Dodie Smith

 4.1 Sterne bei 25 Bewertungen
Autor von Mein Sommerschloß, I Capture the Castle und weiteren Büchern.

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Rezension zu "I Capture the Castle" von Dodie Smith

Emotionale, authentische Lektüre, die Freude bereitet ​
LaLecturevor 7 Monaten

„I Capture the Castle“ wurde mir für Fans von Jane Austen empfohlen und zum Teil kann ich diesem Vergleich zustimmen. Sowohl Jane Austen als auch Dodie Smith (zumindest in diesem Roman) legen vor allem Wert auf die Charakterisierung ihrer Figuren, deren Entwicklung und Beziehungen untereinander, auch, wenn das bedeutet, dass die Handlung dabei eher gemächlich vor sich hinplätschert.
Dadurch, dass das Buch als Cassandras Tagebuch geschrieben ist, enthält es zu großen Teilen Beschreibungen des Familienlebens der Mortmains, auch dann, wenn dort nicht viel Aufregendes passiert. Wie auch bei Jane Austen wird dieses normale Alltagsleben jedoch so feinsinnig, intelligent, authentisch und emotional beschrieben, dass einem die Lektüre nie langweilig wird. Man fiebert mit den Figuren in ihrem einfachen Leben mit und kann sich besonders mit Cassandra gut identifizieren.

Dort hören die Gemeinsamkeiten jedoch auch auf, denn während Jane Austen ihre Geschichten häufig aus einer allwissenden, älteren und teils zynischen Perspektive erzählt, gibt „I Capture the Castle“ recht direkt die Erfahrungen und Gedanken der siebzehnjährigen Cassandra wieder. Dies sorgt für einen leichten, jugendlichen Tonfall in der Erzählung, der mir ausgesprochen gut gefallen hat. Dodie Smith versteht es, sich in die teils tiefsinnigen, teils jedoch auch naiven und träumerischen Gedankengänge eines Teenagers hineinzufühlen und Cassandra auf Anhieb sympathisch zu machen. Dabei enthält der Roman sowohl philosophische und romantische als auch humorvolle Passagen, wenn Cassandra mit wachem Auge sich und ihre Mitmenschen beobachtet.

Die Heldin ist ein durchaus kluges und humorvolles Mädchen, die sich angenehmerweise sogar bewusst gegen Klischees in Literatur wehrt, beispielsweise gegen des Träumen von der guten Heirat, das in Austens Romanen nicht selten ein Thema ist. Sie bezieht sich dabei auch häufig auf andere Bücher und Literatur spielt ebenso wie Musik und Kunst in ihren Gesprächen mit anderen Figuren eine große Rolle.
Gleichzeitig ist Cassandra jedoch auch ein typisches junges Mädchen, das sich nach Geborgenheit und Liebe sehnt, im familiären wie im romantischen Sinne. Trotz ihres meist klaren Verstandes kommt auch sie so manches mal ins Schwärmen, ist blind für ihre Gefühle oder die anderer, lügt zu ihrem Vorteil und verhält sich selbstsüchtig. Es macht sie jedoch auch aus, dass sie ihr Verhalten häufig später reflektiert und im Laufe des Romans, der sich über mehrere Monate und einige turbulente Ereignisse erstreckt, als Person wächst und sich weiterentwickelt. Das macht sie zu einer absolut glaubwürdigen Hauptfigur, die Identifikationspotential bietet und sympathisch ist.

Die anderen Figuren lernt man nur durch die Linse von Cassandras Wahrnehmung kennen, doch auch sie konnten mich zum Teil faszinieren und berühren. Eine große Rolle spielt zum Beispiel Stephen, ein Angestellter der Mortmains, der im Grunde zur Familie zählt und aussichtslos in Cassandra verliebt ist, die damit nicht richtig umzugehen weiß. Obwohl es einer der tragischsten Aspekte des Buches ist, habe ich es als nachvollziehbar empfinden, dass Cassandra hin und her gerissen ist zwischen dem Vorhaben, ihm keine Hoffnungen zu machen, und dem Wunsch, ihn nicht zu verletzen. Stephen lernt man durch seine Handlungen im Roman von den Nebenfiguren mit am besten kennen und durch ihn war ich in die Handlung emotional am meisten involviert.

