Donald Ray Pollock

 4.1 Sterne bei 120 Bewertungen
Autor von Das Handwerk des Teufels, Knockemstiff und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Donald Ray Pollock

Donald Ray PollockDas Handwerk des Teufels
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Das Handwerk des Teufels
Das Handwerk des Teufels
 (55)
Erschienen am 12.08.2013
Donald Ray PollockKnockemstiff
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Knockemstiff
Knockemstiff
 (30)
Erschienen am 24.06.2013
Donald Ray PollockDas Handwerk des Teufels
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Das Handwerk des Teufels
Das Handwerk des Teufels
 (18)
Erschienen am 09.02.2012
Donald Ray PollockDie himmlische Tafel
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Die himmlische Tafel
Die himmlische Tafel
 (16)
Erschienen am 12.02.2018
Donald Ray PollockKnockemstiff
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Knockemstiff
Knockemstiff
 (1)
Erschienen am 02.07.2009
Donald Ray PollockThe Devil All the Time
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The Devil All the Time
The Devil All the Time
 (0)
Erschienen am 26.06.2012
Donald Ray PollockEvery River on Earth: Writing from Appalachian Ohio
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Every River on Earth: Writing from Appalachian Ohio
Donald Ray PollockLe diable, tout le temps
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Le diable, tout le temps
Le diable, tout le temps
 (0)
Erschienen am 05.01.2014

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Rezension zu "Das Handwerk des Teufels" von Donald Ray Pollock

Donald Ray Pollock | DAS HANDWERK DES TEUFELS
Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Monaten

»Vorsicht: Ganz harter Tobak«, meinte mein Freund, als er mir diesen Roman in die Hand drückte. Und er hatte damit nicht übertrieben, wie ich spätestens nach hundert Seiten merkte. Was Daniel Ray Pollock (*1954) in DAS HANDWERK DES TEUFELS in Romanform gießt, ist eine stinkende Brühe moralischer Verwerfungen und brutaler Morde, gewürzt mit elendiger Hoffnungslosigkeit in einer Zeit, in der ein Menschenleben keinen Penny Wert zu sein scheint.

In dieser Welt wächst Arvin auf. Zwischen einfältigen Landeiern, pädophilen Geistlichen und korrupten Dorfsheriffs versucht er, ein ehrbares Leben zu führen. Doch die Wirklichkeit lässt ihn immer mehr daran zweifeln, auf diesem tristen Fleckchen Erde irgendwie noch glücklich zu werden. In jungen Jahren starb seine Mutter elendig an Krebs, woraufhin sein Vater sich das Leben nahm. Nun wohnt er als Waise bei seiner Großmutter, wo er sich größtenteils um seine Ziehschwester Lenora kümmert.

Zur gleichen Zeit macht das berüchtigte Mörderpärchen Carl und Sandy Jagd auf ihre Opfer. Ihr Vorgehen ist dabei immer gleich: Sie nehmen einen Anhalter mit, fahren mit ihm an entlegenste Stellen und Sandy verführt den Ahnungslosen – nie gibt es einen, der sich dagegen wehrt –, während Carl Fotos schießt. Ist der Akt beendet, bringt Carl den Mann um, das Fotoshooting aber geht mit der Leiche weiter.

Okay, das ist nun wirklich kranker Scheiß! Aber es geht in diesem Buch nicht um die Aneinanderreihung brutaler Geschmacklosigkeiten. Was den Roman eigentlich lesenswert macht, ist, wie Pollock es schafft, alle Beteiligten miteinander in Beziehung zu setzen. Durch geschickte Wendungen in den Lebensläufen der armen Säue hat jeder mit jedem irgendwie zu tun. (Ich schreibe mir bei vielen Romanen Stichpunkte zur Handlung und den Charakteren mit; bei diesem Buch ist das Personenverzeichnis ein dichtes Geflecht aus Strichen und Pfeilen.)

Pollocks Schreibstil ist kalt und fernab von jedem Witz, was sehr gut zu den Figuren, der Geschichte und der Zeit passt, in der sie spielt. Das ländliche Ohio der Fünfziger und Sechziger muss ein trostloser Ort gewesen sein, und auch wenn Pollock nur auf die dunkle Seite zeigt – und somit natürlich ein paar Klischees bedient –, kauft man ihm sein Sittengemälde leichter ab, als es einem lieb sein sollte.

