Donatella Di Pietrantonio Bella mia

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Inhaltsangabe zu „Bella mia“ von Donatella Di Pietrantonio

Als 'Bella mia' besingt ein Volkslied die Stadt L’Aquila in den Abruzzen – 2009 legt ein Erdbeben sie in Schutt und Asche, tötet Menschen, reißt Familien auseinander. In einer der Behelfsunterkünfte, die bald die einzige Normalität darstellen, versuchen drei Menschen, den Weg zurück ins Leben zu finden: die Erzählerin Caterina, deren Zwillingsschwester Olivia umkam, als sie noch kurz in das einstürzende Haus zurücklief, Marco, Olivias heranwachsender Sohn, der nach dem Verlust niemanden mehr an sich heranlässt, und die alte Mutter, die sich um alle kümmern will und doch selbst am meisten Hilfe braucht. Wie soll man einem schweigsamen, störrischen Jugendlichen plötzlich Ersatzmutter sein, wie den eigenen Gefühlen wieder trauen und die Sicherheit finden, sich auf Neues einzulassen? Behutsam, über kleine Gesten und auf ganz unterschiedlichen Wegen finden die drei allmählich aneinander Halt und den Mut, der Willkür und Vernachlässigung durch die Behörden zu trotzen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ein eindringlicher Roman über Verlust und verschüttete Gefühle, aber auch über die Kraft, sich neu zu erfinden.

Wer sich gedanklich mit dem Erdbeben und seine Folgen in L'Aquila 2009 beschäftigen will, ist mit diesem fiktionalem Werk gut bedient.

— Nil
Nil

Eine gefühlvolle Geschichte einer Familie -Traurig, hoffnungsvoll, eine Geschichte voller Emotionen.

— Buchraettin
Buchraettin

Ein Erdbeben hat ihnen alles genommen, hat alles Hab und Gut zerstört...Da fragt man sich doch, was einem im Leben wirklich wichtig ist?!

— AgnesM
AgnesM

Ruhige eindringliche Geschichte über Wege der Verlust-Verarbeitung

— StefanieFreigericht
StefanieFreigericht

Es ist eine Geschichte über Verlust, Schmerz und Neuordnung. Meinen Geschmack hat es aber leider nicht ganz getroffen.

— Nimmer_Satt
Nimmer_Satt

Es ist der verzweifelte Versuch, das Leben zu akzeptieren. Aber auch die Darstellung von Schmerz, wie einen erstickten Schrei der Liebe.

— JulesBarrois
JulesBarrois

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  • Momentaufname eines Lebens nach dem zerstörerischen Erdbeben von L'Aquila

    Bella mia
    Federfee

    Federfee

    28. September 2016 um 10:50

    Schreckliche Ereignisse und ihre Folgen kann man viel besser verstehen, wenn das Grauen am Konkreten festgemacht ist, auch wenn es ein Roman ist. Hier sind es drei unterschiedliche Hauptpersonen:Die alte Mutter, die ihre Tochter verloren hat und jeden Tag frische Blumen auf das Grab legt,die Ich-Erzählerin, ihre Tochter, Töpferin, die ihre Zwillingsschwester Olivia verloren hat undMarco, der untröstliche Sohn von Olivia, mit 16 mitten in der Pubertät, pickelig, bockig, zornig, mit einem schwierigen Verhältnis zum Vater, der als Musiker in Rom lebt und sich wenig um ihn kümmert.Alle drei leben in einer Übergangswohnung, die der Staat schnell hat bauen lassen, in einer Trostlosigkeit, die wenig Hoffnung gibt.L'Aquila ist ein historischer Ort in den Abruzzen nordwestlich von Rom, über den ein schreckliches Erdbeben hereinbrach: Tod, Verlust, Zerstörung. Als sich die Erzählerin heimlich in die verbotene rote Zone schleicht, um in ihrem Atelier etwas zu holen, bekommen wir einen kleinen Eindruck vom Ausmaß der Katastrophe. Sie wird immer wieder von ihren Erinnerungen eingeholt und fühlt sich schuldig, dass sie überlebt hat und die Schwester nicht."Wenn ich sie am wenigsten brauchen kann, fallen die Erinnerungen wie Hyänen über mich her." (eBook 58)Und doch regen sich in all' dem Elend und der Hoffnungslosigkeit zarte Pflänzchen, die auf eine Normalisierung hindeuten:Marcos Vater nimmt ihn mit auf eine Konzertreise, die jüngere Freundin der Großmutter ist schwanger und es werden Babysachen gestrickt. Und die Ich-Erzählerin verliebt sich in den Professor aus Bologna, der ihr das neue Atelier vermietet hat. Ob daraus etwas wird, ist fraglich, aber die Zeichen der Hoffnung sind unübersehbar. Er fragt sie, ob sie auch mal an sich denkt."Er wollte das Problem in den Raum stellen, damit es leise an mir nagt wie ein satter Holzwurm." (eBook 152)Das Cover finde ich sehr gelungen: eine zerbrochene Uhr … die Zeit. Der Titel entstammt dem Volkslied 'L'Aquila Bella Mia'.Wenn man ein offenes Ende ertragen kann (ist das Leben nicht immer so?), dann ist dies ein wunderbar zu lesendes Büchlein mit einem zarten Hoffnungsschimmer, vielleicht mit der Botschaft, dass das Leben immer weiter geht.

