Donal Ryan Die Gesichter der Wahrheit

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Inhaltsangabe zu „Die Gesichter der Wahrheit“ von Donal Ryan

Es begann mit Wohlstand und satter Zufriedenheit und endet mit Entführung und Mord. Was dazwischen liegt, sind einundzwanzig Leben, einundzwanzigmal Hoffen und Träumen, Lieben und Leiden – einundzwanzig Menschen, die im Strudel der irischen Finanzkrise ihre Wahrheit erzählen – und das Geschick eines ganzen Landes.

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  • Am Ende Enttäuschung

    Die Gesichter der Wahrheit

    Maki7

    17. July 2017 um 13:16

    Finanzkrise 2008, der Bauunternehmer Pokey Burke geht pleite und macht sich aus dem Staub. Seine Angestellten und ihre Familien  stehen nun da, kein Geld, keine Sicherheiten, unfertige Häuser und Angst vor der Zukunft. 21 Menschen erzählen authentisch aus der Ich-Perspektive von ihrem Alltag, von ihren Gedanken, Gefühlen und Ängsten.  Jedes Kapitel ist ein ErzählerDie Geschichte fängt spannend an. Ich konnte sehr gut die Wut, den Ärger, die Machtlosigkeit, Scham und all die Gedanken und Gefühle, die in den Protagonisten vorgingen, nachvollziehen. Es ist auch sehr interessant, wie die gleichen Situationen von unterschiedlichen Menschen wahrgenommen werden. Das Buch liest sich flüssig, guter Sprachstil, aber leider entfernt es sich mit jedem Kapitel immer weiter vom eigentlichen Thema und verliert sich dann in einem Mord und einer Kindsentführung. Bis es abrupt endet und mich ratlos zurücklässt. Gibt's jetzt eine Fortsetzung oder was? Irritiert hab ich das Buch aus den Händen gelegt.  

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  • Der Nachbar ist das Gesicht der Krise

    Die Gesichter der Wahrheit

    Bibliomania

    21. May 2017 um 23:21

    Donal Ryans zweiter Roman hat mich sofort angesprochen. Nicht nur, weil es im Diogenes Verlag erschienen ist, und ich fast nur wirklich gute Geschichten von Diogenes gelesen habe, sondern auch weil es in Irland spielt.Der Bauunternehmer Pokey Burke geht plötzlich pleite und macht sich aus dem Staub. Jeder, der bei ihm gearbeitet hat, steht nun ohne irgendetwas da: kein Geld, keine Sicherheiten, unfertige Häuser. Alle sind wütend und machtlos. 21 verschiedene Menschen, die in diese Katastrophe hineingezogen wurden, kommen zu Wort.Das Buch hat dementsprechend auch 21 Kapitel, was ich von der Idee her wirklich gut finde. Es liest sich wunderbar durch eine klare Sprache und einen guten Stil (auch wenn ab und an etwas Gossenstil hinzukommt, den ich nicht so sehr in Büchern mag).Die Krise ist klar herausgearbeitet, aber die Folgen nach dem Ruin des Bauunternehmers sind so vielfältig, dass sie für mich ein wenig in der Geschichte vorbeigehen. Es ist klar, dass die Arbeitslosigkeit verschiedene Gesichter hat, auch wenn bestimmte Eigenschaften (Wut, Hilflosigkeit, Resignation) vielleicht bei jedem auftreten. Aber was hat ein kleines Kind dazu zu sagen? Nichts. Es wurden eben auch Geschichten erzählt, die nichts mit der Krise zu tun hatten. Man erfährt auch nicht, warum der Bauunternehmer pleite gegangen ist, wo er jetzt ist. Er selbst kommt nicht zu Wort. Und der tödliche Unfall eines Jungen beim Angeln zieht auch ganz andere Folgen nach sich als die Krise durch Pokey Burke.Plötzlich sind ganz andere Probleme an der Tagesordnung: wer schläft mit wem? Wer hat ein Kind gekidnappt? Wer hat den Vater umgebracht? Plötzlich stehen ganz andere Sorgen oben auf der Liste, die meiner Meinung nach nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun hatten. Schade, aber ich werde das Debüt von Ryan trotzdem lesen, um eine alternative Geschichte von ihm heranzuziehen.

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 20.10.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   259 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  691 Punkte Beust                                          ---   352 Punkte Bibliomania                               ---   233 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  444,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 285 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   154,5 Punkte Code-between-lines                ---  154 Punkte DieBerta                                    ---   ?  Punkteeilatan123                                 ---   80 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   216 Punkte Frenx51                                     ---  103 Punkte glanzente                                  ---   94 Punkte GrOtEsQuE                               ---   84 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   181 Punkte Hortensia13                             ---   148 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  191 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   135 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte Kattii                                         ---   88 Punkte Katykate                                  ---   121 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   145 Punkte Kuhni77                                   ---   129 Punkte KymLuca                                  ---   110 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   285 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   257 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   94 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktemy_own_melody                     ---   18 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  148 Punkte Nelebooks                               ---  245 Punkte niknak                                       ----  313 Punkte nordfrau                                   ---   143 Punkte PMelittaM                                 ---   242 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   132 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 76 PunkteSandkuchen                              ---   241 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   195 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   315 Punkte SomeBody                                ---   189,5 Punkte Sommerleser                           ---   215 Punkte StefanieFreigericht                  ---   236,5 Punkte tlow                                            ---   165 Punkte Veritas666                                 ---   151 Punkteverruecktnachbuechern         ---   97 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   184 Punkte Yolande                                       --   189 Punkte