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AnjaScs avatar

Rezension zu "Die himmlische Tafel" von Donald Ray Pollock

Schonungslos, spitzzüngig und drastisch
AnjaScvor 9 Monaten

Der Haupthandlungsstrang dieses Buches liegt bei den drei Jewett Brüdern, die als stehlendes und mordendes Trio durchs Land ziehen und sich ihr persönliches Stück Glück und Wohlstand verschaffen wollen. Alles was sie tun, ist angelegt an ihren Helden "Bloody Bill Bucket". Wer das ist? Na der Held in einem Groschenroman, den die Jungs verehren... Als Outlaws sind sie schnell landesweit bekannt und sie beschließen Richtung Kanada zu reiten. Auf ihrem Weg treffen sie andere "Helden" und wir erfahren deren Geschichten. Was alle gemeinsam haben, ist die Verzweiflung, das Elend und die Verheißung auf das Glück oder die wahre Liebe. Alle Protagonisten jagen den eigenen Träumen hinterher und setzen dafür alles auf eine Karte - leider häufig mit dem Ergebnis, dass sie verlieren. Jeder der traurigen Helden muss aus dem ein oder anderen Grund den eigentlich Weg verlassen und sich anders durch das Leben schlagen, als eigentlich geplant. Schonungslos, spitzzüngig und drastisch erzählt uns Donald Ray Pollock hier die Geschichte um Menschen in Amerika. Im Buch wird gemordet, gelogen, geprügelt, geflucht, gesoffen und rumgehurt. Nichts wird beschönigt, kein Blatt wird vor den Mund genommen und man muss den düsteren, schwarzhumorigen Stil mögen. Die Charaktere, denen wir im Buch begegnen sind gut dargestellt und gezeichnet. Pollock gelingt es mit diesem Buch, verschiedene Einzelschicksale darzustellen und diese miteinander in einen gemeinsam Handlungsstrang zu vereinen. Das Buch ist zynisch, ordinär, hat manchmal bizarre Dialoge, aber es ist auch schwermütig und auf keinen Fall literarisch anspruchslos. Pollock ist für mich ein wirklich hervorragender Erzähler und hat mit diesem Buch ein wundervolle Geschichte zum Ende des wilden Westens geschrieben. Einen Punkt ziehe ich ab, da mir einige Dinge in diesem Buch doch zu überzeichnet waren und dadurch an Glaubwürdigkeit verloren ging.

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Gulans avatar

Rezension zu "Knockemstiff" von Donald Ray Pollock

Erzählungen aus der Hölle, mitten in Ohio.
Gulanvor einem Jahr

Ich zog mir die dünne Decke über den Kopf und steckte mir die Finger in den Mund. Eine süßer, salziger Geschmack biss mir in die aufgeplatzte Lippe und zog über meine Zunge. Es war das Blut des Jungen, das noch an meinen Händen klebte.

Während das Bett meiner Eltern im Nebenzimmer laut gegen die Dielen stampfte, leckte ich mir das Blut von den Knöcheln. Die geronnenen Stückchen lösten sich im Mund auf und verwandelten meine Spucke in Sirup. Nachdem ich alles Blut heruntergeschluckt hatte, leckte ich weiter an meinen Händen. Ich riss mit den Zähnen an der Haut. Ich wollte mehr. Ich wollte immer mehr. (S.26-27)

Eine ländliche Gegend im südlichen Ohio. Dünnbesiedelt, wenig Arbeitsplätze. Hier leben die Abgehängten, die Außenseiter. Lebenswege, die nicht von Hoffnung und Zuversicht geprägt werden, sondern von Resignation, Ausweglosigkeit, Verwahrlosung und Gewalt. 18 Kurzgeschichten werden in „Knockemstiff“ zu einem Erzählband zusammengefasst, der von einem Ort der Düsternis und Depression berichtet.