Eine weite wichtige Rolle spielt Simon, einer der beiden amerikanischen Brüder, die das Schloss erben und fortan viel mit den Mortmains verkehren. Er ist eine interessante Figur voller Überraschungen, die man gemeinsam mit Cassandra besser kennenlernt und die für mich eines der besten Beispiele ist, wie man nicht-stereotype Figuren entwickelt, die man trotzdem sympathisch finden kann.
Auf andere Art sympathisch aber ebenfalls interessant ist Simons Bruder Neil. Am Beispiel der Cotton-Brüder werden auch sehr unterhaltsam sprachliche und kulturelle Unterschiede zwischen Großbritannien und den USA thematisiert, die der neugierigen und offenen Cassandra auffallen - vermutlich der Einfluss von Dodie Smiths Exil in den USA.

Einer der wichtigsten Punkte in „I Capture the Castle“ sind die komplexe Familienbande der Mortmains. Cassandras Vater, dessen einziger Roman sich grandios verkauft hat, der seitdem jedoch seine Tage mit dem Lesen von Detektivromanen verbringt und seine Familie damit der Armut überlässt, ist eine schwierige Person, die man Stück für Stück wie ein Rätsel zu lösen versucht. Er geht einem mit seiner häufig abwesenden Art auf die Nerven, ist jedoch auch eine intellektuelle Herausforderung, wenn man versucht ihn zu verstehen.
Seine zweite Frau Topaz ist nicht weniger exzentrisch, doch man gewinnt sie schnell genauso lieb wie Rose und Cassandra es getan haben. Positiv überrascht hat mich Cassandras kleiner Bruder Thomas, der unerwartet am Ende eine größere Rolle spielt und etwas mehr Tiefe bekommt.

Große Probleme hatte ich leider mit der Figur der Rose, Cassandras älterer Schwester. Obwohl die beiden sich offenbar sehr nahe stehen und Verständnis für die Eigenheiten der jeweils anderen zeigen, habe ich zu Rose nie einen Zugang gefunden. Von Anfang an wirkt sie oberflächlich und ihr einziges Ziel das Buch hindurch ist es, reich zu heiraten - wenn es sein muss auch „den Teufel persönlich“. Sie schiebt zwar gerne als Ausrede vor, dass sie diesen Plan auch hat, damit ihre Familie von ihren Reichtum ebenfalls wird profitieren können, doch sie nimmt dabei meistens wenig Rücksicht auf die Gefühle anderer und verhält sich sehr selbstsüchtig. Wieso so viele Figuren in diesem Roman solchen Gefallen an Rose gefunden haben, hat sich mir nie erschlossen, was schade ist, da es für die Geschichte relativ wichtig gewesen wäre. In meinen Augen hatte Rose als einzige Figur in dem Roman keine wirkliche eigene Persönlichkeit.

Die Beziehung zwischen den Figuren und ihre Entwicklung ist definitiv eine große Qualität des Romans. Zunächst dachte ich, ich wüsste genau, wie sich die Geschichte entwickeln und wie sie ausgehen würde, doch „I Capture the Castle“ belehrte mich eines besseren. Die Handlung folgt nicht den üblichen literarischen Klischees, bricht mit Erwartungen und ist dennoch - oder gerade deshalb - authentisch und nachvollziehbar. Bis zu den letzten Seiten hatte ich keine wirkliche Idee, wie der Roman ausgehen könnte, und schließlich konnten mich das Ende auf viele Arten berühren und war in meinen Augen perfekt und realistisch gewählt.


Fazit

„I Capture the Castle“ konnte mich durch die frische und authentische Stimme der Protagonistin begeistern, die sympathisch und dennoch realistisch gestaltet ist. Auch die meisten anderen Figuren und deren Entwicklung und Beziehungen untereinander konnten mich überzeugen und das Buch trotz der eher ruhigen Handlung spannend machen.