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    • 2570
  • Tiefgründig und schonungslos

    Die Gesichter der Wahrheit

    Laura126

    01. December 2016 um 13:37

    Der Roman von Donal Ryan „Die Gesichter der Wahrheit“ schildert hart und schonungslos Schicksale von 21 Menschen in der Krisenzeit. Ort des Geschehens ist ein Dorf in Irland, dessen Bewohner auf verschiedene Weise unter den Folgen der Wirtschaftskrise um 2010 leiden. Der Autor gewährt uns einige Einblicke in das Leben der Protagonisten und lässt diese vollkommen unterschiedliche Menschen, die eine problembehaftete und gar unmenschliche Zeit durchleben müssen, zu Wort kommen. In 21 Kapiteln werden die Ereignisse aus der Perspektive der verschiedenen Figuren dargestellt - ergreifend, teilweise grob in Sprache und Umgang, aber jederzeit ehrlich und direkt. Der Schreibstil des Autors ist genau und bildhaft und lässt den Leser tief in seine doch sehr unterschiedlichen Charaktere blicken. Die eigentliche Handlung ist im Buch nicht vorhanden, obwohl die einzelnen Charaktere auf irgendeine Art und Weise miteinander verbunden sind. Ein tiefgründiges und schonungslos authentisches Buch. Absolut empfehlenswert.

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  • Die Stimmen aus den Trümmern...

    Die Gesichter der Wahrheit

    Aspasia

    12. November 2016 um 13:01

    „Mein Vater lebt immer noch die Straße runter und am Wehr vorbei in dem Häuschen, in dem ich aufgewachsen bin. Ich gehe jeden Tag hin, um zu sehen, ob er tot ist, und jeden Tag enttäuscht er mich.“Ich bin eine Anhängerin Reich-Ranickis erster Satz Theorie, aus dem nach der Übersetzung dann auch gerne zwei Sätzen werden dürfen, und diese fulminanten messerscharfen ersten 2 Sätze in Donal Ryans Roman Die Gesichter der Wahrheit gibt mir doch nun wirklich Recht🙂21 innere Monologe, die gehört werden sollten. 21 Offenbarungen, die die Augen öffnen. 21 Geschichten, die auch unsere ein könnten. Ryan versammelt Menschen, die ihr Inneres offen legen, ihre geplatzten Träume, ihre schlimmsten Ängste, ihre größten Niederlagen. Sie erzählen von Scham, Wut und Trauer, aber auch von Freude, Glück und immer wieder von Liebe. Ihre Beichten sind von so berührender Ehrlichkeit und Weisheit, uns bleibt nur mit angehaltenem Atem zu lauschen, wie das Leben so spielen kann.In Ryans Debut ist die internationale Finanzkrise im ländlichen Irland angekommen. Der größte, örtliche Arbeitgeber, ein Bauunternehmen, ist pleite. Der junge Inhaber Pokey Burke aber, ganz moderner Ire und Europäer, hat sein Land verlassen und ist vor Regressforderungen ins Ausland geflohen. Er hinterlässt eine Gemeinschaft im Schockzustand. Leben liegen in Trümmern. Der Traum vom Wohlstand für alle, der dem Versprechen auf ein „immer weiter so“ und „immer mehr“ geschuldet ist, ist geplatzt und hinterlässt auch in der irischen Provinz Menschen, die auf ihr Inneres zurück geworfen werden.Menschen wie den Vorarbeiter Bobby, der einstige Sonnyboy der Kleinstadt, dessen sadistischer Vater, „ Ich habe immer nur Gegenständen Gewalt angetan. Menschen konnte ich nur mit Worten verletzen. Ich habe jahrelang geübt, bis es für mich so selbstverständlich war wie das Atmen.“, die Seele seines Sohnes schon früh mundtot gemacht hat. „Warum finde ich keine Worte?“ weder für seinen Hass auf seinen Vater, noch für seine große Liebe zu seiner Frau.Arbeiter, deren Betriebsrente und Arbeitslosenbeiträge nicht bezahlt worden, die eben noch meinten zur neuen Mittelschicht zu gehören, ernten gerade noch Mitleid beim Amt. Pokeys Vater, der einstige stolze Unternehmensgründer, schweigt vor Scham und Schuld über diesen Sohn.Verhöhnendes Zeugnis, das letzte Bauprojekt, ein Wohngebiet für den Mittelstand, ist nur halb fertiggestellt aufgelassen worden. Die einzige Bewohnerin, die allein erziehende Mutter Réaltin, deren ständige Angst vor dem Platzen ihrer Hypothek, wie ein Damoklesschwert über ihrem Schicksal schwebt, das schon die Köpfe des halben Landes aus ihren Heimen geschlagen hat.Für sie alle gilt:„Man verliert sich irgendwie sehr schnell, wenn sich alles um einen herum verändert und sich auf einmal herausstellt, dass Dinge, von denen man dachte, sie würden einem für immer bleiben, einem nie gehört haben, und dass Dinge, die man für die Zukunft sicher geglaubt hatte, plötzlich hinter einem großen, dunklen Berg verschwunden sind, den ich wohl niemals überwinden werde.“Die in der irischen Gegenwartsliteratur der 90er neu entdeckten Motive der Gewalt, der dysfunktionalen Familie , der Hoffnungslosigkeit einer ganzen Generation werden hier ausgelöst durch die Auswirkung der Finanzblase und Rezession der 2000er neu erzählt.Ryan tritt damit in die großen Fußstapfen der Irischen Erzähler der Roddy Doyle Generation, die den Umbruch, ein Land im Übergang beschrieben, in dem die alten Strukturen, die erdrückende Macht der katholischen Kirche und ihre reaktionären Moralgesetze, zu zerbröckeln begannen. Er gibt den vielen Menschen, die an den neuen machtvollen Gott Kapitalismus geglaubt haben, und dann schnöde von seinem Wankelmut vor die Tür gesetzt wurden, eine Stimme.Für mich ein virtuoses Debut, dessen erzählerischen Sog man sich nur schwer entziehen kann. Dem Autor gelingt es auf wunderbare Weise den Nachhall des Äußeren im Inneren in Worte zu fassen. Jeder einzelne Monolog konfrontiert den Leser nicht nur mit dem Selbstblick auf das Seelenleben eines Dorfbewohners, sondern lässt uns auch die anderen Erzähler immer wieder aus einer neuen Perspektive sehen.