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  • Ein Roman, der erzählt von Liebe und Schmerz und von der Kraft der eigenen Wurzeln

    Bella mia
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    09. September 2016 um 12:08

    In ihrem Debütroman „Meine Mutter ist ein Fluss“ beschrieb die italienische Schriftstellerin Donatella Di Pietrantonio mit einer dichten Sprache voller Poesie die schwere Lebensgeschichte ihrer Mutter. Sich mit ihren Worten regelrecht frei schreibend, näherte sie sich der gemeinsamen Lebensgeschichte von Mutter und Tochter bis sie einen vorher nicht für möglich gehaltenen Punkt erreicht, an dem so etwas erfahrbar wird wie Versöhnung zwischen  Tochter und Mutter. Eine Versöhnung, die es der Tochter auch in der Zukunft ermöglichen wird, selbst mehr als Mangel zurückzugeben.Auch ihr zweiter Roman „Bella mia“ führt den Leser wieder in die archaisch anmutende Welt der Abruzzen. Es ist die 2009 von einem Erdbeben in Schutt und Asche gelegte Stadt L’Aquila, die in einem Volkslied als „Bella mia“ besungen wird.Man würde vermuten, dass in diesem Buch auch darum geht, wie eine verfehlte und korrupte Politik bei diesem Erdbeben nicht nur zu einer hohen Zahl von Opfern geführt hat , sondern auch den nötigen Weideraufbau auf unabsehbare Zeit hin verzögert. Doch um diese Dramatik geht es nur am Rande. Die Hauptfigur dieses wieder mit viel psychologischem Gespür geschriebenen und von Maja Pflug gewohnt gekonnt übersetzten  Romans, Caterina, hat bei dem Erdbeben 2009 ihre Zwillingsschwester Olivia verloren.Sie, die als Erzählerin ihre Geschichte erzählt, lebt nun zusammen mit ihrer Mutter und dem Sohn ihrer Schwester am Stadtrand. Sie hat sich ihre Keramikwerkstatt wieder aufgebaut und setzt sich, von Donatella Di Pietrantonio sensibel und warmherzig beschrieben, mit dem Leben ihrer Schwester auseinander und mit dem Verhältnis der beiden Zwillinge.Neben den tiefgehenden Inneneinsichten der Beziehung zweier Schwestern ragen die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen in diesem Roman hervor. „Bella mia“ ist ein Roman, der erzählt von Liebe und Schmerz, von der Kraft der eigenen Wurzeln und von dem Mut, den man braucht um nach einer Katastrophe wieder neu anzufangen und das Leben neu lieben zu lernen.

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  • Was macht man, wenn man einen Angehörigen bei einem Erdbeben verliert?