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Rezension zu "I Capture the Castle" von Dodie Smith

Eine verwitterte Burg, wilde Natur und das menschliche Treiben dazwischen
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

An I capture the castle hatte ich mich bereits vergangenen Herbst versucht, war aber nicht in der richtigen Stimmung. Unter dem Motto Take or Toss konnte ich mich nun doch überwinden und nach 50 Seiten hatte mich Dodie Smith in ihrer Hand.

Das Buch wird aus Sicht einer jungen Frau erzählt, die mit ihrer Familie in einer alten, verwitterten Burg auf dem englischen Land wohnt. Einst prachtvoll ist das Gemäuer zu einer Ruine verkommen und der Familie sind seit langem die finanziellen Mittel abhanden gekommen, irgendetwas an der Substanz zu verbessern. Genauer gesagt: Mittlerweile können sie sich kaum die Margarine auf dem Toast leisten.

Cassandra berichtet in Form von Notizbucheinträgen vom Alltag der Familie und von deren Eigenheiten. Ihr Vater ist ein Schriftsteller, der seit seinem ersten Roman kein Wort mehr geschrieben hat, ihre Stiefmutter, Model und Künstlerin, frönt regelmäßig ihrer Liebe zur Natur und ihre Schwester sehnt sich nach Wohlstand.
Doch als ihr Vermieter stirbt und wenig später seine Erben in Form zwei amerikanischen Gentlemen auftauchen, kündigen sich neue, bessere Zeiten für die Familie an.

Dodie Smiths Erzählung lebt von der Eigentümlichkeit ihrer Charaktere und der Direktheit von Cassandras Bericht. Es gibt keine Boshaftigkeit, die verkraftet werden muss, den Charakteren wird immer wieder die Chance gegeben zu wachsen.
Cassandra selbst wirkt am Anfang noch sehr naiv, fast wie ein Kind, aber im Laufe der Erzählung wird bewusst, dass sie älter ist, als vermutet. Ihre Schilderungen der Burg, der wilden Natur und der Menschen, die sie umgeben, sind unverklärt und intim.
Und teilweise einfach ehrlich, so zum Beispiel, als sie ihren Vater nach dem Fortschritt seines von der Familie sehnlichst herbeigewünschten zweiten Buches befragt:

‚How’s the work?‘ I asked.
A closed-up look came over his face and he said shortly: ‚You are too old to believe in fairy tales.‘

Heimliche Heldin des Romans könnte aber auch Topaz sein, die Stiefmutter, die sich aufopferungsvoll um die Familie kümmert und dafür sorgt, dass alle trotz der offensichtlichen Armut gut versorgt sind.

Doch nicht nur die Familie macht das Buch zu einem Pageturner, sondern auch Nebencharaktere wie die Lehrerin der örtlichen Dorfschule, welche die Familie mit den neuesten Büchern der Bibliothek versorgt, der wenig dogmatische Vicar, dank dem Cassandra ihr erstes Notizbuch erhält und die beiden Haustiere der Familie, Hel und Ad, welche Cassandra auf ihren Streifzügen durch die Umgebung um die Burg treu begleiten.

Unheimlich Spaß hat vor allem gemacht, sich das Leben in einer Burg vorzustellen. Zwar zerfällt das Mauerwerk immer mehr, aber trotzdem ist es erfüllt mit den Erinnerungen und Cassandra denkt das ein oder andere Mal an spezielle Momente. Das wäre zum Beispiel das Mittsommernachtsfest, das sie und ihre Schwester jedes Jahr mit einem Feuer und Tänzen feierten. Die beiden wachsen entfernt vom christlichen Einfluss auf, da der Vater und die Stiefmutter wenig Interesse an Kirchenbesuchen zeigen und finden so den Zugang zu dem heidnischen Fest. Umgeben von wildem Grün und der modernden Burg kommt man nicht umhin, an Naturgeister zu denken und nach Feen Ausschau zu halten.

