Donal Ryan

 4 Sterne bei 63 Bewertungen
Autor von Die Sache mit dem Dezember, Die Gesichter der Wahrheit und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Donal Ryan

Einfühlsames, Herzhaftes und bisweilen Deftiges aus Irland: Donal Ryan, geboren 1976 im irischen Nenagh, schlug zunächst einen für Schriftsteller untypischen Karriereweg ein. Als studierter Bauingenieur und Jurist verdiente er seinen Lebensunterhalt als Staatsdiener in einer Behörde für Arbeitnehmerrechte. Offensichtlich bescherte ihm dieser berufliche Hintergrund einen Fundus an unterschiedlichen Einblicken ins Seelenleben seiner irischen Landsleute. Die Sympathie des Autors für seine mitunter skurrilen und vom Leben gebeutelten Protagonisten schwingt in seinen Romanen stets mit. Dabei passt sich der Erzählstil immer gekonnt den Figuren an, weshalb es sprachlich durchaus auch deftig zugeht. Doch bevor Donal Ryan für sein buchstäblich vielstimmiges erstes von ihm verfasste Werk „Die Sache mit dem Dezember“ (2013, dt. 2015) einen Verlag fand, musste er zunächst Dutzende von Absagen verkraften. Dennoch wurde bereits seine erste Erzählung „Die Gesichter der Wahrheit“ (2012, dt. 2016) auf Anhieb mit gleich drei Buchpreisen ausgezeichnet, weitere folgten. Insbesondere der renommierte Guardian First Book Award verhalf Donal Ryan zu der nötigen Aufmerksamkeit, um ein Leben als erfolgreicher Vollzeitschriftsteller ins Auge fassen zu können. Donal Ryan lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in der Nähe von Limerick im Süden Irlands.

Alle Bücher von Donal Ryan

Die Sache mit dem Dezember

Die Sache mit dem Dezember

 (30)
Erschienen am 23.11.2016
Die Gesichter der Wahrheit

Die Gesichter der Wahrheit

 (22)
Erschienen am 29.11.2017
Die Lieben der Melody Shee

Die Lieben der Melody Shee

 (6)
Erschienen am 28.03.2018
The Spinning Heart

The Spinning Heart

 (3)
Erschienen am 27.09.2012
The Thing About December

The Thing About December

 (2)
Erschienen am 01.10.2014
A Slanting of the Sun

A Slanting of the Sun

 (0)
Erschienen am 15.09.2015

Neue Rezensionen zu Donal Ryan

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Rezension zu "Die Sache mit dem Dezember" von Donal Ryan

Ein Opfer der Umstände
Barbara62vor 4 Monaten

Auf Reisen lese ich gerne Literatur aus meinem Reiseland und in Irland ist meine Wahl inzwischen schon zum zweiten Mal auf Donal Ryan gefallen. Vor zwei Jahren war es "Die Gesichter der Wahrheit", ein Potpourri irischer Stimmen zur Zeit der Finanzkrise 2008, nun, während einer Hausbootfahrt auf dem Shannon, "Die Sache mit dem Dezember". Beide Bücher spielen im County Tipperary und somit auf unserer Bootsroute, vermitteln aber ein sehr viel derbes irisches Flair, als wir es erlebt haben.

Zwölf Kapitel, benannt Januar bis Dezember, umfasst der Roman und alle beginnen mit allgemeinen Betrachtungen von Johnsey Cunliffes Eltern zu diesem Monat, für den tollpatschigen Einzelgänger Mitte 20 allgemeingültige Weisheiten. Im Januar ist Johnseys Vater schon seit mehr als zwei Jahren tot, tief betrauert von Mutter und Sohn. Johnsey kann den kleinen Hof der Familie nicht weiterführen, er ist ein „Hornochse“, ungeschickt, dick, Hilfsarbeiter im Co-op, wo man ihm nicht einmal den Mindestlohn zahlt. Von den Gleichaltrigen wird er seit der Grundschule gemobbt, als „Behindi“ beschimpft, gepiesackt und jeden Tag auf dem Heimweg von der Arbeit drangsaliert. Allerdings hatte ich beim Lesen oft den Eindruck, dass Johnsey keineswegs so einfältig ist, wie er sich selbst sieht und wie der auktoriale Erzähler es berichtet. Sehr behütet aufgewachsen als Augapfel seiner Eltern fehlt es ihm gänzlich an Selbstbewusstsein, er ist völlig passiv und empfindet sich in einer Familie von Helden als Versager, der beständig alle enttäuscht. An Frauen traut er sich nicht heran und begnügt sich wohl oder übel mit seinen sexuellen Fantasien.

Als im Februar seine Mutter stirbt, fühlt er sich einsamer denn je und denkt sogar an Selbstmord. Doch dann heben eine schwere Attacke der Dorf-Gang, ein langer Krankenhausaufenthalt mit neuen Bekanntschaften und ein folgenschwerer Beschluss der Kreisverwaltung sein Leben völlig aus den Angeln.

Ich habe diesen eher traurigen Roman über ein Außenseiterschicksal gerne gelesen und vor allem die Rückblicke in Johnseys Kindheit und die Bemühungen seiner Eltern, einen normalen Jungen aus ihm zu machen, sind herzzerreißend. Donal Ryans Figuren sind durchweg Originale, Johnsey genauso wie die „sexy Engelskrankenschwester“ Siobhán (sprich: Schiwon) und der aufschneiderische Bettnachbar Nuschel-Dave. Sie alle sind ein Stück Irland, das man in einem gewöhnlichen Urlaub so nicht erlebt, über das ich aber gerne lese.