    Bella mia
    Nil

    Nil

    23. May 2016 um 13:31

    In Deutschland haben wir das besondere Glück, dass wir in einer Region der Erde leben, in der wir selten einer Naturkatastrophe ausgesetzt sind, wie beispielsweise Tsunamis oder Erdbeben. Die italienische Stadt L’Aquilar in den Abruzzen liegt in einer Erdbeben-Gefahrenzone und hatte leider im 2009 das unsägliche Pech von einem so dramatischen Erdbeben heimgesucht zu werden, dass es 291 Tote in dem Städtchen gab und viele historisch wertvolle Gebäude heute nicht mehr stehen. Der Roman ‚Bella Mia‘ von Donatella Di Pietrantonio spielt genau zwei Jahre nach dieser Katastrophe L’Aquilar. Die Hauptperson, aus deren Perspektive wir diese Geschichte auch erzählt bekommen, ist Caterina, die in dem Erdbeben ihre Zwillingsschwester Olivia verloren hat. In dem Moment in dem wir sie kennenlernen lebt sie mit ihrem Neffen, dem Sohn der Toten und ihrer Mutter in den schnell errichteten Ersatzwohnungen am Stadtrand. Der Roman erzählt von dem Ereignis und von vor allem von der Trauerbewältigung der drei Hinterbliebenen. Die Geschichte erzählt wie sie sich alle schwer tun zurück in den Alltag zu finden. Immer wieder kommen die Bilder und die Vorwürfe hoch. Trotz aller Dramatik des Ereignisses, ist es ein leiser, zarter und vor allem ehrlicher Umgang mit der Situation. Sprachlich ein wunderbares lesevergnügen, nicht zuletzt, weil es von Maja Pflug sehr gut übersetzt wurde. Was ich leider vermisst habe bei dem Roman ist die allgemeine Aufarbeitung der Katastrophe. An einer Stelle spricht Caterina mit ihrem Neffen über die Experten, die allen versichert haben, dass die Häuser dem Erdbeben standhalten und dann war dem nicht so. Wo an anderer Stelle die Sterbeszene der Schwester/Mutter/Tochter vielfach hervorgehoben wird, ist diese doch entscheidende Szene mit diskutablem Inhalt schnell abgewürgt. Mir ist klar, dass es eine fiktionale persönliche Geschichte Einzelner ist, aber an der einen oder anderen Stelle hätte ich mir mehr zur übergeordneten Situation gewünscht. Fazit: Ein berührender Roman, der auf eine Katastrophe aufmerksam macht und wie drei Hinterbliebene mit dem Schmerz versuchen zu leben.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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  • Bella Mia

    Bella mia
    AgnesM

    AgnesM

    29. April 2016 um 12:03

    Ein Erdbeben hat ihnen 2009 alles genommen, hat alles Hab und Gut zerstört und ein Familienmitglied getötet. Die Mutter hat ihre Tochter, die Schwester ihre Zwillingsschwester und der Neffe seine Mutter verloren. Das Wohnviertel ist durch das Militär abgesichert und das Betreten der Zone strengstens verboten. Doch die Sehnsucht nach der Vergangenheit, nach der damals vorherrschenden heilen Welt und den vertrauten Gebrauchsgegenständen bleibt, so dass man sich heimlich in diese zerstörte Zone schleicht und in Erinnerungen schwelgt, alte Klamotten, Töpfe, Decken und Möbel begutachtet und sich fragt, wann und ob man jemals wieder dahin zurückkehren wird. Wann kehrt wieder Normalität ein? Wann wird man der Trauer entfliehen können? Alles ist in Staub und einen grauen Umhang gehüllt. Die Menschen leben in provisorischen Wohnblöcken, die kurz nach dem Erdbeben errichtet worden sind, doch schon anfangen zu bröckeln. Die Vergänglichkeit ist überall sicht- und greifbar. Caterina lebt mit ihrer Mutter und ihrem Neffen Marco, dem Sohn ihrer Zwillingsschwester Olivia, in dieser Wohnsiedlung und beschäftigt sich tagein tagaus mit den Verlusten, die ihre Familie, aber auch die Menschen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, erleiden mussten. Sie beobachten die gebrochenen Gestalten, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen, sie versucht ihren Neffen zu erziehen und hat jeden Tag ihre Schwester, die sie über alles geliebt hat, vor Augen. Jedes Mal ist es ein Stich ins Herz, wenn sie an Olivia denkt und merkt wie sehr ihre Schwester fehlt. Ich mag den klaren Schreibstil der Autorin und die Familiengeschichte bzw. das Drama hat mich berührt und zum Nachdenken angeregt. Dem Leser wird vor Augen geführt wie schnell alles verloren und zerstört sein kann. Da fragt man sich doch, was einem im Leben wirklich wichtig ist?! Da wird einem klar, auf wie viele (materielle) Dinge man tatsächlich verzichten kann, denn diese Dinge geben uns nicht viel zurück. Es sind die Menschen, die uns im Leben begleiten, auf die wir nicht verzichten können. Die helfende Hand, die uns gereicht wird, die wärmende Umarmung, die tröstenden Worte die uns in schweren Stunden aufmuntern. Familie, Freunde, Bekannte und Nachbarn machen unser Leben lebenswert. Dies wird auch in dem Buch deutlich, indem geschildert wird wie die drei Protagonisten mit ihrer Trauer umgehen und sich gegenseitig bewusst, aber auch teils unbewusst, zur Seite stehen und unterstützen.

