Dominik Bloh

 4.8 Sterne bei 4 Bewertungen

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Unter Palmen aus Stahl

Unter Palmen aus Stahl

 (4)
Erschienen am 24.11.2017

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Rezension zu "Unter Palmen aus Stahl" von Dominik Bloh

Direkt, klar, beeindruckend
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Direkt, klar, beeindruckend

Es sind die hochragenden Kräne, Masten, technischen Maschinen des Hamburger Hafens und anderer Orte der Millionenstadt, die jene „Palmen aus Stahl“ bieten, die dem Buch seinen Titel gegeben haben.

Anblicke, die Dominik Bloh jahrelang, unfreiwillig, „ganz unten“ und eher mit Verzweiflung denn mit romantischen Gefühlen betrachtet hat.

Aufgrund des schwierigen, harten, gewaltsamen, verstoßenden Elternhauses, der psychisch kranken Mutter werden Blohs Versuche, als Jugendlicher Fuß zu fassen, oft jäh und irgendwann dann ganz unterbrochen.

Der Fußballverein, der ihm Halt gab und einen Sport zudem, der auf Größeres hoffen hätte lassen können? Abgemeldet zugunsten der „Zeugen Jehovas“, durch die Mutter.

Die engen Freunde, die zwar einerseits als „krimineller Hintergrund“ sich entwickelten (mit Bloh durchaus an der Spitze), die aber auch inneren Halt gaben, plötzlich weg und Bloh selbst in die tiefste, bayerische Provinz verfrachtet. Hart, einerseits, dennoch aber, bei den Großeltern, eigentlich die beste Chance, die sich dem Jugendlichen bot.

Fast ein Segen, wäre die Großmutter nicht tödlich erkrankt. Was zu einer der vielen, zu Herzen gehenden Szenen im Buch führen wird, denn auch diese innige Verbindung wird durch die Mutter in den Tagen vor dem Tod der Großmutter massiv durchbrochen, der junge Dominik nach Hamburg geschickt, wo er nur aus der Ferne vom Tod der Großmutter erfährt.

Bis Bloh sang und klanglos, von jetzt auf gleich, von der Mutter herausgeworfen wird. Als noch Minderjähriger Obdachlos. Mit Folgen für Körper und Seele. In dieser Situation versucht Bloh, die Schule weiter zu besuchen, man ahnt es schon, nicht erfolgreich.

Im Park, auf Bänken, im Schrebergarten, Flaschen sammeln, zugige, kalte, harten Nächte, Anlaufpunkt für eine 1-Euro-Burger und ein paar Augenblicke Wärme der Macdonalds im Hamburger Hauptbahnhof.

Und eine Mutter, die auf Klingeln an der Tür nicht mehr reagiert und auf der Straße den Sohn ignoriert. Da braucht es kaum Fantasie beim Leser, um unmittelbar betroffen zu sein und zu wissen, was in einem Menschen dann vorgeht.

Schlicht und klar in der Sprache, direkt und emotional treffend erzählt Dominik Bloh sein Leben. Mitunter etwas abgerissen im roten Faden (was aus der abbruchreifen Wohnung wurde, in die er als volljähriger „eingewiesen“ wurde, verliert sich in der Lektüre unaufgelöst, die Nähe zu werden Größen des Rap und Hip-Hop zerfasert, ohne dass der Leser genau erfährt, wie sich das alles zerlaufen hat (was ja auch Chancen hätten sein können).

Hoffen und Bangen, Gute Vorsätze und Rückschläge, ein auf und ab des Lebens, das man in dieser Form in einer modernen und reichen Gesellschaft kaum für möglich halten würde. Vor allem, weil Bloh oft und oft von seinen „Amtserfahrungen“ zu berichten weiß, die selbst ihn, den „Willigen“ zutiefst entmutigt zurücklassen. Mit harten und schonungslosen Berichten für den Leser. Wenn da einer auf der Straße entlangkriecht, sichtbar angeschlagen, und Bloh der ist, der sich mitleidig kümmert, während die gut situierten Passanten eilige weiterhasten und den Blick abwenden.

Eine Zeit auf dem „Kiez“ und mittendrin unter den „harten Jungs“ und „leichten Mädchen“, Jobs im Wachdienst mitsamt dem Versuch, das Abitur irgendwie zu schaffen und sich tagsüber nach den Nachtschichten in der Schule wachzuhalten.

Bis hin zu jenen Ereignissen im Zuge der Flüchtlingskrise, die für Dominik Bloh nicht innerlich, aber äußerlich dann „Boden unter die Füße“ gegeben haben. Seine Chance bekommen, dass ist, was am Ende des Buches verleibt. Und das, passenderweise, durch Blohs empathische Hilfsbereitschaft und eben nicht durch Ämter oder „sich erstritten“.

Eine überaus empfehlenswerte Lektüre des Mannes mit dem „Ankerherz“ als Tattoo auf dem Oberkörper, der eindrücklich dem Leser vermittelt, was es eigentlich heißt, „auf der Platte“ zu sein, wie Mitmenschlichkeit eigentlich geht und wie beschämend es ist, was an „sich Abwenden“ jeden Tag geschieht.

„Viele schreckliche Dinge passieren, und wir können nichts daran ändern. Das ist schlimm. Schlimmer ist, dass wir viele Dinge passieren lassen…….Sie schauen weg, statt hin“.
Was sich ändern lassen könnte, auch durch die Lektüre dieses Buches.

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