Dominique Manotti Einschlägig bekannt

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Inhaltsangabe zu „Einschlägig bekannt“ von Dominique Manotti

'Trophee 813' für den besten französischen Kriminalroman 2010: Null Toleranz für den 'Pöbel' der Vorstädte lautet die Direktive des Innenministers. Markige Worte angesichts seiner geplanten Präsidentschaftskandidatur. Jetzt müssen Beweise her, dass die Kriminalitätsrate tatsächlich sinkt. Kommissarin Le Muir, Leiterin eines Bezirkskommissariats der Pariser Banlieue, sieht ihre Chance: Was der Politik des Ministers dient, dient unmittelbar auch ihrer Karriere. Zum Glück finden ihre Truppen reichlich Anlass, die staatliche Autorität mit gebotener Härte unter Beweis zu stellen. Manipulation von Statistiken, Einschüchterung der migrantischen Bevölkerung, brutale Übergriffe – das ist Dynamit in der von Angst und Hass geschwängerten Atmosphäre. Eine 'Säuberung mit Hochdruck', wie sie der Innenminister lautstark fordert, bahnt den Weg für Gentrifizierung und Immobilienspekulation. Nur die von Illegalen besetzten Häuser bilden einen Schandfleck … Noria Ghozali, inzwischen ranghohe Ermittlerin beim Zentralen Nachrichtendienst, beobachtet mit wachsendem Misstrauen das Treiben von Starkommissarin Le Muir und ihren Truppen. Insbesondere die Kontakte, die gewisse Polizisten und gewisse Großkriminelle knüpfen, wecken ihren Argwohn. Und plötzlich stehen die besetzten Häuser in Flammen. Zwischen Politiker-Kalkül und überforderten Polizeikräften inszeniert Dominique Manotti den urbanen Sprengstoff unserer Zeit.

Überzeugender, harter Krimi, der einen unbarmherzigen Blick auf politische und soziale Fehlentwicklungen wirft.

— Gulan
Gulan

Rasant und ungewöhnlich geschrieben. Außergewöhnliches Thema. Dennoch war ich nicht so recht gefesselt.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Ordnungshüter?

    Einschlägig bekannt
    SwissCouchPotato

    SwissCouchPotato

    14. July 2017 um 14:06

    Die Polizei, dein Freund und Helfer? Nicht wirklich, wenn du in der fiktiven Pariser Banlieue Panteuil lebst und dazu noch Afrikaner oder Roma bist. Im Bericht steht dann vielleicht, bei einer normalen Ausweiskontrolle seien die zu kontrollierenden Personen plötzlich auf die nichtsahnenden Polizisten losgegangen, tatsächlich sind letztere eine Truppe rassistischer Brutalos, die leitende Kommissa-rin ist mit der Optimierung ihrer Karriere beschäftigt; da müssen dann natürlich auch die Statistiken des Kommissariats leicht angepasst werden. Direkt, schnell und nüchtern erzählt, macht dieser Roman entweder zynisch oder wütend, und man kann nur hoffen, dass er nicht allzu realistisch ist.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Hoffnungslosigkeit und Gewalt

    Einschlägig bekannt
    Ginkgo

    Ginkgo

    19. September 2016 um 17:12

    In dem fiktiven Banlieu von Paris, das Dominique Manotti in ihrem Roman beschreibt, gilt das Recht des Stärkeren. Die Polizei fungiert nicht als Ordnungshüter sondern mischt bei diversen illegalen Aktivitäten kräftig mit. Die beiden jungen Polizisten, die in diesem Revier ihren ersten Job antreten, sind entsetzt und sehr schnell desillusioniert. Die Dienstaufsicht ist überfordert. Mit einem normalen Krimi hat dieses Buch nichts zu tun. Es ist ein rasanter, brutaler und düsterer Roman über die sozialen Probleme rund um Paris, in dem am Ende wenig überraschend die Bösen gewinnen und die Schwachen auf der Strecke bleiben. Über 5 Jahre ist das Buch jetzt alt und wir wissen inzwischen auch, wie die Geschichte im Grunde weiter geht. Trotz der ausgezeichneten Qualität mag ich das Buch nicht jedem empfehlen. Es ist keine nette Unterhaltung und bietet keine Lösungsansätze, taugt also nicht zur Erbauung oder Ermutigung. Wer eine Illustration vom Versagen von Politik und Rechtstaatlichkeit sucht, bekommt sie auf hohem Niveau. Für eine Leserunde mit politisch interessierten Teilnehmern eignet sich das Buch ausgezeichnet.

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  • Tolérance zéro.