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Bibliomanias avatar

Rezension zu "Die Sache mit dem Dezember" von Donal Ryan

Die Sache mit dem Dezember
Bibliomaniavor 6 Monaten

Das Debüt von Donal Ryan konnte mich leider auch nicht begeistert. So richtig gefallen hatte mir schon das erste Buch nicht ("Die Geschichte der Wahrheit"), aber ich wollte dem Iren auf jeden Fall noch eine Chance geben. Ich fürchte, dabei bleibt es auch.

Johnsey ist nicht gerade klug. Von Geburt an ist er ein wenig zurückgeblieben und hat es schwer im Leben. Aufgewachsen unter liebenden Eltern, die einen Hof hatten, wurde er in der Schule und auch im späteren Arbeitsleben immer wieder gequält, verprügelt und gemobbt. Als sein Vater stirbt, verliert Johnsey auch mehr und mehr zu seiner Mutter den Draht, da diese ihren Halt im Leben verloren hat.
Als auch sie stirbt, steht er alleine da. Und dann kommen auch noch diese vielen Leute, die ihm das Land abkaufen wollen. Er weiß weder, was die wollen und warum, noch möchte er den Hof aufgeben. Wo sollte er dann auch leben?
Eine Losergeschichte, wie aus dem Buche. Obwohl ich durchaus verstehe, warum der Autor diese Sprache verwendet, mag ich sie nicht. Johnseys ewiges "Daddy" stößt mir dabei am schlimmsten auf. Sein EQ gleicht dem einer Schnecke, wofür er natürlich nichts kann, aber ich bin auch einfach mit der Figur nicht warm geworden. Den Freund, den er sich da anlacht, kann ich auch nicht richtig leiden und das macht für mich die Geschichte schon recht schwierig.
Fetzig fand ich hingegen die Krankenschwester, obwohl auch bei ihr nicht ganz klar ist, was sie da eigentlich macht und will.
Sympathisch fand ich das Ehepaar Unthank, die sich um Johnsey wie um einen Sohn kümmern. Diese beiden sind einfach nur Opfer des Entwicklungsprojektes, das ich mir so ziemlich gut vorstellen kann.
Ich wollte unbedingt neben John Boyne noch andere Iren lesen, aber Donal Ryan wird leider nicht mehr die Qual der Wal sein. Wenn das die Sache mit dem Dezember ist, dann möchte ich sie nicht. Schade.

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Angie*s avatar

Rezension zu "Die Lieben der Melody Shee" von Donal Ryan

Archaische Lebensweisen,,,,
Angie*vor 8 Monaten

REZENSION ZU *Die Lieben der Melody Shee* (26.4.2018)

Der irische, junge Autor Donal Ryan hat eine für mich neue Art des Erkennens  und Miterlebens irischer Lebensweise und seiner Menschen aufgezeigt. Die Bräuche und Ansichten der fahrenden Leute , Traveller genannt, hat er  äusserst intensiv beschrieben, in ihrer  Alltags-Slang-Sprache ganz nah an den Leser gebracht. Diese Menschen werden von ihm  als die wahren Iren und Könige des Landes bezeichnet, da sie sich immer schon gegen die Infiltrierung  mit anderen Volksgruppen, wie den Wikingern, Normannen und Engländern gewehrt haben und auch heute noch ihre  Familienclans  abschotten. Sie sind die wahren Könige der Insel. Das schöne, heile, mystische Irlandbild, welches Touristen oft von ihrem Aufenthalt von der grünen Insel mitbringen, transportiert der Autor in seiner Erzählung gar nicht. 
Es ist eher ein archaisches Irland mit für uns ungewohnten, brutalen Auffassungen dieser Minderheit von Familien-Ehre, Blutfehden, Schuld, Buße, Vergebung und auch dem Streben nach unbändiger Freiheit und materieller Unabhängigkeit von staatlichen Behörden und deren Reglementierungen . 

Der Roman ist in  vierzig Kapitel gegliedert. Die emotionalen Erlebnisse der Melody Shee während ihrer vierzig Wochen währenden Schwangerschaft  werden intensiv und sehr mitreissend beschrieben.   Diese Charakterstudie ihrer Gefühle, Rückblicke in die gescheiterte Ehe, komplizierte Erlebnisse aus ihrer Jugend , ihre Freundin betreffend, erzählt der Autor mit Abstand und mit wenig Wertung, fast lakonisch und ich war völlig gefesselt von seinem ungewöhnlichem Schreibstil. Trotzdem hat er gut herausgearbeitet, wie auch heute noch Frauen von der normalen, konservativ geprägten  irischen Gesellschaft verachtet  werden, wenn sie bestimmte Regeln brechen, über ihre Lebensweise und ihren Körper selbständig und unabhängig bestimmen möchten. 
Ihre ungewöhnliche Liebe zu dem 17 jährigen Traveller bringt Melody mit  dieser anderen archaischen, Männer dominierten Lebensart der Traveller  in Kontakt und in eine Krise, die sie am Ende mit viel Mitgefühl und innerer Kraft meistert.

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE für dieses grossartige Buch!

Mein Dank für  dieses   sehr interessante Leseerlebnis geht an den Autor und den Diogenes Verlag für die Bereitstellung des wertvollen Rezensionsexemplar!

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