Domenico Starnone

 4 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Auf immer verbunden, Via Gemito und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Domenico Starnone

Verbirgt sich hinter Domenico Starnone vielleicht auch Elena Ferrante?: Der renommierte italienische Autor Domenico Starnone wurde 1943 in Saviano, Neapel geboren. Er hat zunächst als Lehrer gearbeitet, als Journalist und als Drehbuchautor, bis ihm mit dem autobiografischen Roman „Via Gemito“ (2001) über seine Kindheit in Süditalien der literarische Durchbruch gelang. Dafür erhielt er ein Jahr später einen der wichtigsten Literaturpreise Italiens, den Premio Strega. 2016 machte ein Journalist Starnone und dessen Frau, die bekannte Übersetzerin Anita Raja, als das Duo hinter dem Pseudonym Elena Ferrante aus. Seit den 1990er Jahren sind Ferrantes Romane internationale Bestseller. Bereits vor zehn Jahren wurde mittels Algorithmus ausgewertet, dass Starnones Stil dem von Ferrante am meisten ähnelt. Der Autor und dessen Frau kommentieren dies jedoch nicht. Anfang 2018 erschien der 13. Roman von Domenico Starnone, „Auf immer verbunden“ (DVA), in deutscher Übersetzung von Christiane Burkhardt. Er erzählt von einem Ehepaar, das unzertrennlich scheint, obwohl der Mann seine Frau Jahre zuvor zunächst für eine Jüngere verließ, reumütig aber zurückkehrte. Und genau diese Geschichte hat auch Elena Ferrante in ihrem Roman „Tage des Verlassenwerdens“ (2002) ebenfalls erzählt, allerdings aus der Perspektive der Ehefrau. Wird das Geheimnis um das Schaffen Starnones und die Identität Ferrantes je gelöst?

Alle Bücher von Domenico Starnone

Auf immer verbunden

Auf immer verbunden

 (8)
Erschienen am 12.03.2018
Via Gemito

Via Gemito

 (1)
Erschienen am 02.05.2007
Das Rasiermesser

Das Rasiermesser

 (0)
Erschienen am 01.08.2006
Autobiografia erotica di Aristide Gambía

Autobiografia erotica di Aristide Gambía

 (0)
Erschienen am 01.10.2014
Lacci

Lacci

 (0)
Erschienen am 01.10.2014

Neue Rezensionen zu Domenico Starnone

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Rezension zu "Auf immer verbunden" von Domenico Starnone

Wunden, die nie ganz verheilen
HansDurrervor einem Monat

„Falls du's vergessen haben solltest, mein Lieber, muss ich dich eben erinnern: Ich bin deine Frau,“ Mit diesem Satz beginnt Domenico Starnones „Auf immer verbunden“ und es denkt in mir, oh nein, furchtbar, so redet doch niemand, das ist mir zu künstlich, zu aufgesetzt, zu pädagogisch und lese dann trotzdem weiter, obwohl ich doch, dies meine zweite Voreingenommenheit, vom letzten Buch von Jhumpa Lahiri, die diesen Roman als poetisch preist, nicht so wirklich überzeugt gewesen bin, ganz im Gegensatz zu ihren früheren Sachen. Langer Rede kurzer Sinn: Gelegentlich gilt es, sich einen Schubs zu geben und Voreingenommenheiten zu überwinden. Und manchmal lohnt sich das. Im Falle von Domenico Starnones „Auf immer verbunden“ lohnt es sich.
 
Der Auftakt bildet eine mehrseitige, der Angst vor dem Alleinsein/Verlassenwerden geschuldete, überaus farbige Tirade in Richtung des treulosen Ehemanns Aldo, der Vanda und ihre gemeinsamen minderjährigen Kinder, Anna und Sandro, der 19jährigen Lidia wegen verlassen hat. 
 
Das eigentliche Buch beginnt mit zwei ganz wunderbaren Ereignissen, die davon handeln, wie Aldo, mittlerweile über 70 und wieder mit Vanda zusammen, hereingelegt wird. Klar doch, wir sind in Italien, wo das raffinierte Betrügen als Lebenskunst gilt.
 