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  • 21 Blitzlichter in einem großen Ganzen

    Die Gesichter der Wahrheit

    Gise

    28. October 2016 um 12:12

    Ein kleines Städtchen in Irland: Noch vor kurzer Zeit ging es allen sehr gut. Der Bauboom ließ alle auf gutes Geld hoffen. Dann kam die irische Finanzkrise, und sie hat manche mehr, manche weniger gebeutelt. Donal Ryan lässt 21 Bewohner des Städtchens erzählen, wie es ihnen inzwischen geht. So erzählt jeder, was ihn bedrückt, in seiner eigenen Sprache und aufgrund seines eigenen Schicksals. Dies verleiht dem Buch einen ganz besonderen Reiz und den Protagonisten eine ganz eigene Authentizität. Dadurch entstehen 21 Blitzlichter, die jeder für sich und scheinbar ohne richtige Handlung aneinandergereiht erscheinen. Wenn der Leser sich auf diese Erzählungen einlassen kann, entdeckt er doch einen roten Faden, der mal mehr, mal weniger durchscheint. Insgesamt geht diese Art der Erzählung sehr zu Lasten der Spannung, so dass es nicht einfach ist, dieses Buch zu lesen. Zudem verbirgt sich in allen Geschichten ein eher depressiver Grundton, der so geballt sehr anstrengend für den Leser ist. So entsteht ein sehr nachdenkliches Buch, das man nach dem Lesen auch nicht einfach weglegt, sondern sich selbst noch etwas Zeit zum Nachdenken gönnt. Ich vergebe vier von fünf Sternen und empfehle das Buch gerne weiter.

