Donald Antrim

 4.5 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Die hundert Brüder, Das smaragdene Licht in der Luft und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Donald Antrim

Der us-amerikanische Autor Donald Antrim wurde 1958 in Florida geboren und lebt heute in Brooklyn. Mit seinem Debütroman "Elect Mr. Robinson for a Better Wolrd" landete er großen Erfolg. Sein aktueller Roman "Das smaragdene Licht in der Luft" erschien 2015 bei Rowohlt. Antrim lehrt Literatur an der Columbia University.

Alle Bücher von Donald Antrim

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Donald AntrimDie hundert Brüder
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Die hundert Brüder
Die hundert Brüder
 (4)
Erschienen am 22.04.2016
Donald AntrimDas smaragdene Licht in der Luft
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Das smaragdene Licht in der Luft
Das smaragdene Licht in der Luft
 (3)
Erschienen am 24.03.2017
Donald AntrimDer Wahrheitsfinder
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Der Wahrheitsfinder
Der Wahrheitsfinder
 (2)
Erschienen am 30.10.2015
Donald AntrimWählt Mr. Robinson für ein besseres Leben
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Wählt Mr. Robinson für ein besseres Leben
Wählt Mr. Robinson für ein besseres Leben
 (2)
Erschienen am 30.10.2015
Donald AntrimDie Beschiessung des Botanischen Gartens
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Die Beschiessung des Botanischen Gartens
Die Beschiessung des Botanischen Gartens
 (2)
Erschienen am 01.09.1999
Donald AntrimMutter
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Mutter
Mutter
 (1)
Erschienen am 24.03.2017
Donald AntrimEin Ego kommt selten allein
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Ein Ego kommt selten allein
Donald AntrimThe Verificationist
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The Verificationist
The Verificationist
 (0)
Erschienen am 22.11.2011

Neue Rezensionen zu Donald Antrim

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Rezension zu "Der Wahrheitsfinder" von Donald Antrim

Donald Antrim | DER WAHRHEITSFINDER
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Zweimal im Jahr treffen sich eine Gruppe Psychoanalytiker im Pancake House & Grill, um sich über ihre Arbeit, ihre Patienten und die neuesten Errungenschaften im therapeutischen Sektor auszutauschen. Tom, der diesjährige Gastgeber und Ich-Erzähler, möchte den Abend gerade eröffnen, als ihn (nicht zum ersten Mal, wie der Leser erfährt) ein unbändig infantiler Zwang dazu bewegt, seine Gäste und Kollegen mit Wasser vollzuspucken und mit Essen zu bewerfen. Er hat die Rosinen-Zimt-Toasts schon in den Händen, als er von seinem riesigen Kollegen Bernhardt von hinten in die Mangel genommen wird. Da passiert das Unfassbare: Bernhardt drückt so kräftig zu, dass Tom regelrecht aus seinem Körper gequetscht wird und sein Geist in eine Art Metaebene übergeht, wo er den Abend an der Decke schwebend verbringt und sich, beobachtet und analysiert von seinen unerbittlichen Kollegen, seinen kühnsten Träumen und schlimmsten Ängsten stellen muss.

FORM: Auch in seinem dritten (und bislang letzten) Roman stellt Donald Antrim (*1958) sein ganzes schriftstellerisches Können, seine überbordende Fabulierlust und seinen Hang zu surrealen Szenerien unter Beweis. Und so bahnt sich der Leser seinen Weg durch eine butterfette Schicht aus Prosa, die durchweg den Spagat hält zwischen makabrer Komik und zielsicherer Beschreibung psychischer Landschaften. (Beispielhaft soll hier die Szene genannt werden, in der sich Jane, Toms Frau, bei Tom erkundigt, ob es etwas im Bett gibt, was er sich von ihr wünscht, was sie sonst nicht macht. Das Gespräch findet auf der Toilette statt, während Tom seinen Darm entleert und ein Würstchen nach dem anderen in die Schüssel platscht. Der ganze Spaß beginnt auf Seite 73; einfach mal reinlesen…)

Was genau ist das für ein Genre, das Antrim da bedient? Bei Doris Lessing sprach man in Bezug auf ihren Roman ANWEISUNG FÜR EINEN ABSTIEG ZUR HÖLLE (1971) von Inner Space Fiction, quasi als Gegenstück zur Science Fiction. Die eigene Psyche als Setting für Abenteuer, eine Spielwiese die genauso groß sein kann wie die Weiten des Alls? Das kommt der Sache schon ziemlich nahe, denn auch in den anderen Romanen Antrims steht die Psyche (oder zumindest die Wahrnehmung des eigenen Ichs und dessen soziale (Fehl-)Stellung) im Vordergrund und ist immer der Motor der Handlungen.