Empfehlen möchte ich dieses Buch allen, die nach einem Rückzugsort suchen oder sich in einer längst vergessene Zeit zwischen Vergangenheit und Moderne zurückversetzen lassen möchten.

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Rezension zu "Mein Sommerschloß" von Dodie Smith

Nette Unterhaltung für Zwischendurch
Zeilenreichtumvor 6 Jahren

Eine Geschichte rund um das Leben der jungen Cassandra, die in den 30er Jahren mit ihrer Familie auf einer alten Burg lebt. Ein Roman voller zarter Gefühle und liebevoller Erzählungen aber leider auch mit dem fehlenden Schuss an Spannung. Dennoch sorgt "Mein Sommerschloß" für ein paar nette Stunden und ist durchaus lesenswert für Fans von englischen Familiengeschichten.

 
Zum Buch: 
Cassandra ist 15 Jahre alt und lebt mit ihrem Vater, ihrer Stiefmutter, ihrem jüngeren Bruder und ihrer älteren Schwester auf einer Burg bei einem kleinen Dorf in England. Die Familie ist arm und hat kaum Einkünfte, der Vater - einst ein bekannter Schriftsteller - hat sich ins ich zurückgezogen und die beiden jungen Mädchen wissen nichts mit ihrer Zeit anzufangen. Da beginnt Cassandra, Tagebuch zu schreiben und als dann noch in der Nachbarschaft zwei junge Männer einziehen, scheint endlich doch einmal etwas zu passieren.

Meine Meinung: 
Ich habe das Buch im Rahmen von einem Buchclub gelesen und wusste nicht, was mich jetzt eigentlich erwartet. Im Großen und Ganzen handelt es sich wirklich um ein schönes Buch. Allerdings weiß ich nicht, ob ich zu verwöhnt bin oder einfach falsche Vorstellungen hatte, aber mir hat etwas gefehlt. Cassandra ist ein naives junges Mädchen, dem von dem Gärtner Stephen der Hof gemacht wird. Stephen war auch die Figur in dem Buch, die mir suspekt geblieben ist. Er wird als besonders schön und anziehend beschrieben, gleichzeitig zeigt Cassandra aber auch immer wieder auf, dass er irgendwie dennoch nicht wirklich liebenswert ist - zumindest aus ihrer Sicht. Rose, die große Schwester von Cassandra, möchte der Armut endlich entkommen und ihr ist jedes Mittel recht. Eine sehr unsympathische Figur, die auch zumindest mein Mitleid nicht bekommen hat. Eigentlich handelt es sich bei dem Buch um eine Geschichte über die Liebe. Die Liebe, die nur aus Geldgier vorgespielt wird. Liebe, die sich langsam bei einem jungen Mädchen entwickelt. Die Liebe zur Familie aber auch zum Partner. Als besonders stark erschien mir Topaz, die junge Frau des Vaters der Mädchen. Das einstige Model scheint ihren Mann wirklich sehr zu lieben und ist bereit, für ihn einiges aufzugeben. Die beiden jungen Männer, die sich als Erben der Burg vorstellen, stellen das Leben der Familie drastisch auf den Kopf. Neil ist wirklich charmant und Simon erobert augenscheinlich das Herz von Rose, doch nichts ist, wie es scheint, denn auch Cassandra kommt mit ins Spiel.

Als besonders schön möchte ich die Sprache hervorheben. Es macht Spaß, den Gedanken von Cassandra zu folgen und zu sehen, wie sie sich auch entwickelt. Sie schreibt ihr Tagebuch sehr charmant und liebevoll, beschreibt die Menschen um sich herum toll und kann einen gefangen nehmen.

Mein Fazit: 
Ein Buch, das sich für alle die lohnt, die sich einfach gerne in Beschreibungen fallen lassen und es mögen, in das England der 30er Jahre entführt zu werden. Auch wenn es meinen Geschmack nicht ganz getroffen hat. Dafür gibt es drei von fünf Kleeblättern.

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