Donald Ray Pollock Knockemstiff

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Inhaltsangabe zu „Knockemstiff“ von Donald Ray Pollock

Wenn die Hölle in dir steckt, gibt es kein Entkommen! Knockemstiff, Ohio, ist ein tristes Kaff in der weiten Leere des Mittleren Westens. Hier trifft man auf Außenseiter, die hin- und hergerissen sind zwischen Sehnsucht und verlorener Hoffnung, zwischen Aufbegehren und sinnloser Gewalt. Da gibt es den jungen Jake, der zum Militär eingezogen werden soll und in die Wälder des Hinterlandes flieht, nur mit einem Messer in der Tasche. Und doch kehren die beiden Soldaten, die ihn verfolgen, nicht lebend zurück … Da ist Daniel, der von zu Hause abhaut und in die Fänge eines psychopathischen Truckers gerät. Oder Duane, der so lange vor seinen Freunden mit einer erfundenen Freundin prahlt, bis er selbst an sie glaubt. Wie in den großen Gesellschaftstableaus von William Faulkner und Sherwood Anderson greifen die Schicksale in Knockemstiff unheilvoll ineinander und verweben sich zu einem Netz falscher Lebenswege, in dem sich die Figuren so ausweglos verfangen, dass als letzte Wahrheit nur die eigenen Illusionen bleiben.

Dreckige Stories und scheinbar hoffnungslose Aussichten und Lebenswege.

— PaulaAbigail

Eine unerträgliche Weltsicht in unprätentiöser Sprache. Nichts und niemand in diesem Buch ist zart oder freundlich. Tödlich für Depressive.

— alasca

Düster, derb und desillusioniert. Keine leichte Kost, aber wirklich gut.

— Aniday

Nichts für schwache Nerven

— Tamaru

Ehrlich und schonungslos wird man in diesen Geschichten mit den Abgründen der Gesellschaft konfrontiert!

— Misteringreen

Ein schonungslos ehrliches Buch über die Abgründe in unserer Gesellschaft.

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Das passende Buch für einen Whisky an einem heißen Sommerabend.

— doceten

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  • Erzählungen aus der Hölle, mitten in Ohio.

