Domenico Müllensiefen

 4,5 Sterne bei 13 Bewertungen

Lebenslauf

Domenico Müllensiefen wurde 1987 in Magdeburg geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er auf einem Bauernhof in der Altmark. Mit 16 lernte er bei der Deutschen Telekom. Danach Anstellung als Techniker in Leipzig. Ab 2011 Studium und Master am Deutschen Literaturinstitut. Nebenbei arbeitete er als Bestatter. Er lebt in Leipzig und arbeitet als Bauleiter. Sein Debütroman »Aus unseren Feuern« wurde mit dem Klopstock-Förderpreis 2023 und dem Uwe-Johnson-Förderpreis 2023 ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Schnall dich an, es geht los (ISBN: 9783985681266)

Schnall dich an, es geht los

Erscheint am 14.08.2024 als Gebundenes Buch bei Kanon Verlag Berlin.

Alle Bücher von Domenico Müllensiefen

Cover des Buches Aus unseren Feuern (ISBN: 9783985680818)

Aus unseren Feuern

 (13)
Erschienen am 22.02.2023
Cover des Buches Schnall dich an, es geht los (ISBN: 9783985681266)

Schnall dich an, es geht los

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Erscheint am 14.08.2024

Neue Rezensionen zu Domenico Müllensiefen

Cover des Buches Aus unseren Feuern (ISBN: 9783985680818)
W

Rezension zu "Aus unseren Feuern" von Domenico Müllensiefen

Gut am Beginn und mit zähem Ende
WoozleGvor einem Jahr

Das Buch hat mich in den ersten Seiten wirklich  mitgerissen. Mit dieser hohen Erwartung tiefer in das Leben von Leipzig der Nachwende-Generation einzutauchen, wurde die Geschichte immer zäher zu lesen.  
Ich kann jetzt nur erahnen, dass das Leben in Leipzig so derb, laut und hoffnungslos war. Ich weiß es nicht. Gegen Ende des Buches hat es mich leider nicht mehr wirklich interessiert, wie es Heiko, Thomas, Andreas und Jana ergeht.

Vielleicht war es auch so, dass sich niemand für diese Generation interessiert hat. Sollte  die Intention des Buches gewesen sein dieses Verständnis zu wecken, dann hat es geklappt.

Cover des Buches Aus unseren Feuern (ISBN: 9783985680818)
Ritjas avatar

Rezension zu "Aus unseren Feuern" von Domenico Müllensiefen

Milieustudie aus Leipzig
Ritjavor einem Jahr

Es sollte eine Milieubeschreibung sein, die in einer spannenden und umwälzenden Zeit spielte. Mehrere Charaktere, die sich durch die "neue" Zeit kämpfen mussten. Verlieren oder gewinnen. Zurecht kommen oder stranden. Ein Blick in die ostdeutsche Gesellschaft, wie sie mit der Wende-Euphorie umgegangen sind. Oder gab es diese Euphorie eigentlich nur in den Medien? Was passierte mit den Menschen, die umdenken und sich neu aufstellen mussten? Was geschah mit den jungen Menschen und deren Träumen?

Der Autor packte diese Fragen in eine Geschichte über drei junge Männer, die mit sich und der politischen und gesellschaftlichen Situation hadern. Es gab sehr viele dunkle, trostlose Szenen, die den Lesenden in eine bedrückende Stimmung bringen kann. Die Hoffnungslosigkeit, der Frust, die Ängste und die geringe Perspektive sorgten für eine stetig düstere Stimmung. Der Autor beschreibt die Freundschaft, den Tod und die Arbeit von Heiko (dem Bestatter) sehr detailliert, recht derb und ohne Rücksicht auf political correctness. So, wie die jungen Männer zu dieser Zeit sprachen und fühlten. Ab und an blitzte etwas Humor in den Dialogen auf, aber der war eher bittersüß.

Immer wieder hoffte man auf den erlösenden Moment, der etwas mehr Licht in die Geschichte bringt, aber gefunden habe ich diesen nicht. Im Gegenteil, die Geschichte wurde leider immer zäher und anstrengender zu lesen. Ich habe mich durch die Zeilen gekämpft und gehofft, dass mich die Charaktere doch noch irgendwie packen können. Da ich selbst zu dieser Zeit im Osten gelebt habe, konnte ich einige Punkte gut nachvollziehen, aber so richtig konnte mich die Geschichte nicht einfangen und mitreißen. Schade. 

 

Cover des Buches Aus unseren Feuern (ISBN: 9783985680153)
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Aus unseren Feuern" von Domenico Müllensiefen

Arbeiter- und Nachwenderoman, der die sogenannten «Baseballschlägerjahre» beschreibt
Gwhynwhyfarvor 2 Jahren

Der Anfang: «Im Herbst 1998 hatten wir eine Themenwoche in der Schule. Es ging um unsere Heimat, also um Leipzig.»