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  • Krisenstimmung

    Die Gesichter der Wahrheit

    BluevanMeer

    23. October 2016 um 19:44

    Bis 2007 wuchs der "keltische Tiger" jedes Jahr. Doch die Finanzkrise traf Irland ziemlich hart. In Donal Ryans Debütroman kommen 21 Menschen zu Wort, die mit der großen Politik eigentlich wenig am Hut haben. Sie beschreiben ihre Hoffnungen, Wünsche, Träume in diesen schwierigen Zeiten der Krise - und am Ende geht es um Entführung und Mord. Pokey Burke ist für alles verantwortlich. Der ehemalige Chef der örtlichen Baufirma hat sich einfach aus dem Staub gemacht und die Bewohner seines Heimatortes mit unfertigen Häusern und unbezahlten Gehältern zurückgelassen. Die Stimmung kocht schnell hoch in dieser kleinen Stadt und jeder der Akteur*innen hat eine etwas andere Sicht der Dinge. Doch dabei bleibt es nicht. Der drohende soziale Abstieg schlägt in Angst um und in Hoffnungslosigkeit. "Ich habe gestern den ganzen Tag darüber nachgedacht, meinen Vater umzubringen. Es gibt Mittel und Wege, einen Mann umzubringen, ohne dass es nach Mord aussieht, besonders einen alten, gebrechlichen. Es wäre sowieso kein Mord, ich würde der Natur nur ein bisschen auf die Sprünge helfen. Es ist die pure Bosheit, die ihn am Leben hält." (S.14) Da gibt es Bobby, der jeden Tag seinen alkoholabhängigen Vater besucht, nur um zu sehen, ob dieser noch lebt. Es gibt Bobbys Frau Triona, der alle irgendwann die Schuld geben. Und es gibt Frank, Bobbys Vater, der am Ende wirklich gar nichts für das ganze Schlamassel kann. Und obwohl es Probleme zwischen Vater und Sohn gibt, sind sich beide auch unglaublich ähnlich. Aber das merkt der Leser dann doch relativ spät. Ein Kind verschwindet, ein anderes Kind ist früher schon einmal verschwunden. Es kommen die örtliche Prostituierte zu Wort und Leiharbeiter aus anderen Ländern, die von Pokey Burke über den Tisch gezogen wurden. Das ganze Dorf ist betroffen - und trotzdem werden schnell Gräben gezogen. "Pokey Burke? Sie seufzte. Ich sah sie an und zuckte mit den Schultern. Sie verdrehte die Augen zur Decke. Dann lächelte sie mich an, aber es war ein Lächeln, das Tut-mir-Leid bedeutet. Ich verstand die Wörter nicht, die sie dann sagte, aber ihre Stimme war freundlich. Während die Frau auf ihren Computerbildschirm schaute, flüsterte Schornie hinter mir ganz laut: "Hey, Chef, sie sagt, dass es dich ... gar .. nicht ... gibt! Und alle Männer und Frauen in der Schlange lachten." (S.34) Donal Ryan schreibt in einer schlichten, schnörkellosen, manchmal harten Sprache. Seine Protagonisten sind verzweifelt, wütend, hassen ihr Leben. Und sind irgendwo auch in ihren Möglichkeiten gefangen. Besonders die Figur Bobby ist interessant. Er gerät in eine Abwärtsspirale, die er kaum beeinflussen kann und es ist fast rührend, wie sehr in seine Frau in einem späteren Kapitel verteidigt. So entdeckt man als Leser*in nach und nach ganz andere Seiten der Protagonist*en, die sie in ihren eigenen Monologen verschwiegen haben oder nicht offenbaren wollten. Vom Aufbau her, hat mich der Roman an Marktplatz der Heimlichkeiten von Angelika Waldis erinnert. Ryan schafft dadurch eine atmosphärisch dichte Erzählung, die durch die Vielstimmigkeit seiner Protagonisten einen spannenden Blick auf ein Land in der Krise und auf einen schicksalhaften Abend wirft. Es ist der harte, unnachgiebige Sound dieses vielstimmigen Chores, der mich überzeugen konnte. Und es hat mich umso mehr gefreut, dass sich am Ende die anfänglichen losen Fäden zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen lassen.

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  • Berührend, bewegend und erschreckend authentisch. Ein absolut lesenswertes Buch!

    Die Gesichter der Wahrheit

    Nepomurks

    12. October 2016 um 02:27

    „Die Gesichter der Wahrheit“, der zweite Roman von Donal Ryan (Diogenes Verlag) besticht durch einen unverstellten und ungeschminkten Blick auf die verstörenden Konsequenzen aus der Finanzkrise am Beispiel Irlands und seiner Bewohner. Es kommen im Roman ganz unterschiedliche Figuren zu Wort und Donal Ryan lässt seine Protagonisten durch die Schau auf ihre Alltagssituationen und Entwicklungen, sowie seine direkte Auseinandersetzung mit diversen Problemansätzen eine kalte und furchtbar unsoziale Zeit durchleben. Verschiedene Perspektiven und Blickwinkel erhält der Leser durch die einzelnen Kapitel, die verschiedenen Figuren zugeschrieben sind. 21 Personen. 256 Seiten. Ergreifend, teils grob in Sprache und Umgang, aber immerzu ehrlich und direkt. Ryan schafft in seinen diversen Schilderungen eine unglaublich atmosphärische Dichte und lässt dabei tief in seine doch sehr unterschiedlichen Charaktere blicken. Probleme, Tragik und Schärfe in Ton und Handeln begleiten den Leser durch das gesamte Buch. Erschreckend authentisch wirken dabei die bedrückenden Empfindungen und immer arg begrenzten Handlungsspielräume aller Figuren. Doch alle meistern sie ihre Krisen. Irgendwie.. Donal Ryan hätte die massiven Eingriffe und schicksalhaften Auswirkungen der großen Finanzkrise nicht besser und detaillierter darstellen können! Insbesondere die teils rüde Sprache einzelner Protagonisten und der kantige Schreibstil Ryan's verhelfen dem Roman zu seinem ganz besonderen und ergreifenden Charme. Ich fand die einzelnen Sichtweisen und Blickrichtungen fesselnd und durchweg eindringlich und authentisch. Ein tiefgründiges, durch die Brisanz des Themas und der Auswirkungen auf die Menschen beinahe mit Schwermut behaftetes und erschreckendes, aber absolut tolles Buch! Definitiv eine Leseempfehlung. 5 Sterne.

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  • Nachdenklich machende Schicksale aus Irland