    Knockemstiff

    Gulan

    Ich zog mir die dünne Decke über den Kopf und steckte mir die Finger in den Mund. Eine süßer, salziger Geschmack biss mir in die aufgeplatzte Lippe und zog über meine Zunge. Es war das Blut des Jungen, das noch an meinen Händen klebte. Während das Bett meiner Eltern im Nebenzimmer laut gegen die Dielen stampfte, leckte ich mir das Blut von den Knöcheln. Die geronnenen Stückchen lösten sich im Mund auf und verwandelten meine Spucke in Sirup. Nachdem ich alles Blut heruntergeschluckt hatte, leckte ich weiter an meinen Händen. Ich riss mit den Zähnen an der Haut. Ich wollte mehr. Ich wollte immer mehr. (S.26-27) Eine ländliche Gegend im südlichen Ohio. Dünnbesiedelt, wenig Arbeitsplätze. Hier leben die Abgehängten, die Außenseiter. Lebenswege, die nicht von Hoffnung und Zuversicht geprägt werden, sondern von Resignation, Ausweglosigkeit, Verwahrlosung und Gewalt. 18 Kurzgeschichten werden in „Knockemstiff“ zu einem Erzählband zusammengefasst, der von einem Ort der Düsternis und Depression berichtet. Die Ortschaft Knockemstiff ist kein fiktiver Ort, sondern liegt im Süden Ohios Heute ist es mehr oder weniger eine Geisterstadt, doch Autor Donald Ray Pollock ist in Knockemstiff geboren und aufgewachsen. Ausgangspunkt für „Knockemstiff“ war übrigens die Kurzgeschichte „Bactine“, die Pollock bei der Literaturzeitschrift der Ohio State University einreichte. Dort war man von der Geschichte so begeistert, dass man Pollock überredete, sich für einen Creative-Writing-Kurs an der Uni einzuschreiben. Schließlich veröffentlichte er im Alter von 54 Jahren im Jahr 2008 „Knockemstiff“ als sein Debüt. Mit dieser Anthologie war Pollock direkt erfolgreich, er wurde mit Autoren wie Cormac McCarthy, Flannery O'Connor oder Sherwood Anderson verglichen. Zuletzt erschien im letzten Jahr sein Roman „Die himmlische Tafel“. "Ich kann nicht behaupten, dass die Provinz Monster gebiert oder dass sogenannte Hinterwäldler gewalttätiger oder bösartiger als Leute wären, die in der Stadt wohnen. Es ist nur so, dass Menschen, die nicht besonders gut ausgebildet sind und in der ländlichen Abgeschiedenheit leben, ein gewisses Gefühl der Ausweglosigkeit verspüren, das sie möglicherweise unkontrolliert aggressiver werden lässt. Das Internet und das Fernsehen haben die Sache heute vielleicht etwas weniger dramatisch gemacht, aber meine zwei Bücher spielen ja auch in der Zeit, als ich ein junger Mann war, in den 1960er- und 1970er-Jahren." So wird Pollock in einem Beitrag des österreichischen Standard zitiert und beschreibt damit selbst ziemlich präzise, worum es in „Knockemstiff“ geht. Auch der Name der Ortschaft, der soviel wie „Schlag ihn tot“ bedeutet, gibt die Richtung vor. Es ist eine deprimierende Erzählung der Trostlosigkeit, des Abgleitens in den Wahnsinn. Pollock lässt in den 18 Kurzgeschichten verschiedene Personen berichten, mal in Form eines Ich-Erzählers, mal durch einen auktorialen Erzähler. Mehrere Personen tauchen auch an mehreren Stellen auf, aber die Geschichten bauen nicht aufeinander auf. Allerdings fungieren die erste und letzte Geschichte als eine Art Klammer. Es geht um Gewalt in vielen Ausprägungen, zerbrochene Familienstrukturen, Armut, Verwahrlosung, Alkoholsucht, Medikamentenmissbrauch. Der Autor erzählt dies alles in einer lakonischen, fast beiläufigen Art, die aber viel deprimierender wirkt als so manche Sozialprosa. Hier gibt es weit und breit keinen Lichtstreif am Horizont. „Wie du meinst. Und warum bist du nach Florida gefahren?“ „Ach, keine Ahnung“, antwortete Del. „Ich hatte da dieses Buch gelesen. Wir haben wohl nach einem besseren Leben gesucht, könnte man sagen.“ „Und, habt ihr es gefunden?“ „Nein, war ja nur ein bescheuertes Buch. Hab seitdem keins mehr gelesen.“ (S.137) Dieses Buch ist garantiert nichts für Schwermütige, denn die Kurzgeschichten bilden so etwas wie die Essenz der Ausweglosigkeit. „Knockemstiff“ ist stellenweise schwer verdaulich, eine Zumutung, aber oft auch ziemlich brillant. Donald Ray Pollock zeichnet trotz mancher Überspitzung ein realistisch wirkendes Bild des White Trash. Kummer, Spott und Nachtschichten hatten sie in einen Kaffee verschüttenden Zombie verwandelt. Man hätte ihr ein Kreuz an die Stirn nageln können, ohne dass die Frau auch nur mit der Wimper gezuckt hätte. Ohne auf eine Antwort zu warten, machte sie kehrt und schlurfte zu der glänzenden Theke zurück. Ihre weiße Kellnerinnenhose hing am Hintern durch und war voller Kaffeeflecken und Doughnutfett. Wäre ich ein Mann, der sich um ein öffentliches Amt bemüht, ich würde auf Personen wie sie setzen. (S.147)

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    • 15
  • Tief in die Abgründe der Gesellschaft