Als Vanda und Aldo von einer Ferienwoche nach Hause zurückkehren, finden sie eine verwüstete Wohnung vor. Gestohlen wurde nichts, doch die Polizei meint, das wären wohl Zigeuner auf der Suche nach Gold gewesen, die wütend geworden, weil sie keines gefunden hätten, alles kurz und klein geschlagen hätten. Köstlich, die Schilderung des Besuchs von Aldo und Vanda, zusammen mit ihrem über 90jährigen Nachbarn, einem ehemaligen Richter, auf der Polizeiwache. „Der Geltungsdrang unseres Nachbarn ging mir auf die Nerven, und ich wollte dem jungen Mann klarmachen, dass auch ich nicht einfach irgendwer war.“
 
Beim Aufräumen der Verwüstung fallen Aldo Briefe von Vanda in die Hände, die aus der Zeit stammen, als er mit Lidia lebte. Der Rückblick geht auf die vielfältigen Aspekte ihrer Trennung ein, mit der vor allem Vanda nur schwer klarkommt. Sie ist verletzt, leidet, versteht überhaupt nicht, was da vorgeht, wie Aldo ihr und den Kindern das antun kann. Sie macht, genauso wie Aldos Mutter, die auch unter ihrem Mann gelitten hat, einen Selbstmordversuch – eine etwas arg gesuchte Parallele, wie ich finde.
 
Aldo macht bei der ganzen Geschichte eine wenig überzeugende, egoistische Figur. Überzeugend ist er hingegen (in der ersten Hälfte der Geschichte) als Vertreter einer Generation, der Selbstverwirklichung näher steht als verantwortungsvolles Handeln. Weder will er sich scheiden, noch von Lidia ablassen, bis schliesslich Vanda die Scheidung einreicht. So lebendig er sich mit Lidia fühlt, zunehmend zweifelt er auch, ist eifersüchtig. Meine Lieblingsszene (weil Lidias Antwort so wahr ist) ist diese hier:
 
„Warum bist du mit mir zusammen?“. Wollte ich von ihr wissen.
„Weil es sich so ergeben hat.“
„Das heisst doch nichts!“
„Es ist aber nun mal so.“
„Und wenn irgendwann mal alles aus ist?“
„Versuchen wir dafür zu sorgen, dass es gar nicht erst soweit kommt.“
 
Im zweiten Teil dieses Romans zeigt sich jedoch ein anderer Aldo. Zurückgekehrt zu Vanda erweist er sich als feiger, rückgratloser Anpasser und seine Frau sich als eigensinniger, sturer, leicht irritierbarer Drachen. Doch natürlich ist, was Domenico Starnone schildert, wesentlich komplexer. „Sobald man sich zwingt, etwas klar und deutlich auszusprechen, merkt man, dass es nur deshalb deutlich ist, weil man es vereinfacht hat.“
 
Im dritten Teil kommen dann die Kinder Anna und Sandro zu Wort und man beginnt zu verstehen, dass alles miteinander verknüpft ist und letztlich nicht auflösbar ist. „Sie haben sich in unseren Köpfen eingenistet, und egal was wir sagen oder tun: Wir werden ihnen auch weiterhin gehorchen.“
 
Ein überzeugend konstruierter, höchst gelungener, von Christiane Burkhardt sehr schön übersetzter Roman.

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PagesofPaddys avatar

Rezension zu "Auf immer verbunden" von Domenico Starnone

Interessant aber nicht überrragend
PagesofPaddyvor 4 Monaten

„Auf immer verbunden“ von Domenico Starnone ist in mehrerlei Hinsicht ein interessantes Buch. Ob es mir gefallen hat lest ihr hier. 
Um es zu vorweg zu nehmen, ich bin bei dem Buch sehr unsicher ob es mir nun gefällt oder nicht. Ich tendiere eher dazu das es mir nicht so gut gefallen hat aber es gibt durchaus positive Aspekte. Zuerst einmal wäre da die Art und Weise wie Starnone erzählt. Das Buch ist gut geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Jetzt ist das zwar nicht außergewöhnlich aber nachdem ich vor kurzem Probleme mit einem Buch hatte war es gut wieder etwas zu lesen, bei dem ich keine Probleme hatte. Inhaltlich wird es aber schon etwas schwieriger. Erzählt wird, in 3 Teilen, das Leben, das Lieben und vor allem das Leid was Aldo und Vanda. Jetzt kann man den Autor definitiv für seinen Realitätsnähe loben aber trotzdem fehlt mir das Positive in dem Buch. Nur ab und zu kommt ein Funken Hoffnung auf, der dann aber ziemlich schnell wieder erlischt. Was Starnone hier zeichnet ist frustrierend und verbittert aber eben auch nur all zu real. Die Realität ist eben kein Märchen mit Happy End. Und genau so wird diese Geschichte erzählt. Teilweise ist das zwar schon bewegend und oft sehr intensiv aber die Sympathie für die handelnden Personen fehlt. Diese Echtheit kann man loben aber man kann sie auch kritisch sehen. Natürlich, auf 170 Seiten wird hier eine Geschichte erzählt die auch mal unbequem sein kann aber trotzdem hätte ich mir einen Hauch Optimismus gewünscht.
Der letzte Teil hat mir dann am wenigsten gefallen. Hier wird von den Kindern erzählt und die Geschichte erhält so eine Art Abschluss. Aber auch dieser Teil war mir persönlich einfach nicht stimmig genug. Klar, Das verhalten einzelner Personen mag teilweise nachvollziehbar sein aber irgendwie weiß ich auch nicht. So richtig rund fühlt sich die Geschichte nicht an. Zu sehr denken die Figuren an sich und zu wenig gibt es einen Zusammenhalt, sowohl aus familiärer als aus erzählerischer Sicht. 
Für wen eignet sich also dieses Buch?  Ganz klar für Leute die mal etwas anderes lesen wollen. Die genug von 0815 Kitschgeschichten haben und die einen unverblümten Einblick in eine kaputte Familie erhalten wollen. 
Ich fand das Buch lesenswert aber im Großen und Ganzen war ich nicht so begeistert wie ich es mir erhofft hatte. 

