Don Teague

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Don TeagueSaved by Her Enemy
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Saved by Her Enemy
Saved by Her Enemy
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Erschienen am 02.03.2010

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Rezension zu "Saved by Her Enemy" von Don Teague

Rezension zu "Saved by Her Enemy: An Iraqi Woman's Journey from the Heart of War to the Heartland of America" von Don Teague
SiColliervor 6 Jahren

Zum Inhalt

Der Irak-Krieg einmal aus zwei ganz anderen Perspektiven. Da ist zum einen Rafraf Barrak, eine Irakerin aus Bagdad, eines von zehn Kindern der Familie, die kriegsbedingt ihr Anglistikstudium unterbrechen mußte. Sie erlebt den Einmarsch der US-Army in ihr Land direkt mit, zunächst gefärbt durch die Propaganda des Diktators Saddam Hussein.

Und da ist Don Teague, der den Kriegsbeginn als NBC-Korrespondent an der Grenze zwischen Kuwait und Irak miterlebt und als nicht embedded Journalist berichtet.

Rund ein dreiviertel Jahr später kehrt er zu seinem zweiten Nahostaufenthalt zurück dieses Mal nach Bagdad. Dort hat Rafraf inzwischen eine Stelle als Dolmetscherin bei NBC und so bleibt es nicht aus, daß sich beider Wege kreuzen. Ein besonderes Band wird geschmiedet, als beide wie durch ein Wunder ein Attentat auf eine neu gebaute Schule in Bagdad überleben.


Meine Meinung

Zugegeben, der Irakkrieg ist bei mir schon längst wieder in der erinnerungsmäßigen Versenkung verschwunden, besonders intensiv habe ich mich nie mit dem Land oder dem Krieg befaßt. Was sich nach Lektüre dieses Buches möglicherweise etwas ändern wird. Ist es doch der Krieg, in dem am meisten Journalisten ums Leben kamen, mehr als im 2. Weltkrieg sowie Vietnanmkrieg zusammen. Nimmt man Kameraleute, Übersetzer etc. hinzu sind, zwischen 2003 und der Niederschrift dieses Buches (ca. 2008) rund 200 Todesopfer aus diesem Bereich zu beklagen (Seite 74f).

Interessant fand ich, daß das Buch aus drei verschiedenen Sichtweisen geschrieben ist. Da gibt es den normalen „allwissenden Erzähler“ für die allgemeinen Teile (wie Informationen oder Überleitungen) und dann zum einen die Perspektive des (seinerzeitigen) NCB-Korrespondenten Don Teague sowie andererseits die der irakischen ehemaligen Studentin Rafraf Barrak. So erleben wir die Invasion sowohl aus Sicht von Don, der zu der Zeit im Grenzgebiet von Kuwait und Irak im Einsatz war, als auch aus der von Rafraf Barrak, die in Badgad wohnte und die Bombardierung selbst miterlebte. Im weiteren Verlauf kommen manche Ereignisse doppelt vor: einmal von Don, ein weiteres Mal von Rafraf aus der jeweiligen persönlichen Perspektive erzählt.

Eine Quintessenz aus dem Buch ist für mich, daß Diktaturen immer nach dem gleichen Muster funktionieren, egal, aus welcher politischen (oder religiösen) Richtung die Machthaber kommen. Tauschte man einige Begriffe aus, würde das „Saddam-System“ auf die Nazis passen, oder auch auf die SED-Diktatur. Und manches davon findet sich mit Sicherheit noch heute in Ländern wie Nordkorea oder China wieder, vom Iran und manchem arabischen Land ganz zu schweigen.

