Schwarzes Gold

von Dominique Manotti 
4,3 Sterne bei7 Bewertungen
Schwarzes Gold
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Ein komplexes Lesevergnügen, wirtschaftspolitisch brisant, literarisch kurz und prägnant. Ein Manotti eben. Unbedingt lesen!

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Marseille: Erdöl, Rohstoffhändler, eine neue French Connection - Manotti in Höchstform

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Inhaltsangabe zu "Schwarzes Gold"

März 1973: Nach der Auflösung der French Connection tobt in Marseille ein blutiger Bandenkrieg um die Nachfolge von Mafiaboss Antoine Guérini. In dieser aufgeheizten Atmosphäre wird der dynamische Geschäftsmann Maxime Piéri vor dem Casino von Nizza mit zehn Kugeln hingerichtet. Der Held der Résistance, vormals rechte Hand der Guérini-Brüder und dann zum Frachtreeder konvertiert, scheint seiner Mafiavergangenheit erlegen zu sein. So jedenfalls die bevorzugte Version von Polizei und Justiz, wo man an einer echten Untersuchung nicht interessiert ist.
Mit dem Fall betraut wird der unerfahrene Commissaire Théodore Daquin, der in Marseille seinen ersten Posten antritt. Er stößt auf dubiose Aktivitäten von Piéris Frachtern im Mittelmeer, die offenbar nicht nur Erz und Getreide transportieren. Und in Zusammenarbeit mit einem anonymen Partner schien der Reeder sich soeben für den Einstieg in ein heiß umkämpftes neues Geschäftsfeld zu rüsten.
Daquin bleiben genau fünfzehn Tage, die ihm im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens für seine Ermittlung zustehen, um sich in das Labyrinth der lokalen Geheimnisse, des Seefrachtgeschäfts und der internationalen Finanzkreisläufe einzuarbeiten. Eine Herkulesaufgabe im Angesicht einer undurchsich­tigen Gemengelage und einer ihm fremden, bedrohlichen Stadt.

In ihrem neusten Roman (Orig. Gallimard 2015) schickt Dominique Manotti ihren Protagonisten Théo Daquin in seine Vergangenheit – in eine ­Affäre, die nicht nur sämtliche unterirdischen Netzwerke von Marseille und Nizza umfasst, sondern vor allem die obskure Welt des Erdölhandels. Meisterhaft gestaltet die Wirtschaftshistorikerin das gigantische ökonomische und geopolitische Fresko einer hoch­komplexen Epoche, die bereits das Gesicht des 21. Jahrhunderts erahnen lässt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783867542135
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:Argument Verlag mit Ariadne
Erscheinungsdatum:22.08.2016

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    DunklesSchafs avatar
    DunklesSchafvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein komplexes Lesevergnügen, wirtschaftspolitisch brisant, literarisch kurz und prägnant. Ein Manotti eben. Unbedingt lesen!
    15 Tage: Schwarzes Gold - Dominique Manotti

    „Die Enkelin eines südafrikanischen Milliardärs spielt mit einem alten Waffenschmuggler im Casino, vergewaltigt ihren Cousin, der ein Krieger ist und sich zu verteidigen wissen sollte, und verkauft einen zerrissenen Bettüberwurf für dreitausend Dollar an einen Freund der Familie. Ich komme da nicht mit.“ (S. 229)

    Ich komme da auch nicht mit.
    Dominique Manotti habe ich zum ersten Mal in „Ausbruch“ erlebt und fand das Buch grandios, als nächstes lief mir „Abpfiff“ über den Weg und trotz des für mich überhaupt nicht interessanten Themas Fussball, konnte mich die Grande Dame des Roman noir wieder für sich gewinnen. Nun also „Schwarzes Gold“, ein Krimi über Erdöl. Naaa, auch das Thema lockt mich jetzt nicht hinter dem Berg hervor, aber es ist eben ein Manotti. Da muss man schon mal vorab Freudensprünge machen, die man dann während und nach der Lektüre fortsetzt. Denn Manotti hat es wieder geschafft. Sie hat mir ein für mich völlig uninteressantes Thema in ihrem prägnant knappen Stil und mit einem jungen Daquin nicht nur näher gebracht, sondern so komplex und durchdringend erzählt, dass es mich jetzt noch erfreut zittern lässt.
    Ich komme da nicht mit. Wie schafft sie das nur?

