Donald B. Kraybill

 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Die Gnade der Amish, The Amish und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Donald B. Kraybill

Die Gnade der Amish

Die Gnade der Amish

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Erschienen am 08.04.2009
The Amish Way

The Amish Way

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Erschienen am 07.02.2012
Amish Grace

Amish Grace

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Erschienen am 22.03.2010
The Amish

The Amish

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Erschienen am 27.03.2013

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Rezension zu "Die Gnade der Amish" von Donald B. Kraybill

Ein ausgezeichnetes Buch über die Amish und ihren Glauben
Sonnenwindvor 5 Jahren

Am Montag, dem 02. Oktober 2006, dringt Charles Roberts, der Milchmann, in die Amish-Schule in Nickel Mines, Lancaster County, USA, ein und erschießt fünf Schülerinnen zwischen sechs und dreizehn Jahren, danach sich selbst. Die Nachricht geht um die Welt, und alle sind entsetzt.

Doch leider gehören heute Tragödien zum Alltag und sind schnell vergessen, wenn nicht etwas Besonderes geschieht. In diesem Fall ist die Reaktion der Amish-Gemeinde so bemerkenswert, daß es viele Menschen anspricht und ins Fragen bringt, und bis heute interessieren sich viele für diese Gemeinschaft, die so anders ist als alle anderen.

Die Amish missionieren nicht, sie leben wie vor Jahrhunderten in unterschiedlichen Graden das einfache Leben. Aber das tun sie mit ganzer Kraft und voller Überzeugung. Einer der Grundpfeiler, den sie wie alles in ihrem Leben der Bibel entnehmen, ist die Vergebung. Sie sehen die Vergebung als Christenpflicht und kämpfen darum, sie bei jeder Gelegenheit auszuleben. Wie schwer dieser Kampf manchmal ist, geht sehr schön aus diesem Buch hervor.

Auch in diesem Fall bringen die Eltern, Verwandten und die ganze Gemeinde es fertig, dem Mörder zu verzeihen, seiner Familie helfende Hände entgegenzustrecken und sogar an seiner Beerdigung teilzunehmen: Vergebung praktisch.

Nach der Beschreibung des Massakers und des Schmerzes der Angehörigen geht das Buch dazu über, die Grundsätze der Amish zu erläutern, die diese Handlungsweise erst möglich machen, ihr Verständnis der Bibel und der Lehre Jesu und ihre Wege, das praktisch umzusetzen. Die Autoren sind nicht Amish, aber sie haben unzählige Gespräche mit ihnen geführt und die Ergebnisse hier zusammengefaßt.

Wer sich für die Kultur der Amish interessiert und sie näher kennenlernen möchte, ist mit diesem Buch gut beraten. Der erste Teil ist eher romanhaft und sehr erschütternd, der zweite Teil bietet den theoretischen Hintergrund. Das Buch hat mir sehr viel gegeben und obwohl ich mich nicht zu diesem einfachen Leben hingezogen fühle, wertschätze ich die Aufrichtigkeit dieser Menschen. Sie wollen kein Vorbild sein, aber sie sind eins!

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Rezension zu "Die Gnade der Amish" von Donald B. Kraybill

Rezension zu "Die Gnade Der Amish" von Donald B. Kraybill
SiColliervor 7 Jahren

Vergebung ist ein Konzept, das jeder versteht - bis er gebeten wird, es zu definieren. (Seite 158)

Natürlich sind die Amish nicht auf eine Katastrophe solchen Ausmaßes vorbereitet. Es sei denn, sie sind es.

In diesem Paradox (formuliert nach Seite 28) läßt sich die Quintessenz des Buches zusammenfassen. Niemand ist darauf vorbereitet, sein Kind morgens zur Schule zu schicken und mittags im Leichenwagen abzuholen. Daß die Amish es dennoch waren, liegt tief in ihrer jahrhundertealten Tradition begründet.

“Ich bin wütend auf Gott uns muss ein paar christliche Mädchen bestrafen, um mit ihm abzurechnen.“ (Seite 41). Dies hat der Attentäter Charles Carl Roberts IV über sein Motiv ausgesagt. Er war „wütend auf Gott“, weil vor neun Jahren sein Baby gestorben war.