    Die Gesichter der Wahrheit

    sydneysider47

    10. October 2016 um 13:23

     Worum es in diesem Buch geht: In 21 Kapiteln kommen Iren zu Wort. Jeder von ihnen erzählt eine Geschichte in einem Kapitel. Leute aus derselben Region, die ihre Jobs wegen der Finanzkrise verloren haben oder andere schwere Schicksale erlitten haben. Und auch Leute, die mit solchen Leuten etwas zu tun haben.  Es sind alles Ich-Erzähler. Leute aus allen Altersgruppen. Ein Kind, Erwachsene, die im Berufsleben stehen - oder standen. Alte Leute ebenfalls.  Diese Leute sind meistens verzweifelt oder wütend. Sie weinen also oder schimpfen. Manchmal sind die Kapitel als „innere Monologe“ verfasst, also Gedanken, die sich Leute über dies und das machen. Andere Kapitel sind so formuliert, als würden die Leute mit einem Gegenüber reden. Jemandem, den sie kennen oder bei dem sie sich aussprechen wollen.  Einige Beispiele will ich nennen.  Da gibt es Bobby, der seinen Job als Vorarbeiter verloren hat. Einst arbeitete er für Pokey Burke, einst verdiente er gut. Jetzt hat er keinen Job mehr. Außerdem hat er erfahren, dass Pokey ihn und einige andere um ihre Alterssicherung betrogen hat. Die Enttäuschung sitzt tief. Halt gibt ihm nur noch seine Frau Triona, die zu ihm hält, und ihr kleiner Sohn Robert - und auch der Gedanke, dass er erbt, wenn sein Vater stirbt. Zu seinem Vater hat Bobby kein gutes Verhältnis. Bobby möchte das Haus und das Land des Vaters erben. Das könnte ihm etwas Geld bringen.  Bobbys Vater und auch Triona kommen in anderen Kapiteln zu Wort. Sie erzählen ihre Sicht der Dinge.  In einem anderen Kapitel kommt die Mutter von Pokey Burke zu Wort. Sie heißt Josie. Im selben Kapitel reden auch noch Pokeys Vater sowie Pokey selbst.  Pokey Burke kaufte Immobilien, die niemand haben wollte. Deswegen brachte er sich, seine Firma und seine Mitarbeiter in Schwierigkeiten. Seine Eltern machen sich Vorwürfe, dass sie mit die Schuld an dieser Entwicklung tragen, weil sie während Pokeys Kindheit seinen Bruder Eamonn mehr unterstützt haben.  Eine Frau, die in einem Kapitel zu Wort kommt, ist Hillary. Vorwiegend redet sie aber nicht über sich, sondern über Réaltín, eine Frau, die sie kennt und die schon in einem der vorigen Kapitel zu Wort kam.  Hillary versteht nicht, dass Réaltín so scharf ist auf Bobby. Sie hat doch einen Sohn, namens Dylan, dessen Vater Seanie heißt. „Seanie Schnösel“ nennen ihn viele, die ihn kennen.  Seanie spricht über sich in einem anderen Kapitel über sich, über Réaltín und seine Sicht der Dinge.    Meine Meinung: Wer sich auf dieses Buch einlässt, muss einen oft wütenden oder verzweifelten „Schreibton“ aushalten. Ist man aber gewillt, sich gedanklich mit den Schicksalen und Problemen der erzählenden Personen auseinanderzusetzen, gelingt das gut.  Die Leute, die erzählen, nehmen kein Blatt vor den Mund. Sie schimpfen und schreien, sie heulen. Im Ton sind sie oft recht derb und ordinär - aber nicht so ordinär, dass ich die Lektüre unterbrechen wollte.  Viele Schicksale bringen mich zum Nachdenken. Da haben Leute ihren Job verloren und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Eine Frau hat vor vielen Jahren ihren Sohn verloren. Er wurde, als er angelte, von Wellen fortgespült. Sie hat diesen Schicksalsschlag nicht überwunden und trauert immer noch. Das kann ich verstehen - und über dieses Kapitel denke ich oft nach.  Positiv an diesem Buch finde ich auch, dass viele verschiedene verzweifelte Personen in diesen 21 Kapiteln eine Stimme bekommen. Sie dürfen reden. Das kann auch zu einer Verteidigung einer Person in den Augen des Lesers fühlen. Ein Beispiel dafür ist Bobby. Im ersten Kapitel schildert er in sehr krassen Worten, was er über seinen Vater denkt. Bei der Lektüre dachte ich oft: „Wie kann man nur so herzlos sein!“ Im letzten Kapitel kommt seine Frau Triona zu Wort. Es ist rührend, wie sie ihn und sein Verhalten verteidigt. Zwar finde ich es immer noch nicht gut, wie Bobby über seinen Vater denkt, aber ich weiß nun etwas mehr, warum er so ist, wie er ist.  Die Sprache und die Geschichten in dem Buch kann ich also aushalten, und das Buch habe ich mit großem Interesse gelesen. Gut finde ich, dass ich nach jedem der 21 Kapitel eine Lesepause einlegen kann. Denn jedes Kapitel beleuchtet eine andere Person, ein anderes Schicksal. Auch wenn sich mehrere „rote Fäden“ durch einige Kapitel ziehen. Das Schicksal von Bobby beispielsweise. Oder Réaltíns Geschichte.    Mein Fazit: „Gesichter der Wahrheit“ ist ein gut zu lesendes Buch in 21 Kapiteln über diverse Personen in Irland, die Schlimmes erlebt haben, gerade durch eine schlimme Zeit ihres Lebens gehen oder die mit einem oder mehrerer dieser Personen zu tun haben. Sie alle erzählen aus der Ich-Perspektive.  Die Schreibweise ist oft etwas derb - aber gerade das macht viele Personen und ihre Schicksale authentisch. Deswegen will ich keine Sterne in meiner Gesamtwertung abziehen.  Ich vergebe fünf Sterne und empfehle das Buch weiter.                    