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  • Ruhige eindringliche Geschichte über Wege der Verlust-Verarbeitung

    Bella mia
    StefanieFreigericht

    StefanieFreigericht

    14. April 2016 um 17:54

    https://www.youtube.com/watch?v=v48WRmli4QA - wie der Klappentext mitteilt, ist es dieses Volkslied, in dem von L’Aquila in den Abruzzen gesungen wird als „Bella Mia“. Das zerstörerische Erdbeben 2009 hatte ich nur noch schwach aus den damaligen Nachrichten in Erinnerung – was mir nicht präsent war: es hatte lange Zeit Vorbeben gegeben – und ebenso lange offizielle Beschwichtigungen. Häufig war beim Bau gepfuscht worden. Und danach wurde viel versprochen – und wenig gehalten. http://www.spiegel.de/panorama/erdbeben-in-l-aquila-viel-geld-fuer-wenig-wiederaufbau-a-771336.html https://de.wikipedia.org/wiki/L%E2%80%99Aquila Die Ich-Erzählerin hat das Erdbeben überlebt, ihre Zwillingsschwester nicht, dafür deren Teenager-Sohn. Beider Häuser sind unbewohnbar und liegen jetzt in einer vom Militär bewachten Sperrzone, nicht viel wurde dort wieder hergestellt. Auch das Haus der Mutter der Zwillinge in einem Dorf in der Nähe wurde zerstört. Jetzt leben drei Generationen zusammen, der Heranwachsende Marco, die Tante Caterina und die Großmutter, in erdbebensicheren Wohnanlagen, schnell, aber schlampig errichtet für die vielen obdachlos gewordenen Menschen, Provisorien ohne sinnvolle Infrastruktur, defizitär in der Verkehrsanbindung wie für die menschlichen Beziehungen. Auf dieser Ausgangssituation setzt Donatella di Pietrantonio ein: Ihr Roman erzählt von der Situation in L’Aquila, ruft diese ins Gedächtnis zurück und klagt durchaus an, was es an Versäumnissen auf offizieller Seite gab und gibt – schließlich fragt man sich zwingend bei der Lektüre, warum das Provisorium der Dauerzustand geblieben ist. Das ist es aber längst nicht: Melancholisch schreibt die Autorin über den Schmerz der Überlebenden im Provisorium, über das Gefühl der Schuld, über das schlechte Gewissen der Überlebenden, über die Gedankenlosigkeit derer ohne Verluste geliebter Menschen, über die vielen Formen der Trauer, die Sprachlosigkeit, das Verharren in der Schuld, das Einander-Ausweichen, das Vermeiden. Die Erinnerung. Ich hatte in diesem Jahr mit Lot Vekemans „Brautkleid aus Warschau schon ein Buch, in dem die, die einander lieben, unfähig sind, miteinander zu reden. Aber während ich dort den Personen am liebsten zugerufen hätte, sie möchten doch ihre Probleme miteinander bereden, weiß ich in dieser Handlung hier, dass das nichts helfen würde. „Die wenigen Wörter, die wir wechseln, prallen an unsichtbaren Hindernissen ab und rollen verzerrt zurück.“ (S. 98). Einig ist sich die erzwungene Schicksalsgemeinschaft nur in der Ablehnung von Marcos von der Mutter geschiedenem Vater Roberto: S. 101 „“Wenn er bei ihr geblieben wäre, wäre sie nicht zum Sterben nach L’Aquila zurückgekommen““, ist es ihr [der Großmutter] einmal bei der Blumenhändlerin vor dem Friedhof herausgerutscht, aber halblaut, als spräche sie zu sich selbst. Das werfen wir Roberto innerlich vor. Alle drei brauchen wir irgendwie einen Schuldigen an diesem unfassbaren Verlust. Marco braucht auch einen Vater.