    Knockemstiff

    Annesia

    16. September 2014 um 10:54

    Wenn die Hölle in dir steckt, gibt es kein Entkommen! Knockemstiff, Ohio, ist ein tristes Kaff in der weiten Leere des Mittleren Westens. Hier trifft man auf Außenseiter, die hin- und hergerissen sind zwischen Sehnsucht und verlorener Hoffnung, zwischen Aufbegehren und sinnloser Gewalt. Da gibt es den jungen Jake, der zum Militär eingezogen werden soll und in die Wälder des Hinterlandes flieht, nur mit einem Messer in der Tasche. Und doch kehren die beiden Soldaten, die ihn verfolgen, nicht lebend zurück. Da ist Daniel, der von zu Hause abhaut und in die Fänge eines psychopathischen Truckers gerät. Oder Duane, der so lange vor seinen Freunden mit einer erfundenen Freundin prahlt, bis er selbst an sie glaubt. Wie in den großen Gesellschaftstableaus von William Faulkner und Sherwood Anderson greifen die Schicksale in Knockemstiff unheilvoll ineinander und verweben sich zu einem Netz falscher Lebenswege, in dem sich die Figuren so ausweglos verfangen, dass als letzte Wahrheit nur die eigenen Illusionen bleiben. Es ist einfach ein gigantisches Buch. Klar, nichts für schwache Nerven. An manchen Stellen fragt man sich wirklich ob es nicht besser wäre, das Buch vorerst beiseite zu legen aber wenn man ersteinmal durch ist, sieht man die Welt mit anderen Augen. Es gibt so viel Grausamkeit, Ungerechtigkeit und Verrat auf der Welt. Und Bücher wie Knockemstiff bringen uns die Wahrheit unverblümt nahe. Ein einmaliges Leseerlebnis!

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  • Zuviel White Trash Odeur.

    Knockemstiff

    JimmySalaryman

    Pollock schreibt wie ein Amerikaner, modern, karg, er 'zeigt' viel, gute Creative writing Schule, fast ein wenig wie Carver, nur nicht auf diesem Niveau, natürlich. Hier ist aber alles zu viel des Guten: die Motive sind sich allzu ähnlich, ein Klischee reiht sich an das nächste, und man wird dem schnell müde. Ja, wir haben es verstanden: Knockemstiff ist das Arschloch dieser Welt, alles weißer Abschaum, Drogen, Sex, Verdünner schnüffeln, Gewalt, Gewalt, Autos. Anschaulich, diese Schicksale, aber nur in den wenigsten Fällen empathisch. Die Figuren handeln, und man liest, und sie sind einem doch irgendwie seltsam scheißegal. Pollock schafft es nur in kurzen Glanzlichtern, seinen Figuren diese traurige Langsamkeit, diesen Verdruß und das Verlorensein einzuhauchen, leider zu zu selten.

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    • 2

    Arun

    18. March 2014 um 00:24
  • Hölle pur

    Knockemstiff

    Monsignore

    24. February 2014 um 19:53

    Dieses Buch ist eine maßlose Übertreibung, in jeder Hinsicht. Pollock, der bewiesen hat, dass er der Spur des harten, desillusionierten US-Romans, also des "hard boiled", nachfolgen kann, überzieht hier dermaßen, so dass aus dem Roman eine Groteske wird. Ständig gibt es ordentlich was auf die Schnauze, Leichen überall, Perverse, Kinderschänder, Psychopathen und völlig Durchgedrehte bevölkern das Buch. Story und Personen machen dem Buch den Garaus. Fazit: Wer "hard boiled" gerne liest, sollte dieses Buch meiden.

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  • "Schlag sie tot" wird in Knockemstiff wörtlich genommen

    Knockemstiff

    Gruenente

    Knockemstiff ist ein kleines Kaff im Nirgendwo von Ohio. Ein Ort ohne Hoffnung, aber voller Gewalt, Drogen, Missbrauch, Schmutz, Sozialhilfe, Verbrechen, Mord, Vergewaltigung, Hass und Neid. alle wollen weg, aber keiner schafft es so richtig. Die Meisten, die es hinaus schaffen scheitern woanders und kommen zurück gekrochen in diese Art Vorhof zur Hölle. Das Buch besteht aus Geschichten über Einzelschicksale, die alle durch den Ort und die Hoffnungslosigkeit verbunden sind. Einige Personen tauchen immer wieder auf, die zeitspanne geht über mehrere Jahrzehnte. Die erste und die letzte Geschichte bilden eine Art Klammer.  Eindeutig großartig geschrieben, sollte aber nur gelesen werden, wenn es dem Leser einigermassen gut geht (sonst bringt man sich vielleicht direkt selbst mit um). Und hintermann kann man immer noch sagen: "Mensch, was geht es mir gut!". Ein Buch über den amerikanischen Albtraum.

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    • 3
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