    Einschlägig bekannt
    Gulan

    Gulan

    „Noch mal ganz von vorn, wie viele Vertreter der Staatsgewalt waren an dem Einsatz beteiligt?“ Die Antwort kommt von Genêt, er hat schon mehrmals nachgerechnet. 32 Polizisten waren auf dem Vorplatz. Viele für ein Handy, von dem zu allem Überfluss nicht einmal sicher ist, dass es gestohlen wurde. „Kam es zu Tätlichkeiten gegen diese Polizisten?“ Betretenes Schweigen. Beschimpfungen ja, viele. Aber keine Tätlichkeiten, nicht im eigentlichen Sinne. Verletzte auf Polizeiseite gab es nur durch die Tränengasgranaten der Kollegen. Paturel ist schwer verletzt, sieben andere Polizisten leicht. Der Lieutenant überlegt einen Moment. „Und darf man erfahren, warum ihr all diese Frauen festgenommen habt?“ Marty, der knapp Davongekommene, versucht eine Erklärung. „Weil sie Handschellen trugen.“ „Und warum trugen sie Handschellen?“ „Um die Lage zu stabilisieren.“ Schweigen. „Verstehen Sie, alles war voller Leute, wohin man auch sah, starker Tränengasbeschuss, sehr wenige Uniformierte, man wusste nicht, wer Angreifer und wer Kollege war. Dadurch, dass wir denen, die keine Polizisten waren, Handschellen angelegt haben, hatten wir einen besseren Überblick.“ In diesem Moment ist dem ganzen Kommissariat klar: Wir haben Scheiße gebaut, und zwar richtig. (S.78-79) Eine Pariser Vorstadt, die berühmt-berüchtigten Banlieues: Eine trostlose Schlafstadt mit den üblichen architektonischen Todsünden. Wohnblocks, besetzte Häuser, Gewerbegebiete mit Straßenstrich, schwelende Konflikte, hohe Kriminalität. Hier liegt einiges im Argen. Das trifft auch auf das örtliche Kommissariat zu. Die junge Chefin Le Muir ist eine Hoffnungsträgerin des Innenministers und fährt dessen „Null-Toleranz-Strategie“. Dabei kommen jedoch buchstäblich einige unter die Räder. Auch die unteren Dienstgrade machen sich den neuen Kurs zu eigen und nutzen diesen für eigene Zwecke. Spezialermittlerin Noria Ghozali nimmt das Kommissariat ins Visier. Autorin Dominique Manotti ist so etwas wie die Grande Dame des französischen Krimi noir. Manotti, bürgerlich Marie-Noëlle Thibault, ist Historikerin, war vor ihrer späten Karriere als Schriftstellerin Lehrerin und Gewerkschafterin. Und wer ihre Krimis liest, der merkt schnell: Ihr Herz schlägt links. Ihre Krimis sind durchweg politisch und sozialkritisch. „Einschlägig bekannt“ ist ein waschechter Polizeikrimi, hart, schnell, auf den Punkt gebracht. In der Tradition amerikanischer Polizeiromane begleitet sie viele unterschiedliche Personen des Kommissariats durch den Roman. Dabei kommt es zu einem Wiedersehen mit Noria Ghozali. Diese hat als junge, zornige Kommissarin mit ihrer Entschlossenheit und ihrem Ehrgeiz im Roman „Roter Glamour“ den eiskalten, machtgierigen Präsidentenberater Bornand zur Strecke gebracht. Nun ist sie zwanzig Jahre später im Polizeiapparat aufgestiegen. Ghozali beeindruckt immer noch durch ihre hohe moralische Integrität, doch sie kämpft diesmal einen schweren Kampf, denn in Pantueil ist nahezu das ganze Kommissariat abgestumpft, zynisch, moralisch korrumpiert oder selbst kriminell. Blutjunge Neulinge werden schnell verheizt und ihnen die Flausen ausgetrieben. Anzeigen werden zur Statistikverbesserung gar nicht erst aufgenommen. Straftaten der Kollegen werden gedeckt, auf die Polizeigewerkschaft ist auch Verlass. Und wenn die Öffentlichkeit doch aufmerksam wird, wird die alte Taktik verfolgt: „Das Kommissariat von Pantueil gründlich ausmisten, um alle Spekulationen im Keim zu ersticken, bei den kleinen Fischen schnell und hart durchgreifen und dafür sorgen, dass die oberen Etagen unbeschadet bleiben, das ist das A und O. Dann warten wir ab, bis die Aufregung sich legt, und ihr werdet sehen, das tut sie. Schneller als ihr denkt.“ (S.223) Der Ort Pantueil ist fiktiv, doch natürlich hat die Geschichte einen wahren Hintergrund. Der Innenminister kommt im Roman selbst nicht vor, doch seine politischen Parolen von „Null Toleranz“ und „Säuberung mit Hochdruck“ fallen bei einigen auf fruchtbaren Boden und bei der Polizei in Pantueil führt dies zu einer Atmosphäre von Überforderung, Rechtsbeugung, Polizeiwillkür und Polizeigewalt. Nicht schwer zu erraten, welcher Innenminister und spätere Präsident hier gemeint ist. Nicolas Sarkozys Satz vom „Abschaum“, den man „wegkärchern“ müsse, haben sicherlich noch einige im Hinterkopf. Der Roman spielt im Sommer 2005 und ist als eine Art Prolog zu verstehen, der Hinweise und Begründungen liefert, warum es im November 2005 dann zu den gewalttätigen Unruhen in Frankreich kam, die sich von der Pariser Banlieue auf die grauen Vorstädte im ganzen Land ausweiteten. Wieder einmal ein überzeugender, harter Krimi von Dominique Manotti, die einen unbarmherzigen Blick auf die politischen und sozialen Fehlentwicklungen der Grande Nation (und nicht nur dort) wirft.