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  • Schonungslos ehrliche Dorfstimmen zur irischen Finanzkrise

    Die Gesichter der Wahrheit

    hundeliebhaber

    10. October 2016 um 09:50

    Donal Ryan erzählt von der Finanzkrise in Irland. Ort des Geschehens ist ein Dorf, dessen Baufirma durch falsch kalkulierte Immobilienkäufe pleite geht. Der korrupte Chef Pokey Burke hat sich abgesetzt - ohne ausgezahlte Löhne und ohne Alterssicherung für seine Angestellten. Doch  nicht nur Pokeys ehemaligen Angestellten sind betroffen: alle Dorfbewohner leiden auf verschiedene Weise unter der Krise.In "Gesichter der Wahrheit" erzählen 21 Menschen, wie sie zur Krise stehen und welchen Hürden sie ausgesetzt sind. Darunter befindet sich der ehemalige Vorarbeiter Bobby, der einst gut bezahlt wurde und nun ohne Job seine schöne Frau und seinen Sohn versorgen muss, ein Zuwanderer, die örtliche Prostituierte, die ganz allein lebt, und Bobbys Vater, der nur noch aus Boshaftigkeit lebt.Der Autor gibt jedem Bewohner im jeweiligen Kapitel eine Stimme, lässt sie sagen, was sie auf der Zunge haben, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die einen pöbeln, die anderen hassen, wieder andere weinen. Es wird deutlich, dass der dörfliche Unmut durch die Krise steigt - jeder ist auf sein Leben und seinen Vorteil bedacht. Hass gegenüber anderen wird geschürt, es wird gelästert und geprügelt. Es kommt zu einer gemunkelten Affäre, einer Kindesentführung und zu Mord.Der Leser kann sich kurz dem Leben der einzelnen Menschen annähren, ihre Geschichte hören, ihre Wut, ihren Hass oder ihre Trauer spüren und im Laufe der Kapitel spüren, wie zerrüttet die Dorfgemeinschaft ist und wie getroffen das Dorf ist - durch Pokey Burke, der nun der meist gehasste Mann der Gegend ist.Donal Ryans Schreibstil ist klar, umgangsprachlich, bildhaft und lässt den Leser auf den Wellen der Emotionen und Schimpfereien treiben.       

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  • Hoffnungslos mit einem kleinen Lichtschein???

    Die Gesichter der Wahrheit

    Solengelen

    09. October 2016 um 12:22

    Irland steckt in der Finanzkrise. Der Autor lässt die Handlung seines Buches in einem kleinen irischen Dorf spielen. Der größte Arbeitgeber des Dorfes, eine Baufirma, ist pleite. Der Arbeitgeber hat die Betriebsrente veruntreut, Löhne wurden nicht bezahlt. Viele Einwohner waren dort beschäftigt. Menschen, die früher ihr Auskommen hatten, stehen heute vor den Scherben ihrer Existenz.Der Ich-Erzähler besucht täglich seinen Vater, aber nicht aus Liebe. 21 Kapitel, 21 Geschichten, 21 Perspektivenwechsel, verschiedene Schicksale, und doch miteinander verbunden. Sorgen, Nöte, Ängste, geplatzte Träume, vernichtete Existenzen, all das sorgt für Wut, Gewalt, Klatsch und Tratsch und für Mord.Das Cover lässt auf eine positive heitere Geschichte schließen, aber weit gefehlt. Im Gegensatz zum Cover wird hier ein düsteres Bild gemalt. Die Sprache ist manchmal derb, so, wie dem Erzähler der Schnabel gewachsen ist. Der Autor hat ein düsteres Bild gezeichnet. Ein Bild, dass es so nicht nur in Irland gibt, ein Thema, dass überall zu finden ist. 

