Donald Ray Pollock Die himmlische Tafel

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Inhaltsangabe zu „Die himmlische Tafel“ von Donald Ray Pollock

Georgia, 1917. Der Farmer Pearl Jewett will sich durch seine Armut auf Erden einen Platz an der himmlischen Tafel verdienen – und seine drei Söhne darben mit ihm, ob sie wollen oder nicht. Nachdem Pearl von den Entbehrungen ausgezehrt stirbt, müssen sich die jungen Männer allein durchs Leben schlagen. Auf gestohlenen Pferden und schwer bewaffnet plündern sie sich ihren Weg durchs Land. Dabei folgen sie den Spuren ihres großen Helden »Bloody Bill Bucket«, einem Bankräuber aus einem Groschenroman, neben der Bibel das einzige Buch, das die Jewett-Brüder kennen … Einige Hundert Meilen entfernt, im Süden Ohios, wird Ellsworth Fiddler von einem Trickbetrüger um sein ganzes Geld gebracht. Als sein Weg den der schießwütigen Jewetts kreuzt, wendet sich sein Schicksal unerwartet zum Guten. Die Brüder hingegen müssen einsehen, dass der Himmel, den man sich gemeinhin ausmalt, oft schlimmer ist als die Hölle, der man entfliehen will.

Als hätten sich John Steinbeck und Charles Bukowski zusammengetan um ein Gangster-Epos zu schreiben - Großartig!

— blauerklaus
blauerklaus

Georgia/Ohio 1917: Drei Farmer-Jungs brechen aus ihrer Armut aus und werden zu Outlaws. Üppige, brutale, aber auch tragikomische Geschichte.

— Gulan
Gulan

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    Die himmlische Tafel
    JimmySalaryman

    JimmySalaryman

    08. October 2016 um 20:18

    Ich mag Pollock, vor allem die Stories, bei denen er besser hätte bleiben sollen. Der neue Roman, von vielen direkt als "Meisterwerk" gepriesen,  geht nämlich gründlich in die Hose. Jede Nebenfigur bekommt eine zwei, dreiseitige Vita und backstory, dann ist die Sprache ungewohnt ungelenk, aufgebläht, teilweise schief und unpräzise. Schade, ich hatte viel erwartet. Dieses Buch konnte ich nicht zu ende lesen. 

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  • Ein Stück vom Himmel.