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  • Rezension zu "Einschlägig bekannt" von Dominique Manotti

    Einschlägig bekannt
    Duffy

    Duffy

    21. August 2012 um 17:58

    Panteuil, ein Vorort von Paris, ist das, was man einen sozialen Brennpunkt nennt. Das dortige Kommissariat mit seinen Mitarbeitern spielt die Hauptrolle, dabei treffen Neulinge im Polizeidienst auf die Altgedienten und deren lange manifestierte Art, mit den Leuten in ihrem Viertel umzugehen. Dass es zu Gewalt, Korruption und Kriminalität auch unter den Polizeibeamten kommt, ist nicht verwunderlich. Nun sorgt eine Direktive von oben für Aufregung, es soll eine "Säuberung mit Hochdruck" in dem Viertel vorgenommen werden. Profilieren will sich in erster Linie die Chefin des ganzen, sie hat aber eine Gegenspielerin, eine Ermittlerin aus Paris mit besonderen Aufgaben. Natürlich sind auch handfeste wirtschaftliche Interessen im Spiel. Die Betroffenen sind der Bodensatz einer ignoranten Gesellschaft. Ja, trotz der harten Realitätsbezüge ist dies ein Thriller, aber einer, der eng an der Wahrheit ist. Manotti schreibt angemessen, sie verzichtet auf die unglaubwürdige Thrillersprache, sie verzichtet überhaupt auf die üblichen reißerischen Abläufe, sie schreibt in einem nüchternen, fast schon dokumentarischen Stil über die Unglaublichkeiten, die dort stattfinden. Das ist eine große Leistung, denn die Spannung wird praktisch von den Fakten erzeugt und bis zum Ende wächst die Betroffenheit. Näher kann Fiktion nicht an Realität herankommen. Hervorragend.

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  • Rezension zu "Einschlägig bekannt" von Dominique Manotti

    Einschlägig bekannt
    RiaKlug

    RiaKlug

    13. January 2012 um 15:43

    Dominique Manotti hat mit diesem Buch eine Art verstörende Reportage über die Polizeiarbeit in den Banlieues von Paris verfasst. Bei der Lektüre kann man schnell vegessen, dass es sich nur um einen Roman, eine Fiktion handelt. Die Schilderung wirkt so plastisch und überzeugend, dass man sich leicht vorstellen kann, die Polizei ist tatsächlich mit rechtsradikalen, korrupten, desinteressierten Personen durchsetzt, für die das Recht, ausgeübt und gebeugt von willfährigen Staatsanwälten, Richtern und Ministerialbeamten, hauptsächlich zum Schutz ihrer Aktivitäten dient. Für die Unterpriviligierten dagegen stellt es eine stete Bedrohung dar. Manotti gelingt es, trotz der straffen Erzählweise und der Konzentration auf das Wesentliche, mit groben Strichen den Figuren Tiefe zu verleihen und Atmosphäre zu schaffen.