Hinzu kommt diese akademische Erzählerstimme (auch in allen Romanen ähnlich), die den Text wie in einer Uni-Vorlesung konzentriert runterlabert, gepaart mit völlig absurden Elementen, wie ebenjener Körperflucht im vorliegenden Roman. Der britische Kritiker James Woods prägte im Jahre 2000 den Begriff Hysterischer Realismus (als Teil der Postmoderne) für Prosa dieser Art, wie sie etwa von Zadie Smith oder David Foster Wallace geschrieben wird bzw. wurde. Und auch hier passt die Beschreibung auf Antrims Texte.

FAZIT: Irgendwo zwischen Inner Space Fiction und Hysterischem Realismus kann man also die Romane Antrims (insbesondere DER WAHRHEITSFINDER) ansiedeln. Wem dieser sirupdicke Cocktail einmal geschmeckt hat, wird süchtig danach – so auch ich. Leider ist das Gesamtwerk Antrims so schmal, dass die Sucht kaum ausreichend bedient werden kann. Aber nächstes Jahr erscheint die Neuausgabe seines Memoirenbandes MUTTER, auf den ich mich schon freue. Ich vergebe 5 glänzend polierte Sterne für diesen großartigen Roman.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Rezension zu "Die hundert Brüder" von Donald Antrim

Donald Antrim | DIE HUNDERT BRÜDER
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Meine Brüder Rob, Bob, Tom, Paul, Ralph, Phil, Noah, William, Nick, Dennis, Christopher, Frank, Simon, Saul, Jim, Henry, Seamus, Richard, Jeremy, Walter, Jonathan, James, Arthur, Rex, Bertram, Vaughan, Daniel, […] , alle meine achtundneunzig Brüder, George nicht mitgezählt, und ich versammelten uns also kürzlich in der roten Bibliothek und beschlossen, dass nunmehr endgültig der Zeitpunkt gekommen sei, mit dem Trübsalblasen aufzuhören, die Vergangenheit hinter uns zu lassen, gemeinsam eine Kleinigkeit zu Abend zu essen und zu eruieren, falls wir uns dazu überwinden konnten, wo sich die abhandengekommene Urne mit der Asche des alten Hurenbocks befand. (Seiten 17 bis 19)

INHALT: Der lange erste Satz aus Donald Antrims Zweitling von 1997 gibt das Ziel des Treffens der hundert Brüder schon vor: Eine Hundertschaft von Männern zwischen zwanzig und über neunzig Jahren treffen sich in einem riesigen Anwesen um sich beim Abendessen konstruktiv miteinander zu unterhalten. Punkt.

Rückblickend erscheint dieses Vorhaben hoffnungslos optimistisch, ja lächerlich, denn die Zusammenkunft kippt relativ früh in ein heilloses Chaos mit mehreren Verletzten, und das wohl nicht zum ersten Mal. Alte Machtkämpfe werden aufgewärmt, der Alkohol fließt in rauen Mengen und lässt die ungleichen Brüder gehörig aneinander geraten. Die Luft ist testosterongeschwängert, alle lieben sich, alle hassen sich – eine tobende Rasselbande pubertierender Jungs in Körpern erwachsener Männer. Der eigentliche Zweck des Treffens gerät mit fortschreitender Stunde immer mehr in Vergessenheit, und als nach Mitternacht im Brausebrand Fledermäuse mit Tennisschlägern gejagt werden und mit Sofakissen American Football quer über die Essensreste gespielt wird, ist an ein sachliches Gespräch über den Verbleib der Urne nicht mehr zu denken. Währenddessen braut sich draußen ein Schneesturm zusammen und lässt das antike Bibliotheksgebäude nach und nach in sich zusammenfallen…

FORM: Wie schon in seinem großartigen Debütroman WÄHLT MR. ROBINSON FÜR EINE BESSERE WELT zieht Antrim bei DIE HUNDERT BRÜDER alle Register des Absurden und Übertriebenen. Auch hier wird in einem einzigen 200 Seiten langen Fließtext in oberlehrerhaftem Ton von den Vorkommnissen berichtet. Der Ich-Erzähler Doug, altersmäßig einer der mittleren Brüder, beschreibt das Familientreffen und seinen chaotischen Verlauf ehrlich und aufrichtig, ihm ist aber nicht ganz zu trauen, denn auch er leidet unter Stimmungsschwankungen und unterdrückten Komplexen.

Man kann DIE HUNDERT BRÜDER als witzig-skurrilen Roman lesen, als solcher ist er voller Humor und weiß zu unterhalten – ein kurzes Vergnügen für den Liegestuhl im Frühlingsgarten. Es gibt aber auch eine enorme symbolische Ebene über die man stundenlang rätseln kann. Das Zerfallen der Bibliothek; die labyrinthischen Gänge immer tiefer in die Literaturgeschichte; die seltsamen Obdachlosen im Garten; die Reinkarnationen des Vaters in den Wasserflecken der Gebäudedecken; der Mythos des Kornkönigs und sein trauriges Ende als Ernteopfer – all diese Bilder und Metaphern geben dem kurzen Roman genau das zusätzliche Gewicht, das er braucht, um nicht nur als kurzweiliger Spaß in Erinnerung zu bleiben.