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  • Finanzkrise in Irland

    Die Gesichter der Wahrheit

    Buecherschmaus

    07. October 2016 um 17:50

    Einundzwanzig Menschen, einundzwanzig Leben, einundzwanzig Mal Erleben der gleichen Wirklichkeit und doch einundzwanzig verschiedene Wahrheiten. Verpackt in ebenso viele meist recht kurze Kapitel.Der Aufbau von Donal Ryans Roman ist nicht unbedingt neu, aber hier sehr gekonnt umgesetzt. Er erzählt aus einer kleinen irischen Gemeinde, die gerade in den Strudel der Finanzkrise geraten ist, die Irland bekanntlich besonders hart erwischt hat. Fast jeder hier ist unmittelbar davon betroffen. Der örtliche Bauunternehmer Pokey Burke hat sich nach der Insolvenz ins Ausland abgesetzt. Seine Arbeiter und Angestellten stehen nun nicht nur von einem Tag auf den anderen ohne Job da, sondern müssen auch erfahren, dass jahrelang weder Sozial- noch Rentenabgaben für sie abgeführt wurden. Die Subunternehmer und Zulieferer bleiben auf ihren Rechnungen sitzen, die wenigen Hauskäufer auf enormen Hypotheken und unbehobenen Baumängeln. Auch das sind natürlich keine neuen Erkenntnisse. So oder so ähnlich hat es sich nicht nur in vielen Ländern Europas sondern auch in den USA abgespielt. Und doch kommt man als Leser den Ereignissen durch die Unmittelbarkeit mit der die Personen hier ihr Erleben, ihre „Wahrheit“ schildern, sehr nahe. Die Personen unterscheiden sich in dem Milieu, aus dem sie stammen, in ihrer Sprache, ihren Sichtweisen und durch das Zusammensetzen dieses Mosaiks durch den Leser erhält dieser einen authentischen, direkten Blick auf das Irland der Jahre 2011/2012. Mit fortschreitender Lektüre ermüdet die durchweg stark negativ geprägte Erzählweise allerdings etwas. Ist da nicht auch mal ein klein wenig Licht, ein bisschen Freude im Leben dieser, zugegebenermaßen stark gebeutelten Menschen? Da droht sich die Tristesse ein wenig totzulaufen und der Leser stumpft zunehmend ab. Das Ganze wird dadurch verstärkt, dass die meisten der Erzählenden einen extrem negativen Blick auf ihre Umwelt und besonders ihre Mitmenschen haben, auch in ihrer Ausdrucksweise stark verroht sind. Dysfunktionale Familien und entsetzliche Kindheiten scheinen die Regel. Auch das ist natürlich „Wahrheit“ und dies ist sicher nicht der erste Roman eines irischen Autors, in dem das Leben genauso geschildert wird. Trotzdem nimmt Donal Ryan dem Buch gerade durch die ungebrochene Grautönung ein wenig seine eigentliche Wucht. Die einzige „Lichtgestalt“ ist der Vorarbeiter Bobby Mahon, der trotz eigener schmerzlicher Erfahrungen Menschlichkeit verkörpert. Aber gerade er wird des Mordes an seinem völlig heruntergekommenen, alkoholkranken Vater angeklagt.Ganz dezent und von der Leserin fast überlesen, knüpft der Autor an sein vorheriges Buch „Die Sache mit dem Dezember“ an. Ist der gewaltsame Tod des John Cunliff, jenes geistig etwas zurückgebliebenen Jungen, dessen Haus dem Bauboom vor der Immobilienkrise weichen sollte so etwas wie Initial und gleichzeitig Menetekel für die Vorgänge, die schließlich damit endeten, dass alles in dem kleinen Ort den Bach hinunter zu gehen scheint.Trotz einiger Kritikpunkte ist Donal Ryan ein sehr eindrückliches, lesenswertes Buch gelungen. Durch die unterschiedlichen Perspektiven sehr facettenreich, durch die Thematik hochaktuell und erhellend, durch den Handlungsbogen bis zuletzt spannend und durch die zupackende Art zu erzählen sehr unmittelbar und unterhaltsam. 

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  • Ein kleines Städtchen in Irland ...

    Die Gesichter der Wahrheit

    RubyKairo

    05. October 2016 um 21:57

              Eine einfache und tief bewegende Geschichte. Ein Buch über ein fast belangloses Leben, vom ersten bis zum letzten Tag auf nur 240 Seiten, aber so intensiv erzählt, dass ich mich der Geschichte nicht mehr entziehen konnte. Sie, die Geschichte ist schnell erzählt: Bobby's Vater lebt immer noch die Straße runter und am Wehr vorbei in dem Häuschen, in dem er aufgewachsen ist. Er geht jeden Tag hin, um zu sehen, ob er tot ist, und jeden Tag enttäuscht er ihn. Es ist noch kein Tag vergangen, an dem er ihn nicht enttäuscht hat. Ein fleißiger, ein Kämpfer der sich nie aufgibt, zwar mit dem Schicksal hadert aber sich nicht von ihm zerstören lässt. Es begann mit Wohlstand und satter Zufriedenheit und endet mit Entführung und Mord. Was dazwischen liegt, sind einundzwanzig Leben, einundzwanzigmal Hoffen und Träumen, Lieben und Leiden – einundzwanzig Menschen, die im Strudel der irischen Finanzkrise ihre Wahrheit erzählen – und das Geschick eines ganzen Landes. In den Nachwehen des finanziellen Zusammenbruchs gab es gefährliche Spannungen an der Oberfläche in der irischen Stadt und es entfaltet sich eine authentischen Geschichte. "Die Gesichter der Wahrheit" spricht für das zeitgenössische Irland wie kein anderer Roman. Er artikuliert sehr verletzlich und allzu menschlich, in Sprache und Geist des ländlichen Irland und mit unheimlicher Wahrnehmung, die Worte und Gedanken von einer Generation. Dieser Roman der kleinen Stadt ist lebendig, witzig und süß, ergreifend, bewegend und wunderbar geschrieben.  Mit faszinierendender Klarheit erzählt uns Donal Ryan von diesem Leben, von den Höhen und Tiefen, vom Gewinnen und Verlieren, von Familie und Freundschaft und von der Liebe - auf eine Art und Weise, die zutiefst beeindruckt und noch lange nachwirkt. Das erstaunliche an diesem Buch ist, dass  Donal Ryan es geschafft hat, ein völlig durchschnittliches Leben mit all seinen Höhen und Tiefen so in Worte zu fassen, dass man am Ende einfach tief bewegt ist vom Leben und seinen Machenschaften. Ein stilles Buch, das zu Herzen geht und das eigene Schicksal für einen Moment in den Hintergrund treten lässt. Eine melancholische Geschichte großartig erzählt. In die Ruhe der Schilderungen kann man leicht abtauchen. Als großer Erzähler verbindet Ryan Entwicklung und Wohlstand mit dem Wortsinn von „Stille“ und „ Gelassenheit“ zu einem wunderbaren Roman. Mit wenigen, einfachen Sätzen wird hier ein ganzes Leben, ein persönliches Universum beschrieben. Tief bewegender Lesegenuss. Große Literatur schlichtweg großartig! Ein literarisches Kleinod!       

