Dominique Manotti Das schwarze Korps

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Inhaltsangabe zu „Das schwarze Korps“ von Dominique Manotti

Paris, Juni 1944 In der Normandie landen die ersten alliierten Truppen. Noch geht Paris an diesem sonnigen Frühsommertag ungerührt seinen Geschäften nach: Die französische Gestapo verhaftet einen amerikanischen Offizier. Vorm Büro ihres Chefs ­Deslauriers stehen Bittsteller aus Geschäfts- und Halbwelt Schlange. Am Abend hält die schöne Dora Belle, Filmschauspielerin und Geliebte eines SS-Hauptsturmführers, ihren Salon. Hier trifft sich die Führung von SS und Wehrmacht mit Vertretern von Industrie, Finanzwelt und Kultur: elegantes Dekor, ausgesuchte Delikatessen, Champagner, Sex. Inspecteur Domecq von der Sitte, Verbindungsmann des gaullistischen Widerstands, nutzt den Abend, um Witterung aufzunehmen. Denn nicht nur militärisch steht die entscheidende Schlacht bevor. In Erwartung der deutschen Niederlage müssen Besatzer und Kollaborateure ihren Besitz, ihre Reputation oder auch nur ihre nackte Haut retten. Manches lässt sich mit Geld regeln oder bei einem guten Tropfen. Aber bald fließt mehr Blut als Champagner …

noir, tres noir, superb grosses französisches kino.... sartres "im räderwerk" in das ende der deutschen bestzung von paris versetzt.

— Pashtun Valley Leader Commander
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  • Das schwarze Korps

    Das schwarze Korps

    SigiLovesBooks

    Dieser sehr politische Krimi (auch ein Histo-Krimi, wenn man so will) ist als ariadne-Kriminalroman in HC im Argument-Verlag, 2012 erschienen. Es gibt direkt zu Beginn eine sehr informative Anmerkung zum historischen Kontext der Autorin: Zeitlich umfasst der Krimi 4 Jahre (1940-1944) deutscher Besatzung und Nazidiktatur in Paris und macht diese "sichtbar" und literarisch "erfahrbar": V-Leute, Kollaborateure, französische Gestapo-Leute, einflussreiche Bankiers, reiche Industrielle, die sich u.a. in "Dora's Salon" die Klinke in die Hand geben und in vollem Schwelgen beladener Tische mit Köstlichkeiten, Sekt und Spezialitäten versehen, begehen ungestraft Verbrechen, morden, trinken, vergewaltigen - und führen das Leben wahrhafter "Bohemians" - und das zwischen 1940 und 1944! Aber auch die Résistance, diverse Widerstandsgruppen gegen das Naziregime kommen zum Zuge - als sich das Blatt endlich politisch wendet und die Alliierten an Boden gewinnen, sucht jeder der einstigen Deutschen-Freunde, sein (mitunter sehr beträchtliches) Scherflein noch rechtzeitig ins "Trockene" zu bringen... Ein sehr harter Kriminalroman, der detailgetreu beschreibt, welche menschlichen Normen und Werte der Krieg außer Kraft gesetzt hat und der den Leser mit einem bedrückenden Gefühl und entsetzt - durch die Authentizität, mit der Dominique Manotti diese Zeit durchstreift und offenlegt - entlässt ("wir haben das ja alles schon gewusst")... Sehr interessant fand ich die kurzen Zusammenfassungen vor jedem Kapitel bezüglich der Truppenbewegungen der Alliierten, der den Krimi immer wieder in die Kriegszeit einbindet... Der Stil Manotti's ist minimalistisch und teils stakkatoartig, jedoch von daher sehr zum Inhalt passend, dennoch musste ich mich an diesen gewöhnen: In einer sehr direkten Sprache, die die Brutalität in der Zeit des Schreckensregimes der Nazis auf den Punkt bringt und aufzeigt, dass es immer wieder Menschen geben wird, die - rechtzeitig zur anderen, "richtigen" Seite gewechselt - durchaus (Kriegs)-gewinner sind, ist dies ein absolut empfehlens- und lesenswerter Krimi von Dominique Manotti! Fazit: Ein Krimi, der beeindruckt, so dass es einem wahrhaft die Stimme verschlägt, erschütternd, beklommen machend - aber eben auch aufklärend, sehr gut recherchiert und fesselnd geschrieben: Absolute Leseempfehlung mit 5 Sternen und 96° auf der Krimi-Couch von mir!

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    • 5
  • Ein wichtiger Roman!