Die Ortschaft Knockemstiff ist kein fiktiver Ort, sondern liegt im Süden Ohios Heute ist es mehr oder weniger eine Geisterstadt, doch Autor Donald Ray Pollock ist in Knockemstiff geboren und aufgewachsen. Ausgangspunkt für „Knockemstiff“ war übrigens die Kurzgeschichte „Bactine“, die Pollock bei der Literaturzeitschrift der Ohio State University einreichte. Dort war man von der Geschichte so begeistert, dass man Pollock überredete, sich für einen Creative-Writing-Kurs an der Uni einzuschreiben. Schließlich veröffentlichte er im Alter von 54 Jahren im Jahr 2008 „Knockemstiff“ als sein Debüt. Mit dieser Anthologie war Pollock direkt erfolgreich, er wurde mit Autoren wie Cormac McCarthy, Flannery O'Connor oder Sherwood Anderson verglichen. Zuletzt erschien im letzten Jahr sein Roman „Die himmlische Tafel“.

"Ich kann nicht behaupten, dass die Provinz Monster gebiert oder dass sogenannte Hinterwäldler gewalttätiger oder bösartiger als Leute wären, die in der Stadt wohnen. Es ist nur so, dass Menschen, die nicht besonders gut ausgebildet sind und in der ländlichen Abgeschiedenheit leben, ein gewisses Gefühl der Ausweglosigkeit verspüren, das sie möglicherweise unkontrolliert aggressiver werden lässt. Das Internet und das Fernsehen haben die Sache heute vielleicht etwas weniger dramatisch gemacht, aber meine zwei Bücher spielen ja auch in der Zeit, als ich ein junger Mann war, in den 1960er- und 1970er-Jahren." So wird Pollock in einem Beitrag des österreichischen Standard zitiert und beschreibt damit selbst ziemlich präzise, worum es in „Knockemstiff“ geht. Auch der Name der Ortschaft, der soviel wie „Schlag ihn tot“ bedeutet, gibt die Richtung vor. Es ist eine deprimierende Erzählung der Trostlosigkeit, des Abgleitens in den Wahnsinn.

Pollock lässt in den 18 Kurzgeschichten verschiedene Personen berichten, mal in Form eines Ich-Erzählers, mal durch einen auktorialen Erzähler. Mehrere Personen tauchen auch an mehreren Stellen auf, aber die Geschichten bauen nicht aufeinander auf. Allerdings fungieren die erste und letzte Geschichte als eine Art Klammer. Es geht um Gewalt in vielen Ausprägungen, zerbrochene Familienstrukturen, Armut, Verwahrlosung, Alkoholsucht, Medikamentenmissbrauch. Der Autor erzählt dies alles in einer lakonischen, fast beiläufigen Art, die aber viel deprimierender wirkt als so manche Sozialprosa. Hier gibt es weit und breit keinen Lichtstreif am Horizont.

„Wie du meinst. Und warum bist du nach Florida gefahren?“

„Ach, keine Ahnung“, antwortete Del. „Ich hatte da dieses Buch gelesen. Wir haben wohl nach einem besseren Leben gesucht, könnte man sagen.“

„Und, habt ihr es gefunden?“

„Nein, war ja nur ein bescheuertes Buch. Hab seitdem keins mehr gelesen.“ (S.137)

Dieses Buch ist garantiert nichts für Schwermütige, denn die Kurzgeschichten bilden so etwas wie die Essenz der Ausweglosigkeit. „Knockemstiff“ ist stellenweise schwer verdaulich, eine Zumutung, aber oft auch ziemlich brillant. Donald Ray Pollock zeichnet trotz mancher Überspitzung ein realistisch wirkendes Bild des White Trash.

Kummer, Spott und Nachtschichten hatten sie in einen Kaffee verschüttenden Zombie verwandelt. Man hätte ihr ein Kreuz an die Stirn nageln können, ohne dass die Frau auch nur mit der Wimper gezuckt hätte. Ohne auf eine Antwort zu warten, machte sie kehrt und schlurfte zu der glänzenden Theke zurück. Ihre weiße Kellnerinnenhose hing am Hintern durch und war voller Kaffeeflecken und Doughnutfett. Wäre ich ein Mann, der sich um ein öffentliches Amt bemüht, ich würde auf Personen wie sie setzen. (S.147)

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