FAZIT: Nach MR. ROBINSON der zweite Knüller von Donald Antrim; für mich die Neuentdeckung des Jahres. 5 Sterne!

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Rezension zu "Wählt Mr. Robinson für ein besseres Leben" von Donald Antrim

Donald Antrim | WÄHLT MR. ROBINSON FÜR EINE BESSERE WELT
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: In einer bezaubernden Kleinstadt an der Küste Floridas ist es aus mit dem Frieden, als der Bürgermeister eine Stinger-Rakete in den Botanischen Garten abfeuert und dabei zahllose Einwohner tötet. Pete Robinson, Experte für mittelalterliche Foltermethoden, nimmt an der Strafvollstreckung teil, die darin besteht, den Bürgermeister mittels Geländewagen zu strecken und zu vierteilen. Kurz vor der Hinrichtung nimmt Robinson dem Bürgermeister das Versprechen ab, dessen sterbliche Überreste im Stadtgebiet zu vergraben.

Robinson beginnt mit dem linken Fuß, den er im städtischen Park bestatten will, der allerdings vor lauter Landminen kaum betretbar ist. Zwei verfeindete Familien liefern sich dort einen erbitterten Kleinkrieg. Überhaupt ist die Stadt seit einiger Zeit wie im Ausnahmezustand: Die Schule wurde geschlossen, die Bibliothek steht kurz vor dem Aus, die meisten Wohnhäuser umgeben einfallsreiche und todbringende Fallgruben und Burggräben, ein seltsamer Meereskult gewinnt immer mehr Anhänger, die sich bei kollektiven Trancen in Fische, Muscheln und Krebse verwandeln.

Robinson erkennt, dass sich hier einiges ändern muss. Er will eine Privatschule eröffnen und sich zur Wahl des neuen Bürgermeisters aufstellen lassen. Bei seiner ersten Wahlkampftour durch sein Viertel geht ihm langsam auf, dass es nicht nur kommunale Probleme gibt, sondern dass auch die Gesellschaft völlig verroht und am Ende ist. Aber gehört er nicht auch dazu? Ist er denn so viel besser als die anderen? Der erste Schultag wird es zeigen … und es kommt zur Katastrophe.

FORM: Der Roman ist in Form eines langen Berichtes ohne Unterteilungen geschrieben, den Robinson dem Leser liefert, nachdem alles schon vorbei ist. Er sitzt am Schreibtisch in seinem Dachboden, wo er sich verbarrikadiert hat und sieht durch die Fensterluke seiner Stadt beim Untergang zu. Der Ablauf der geschilderten Ereignisse ist nicht chronologisch geordnet, man muss sich das schon selbst zusammenpuzzeln, was einem aber dank Antrims großartigem Schreibstil nicht weiter schwer fällt. Die Prosa ist trotz der teilweise recht derben Brutalität zum Brüllen komisch. Und sie verrät auch viel über Robinson, denn sie steckt voller Sarkasmus, Selbstverliebtheit und Augenwischerei.

Die scheinheilige Atmosphäre des Romans, dieser Gegensatz von modernen Menschen und ihren völlig abartigen Sitten, erinnert mich stark an Shirley Jacksons Kurzgeschichte DIE LOTTERIE, in der jedes Jahr ein Gemeindemitglied ausgelost wird, das auf dem Marktplatz gesteinigt wird. So wird man auch bei MR. ROBINSON als Leser vor dem Kopf gestoßen, wenn man sich gerade mit all den Figuren anfreundet. Antrim trifft einen Nerv, der nicht oft angesprochen wird … zumindest nicht beim Lesen. Man fühlt sich regelrecht betrogen und das ist interessant.

Dem Roman ist ein Vorwort von Jeffrey Eugenides vorangestellt, das sich meines Erachtens als Nachwort besser geeignet hätte, da schon sehr viel vorwegenommen wird. Wer sich also ungewappnet auf den Text einlassen will, sollte sich den (lesenswerten) Beitrag für später aufheben.

FAZIT: Lange nicht mehr so gelacht! Ich gebe zu, dass mir der Name Donald Antrim vorher nichts sagte, umso mehr bin ich erfreut über diese Entdeckung und gespannt auf die anderen Bücher. Es gab Ende der Neunziger schon mal einen Versuch, Antrim dem deutschen Publikum nahe zu bringen (damals unter dem Titel DIE BESCHIESSUNG DES BOTANISCHEN GARTENS), allerdings wohl ohne größeren Erfolg. In Amerika dagegen wird er schon lange von Größen wie Jonathan Franzen in den Himmel gelobt. Jetzt ist er mit den Neuveröffentlichungen seiner Romane bei Rowohlt auch bei uns in aller Munde und das kann man nur begrüßen, denn sonst wäre uns ein ganz großer Fisch durch die Lappen gegangen. Sehr empfehlenswert (nicht nur für angehende Grundschullehrer oder Bürgermeister) und für mich persönlich auf jeden Fall einen Re-Read wert. Fünf Sterne!

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Donald Antrim wurde am 16. September 1958 in Sarasota, Florida (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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