Spielort ist Timpamara. Ein fiktives Dorf in Kalabrien, in dem die Literatur schon seit Generationen eine wesentliche Rolle spielt. Hier entstand die erste Papierfabrik, und die Menschen geben ihren Kindern die Namen bekannter Figuren aus Romanen. Der Bibliothekar des Ortes ist Astolfo, ein nachdenklicher Mann mit einer leichten Gehbehinderung, dem unverhofft die Aufgaben des Friedhofswärters übertragen werden. So lernt er Caramante kennen, den Tontechniker, der mit seinem Tonbandgerät die Stimmen der Toten aufzunehmen versucht.
Auf einem Grabstein entdeckt Astolfo das Foto einer Frau, ohne Namen und Geburts- und Sterbedatum, und verliebt sich in ihren Anblick. Eines Tages taucht an diesem Grab Ofelia auf, die der Frau auf der Fotografie zum Verwechseln ähnlich sieht. Vorsichtig nähern sich die beiden an, und für Astolfo verschwimmen die Grenzen zwischen der Realität und der erfundenen Welt all der Bücher, die ihn umgeben, mit jedem Tag mehr. Doch wer ist diese Unbekannte wirklich, die da vor ihm steht, deren Ebenbild auf einem namenlosen Grabstein zu finden ist?
Der Autor schuf liebenswerte Figuren, allen voran Astolfo, der täglich zwischen den fiktiven Buchwelten voller Fantasie und scheinbar unsterblicher Romanfiguren und der ernüchternden Wirklichkeit wandelt. Dieser Protagonist ist vom Zwiespalt geprägt, aber findet durch kreative Umwege seinen Weg durch das Dickicht des Lebens.
Der rote Faden dieser Erzählung sind die Begegnungen der Menschen aus Timpamara. Die Dialoge und die Gedanken über Leben, Tod und das Geschehen verleihen der Erzählung Tiefe sowie eine melancholische Note. Eine Prise Magie und leiser Humor sorgen jedoch für ein gelungenes Gegengewicht.
Das ist eine Erzählung, für die man Zeit braucht – nicht, weil das Buch schwer zu lesen ist, sondern weil es zum Nachdenken einlädt.
Mehr dazu hier: https://www.buchleserin.de/2025/06/09/die-bibliothek-der-verlorenen-geschichten/


