Neben dem Handlungsverlauf bekommt man einen Einblick in die Arbeit der Nachrichtensender (hier NBC) vor Ort. Um die psychische wie physische Belastung zu reduzieren, gibt es ein Rotationssystem. Das heißt, ein Korrespondent ist jeweils vier Wochen im Irak, dann muß er für mindestens vier Wochen das Land verlassen in Richtung ruhigere Gefilde. Ferner wird viel Filmmaterial von Agenturen wie Reuters oder dpa zugekauft. Warum die eigenen Leute Gefahren aussetzen, wenn man das „Hintergrundmaterial“ (was im Film das B-Team macht) gefahrlos bekommen kann? Auch hatte ich bisweilen das Gefühl, daß die Networks mehr für die Sicherheit ihrer Leute tun als die Army. Vor allem aber scheinen sie erfahrenere Sicherheitsberater bzw. -chefs zu haben. Sinnigerweise ist der ein ehemaliger Soldat der Royal Marines, der seine Erfahrungen in Nordirland hier einbringt. Der hat mehr Ahnung, wie man seine Leute schützt, als so mancher US-Offizier.

Wie gefährlich die Arbeit auch und gerade etwa für die Übersetzer ist, ersieht man daran, daß diese von eigenen Fahrern in eigenen PKW täglich abgeholt und nach Hause gebracht werden. In wechselnden Autos, auf wechselnden Routen, um die Gefahr von Anschlägen zu minimieren. Und was passiert, wenn man doch mal ein Taxi nehmen muß, weil ein Fahrer krank ist, auch das wird deutlich.

Als Don nach Bagdad beordert wird, ist es sein zweiter Irakaufenthalt (nach demjenigen zu Beginn des Krieges). Seine Intention ist es, positive Berichte zu liefern. Bei den Interviews für einen solchen - die Einweihung einer Schule - geht eine Bombe hoch: ein gezielter Anschlag auf die Kinder und die Journalisten. Die US-Soldaten ziehen sich sofort zurück, die Nachrichtenleute sind auf sich selbst gestellt. Mit Umsicht gelingt es ihnen zu entkommen. Glück ist aber auch dabei - denn der Zünder der zweiten Bombe hat eine Fehlfunktion und diese explodiert darob nicht.

Die Teile, welche aus Sicht von Rafraf geschrieben sind, geben Einblick ins Leben und Denken der normalen Leute und damit zwangsläufig auch in den, um es so auszudrücken, praktisch gelebten Islam. Es ist gefährlich für Rafraf, mit einem Jungen in der Cafeteria der Universität einen Kaffe zu trinken. Die Folge sind Schläge und vier Monate Hausarrest im Zimmer.
Don und seine Frau bieten Rafraf später immer wieder an, sie zur Moschee bzw. islamischen Gemeinde in Atlanta zu bringen, doch sie lehnt ab. auf Grund der Erfahrungen zu Hause hat sie Angst, sich zu ihren eigenen Glaubensbrüdern- und schwestern zu begeben. So erfahren wir nur, daß es auch im Bible Belt, in Atlanta Moscheen gibt, aber nichts über das dortige islamische Leben.

Zusammenfassend habe ich das Gefühl, all das Beschriebene bis hin zu dem Tomahawk-Blindgänger, der ein paar Meter neben Rafrafs Haus explodierte, selbst miterlebt zu haben und mich nun, nach Beendigung des Buches, von guten Bekannten verabschieden zu müssen. Wenn es eine der Aufgaben eines Korrespondenten ist, seine Leser für Themen zu interessieren, Hintergründe nahe zu bringen und zu erläutern: Don Teague und Rafraf Barrak haben diese mE sehr gut erfüllt.


Kurzfassung

Der Irakkrieg 2003/2004 aus der Sicht von Betroffenen: einem NBC-Korrespondenten (nicht embedded) sowie einer gebürtigen Irakerin aus Bagdad. Gut lesbar ein interessantes, bisweilen erschreckendes, Kapitel Zeitgeschichte.

Im Vorwort von Ann Curry, NBC News Anchor, Correspondent, heißt es:
Saved By Her Enemy ist eine Art Wegweiser in die Zukunft, in der wir, so denke ich, wissen werden, egal, ob wir Amerikaner oder Araber, Christen oder Moslems sind, daß wir im Grunde überhaupt keine Feinde, sondern Geschwister sind.“

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