    Commissaire Daquin ermittelt in seinem ersten Mordfall im Marseille: in Nizza wurde der bekannte Marseiller Geschäftsmann Maxim Pieri vor dem Casinoeingang mit zehn Kugeln niedergestreckt. In der Vergangenheit sagte man Pieri Kontakte zur Unterwelt nach und so vermutet die Staatsanwaltschaft eine Abrechnung. Doch zwei Tage später wird Pieris Stellvertreter erschossen und auch der Kapitän eines Frachters der Somar, Pieris Frachtunternehmen, stirbt kurz darauf. Daquin glaubt nicht an eine alte Abrechnung und beginnt in Pieris Privatleben, aber besonders in seinem Geschäftsleben zu schnüffeln. Doch Daquin, gemeinsam mit zwei ortsansässigen Ermittlern, bleiben nur 15 Tage Zeit, um das Rätsel zu lösen, da die Staatsanwaltschaft den Fall zu den Akten schieben will und ein Schnellverfahren eröffnet hat.

    Commissaire Daquin ist mir schon aus „Abpfiff“ bekannt, auch zwei weitere Krimis mit ihm sind schon erschienen. Die Besonderheit diesmal ist, dass wir uns Anfang der 70er Jahre befinden und Daquin in Marseille seinen ersten Posten, nach Studium, Polizeihochschule und einem Jahr in Beirut, antritt. Die Stadt ist ihm fremd, nicht nur unter den Kollegen ist es ein Geklüngel, es scheint, als Fremder ist es ihm nicht möglich, in die Strukturen der Stadt einzutauchen. Grimbert und Delmas, die beiden ihm zugeordneten Marseiller Polizisten, beäugen ihn kritisch und er sie, doch letztendlich knobeln sie alle an dem Fall und keiner glaubt an die einfache Lösung des Staatsanwalts. Daquins Scharfsinn ist auch in jungen Jahren schon vorhanden, nur die Unkenntnis der Staat, der Verbrecher, die hier leben, die Art der Leute, behindern ihn solange, bis er Grimbert und Delmas vertrauen kann.

    1973 – die French Connection wurde gerade zerschlagen, die erste Ölkrise kündigt sich an. Noch haben die „Sieben Schwestern“ die Macht über den Ölpreis, doch OPEC positioniert sich. Natürlich gibt es auch Klüngeleien nebenbei, jeder versucht ein Stückchen vom „Schwarzen Gold“ für sich zu sichern. Ein Firmengeflecht, welches ein amerikanischer Geschäftsmann aufgebaut hat, scheint undurchdringlich. Er jongliert mit Ländern und Geldern, die er nicht hat, er spekuliert und schachert. Wenn da mal der ein oder andere nicht hineinpasst, wird sich um das Problem schon gekümmert. Beim Geschäft mit dem Öl winken Millionen, ach was, Milliarden.
    Ausgeklügelt und verschlungen sind die Pfade, die Manotti hier einbaut, mit Wissen und Geschichte der Wirtschaft und des Verbrechens der 70er gefüllt. Ein Verwirrspiel über südafrikanische Minen, Schweizer Banken und iranische Scheichs, im Zentrum Marseille und eine schöne Frau. Wissen und Geschichte, noir verpackt. Bitte mehr davon!

    Fazit:
    Ein komplexes Lesevergnügen, wirtschaftspolitisch brisant, literarisch kurz und prägnant. Ein Manotti eben. Unbedingt lesen!

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    Gulans avatar
    Gulanvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Marseille: Erdöl, Rohstoffhändler, eine neue French Connection - Manotti in Höchstform
    Eine neue French Connection.

    Daquin streckt die Beine aus, schließt die Augen. Zampa, das Erbe der Guérinis, Pieris Ermordung, Nizza, Casino im Palais de la Méditerranée. Kein Zufall. Aber welcher Zusammenhang? Er seufzt.
    „Marseille ist eine furchterregende Stadt. Alle kenne sich, alle überwachen einander, nichts bleibt verborgen und nichts kommt ans Licht.“
    „Ich sag's mal anders: Es ist eine bemerkenswerte Stadt, was die Dichte des Geflechts ihrer sozialen Beziehungen angeht.“ (S. 66)

    Commissaire Duquin kommt gerade frisch im Kommissariat in Marseille zu seiner ersten richtigen Stelle an, als ihm der Mord am Reeder Pieri zugeteilt wird. Pieri wurde vor einem Casino in Nizza professionell hingerichtet. Der Tote war vorher eine Zeit lang auch für den ehemaligen Unterweltkönig Guérini tätig und ist nun Geschäftsführer der Somar, einer erfolgreichen Reederei. Die Tat riecht nach einer alten Abrechnung im Milieu und doch ist Duquin davon nicht überzeugt. Kurz darauf wird auch die Nummer Zwei bei Somar ermordet und in Istanbul stirbt der Kapitän eines Somar-Frachters auf merkwürdige Weise. Fünfzehn Tage haben Duquin und sein Team Zeit, eine Anklage auf die Beine zu stellen, sonst wird der Fall als Mord im Milieu zu den Akten gelegt.

