Dominik Landwehr Mythos Enigma

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Inhaltsangabe zu „Mythos Enigma“ von Dominik Landwehr

Die Entschlüsselung der deutschen Chiffriermaschine »Enigma« durch die Briten gehört zu den bestgehüteten Geheimnissen des Zweiten Weltkrieges - erst 1974 wurde die Öffentlichkeit über die erfolgreichen Bemühungen informiert. Seither ist das Interesse an der »Enigma« bei Laien und Fachwelt ungebrochen. »Mythos Enigma« geht dieser Faszination in einer Feldstudie nach und nimmt die Spuren der Maschine nicht nur in Deutschland, England und in den USA, sondern auch in der Schweiz auf: Dass die geheimnisvolle Maschine aus Deutschland auch in diesem neutralen Land benutzt wurde, war bisher kaum bekannt. Die Motive von Wissenschaftlern, Sammlern und Zeitzeugen mögen unterschiedlich sein, ihre Bemühungen kommen aber auf eine geheimnisvolle Art am Schluss wieder zusammen. Ähnliches lässt sich von fiktionaler Literatur und Filmen sagen, die das Thema aufgreifen. Die Faszination von »Enigma« (lat. »Geheimnis«) ist eine Chiffre für unseren Umgang mit dem Geheimen.

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  • Rezension zu "Mythos Enigma" von Dominik Landwehr

    Mythos Enigma
    Buecherfrosch

    Buecherfrosch

    08. January 2009 um 14:15

    Die Enigma bleibt auch über sechzig Jahre nach der Entschlüsselung durch die Briten noch ein Rätsel. Nach vor liegt vieles rund um das Knacken der einst als undurchdringbar geltenden Verschlüsselung im Dunkeln. Zudem ist aber seit Mitte der 70-er Jahre ein Mythos rund um die Chiffriermaschine als auch rund um die Codeknacker von Bletchley Park und Room 40 entstanden, der bis heute anhält. Die Kryptologie hat seit dieser Zeit den Aufstieg zu einer Volksbeschäftigung sondergleichen erlebt. Und auch in der Wissenschaft hat sich die Beschäftigung mit Codes und Chiffren zunehmend vom militärisch dominierten gelöst und ist quasi in eine öffentliche Sphäre eingetreten, was sich zum Beispiel in der Gründung einer wissenschaftlichen Zeitschrift für Kryptologie manifestiert. Diesem Mythos spürt Dominik Landwehr, seines Zeichens Leiter des Bereichs „Science & Future“ bei der Kulturförderung der Migros, nach. Dass sich ein Schweizer mit einem Thema wie der Enigma beschäftigt mag auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsam erscheinen, lässt sich aber erklären durch die eidgenössischen Beziehungen zur Chiffriermaschine: zum einen hat die Schweiz selbst einige hundert der Chiffriermaschinen in Deutschland gekauft und auch im Feld eingesetzt, sowie die Maschine weiterentwickelt und in einer eigenen Variation, der Nema, betrieben. Zum anderen hat die Crypto AG, ein Unternehmen des Kryptologiepioniers Boris Hagelin aus Schweden Ihren Sitz in der Schweiz. Landwehr untersucht den Enigma-Mythos auf drei Ebenen: Zuerst will er die Geschichte der Enigma seit 1974 nachzeichnen. Danach geht er auf die verschiedenen Personen ein, welche sich mit der Enigma in irgendeiner Art beschäftig(t)en. Diese Gruppe umfasst eine Bandbreite von ehemaligen Codeknackern aus Bletchley Park bis zum Sammler von heute. Zum Schluss werden die Ergebnisse aus den ersten beiden Teilen im Licht von medialen Diskursen betrachtet. Dazu zählen neben den Erzeugnissen der Printmedien auch Darstellungen in Filmen und Ausstellung von Objekten in Museen bis hin zu den Re-Enactment Gruppen, die teilweise ganze Szenerien aus dem Zweiten Weltkrieg, inklusiver kompletter Uniformen und Geräte nachstellen. Allen drei Ebenen liegt nach dem Autor zu Grunde, dass sie in irgendeiner Weise zur Mythenbildung beigetragen haben. Der Narrativ, dass die Enigma ein Vorläufer unserer modernen Computer ist, erweist sich als ebenso problematisch wie jener von der Colossus Maschine – jenem Gerät das zur Entschlüsselung der Enigma Funksprüche verwendet wurde -, welche den Krieg entschieden haben oder doch mindestens um einige Monate wenn nicht gar ein Jahr verkürzt haben soll. Mit dieser Begründung wurden die Mitarbeiter von Bletchley Park zu strengster Geheimhaltung verpflichtet, ja gar teilweise voneinander isoliert. Dieses Schweigen hielt bis ins Jahr 1974 als ein ehemaliger Codebrecher mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit ging. Von da an lässt sich eine rapide Zunahme der Erzeugnisse rund um Enigma und Kryptologie nachweisen. Ebenso kann der Autor belegen, wie durch das portionenweise bekannt werden der Operation Ultra, die Mythenbildung um Enigma begann und bis heute seine Fortsetzung fand. Interessant ist aber auch noch eine zweite Ursache dass Ultra öffentlich bekannt wurde: Alan Turing und seine Homosexualität. Im Rahmen der Befreiung der Homosexuellen in den 70er Jahren wurde Turing quasi zu einer Ikone der Homosexuellen. Das hat auch seine Tätigkeit im Zweiten Weltkrieg, und insbesondere seine Rolle beim Brechen des Enigma-Codes wieder ins Rampenlicht gerückt. Dem Autor ist es gelungen, das dem Enigma Mythos zu Grunde liegenden Deutungsmuster von der quasi kämpfenden Maschine, welche dabei erst noch Menschenleben rettet, kritisch zu hinterfragen. Ohne die Leistungen der Männer und Frauen in Bletchley Park herabzusetzten, stellt sich in einem Krieg doch immer die Frage wer mehr zum Sieg beigetragen hat. Colossus hat gescheiten Köpfen viel Arbeit abgenommen, aber die Front verändert haben die Männer mit dem Gewehr in der Hand. Alle Ergebnissen von Colossus waren nur so gut wie sie an der Front umgesetzt werden konnten. Ganz zu schweigen von den menschlichen Opfern. Wer ein Buch über Kryptologiegeschichte erwartet oder einen historischen Abriss über Enigma liegt sicher falsch. Wer aber herausfinden will wie die Mechanismen der Mythologisierung im Umfeld von Technik, Wissenschaft und Militär funktionieren, findet in einer Zeit, in der Technologien in kriegerischen eine wichtige Rolle spielen und zu „Wundermitteln“ hochstilisiert werden, eine interessante und lehrreiche Lektüre.

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