“ Aber der Text schafft noch mehr: in Rückblicken wird das Erdbeben beschrieben wie auch die nachfolgende Zeit in der Notunterkunft: „Im Camp waren wir Luxusgefangene; berühmte Köche kamen, um für unseren fehlenden Appetit zu kochen, und Politiker besuchten uns in sportlicher, den Umständen angemessener Kleidung und mit Gesichtern, die Solidarität ausstrahlen sollten. Die Fernsehkameras filmten sie vor dem blauen Hintergrund der Zelte, während sie versprachen, sich für den baldigen Wiederaufbau des gesamten, vom Erdbeben betroffenen Gebiets einzusetzen, und den Mut und die Würde der so hart geprüften Bevölkerung lobten. Ich ging hinaus und lief herum oder legte mich auf mein Feldbett, um sie nicht zu hören. Abends Aufführungen und Konzerte, alles gratis. Wir hatten keine große Lust darauf, der größte Teil des Publikums kam von außerhalb. Dank des Erdbebens kamen Persönlichkeiten in unsere Breiten, denen es im Traum nicht eingefallen wäre, in L’Aquila aufzutreten, doch niemand übernachtete anschließend hier. Sie fuhren zurück nach Rom, wie sie vor den ständigen Erschütterungen und Unannehmlichkeiten sicher waren.“ (S. 114) Es steht leider nicht im Buch, aber das italienische Original erschien bereits am 15. Oktober 2014; wann man den nötigen Vorlauf mit bedenkt, also sicherlich vor den großen Flüchtlingsströme nach Europa. Ungeachtet dessen schafften es gerade die Schilderungen dieses Buches, die Notgemeinschaft, den plötzlichen Verlust des bisherigen Lebens besser für mich begreifbar zu machen als etliche dedizierte Romane zum Thema, aktuelle Situation der Flüchtlinge oder andere Konflikte, schlicht, weil für mich als deutlich nach dem zweiten Weltkrieg geborene Deutsche Kriege oder Hungersnöte (zum Glück!) einfach viel weniger vorstellbar sind als die beschriebene Situation mit einer Naturkatastrophe als Auslöser – auch in Deutschland stürzte der Gebäudekomplex des Stadtarchivs Köln samt zweier benachbarter Wohngebäude ein, bei einem Hangrutsch in Sachsen-Anhalt wurden drei Bewohner mitgerissen. Vielleicht verfolge ich damit kein politisch korrekter Ansatz, aber authentisch. Aber selbst hier findet noch eine Steigerung statt in der Analyse der inneren Konflikte der Hauptpersonen: „Das Erdbeben hätte es nicht gebraucht; schon vorher hatte jeder seinen eigenen Schmerz.“ (10). Faszinierend, wie die Überlebende Caterina die Erstgeborene Olivia als unerreichbares Ideal empfindet, geliebt, bewundert, beneidet. Sich selbst sieht sie lange als die zur kurz gekommene. „Später, als die Gesichter ausgeprägter wurden, ließen winzige Details eine von uns heiter und gewinnend erscheinen, und mich gewöhnlicher.“ (S. 26) Im Verlauf der Geschichte erkennt sie, dass sie als die jüngere stets aller Fürsorge auf sich konzentrierte. Die Heilung beginnt erst, als das Gefühl von Schuld schwindet und das Leben wieder zugelassen wird. Bis hierher hatte ich dieses Buch geradezu geliebt. Mit dem Ende hingegen bin ich nicht ganz glücklich, es kommt mir etwas zu zügig, etwas zu sehr an zu vielen Fronten, etwas zu glückselig. Genau diese Tatsache hat jedoch dazu geführt, dass ich mich wesentlich länger mit dem Buch beschäftigt habe („darf man sich so schnell wieder dem Leben zuwenden?“) – was sollte Literatur mehr. Insgesamt ein starker Leseeindruck mit sehr facettenreichen Themen. Ich habe mir infolge auch den Erstlingsroman von Donatella di Pietrantonio „Meine Mutter ist ein Fluss“ gekauft.