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  • Die Wahrheit ist nur eine Version der Geschichte

    Die Gesichter der Wahrheit

    leserattebremen

    03. October 2016 um 13:12

    Die Wahrheit hat viele Gesichter, auch in dem kleinen irischen Dorf, dass die Hauptrolle in Donal Ryans Roman „Die Gesichter der Wahrheit“ spielt. Mit dem wirtschaftlichen Abstieg Irlands geht es auch in dem Dorf bergab, der örtliche Bauunternehmer geht Pleite und es kommt heraus, dass er auch seine Arbeiter über den Tisch gezogen hat. Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Wut sind die Themen, die die Menschen bewegen und sehr schnell entsteht ein Kreislauf aus Anschuldigungen und Gewalt zwischen den Menschen, die alle nicht mehr wissen, was noch kommen soll.Wie der Titel schon sagt, gibt es viele Versionen dieser Geschichte und Donal Ryan lässt einundzwanzig Menschen dieses namenlosen Dorfes ihre Version erzählen. Dadurch gewinnt man als Leser einen sehr guten Eindruck von der Situation und gleichzeitig wird auch klar, welche Verkettung von Ereignissen gestartet wurde. Jede Geschichte ist einzigartig und dennoch unweigerlich in das Netz aus Erzählungen eingebettet, die im Dorf kursieren und mal mehr und mal weniger mit der scheinbaren Wahrheit zu tun haben. Jeder ist sich selbst der nächste und aus einem stabilen Gesellschaftsgefüge wird durch den wirtschaftlichen Abstieg ein Scherbenhaufen, der niemals wieder zusammengesetzt werden kann. Gerade durch die ständigen Perspektivwechsel hält der Autor die Spannung in „Die Gesichter der Wahrheit“ die ganze Zeit hoch. Sobald man sich an einen Charakter gewöhnt hat, zwingt er den Leser sich mit dem nächsten Leben, der nächsten Katastrophe zu beschäftigen, ohne den großen Spannungsbogen der alle verbindet aus den Augen zu verlieren. Es gelingt Ryan ausgezeichnet, die Geschichte zusammenzuhalten und einen als Leser mitzunehmen auf die Reise durch dieses irische Dorf und die vielen Leben, die dort stattfinden. Es ist ein sehr aktueller und lebensnaher Roman, der einen mit sympathischen und unsympathischen Charakteren konfrontiert, doch jedem gibt Ryan die Chance, seine Version zu erzählen. Dies macht das das Buch zu etwas besonderem und einer wirklich beeindruckenden und überzeugenden Lektüre. 

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  • Die Gesichter der Wahrheit

    Die Gesichter der Wahrheit

    Aoibheann

    01. October 2016 um 20:01

    Die Wahrheit hat viele Gesichter. Und so lässt Donal Ryan 21 Personen zu Wort kommen und lässt sie ihre Sicht der Welt erzählen. Und damit auch ihre Sicht der Wahrheit – über den Zustand des Landes, die Moral der Mitmenschen, wer ihrer Meinung nach den alten Frank ermordert hat, was die Leute umtreibt und wie die Welt sein sollte. Dabei sind die Sprecher so unterschiedlich, wie auch ihre Ansichten. Dabei legt Ryan eine für mich überraschend „bunte“ Mischung von Sprechern an den Tag. Da ist beispielsweise der um seine Sozialbeiträge geprellte Bobby, der letztlich versucht aus seinem Leben das Beste zu machen und dabei immer mit seiner Kindheit hadert. Oder der ganz offensichtliche psychisch kranke Trevor, bei dessen Erzählung mir ganz mulmig wurde.  Am meisten zu Herzen gegangen ist mir das Kapitel mit der kleinen Millicent. Ein Kind, dass zum einen die von den Eltern gehörten Ausdrücke nachplappert, zum anderen ganz ungeschönt aus Kindersicht die angespannte Situation in ihrer Familie beschreibt. Donal Ryan verleiht jeder der Personen ein eigenes Sprachbild. Spricht die eine Person eher gewählt und gesetzt, so verwendet er für die nächste eher mehr Umgangssprache und lässt sie „schlampiger“ sprechen; mal schnell und mit vielen Kraftausdrücken versehen, mal eher kindlich und naiv geprägt. Für mich hat das die Figuren greifbarer gemacht und mir gut gefallen. Dabei lässt er immer wieder ein wenig Galgenhumor einfließen und ich habe mich während des Lesens ertappt, bei diesem doch sehr ernsten Thema an einigen Stellen immer wieder schmunzeln zu müssen.(Ich bin selbst auf dem Land in einem kleinen Dorf aufgewachsen,  „Teekannen-Taliban“ sind mir auch noch sehr gegenwärtig im Gedächtnis!) „Die Gesichter der Wahrheit“ hat mir durch die vielen Facetten der Erzählenden sehr gut gefallen.

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