunikation fort. Für den Leser verschwimmen nun im Verlauf die beiden Persönlichkeiten immer mehr. Zwischenzeitlich musste ich zurück blättern, inne halten und das Gelesene sacken lassen, damit ich die beiden auseinander halten konnte. Iljas Gedankenwelt ist mit Träumen aus seiner Vergangenheit, mit Wünschen für seine Zukunft und Vorstellungen von Pflichterfüllung durchsetzt. Wenn Ilja schläft, mischt sich seine Welt mit dem Bild, das er von Petjas Leben hat. Dimitry Glukhovsky setzt uns hier keinen einfachen Roman vor. Dieser „Text“ braucht Aufmerksamkeit und Zeit. Dem Leser wird an Iljas Beispiel die Schwermütigkeit der abgehängten russischen Bevölkerung näher gebracht. Wenn man unterstellt, dass die Aussagen des Romans über die Staatsmacht Russlands nicht frei erfunden sind, erfährt der Leser zudem, wie weit entfernt Russland von unserer Denke von Demokratie ist. Ich empfehle diesen Roman sehr gern weiter, gebe aber zu bedenken, dass hier das Vergnügen etwas Aufwand kostet.

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    L
    Lealein1906vor 6 Tagen
    Kurzmeinung: Die Idee war wirklich überzeugend, die Umsetzung hätte in meinen Augen noch besser sein können.
    Spannende Idee, Umsetzung hat ein bisschen gehapert

    „Text“ ist kein schlechtes Buch, konnte mich aber auch nicht ganz überzeugen. Auf jeden Fall bekommt man aber einen tollen Einblick in Russland und auch auf die spannende Frage, was Menschen wirklich ausmacht.
    Ilja ist gerade aus dem Gefängnis gekommen. Daraufhin erfährt er, dass seine Mutter nur kurz davor gestorben ist. Durch die Trauer überwältigt, tötet er den Mann, der ihn ungerechtfertigt ins Gefängnis gebracht hat und nimmt sein Handy an sich. Nach und nach übernimmt er dessen Identität, gräbt sich in sein Leben ein und versucht Freunde, Kollegen und Familie im Spiel zu halten.
    Die Idee zu dem Buch fand ich sehr spannend und der Vorgang, wie Ilja sich in Petjas Chats und Mails vertieft und so immer mehr über dessen Leben erfährt ist wirklich gut gemacht und zieht in den Bann. Diese Abschnitte haben viel Spaß zum Lesen gemacht. Trotzdem zieht sich der Roman sehr lange hin, war für mich auch zäh zu lesen. Die Seiten fliegen einfach nicht dahin, wie ich das von anderen Büchern kenne. Da hätten es vielleicht 100 Seiten weniger auch getan.
    Die Langwierigkeit könnte auch damit zu tun haben, dass ich nicht so recht einen klaren Schreibstil erkennen konnte. Es ist irgendwie eine Mischung aus Jugendroman (vor allem die Abschnitte mit dem Handy) und dann kommen auf einmal ganz literarischen Ansätze, wenn zum Beispiel Szenen beschrieben werden. Das hat meiner Meinung nach nicht so ganz zusammengepasst. Zwiespältig bin ich auch immer noch über die Chat-Abschnitte: einerseits war es cool, dass sie so lebendig gemacht wurden, sodass man wirklich das Gefühl hatte ein Gespräch zu lesen. Andererseits waren die Widergaben von Emotionen wie „er brüllte“ verwirrend, weil man sich fragt, wie Ilja das so daraus lesen kann.
    Fazit: Trotz großer Spannung war das Buch für mich kein Thriller. Die Idee war wirklich überzeugend, die Umsetzung hätte in meinen Augen noch besser sein können. Trotzdem hat mir das Buch auf seine Weise gefallen, deswegen drei Sterne.

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    W
    Wiktoria_Sedinvor 7 Tagen
    Kurzmeinung: Wundervolle Geschichte
    Spannung Pur

    Ilja hat sieben Jahre unschuldig gesessen. Als er entlassen wird,muss er leider schmerzhaft feststellen dass am Tag zuvor gerade seine Mutter gestorben ist. Verzweifelt sucht er Petja auf, der ihn zu Unrecht verhaftet hat und tötet ihn. Er nimmt das Smartphone von  Petja und beim Durchforsten von dessen Nachrichten erfährt er Stück für Stück dessen Lebensgeschichte und wird immer mehr selbst zu Petja... 

    Die Geschichte ist hervorragend ! Man erfährt gemeinsam mit Ilja, dass Petja ein großes Problem mit seinem Vater hatte und dadurch einen Weg ging, der ihn tief in den Sumpf der Kriminalität führte. Nachdem er sein Handy durchforstet hat bekommt er jedoch Schuldgefühle und sieht sich verpflichtet, die Lebensgeschichte von Petja weiterzugehen.

    Der Autor ist wirklich gut darin zu beschreiben was Ilja denkt und an erfährt auch vieles über deine Hoffnungen und Ängste.Bis zum Schluss weiß man nicht, wie das ganze ein Ende nehmen wird. 
     

    Ich finde den Roman sehr berührend und eindrucksvoll. Der Autor hat es mit seiner Detailtreue definitiv geschafft mich in den Bann zu ziehen.

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    guemues avatar
    guemuevor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Schwerer Roman!
    Man muss erst in den Thriller hineinfinden!

              Ilja kommt, obwohl er unschuldig war, nach einer fast unendlichen Zeit von 7 Jahren aus dem Straflager. Er merkt schnell, daß das Leben sich in dieser Zeit weiter entwickelt und verändert hat. Ilja stellt fest, daß der Mord an Petja ihm kaum Befriedigung bringt und ihn stattdessen in ein anderes Leben hineindrückt. Er verändert sich und lebt das Leben mit den für ihn sehr negativen Eigenschaften von Petja. An den dunklen Schreibstil von Dmitry Glukhovsky kann man sich nur sehr schwer gewöhnen. Der Autor bringt jedoch viel Atmosphäre aus dem heutigen Russland bzw. Moskau in das Buch hinein. Zwischen allen Zeilen geht es um Russland, um die große russische Frage nach Schuld und Sühne. Bedingte Leseempfehlung.
           

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