    Die himmlische Tafel
    Gulan

    Gulan

    01. October 2016 um 14:48

    „Und was ist mit dir?“, fragte Cane. „Worauf freust du dich, wenn wir hier wegkommen?“ „Ich?“, fragte Chimney. „Ich werde die nächsten zehn, fünfzehn Jahre saufen, vögeln und rummachen, dann suche ich mir ein nettes Mädchen und werde sesshaft. Vielleicht noch ein paar Kinder“ „Zehn, fünfzehn Jahre?“ „Klar“, sagte Chimney. „Scheiße, ich bin doch erst siebzehn.“ „Tja, das stimmt.“ „Und du?“ Cane zögerte. Er war sicher, sein Bruder würde nicht begreifen, was er für ein lebenswertes Leben hielt, aber was machte das für einen Unterschied? Zum Teufel, sie konnten morgen alle tot sein, und ihre Träume mit ihnen. (S.185-186) Die drei Brüder Cane, Cob und Chimney Jewett arbeiten mit ihrem Vater Pearl als Farmhelfer im Georgia des Jahres 1917. Die Familie lebt unter extrem harten Bedingungen, denn Pearl meint, sich durch Armut und Verzicht auf Erden einen Platz an der „himmlischen Tafel“ zu sichern. Abends liest Cane, der Älteste, der einzige, der von seiner verstorbenen Mutter noch das Lesen beigebracht bekommen hatte, seinen Brüdern aus einem Groschenroman vor, „Bloody Bill Bucket“. Als ihr Vater letztlich an den Entbehrungen stirbt, beschließen die Brüder, ihre neu gewonnene Freiheit zu nutzen – auf den Spuren des Bankräubers und Outlaws „Bloody Bill Bucket“. Gleichzeitig wird weiter nördlich im Süden Ohios der etwas einfältige Farmer Ellsworth Fiddler von einem Trickbetrüger um sein gesamtes Erspartes gebracht. Der Familie drohen harte Zeiten und nun ist auch noch sein Sohn Eddie verschwunden, mitten in der Erntezeit. Ellsworth fährt in die nahegelegene Stadt Meade, in der die Army ein großes Rekrutierungslager eröffnet hat, in der Hoffnung, Eddie dort zu finden. Autor Donald Ray Pollock ist ein Spätberufener, der lange Jahre als Fahrer einer Papiermühle arbeitete und erst spät seinen Schulabschluss nachholte, sich an der Uni einschrieb und seiner Sehnsucht, selbst zu schreiben, nachgab. Erst im Alter von 54 Jahren veröffentlichte er 2008 sein Debüt „Knockemstiff“. Die Kurzgeschichtensammlung mit bitterbösen, rabenschwarzen Storys aus seiner Heimatgegend in Ohio machte ihn direkt zu einem Shooting Star des Southern Gothic. Diesen Ruf rechtfertigte er 2011 auch mit seinem zweiten Buch, seinem ersten Roman, „Das Handwerk des Teufels“, in dem sich die Wege von gleich mehreren mörderischen Psychopathen und Fanatikern kreuzen. Nun also sein drittes, lang erwartetes Werk, „Die himmlische Tafel“. Chimney schleuderte wieder eine faule Kartoffel über den Hof und drehte sich dann zu Cane um. „Was hat Bloody Bill noch mal gesagt? 'Lieber raube und morde ich und bin für nur einen Tag in Freiheit, statt hundert Jahre unter der Knute eines Mistkerls zu darben.'“„Dieser Bloody Bill“, meinte Cob. „das ist ein übler Kerl.“ (S.46) Die Handlung spielt 1917 im Mittleren Westen der USA. Zur gleichen Zeit werden auf den Schlachtfeldern Europas Hunderttausende industriell abgeschlachtet, aber hier steht die Moderne erst noch in den Kinderschuhen und es ist klar, dass die meisten der Figuren nicht zu den Gewinnern der neuen Zeiten zählen werden. Wie in einem Kuriositätenkabinett lässt Pollock seine Figuren auftreten und aufeinandertreffen, dabei bilden die Jewetts den roten Faden. Diese träumen davon, es bis nach Kanada zu schaffen und doch endet die Geschichte im lausigen Meade, Ohio. Rundherum um die Flucht der Jewetts erzählt der Autor in gewohnt harter und kompromissloser Sprache mit einer Vielzahl an Figuren üppige, bitterböse, teilweise bizarre Geschichten von Menschen, die bemüht, aber letztlich vergeblich ihren Träumen nachrennen. Wie die Brüder Jewett etwa, die als tragische Western-Outlaw-Bande plündernd durch die Lande ziehen. Oder der Lude Henry, der von einem Edel-Etablissement träumt und stattdessen eine windschiefe Hurenscheune betreibt. Oder Sugar, ein Schwarzer, der sein Heimatdorf verlässt, um in Detroit Autos zu bauen und gerade mal eine Woche durchgehalten hat. Oder, oder, oder. Denn das ist vielleicht das Einzige, was ich Pollock vorwerfen mag, er ist ein großartiger Erzähler, aber sein Ensemble ist schon sehr üppig und er hat den Drang, auch noch die skurrile Lebensgeschichte jeder Nebenfigur zu vermitteln. Wer eine Fortsetzung seiner rabenschwarzen Werke erwartet, wird ein klein wenig überrascht sein. Natürlich bedient sich Pollock in der Figurenauswahl weiterhin überwiegend bei den Verlierern, den Ausgestoßenen, den Andersartigen. Seine Geschichte handelt vom religiösen Wahn, vom Rassismus, von der Ungerechtigkeit, vom Scheitern. Doch trotz aller Gewalt und diversen Abartigkeiten ist die Stimmung diesmal eher tragikomisch und sogar manchmal heiter. Und am Ende sogar eine Spur hoffnungsvoll. Ein absolut lesenswerter Roman.

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    • 9
  • Ganz, ganz großes Kino, Mr Pollock!