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Angie*s avatar

Rezension zu "Auf immer verbunden" von Domenico Starnone

Trauriges Eheleben,,,
Angie*vor 5 Monaten

Rezension

INHALT:
Aldo, ein junger Journalist  und die junge Vanda heiraten 1962 in Neapel, bekommen zwei Kinder und sind anscheinend glücklich. Bis Aldo die junge, strahlende Lidia kennenlernt, Ehefrau und Kinder verlässt. Er zieht nach Rom, lässt sich aber nicht scheiden. Nach langen, bitteren Jahren für Vanda und ihre Kinder kehrt er reumütig zurück in den Schoss der Familie und übernimmt wieder Verantwortung für alle, finanziell und moralisch. Seine Beziehung zu Lidia führt er allerdings heimlich weiter. Wir begleiten das Drama dieser Ehe bis in das hohe Alter von Aldo und Vanda. Ein einschneidendes Erlebnis schockt das inzwischen gealterte Ehepaar und befreit  vor allem die Kinder  von den Sünden, Heimlichkeiten und Vorwürfen aus den vergangenen Lebensjahrzehnten ihrer Eltern.

MEINE MEINUNG:
Der italienische Autor hat in nur  einhundertsiebzig Seiten ein ganzes Familiendrama und Eheleben plastisch und bildhaft heraufbeschworen. In drei Teile hat er seinen Roman aufgegliedert und lässt jeweils Szenen aus dieser Eheverbindung, teilweise in Briefform, aus den Sichtweisen von Aldo, Vanda und den Kindern aufleben. 
Domenico Starnone schreibt ehrlich und schonungslos über das rücksichtslose Verhalten des Ehemannes, seiner Jagd nach dem Glück mit einer jüngeren Partnerin, seine inneren Zweifel an sich und seinem Verhalten und letztendlich auch über die Besinnung auf die Familie. Endlich auch in dem Bewusstsein und der Erkenntnis , welchen Schmerz und Enttäuschungen er sich, seiner Frau, seiner Geliebten und vor allem den Kindern angetan hat. 
Vanda's Verbitterung, die Sicht auf ihren Ehemann, auf sich selber und ihre Situation mit zwei kleinen Kindern, hat er ebenso aufrichtig, erschütternd und mitfühlend dargestellt. Die Charaktere und Verletzungen der Kinder  durch das Verhalten ihrer Eltern lernen wir erst im dritten Teil des Buches besser kennen und sie sorgen für eine Überraschung im emotionalem Bereich. 
Der  fesselnde Schreibstil fasziniert, hat mich nicht losgelassen und so bin ich schnell durch das Buch geflogen. 
Der Autor hat den Leser in alle menschlichen Höhen und Tiefen des familiären  Zusammenlebens mitgenommen und doch hat bei mir die 'Traurigkeit über so viel verpasstes *schönes* Familienleben, vor allem auch ehelicher Partnerschaft, die Oberhand gewonnen. Eine Ehe , in der ein Partner aus Schuldgefühlen das dominante, Racheverhalten seines Gefährten akzeptiert, nur um seine Ruhe zu haben , kann nicht lebenserfüllend  und reich sein. Der Autor hat klar und deutlich aufgezeigt, wie sich Charaktere und Verhalten der Menschen durch viele ungünstige  Lebensumstände beklemmend verändern können.
Eigentlich ein sehr trauriges Buch!

Meine Bewertung: VIER **** Sterne!

Vielen Dank an den Autor und das Bloggerportal für das ansprechend gebundene Rezensionsexemplar.


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Domenico Starnone wurde am 15. Februar 1943 in Saviano (Italien) geboren.

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