    Duquin (den Manotti bereits in ihren frühen Romanen benutzt hat) hat zwei Anhaltspunkte: Wie hat Pieris Firma Somar diesen enormen Höhenflug hingelegt und das bei der allgemeinen Marseiller Rezession? Und welche Rolle spielt der Rohstofftrader Michael Frickx, dessen Frau Emily Begleitung von Pieri bei dessen Ermordung war und der beim Mord an Pieris Stellvertreter Simon am Flughafen Nizza kurz zuvor dort gelandet war? Duquin hat zudem als Neuankömmling in Marseille einige Schwierigkeiten, sich in diesem Moloch und den undurchsichtigen Netzwerken aus Amtsträgern, Polizei, Geschäfts- und Unterwelt zurechtfinden. Hinzu kommt, dass er seine Homosexualität in dieser Stadt der Machos nicht offen ausleben kann.

    „In der Unternehmenswelt gibt es nur ein einziges unumstößliches Gesetz: Geld zu verdienen. Die durch die Gesetzgebung gezogenen Grenzen sind sehr viel vager. Sie variieren je nach Land, je nachdem, welche Mehrheit an der Macht ist. Das Risiko, das man bei ihrer Übertretung eingeht, wird kalkuliert wie jedes andere Geschäftsrisiko, nicht mehr und nicht weniger. Und die Entscheidung, sie zu übertreten oder nicht, hängt von dieser Kalkulation ab, nicht von moralischen Prinzipien. Dabei kann man sich vertun, aber das ist dann ein Rechenfehler, keine moralische Verfehlung.“ (S.129-130)

    Da habe ich gerade meine Ambler-Lesezeit hinter mir und die geballte Ladung Kapitalismuskritik abbekommen und wer läuft mir da über den Weg? Dominique Manotti. Die Französin ist zwar ungekrönte Königin des Roman noir, hat aber erst relativ spät mit dem Schreiben begonnen. Manotti ist nämlich auch Historikerin, lehrte Wirtschaftsgeschichte und war Gewerkschafterin. Das macht verständlich, dass Manotti gern (wie Ambler) die unheilvolle Allianz von Politik, Wirtschaft und Verbrechen in ihren tiefschwarzen Krimis beschreibt. Manotti schreibt wie gewohnt kühl und präzise. Wo andere sich in Nebensätzen verlieren, schreibt sie kein Wort zu viel. Ganz stringent treibt sie die Geschichte im Präsens voran.

    In „Schwarzes Gold“ geht es, wie der Titel schon sagt, ums Erdöl. Wir schreiben das Frühjahr 1973, noch vor der ersten Ölkrise im Herbst 1973. Das Kartell der „Sieben Schwestern“, die größten Ölkonzerne, beherrscht den Weltmarkt, diktiert die Preise und hat das Verkaufsmonopol. Mit der OPEC hat sich allerdings ein Gegengewicht in Stellung gebracht. Doch auch innerhalb der OPEC gibt es verschiedene Lager. Der Iran versucht beispielsweise, Erdöl „illegal“ und in Eigenregie zu verkaufen. Doch dafür braucht man findige Logistiker. Da trifft es sich gut, dass in Marseille gerade die „French Connection“, der Heroinschmuggel in die USA, zerschlagen wurde. Noch liegt der Ölpreis bei knapp drei Dollar pro Barrel, aber da ist noch eine Menge Luft nach oben. Ein Milliardengeschäft. Eigentlich zwangsläufig, dass da irgendwann die ersten Leichen anfallen.

    Gibt es eigentlich auch schwache Bücher von Dominique Manotti? Mir ist jedenfalls noch keins begegnet. Auch „Schwarzes Gold“ ist wieder ein starkes Stück Kriminalliteratur, spannend, politisch, intelligent – und natürlich „noir“.

    Kommentare: 14
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    Boriss avatar
    Borisvor 5 Monaten
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    beatevor 2 Jahren
    Z
    zbaubfvor 2 Jahren
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    Buecherschmausvor 2 Jahren
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    Dakdfvor 2 Jahren

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