    Die himmlische Tafel
    Havers

    Havers

    03. August 2016 um 15:50

    "…ach, dass es danach noch was Schönes gibt, ist tröstlich in unserer Lage. Wie gut! Und doch, da bleibt uns noch die kleine, die große, die Frage – das wüssten wir gern noch daneben! Ob’s sowas gibt, wir hätten‘s gern: auch vor unserm Tode ein Leben“ (aus: Es gibt ein Leben vor dem Tod, Wolf Biermann). Diese Liedzeilen sind mir spontan in den Kopf gekommen, als ich die ersten Seiten des neuen Romans „Die himmlische Tafel“ von Donald Ray Pollock gelesen habe (erschienen bei Liebeskind, und wie immer wunderbar übersetzt von Peter Torberg). Pearl Jewett verdingt sich mit seinen drei erwachsenen Söhnen Cane (der einzig Normale in der Familie), Cob (der liebenswerter Tölpel) und Chimney (der unüberlegt agierende Hitzkopf) in Georgia als Tagelöhner. Aber obwohl sie sich Tag für Tag die Seele aus dem Leib schuften, fristen sie ein Leben in bitterster Armut unter unbeschreiblichen Zuständen, weil Pearl der Vorstellung anhängt, dass ihnen alle Entbehrungen auf Erden nach dem Tode von einem gnädigen Gott vergolten werden. Dann werden sie nie mehr Hunger leiden, sondern an der himmlischen Tafel speisen, auf der sich alle vorstellbaren Köstlichkeiten auftürmen. Abwechslung in die Mühsal des täglichen Einerleis bringen nur die Abendstunden, in denen Cane seinen Brüdern aus einem Groschenroman die Abenteuer des „Bloody Bill Bucket“ vorliest. Ein Bankräuber ohne Furcht und Tadel, den sie zutiefst bewundern. Es kommt wie es kommen muss, als ihr Vater stirbt. Ob an Auszehrung oder einer Vergiftung durch das Fleisch eines kranken Schweins, weiß man nicht so genau. Aber von heute auf morgen sind die Brüder allein auf sich gestellt und müssen eigene Entscheidungen treffen. Sie beschließen, ihrem Idol Bill Bucket nachzueifern und sich auf den Weg gen Kanada zu machen, um dort ihr Glück zu finden. Sie vagabundieren über Land und beschaffen sich die nötigen Mittel für ihren Lebensunterhalt, wie könnte es anders sein, indem sie Banken überfallen. Und spätestens hier hatte ich ständig die Coen-Odyssee „O Brother Where Art Thou“ vor Augen, denn auch die Jewett-Brüder machen auf ihrer Reise Bekanntschaft  mit äußerst skurrilen Typen, wobei das um seine Ersparnisse betrogene Ehepaar Fiddler aus dem Süden Ohios noch am harmlosesten ist. Deren Sohn ist spurlos verschwunden, und so „adoptieren“ sie kurzerhand den jungen Cob Jewett… Wie bereits in „Das Handwerk des Teufels“ beeindruckt der spät zum Schriftsteller berufene Donald Ray Pollock wieder einmal mit einer rabenschwarzen Geschichte aus dem ländlichen Amerika. Sämtliche Personen sind einfache Gemüter, Kompass für ihr Handeln ist in erster Linie die Bibel, aber natürlich nur die Passagen, die „Auge um Auge“ fordern. Keiner von ihnen wurde jemals vom Schicksal begünstigt, jeder Tag fordert erneut dazu heraus, um’s Überleben zu kämpfen. Moral ist ein Fremdwort, lediglich bei Cane sind entsprechende Tendenzen zu erkennen. Aber auch er ist kein Heiliger, so wie es in dem gesamten Roman keine Heiligen sondern nur Sünder gibt. „Die himmlische Tafel“ ist absolut keine Lektüre für Zartbesaitete. Es wird gelogen,  gestohlen und geprügelt, herumgehurt, gesoffen, geflucht, geschossen und gemordet. Pollock Sprache ist direkt und kompromisslos, die Dialoge sind oft bizarr und von schwarzem Humor geprägt. Seine Beschreibungen sind atmosphärisch dicht, sehr bildhaft und lassen vor dem Auge des Lesers immer wieder filmische Sequenzen ablaufen. Und so bleibt abschließend nur zu sagen: Ganz, ganz großes Kino, Mr Pollock!

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