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  • Rezension zu "Einschlägig bekannt" von Dominique Manotti

    Einschlägig bekannt
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    03. January 2012 um 19:13

    "Einschlägig bekannt" von Dominique Manotti wurde 2010 mit der "Trophee 813" als bester französischer Kriminalroman ausgezeichnet, und diese Auszeichnung ist wahrlich verdient. In ihrer bewährt realistischen, fast schon dokumentarisch zu nennenden Schreibweise, prangert die Autorin das Verhalten der Polizeikräfte ihres Vaterlandes gegenüber den Migranten in der Pariser Banlieu an, die mit extremer Gewalt und oft auch mit nicht legalen Mitteln die Vorgaben der Politik und ihrer Vorgesetzten erfüllen. Skrupel kennen offensichtlich nur die Berufsanfänger in den Polizeirevieren und die schon aus den Vorgängerbänden bekannte, moralisch absolut integere Noria Ghozali, die mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln der korrupten Kommissarin Le Muir (Nomen est Omen) das Handwerk legen will. Nicht nur die Luft brennt in der Banlieu, und manchmal kann man fast nicht glauben, was Manotti beschreibt. Sie ist eine Chronistin des französischen Alltags jenseits von Eiffelturm und Champs Élysées und macht ihre Leser sensibel für die faulen Stellen der Grand Nation. Denn auch in Frankreich hat die Wirklichkeit die Fiktion schon längst eingeholt!

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  • Rezension zu "Einschlägig bekannt" von Dominique Manotti

    Einschlägig bekannt
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    31. August 2011 um 12:07

    Paris 2005, kurz bevor die Banlieus in Flammen aufgehen. Im Vorort Panteuil fährt die Polizei einen harten Kurs, um die Konflikte mit den Einwanderern bereits im Keim zu ersticken. Zwischen Stadtautobahn, Brachland, trostlosen Bauten versuchen illegale Einwanderer ebenso wie die ungeliebten Franzosen, gebürtig meist aus dem Maghreb, ihren Weg zu finden. Die Geduld mit ihnen ist mickrig und man versucht, möglichst wenig Arbeit mit ihnen zu haben. Was zu einer ungeahnten und - wie sich herausstellt - gefährlichen Kreativität bei der Wahl der Mittel seitens der Polizei führt. Weil die Polizisten nicht ganz sauber arbeiten, soll Noria Ghozali ein Auge auf das Revier haben und Schlimmeres verhindern. Meine erste Begegnung mit Dominique Manotti in Roter Glamour habe ich euphorisch abgeschlossen und infolgedessen war die Erwartungshaltung an das folgende Buch recht hoch - zumal es wieder ein Krimi war, in dem Noria Ghozali ihre Nase in den Dreck anderer Leute stecken durfte. Doch ich stelle fest, dass ich auch dieses Mal die Lektüre wieder schwer begeistert abgeschlossen habe. Manotti gelingt es wieder, die Realität so aufzuarbeiten, dass sie spannend wird, dass sie mich wütend machen kann, dass sie mich am System zweifeln lässt. Nicht umsonst stellt sie ihrem Roman ein Zitat aus der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte voran: "Die Gewährleistung der Menschen- und Bürgerrechte erfordert eine öffentliche Gewalt; diese Gewalt ist also zum Vorteil aller eingesetzt und nicht zum besonderen Nutzen derer, denen sie anvertraut ist." Dass man daran erinnern muss, dürfte beim Leser recht schnell schlimme Ahnungen desen hervorrufen, was man später schwarz auf weiß über die Praxis im französischen Polizeialltag liest. Die literarische Analyse liefert eine beklemmende Erklärung für die reale Eskalation, die wenige Wochen nach der Handlung im Buch in ganz Frankreich ausbrach. Schnell lernt man, dass die Polizei bei Verbrechern noch zwischen Kriminellen erster und zweiter Klasse unterscheidet. Gerade in den Banlieus scheinen sich rechtsextreme Gesinnungen ungesund zu häufen. Und ein ganz probates Mittel, um die Verbrechensrate zu senken, ist beispielsweise, einfach von Anzeigen abzuraten. Macht eine weniger und der Vorort sieht auf dem Papier schon etwas ruhiger aus. Die hartnäckige, engagierte Polizeiarbeit, die man gerne hätte und für die man Steuern bezahlt, hat mit der in Panteuil so viel zu tun, wie ein drei Wochen altes Baguette mit der Haute Cuisine auf dem Champs Elysées. Mit Noria Ghazoli und Le Muir treffen auch zwei Frauen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können. Wie Norias Ex-Chef Macquart anmerkt, beobachtet er das Fernduell zweier intelligenter Frauen, die niemals locker lassen und die sich hassen, noch bevor sie sich kennen. Letztlich kämpfen zwei Ideologien gegeneinander und mir gefällt, dass der Kampf nicht wirklich entschieden wird. Etwas anderes passt weder zur Wirklichkeit noch zu Manotti.

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