Der Roman beschreibt die junge Generation nach der Wende in Leipzig-Grünau, die größte Plattensiedlung in Sachsen. Träume, Hoffnungen – Realität; ein Arbeiter- und Nachwenderoman, der die sogenannten «Baseballschlägerjahre» beschreibt. Ein gnadenloses Buch, wundervoll geschrieben, mit Charakteren, die realistischer nicht sein können. Thomas soll den elterlichen Schlachtbetrieb übernehmen, Heiko macht eine Lehre zum Elektriker und Karsten möchte nach Amerika auswandern. AllesDoch das Buch beginnt ein paar Jahre später. Heiko arbeitet nun als Bestatter und wird zu einem Autounfall gerufen, den Toten abzutransportieren. Es ist Thomas.


«Ich sagte nichts, sah auf den Ackerboden und zuckte mit den Schultern.

‹Du kennst den?›

Raik! Sei still!, dachte ich und schaute auf Thomas. Carpe Diem und diese dumme Windmühle. Wessen Idee war das gewesen? Karstens? Meine? Oder doch die von Thomas? Ich wusste es nicht, hatte es nie gewusst. Wir waren zu besoffen gewesen. Zu bekifft. Wir waren alles. Und vor allem waren wir unsterblich gewesen. Damals.

Nach ein paar Sekunden sagte ich: ‹Nein.›

‹Na dann los, sonst denken die noch, wir sind irgendwelche Freaks. Die sind sowieso schon so aufgekratzt›, sagte er und ging zum Auto.

Ich sah ihm hinterher, am liebsten hätte ich mich auf den Ackerboden zu Thomas gesetzt und eine geraucht. Es war klar, dass der Tag kommen würde, an dem ich jemanden holen muss, den ich kenne.»


Sie hängen ab, qualmen eine Zigarette nach der nächsten, saufen, beobachten Nudisten am Baggersee – Milieusprache, krass. Vor langer Weile zünden diese drei Jungen ihre Schulbücher an (später werden sie Bomben basten). Der westliche Direktor ist empört. An eben diesen Dialogen erklärt sich eine Menge. Thomas’ Vater will sich nicht von einem Wessi die Welt erklären lassen. Und Karstens Mutter hat kein Geld, neue Bücher zu kaufen. Brutale Väter, bissige Arbeitskollegen erziehen, schnell gibt’s eine Schelle. Das Leben läuft nicht so, wie die jungen Männer es sich vorgestellt hatten. Sorgen und Ängste der Ostdeutschen, überhebliche Wessis – das aber nicht mit erhobenen Zeigefinger geschrieben, sondern aus der Seele heraus. Prosa mit ziemlich guten Dialogen. Interessant auch die Szene aus einem Bewerbungstraining. Ein junger Mann rastet aus, die ganze Sch... würde sowieso nichts bringen; er will hinausrennen. Die Trainerin spricht ihn an mit lieber Christian ... Der aber antwortet «Halt die Fresse! Ich bin nicht der liebe Christian! Ich bin Christian Köhler!» Und dann fragt er: «‹Was ist mein Beruf?› Sie weiß es nicht.» Der junge Mann ist Zimmermann. - Szenen, die das Ost-West-Verhältnis kristallklar beschreiben. 


«Holzgetäfelte Wände und braungefliester Boden. Rolf Persberg, Schützenkönig 1987, Sofa mit Blumenmuster und Häkelkissen. Mein Vater hatte es gerne gemütlich. Sitzecke, Ochsenjoch und Bieruntersetzer. Vitrine, Pilstulpen und Sammeltassen. Tresen, Reudnitzer und kleine Rehgeweihe. Kompaktstereoanlage, Papiergirlanden und Matthias Reim. Zu jedem Geburtstag: dicke, betrunkene Männer. Die da oben, das muss man ja mal sagen dürfen, und früher war alles besser.

Neben dem Partykeller ein Scheißhaus, das meine Mutter regelmäßig von Kotze befreien musste.»


Erdverbundene Menschen, die sich nicht von der Stelle bewegen, manche, die sich nicht anpassen wollen, gebrochene Biografien. Von der Wende-Euphorie zur Ost-Lethargie, bis hin zur Politikverweigerung. Eine feine Milieubeschreibung. Es geht nicht immer ganz lecker in diesem Roman zu, der seine Arbeitsplätze detailgetreu beschreibt. Heiko jobbt als Schüler in der Fleischerei und ist später Bestatter. Müllensiefen wuchs auf einem Bauernhof in der Altmark auf, jobbte beim Fleischer, machte eine Ausbildung zum Systemelektroniker. Während des Studiums arbeitete er als Bestatter, seit 2016 wieder als Elektroniker. «Den Osten zu verlassen kam für mich nie in Frage», kann man auf seiner Website «muskeldomingo.de» nachlesen. Somit hat der Roman eindeutige biografische Züge. Ein sehr gelungenes Debüt, ein Autor, von dem wir sicher noch mehr hören werden.


«Irgendwann waren Stasi, Staat und Frau weg, dieses Loch füllte jetzt der Alkohol.»



Domenico Müllensiefen wurde 1987 in Magdeburg geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er auf einem Bauernhof in der Altmark. Mit 16 lernte er bei der Deutschen Telekom. Danach Anstellung als Techniker in Leipzig. Ab 2011 Studium und Master am Deutschen Literaturinstitut. Nebenbei arbeitete er als Bestatter. Er war Mitherausgeber der Anthologie »Tippgemeinschaft«, lebt in Leipzig und arbeitet als Bauleiter. »Aus unseren Feuern« ist sein erster Roman.

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