    Das schwarze Korps

    Duffy

    17. March 2014 um 09:47

    Manottis Romane werden in die "Noir"-Abteilung eingeordnet. Sie wird auch ins Genre "Krimi" sortiert und man darf seine Zweifel haben, ob das immer zutreffend ist. "Das schwarze Korps" jedenfalls ist ein lupenreiner Roman, der in den letzten drei Monaten der Pariser Besetzung von 1944 spielt. Die Herangehensweise an den eigentlichen Kern des Romans, eine schonungslose und brutale Offenlegung der Zustände, erfolgt von mehreren Seiten. Von der deutschen Geheimpolizei und deren französischer Filiale, vom Widerstand, von den Profiteuren, die sich im Krieg bedient haben und auch danach wieder gut da standen. Von Kleinkriminellen bis zu Großindustriellen, alle irgendwie miteinander verzahnt. Eingebettet in die unsagbare Brutalität des sinnlosen Mordens, der niedrigen Wertigkeit menschlichen Lebens in diesen Tagen, der Gier, der Wollust und des Egoismus. Die Protagonisten begleiten den Wahnsinn der letzten Wochen dieses irren Krieges, handeln irrational und von primitiven Bedürfnissen geleitet. Das Szenario ist beklemmend und bedrückend. Mit ihrem kurzen und prägnanten Schreibstil schießt die Manotti ihre literarischen Pfeile ab, die den Leser immer wieder empfindlich treffen. Ein Roman, der sich offen und ohne Beschönigung oder Weglassen mit den größten und irrationalsten Verbrechen einer Gesellschaft beschäftigt, deren menschliche Instinkte am Ende vollkommen ausgeschaltet sind. Lektüre, auf die man sich einlassen muss, um sie in voller Konsequenz nachvollziehen zu können. Das ist nicht leicht, doch nur unter dieser Voraussetzung lässt sich dieses Buch wirklich erfassen. Und dessen Hintergründe. Ein wichtiger Roman.

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  • Rezension zu "Das schwarze Korps" von Dominique Manotti

    Das schwarze Korps

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    13. November 2012 um 11:55

    In ihrem Buch "Das schwarze Korps" nimmt uns Dominique Manotti mit in die letzten Wochen von Paris unter deutscher Herrschaft: Sie steigt ein am 6. Juni 1944, dem Tag, an dem die Alliierten in der Normandie landeten. Was ausgehend von der Landung an den beiden Fronten in Frankreich und Russland geschieht, erzählt jeweils ein kurzer Abschnitt mit Fakten, der jedem datierten Tag im Roman vorausgeht. In den folgenden zehn Wochen bis zur Befreiung von Paris verfolgt Manotti das Tagesgeschehen, das zu einem tückischen Kampf um die beste Ausgangsposition nach der Niederlage der Deutschen ausartet. Denn dass die Deutschen verlieren werden, scheint den Parisern immer klarer. Wer kann, verschachert teure Weine oder Waggonladungen mit Kaffee und versucht, so viel wie möglich in ein neues, befreites Leben hineinzuretten. Und ausreichend Geld ist dabei eben das wichtigste Startkapital. Hinter den Kulissen wechseln möglichst viele von den Franzosen, die sich in den vorigen Jahren gut unter deutscher Herrschaft eingerichtet hatten, zur anderen Seite - lebend und ohne Verluste, so ihr Ziel. Die Amerikaner suchen Verbündete für den Neuaufbau und brauchen Sponsoren unter den Industriellen. Die Deutschen raffen zusammen, was sie kriegen können und hauen ab. Die Franzosen, die mit der deutschen Regierung nie viel anfangen konnten, werden mutiger und wehren sich zunehmend gegen Übergriffe. Eine chaotische und gefähriche Zeit, in der sich jeder herausnimmt, was opportun ist. Verrat, Diebstahl und Mord inklusive. Lichtblick in dieser unbarmherzigen Szenerie ist Domecq, ein junger Polizist bei der Sitte, der für Charles de Gaulle als Informant arbeitet. Er knüpft Kontakt zu Dora Belle, um in deren Salon Neuigkeiten und Vorhaben aufzuspüren, immer mit dem Risiko, enttarnt zu werden oder falsche Kontakte zu knüpfen. Denn Domecq merkt bald, dass nicht wenige an zwei Seiten informieren, um ihr Überleben zu sichern. Die für ihn verwirrenden Verhältnisse sind es mitunter auch für den Leser, der in demselben Tempo mitdenken muss, um mit Domecq am Ball zu bleiben. Manotti erzählt nüchtern, oft stichwortartig. Schrecken und Gewalt wirken durch diese unsentimentale Sprache doppelt, zumal in vielen Szenen sehr deutlich wird, wie sehr der Umgang mit Gewalt die Menschen abstumpfen lässt. Manotti vergisst nicht, nebenbei auf die Mechanismen der Macht hinzuweisen: "Er war durch Zufall in die Rue de la Pompe gekommen, ein lustiger hilfsbereiter Geselle, ihm gefiel die kameradschaftliche Atmosphäre, die viele Kohle, das neue und wohlige Gefühl, völlig ungestraft über den anderen zu stehen. Man gewöhnt sich schnell ans Töten." "Das schwarze Korps" ist eine spannende Geschichtsstunde, die historische Fakten zum Leben erweckt und die, speziell für deutsche Leser, eine andere Perspektive auf das Leben bis 1945 öffnet.

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  • Rezension zu "Das schwarze Korps" von Dominique Manotti

    Das schwarze Korps

    Phil Decker

    29. October 2012 um 10:53

    Wollte schon immer mal ein Buch dieser für ihre politisch und sozialkritischen Bücher bekannten Autorin erwerben. Dieser sollte ein Anfang sein und beschreibt die Zeit Juni - August 1944 in Paris und das Zusammenwirken zwischen Kollaborateuren und Besatzern. Die Zeitgeschichte drumherum mit dem vor jedem Abschnitt gestellten Stand des Vorrücken der Allierten war für sich schon sehr interessant. Das Geschehen im Roman war eher zweitrangig und für deutsche Leser auch nicht gemacht. Hole mir aber noch eines von ihr, um sie besser einschätzen zu können.

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