Eine Familie verlor zwei Töchter. Die achtjährige Mary Liz, die zum Christiana Hospital gebracht worden war, starb kurz vor Mitternacht in den Armen ihrer Mutter. Ihre Eltern wurden dann elf Kilometer nach Nordwesten zum Hershey Medical Center gefahren. Dort starb Lena, die Schwester von Mary Liz, ebenfalls in den Armen ihrer Mutter. (Seite 44).

Bereits wenige Stunden nach den schrecklichen Ereignissen gewährten die Amish Vergebung - dem Mörder wie seiner Familie, die ganz in der Nähe wohnte. Kein Ruf nach Rache oder Vergeltung. Keine juristischen Spitzfindigkeiten, keine Prozesse nach Schadenersatz. Wie ist so etwas möglich? Ist so etwas überhaupt möglich?

“Vergebung bedeutet, dein Recht auf Vergeltung aufzugeben.“_ (Seite 146) So drückte es der Vater eines der ermordeten Mädchen aus.

Nach der Beschreibung des Tatherganges widmen sich die Autoren diesen Fragen, und beantworten sie im Laufe des Buches. Ausgewiesene Kenner der Amish, die sie sind, hatten sie entsprechendes Vorwissen, was die Tradition und Verhaltensweisen der Amish betrifft. Für dieses Buch haben sie viele Interviews mit direkt Betroffenen geführt und sich mit der Thematik „Vergebung“ intensiv auseinandergesetzt. Natürlich gab es sehr bald die Meinungsäußerungen von „Experten“ und Psychologen, von einigen Medien ganz zu schweigen, die darauf hinweisen, daß durch zu schnelle Vergebung das erlittene Trauma nicht verarbeitet würde und seelischer Schaden entstünde. Aber haben die wirklich recht?

Im Laufe des Buches legen die Autoren sehr überzeugend dar, daß diese „Experten“ so nicht recht haben. Seit dem Entstehen der Täufer (zu denen die Amish gehören), werden diese überall auf der Welt verfolgt. Von kirchlicher (protestantischer wie katholischer) wie auch staatlicher Seite. Mit unzähligen Todesopfern. So gibt es eine lange Tradition des Martyrertums, die bis in unsere Tage reicht. Die Amish wachsen mit den Geschichten ihrer Martyrer auf, und dem „Konzept“ der Vergebung als integralem Bestandteil ihres Lebens und ihrer Kultur. Denn sie sind der Überzeugung, daß nur dann, wenn sie selbst vergeben, auch ihnen (von Gott) vergeben wird. Im Laufe des Buches wird diese Grundüberzeugung sehr deutlich aus der Geschichte und dem Glauben der Amish herausgearbeitet und beschrieben.

Dabei holen die Autoren ausreichend weit aus, um diese Verhaltensweise nachvollziehbar und verständlich zu machen (so man diese Menschen überhaupt verstehen will). Dabei entsteht ein durchaus differenziertes Bild dieser so ganz anderen Kultur, in der auch die Schattenseiten offen angesprochen werden - auch von Amish selbst.

Was wir sowohl von den Geschehnissen in Nickel Mines als auch ganz allgemein von den Amish lernen können, ist, dass die Art und Weise, wie wir mit Katastrophen umgehen, kulturell bestimmt wird. (Seite 225). Die Kultur der Amish beinhaltet als integralen Bestandteil u. a. die Vergebung. Und unsere?

Was bleibt, ist ein tief sitzender Stachel im Fleisch unserer Gesellschaft. Einer, der überdeutlich darauf hinweist, daß unsere Art zu Leben und zu Denken nicht die einzig mögliche, die einzig wahre ist. Daß es sehr wohl einen Gegenentwurf gibt, an dem wir uns messen können. Als Gesellschaft wie als einzelne Menschen. Einen Gegenentwurf, der zur Bestimmung der eigenen Position zwingt, indem er diese radikal infrage stellt. Es ist an jedem einzelnen, auf diese Frage eine Antwort zu finden.

Doch die Entscheidung liegt bei uns, wie wir uns an etwas erinnern wollen, was wir nicht vergessen können. (Seite 226)

Kurzfassung

Wie gehen Amish Familien, die Amish Gemeinschaft mit den Folgen eines Massakers an Schulkindern um? Am Fall der Morde vom 2. Oktober 2006 sowie der darauf folgenden Vergebung stellen die Autoren umfassend das Modell der Amish vor, mit dem sie diese Tragödie bewältigt und überwunden haben. Ein Gegenentwurf zu Rache und Vergeltung. Ich wünsche ihm möglichst viele Leser.

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