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  • Bella mia - Wenn dir ein Erdbeben fast alles nimmt

    Bella mia
    Nimmer_Satt

    Nimmer_Satt

    06. April 2016 um 19:21
  • Ein Augenblick kann alles ändern.

    Bella mia
    JulesBarrois

    JulesBarrois

    Bella Mia von Donatella Di Pietrantonio (Autor), 224 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH; Auflage: 1 (17. Februar 2016), 18,95 €, ISBN-13: 978-3956140914 Es gibt viele Wege, um den Schmerz zu zeigen. Wird der Schmerz aber je vergehen? Das Erdbeben vom 6. April 2009 in Aquila war für viele Überlebende der Beginn eines vorläufigen Lebens mit vielen leeren Versprechungen. „Als sie dir diese Luxusbaracke zugewiesen haben, haben sie genau darauf spekuliert, dass du dich daran gewöhnst und aufhörst zu fordern, dass die Stadt wieder aufgebaut wird.“ (Seite 158) Eines davon war das CASE-Projekt. Hier lebt Caterina mit ihrer Mutter und ihrem Neffen Marco, der Sohn ihrer Zwillingsschwester Olivia, die bei diesem Erdbeben getötet wurde. Es wäre zu einfach zu sagen, dass dies ein Roman über das Erdbeben in L'Aquila ist. Ja, es ist wahr, das Buch erzählt von Zerstörung und Zusammenbruch, von Schutt und Übergangswohnungen. Aber: „Das Erdbeben hätte es nicht gebraucht; schon vorher hatte jeder seinen eigenen Schmerz.“ (Seite 10) Auf der einen Seite lesen wir eine Geschichte über das Alltägliche, vor und nach dem Erdbeben. Andererseits begegnen wir hier der Innenansicht von Überlebenden. Eine direkte und intensive Erzählung über die Fragilität des menschlichen Daseins, deren Hauptbestandteile Schmerz und Scham sind. Und über allem scheint der „Der Schrei von Edward Munch“ und die Frage von Hiob: „Warum?“ zu schweben. Catherine und Olivia ... oder besser gesagt, die andere Olivia, Olivia und ihre Schwester, Olivia und die andere. Die Protagonisten dieses ergreifenden Romans sind Zwillinge. In der Tat ist der Protagonist „der andere“, der Zwilling, der nicht abheben wollte, der schwache, zerbrechliche, kleine Zwilling: Caterina. Zwillinge sind nie wirklich Zwillinge. Es sind nur Details die diesen Unterschied unüberwindlich machen. Olivia ist derjenige, die schon im Bauch der Mutter mehr Liebkosungen erhält. Sie wird mehr essen. Sie wächst mehr. Sie ist schön, intelligent, stark und entschlossen. Die andere nicht. Oder zumindest nicht so viel wie sie. Aber die andere ist die, die überlebt und berichtet Das sind die durchgängigen Themen: Trauer und Wut über das ausgestorbene kleine Glück, das die Icherzählerin im Staub und in den Rissen ihres ehemaligen Wohngebäudes sucht. „Das graue Geflecht der Risse auf den Häuserfassaden verblasst langsam zu unregelmäßigen Girlanden, in die Ritzen im Putz schleichen sich Wind und Wetter ein.“ (Seite 78). Die Sorge um den hilflosen und mutterlosen Sohn. „Untröstlich saß er da, unserer hilflosen Fürsorge ausgesetzt.“ (Seite 33) Die Strafe für ihre Mutter. Diese „fleht zu ihrem Gott und tröstet sich damit.“ (Seite 12) All das ist erst beschränkt auf den Rand ihrer Träume. Diese ändern sich langsam, gleiten bösartig in unbekanntes Terrain, wo aus der Leere ihrer Seele die Widersprüche von Zwillingen schamlos zu Tage treten und die Grenze zeigen, ab der das Selbst aufhört, ein Selbst zu sein. „Diese schwärzesten Abschnitte der Nacht gehörten immer ihr, sie fehlt mir gnadenlos ...“ (Seite 118) Es ist der verzweifelten Versuch, das Leben zu akzeptieren. Aber auch die Darstellung von Schmerz, wie einen erstickten Schrei der Liebe. Ein unterschwelliger Charme zieht sich durch dieses Buch, versteckt in den Rissen des Verputz und in den Zwischenräumen des Herzens. Der Schmerz des Verlustes und der menschlichen Ohnmacht schwebt in der kleinen Wohnung, infiziert alle, erobert die schlaflosen Nächte und stört die frühen Sonnenaufgänge. Donatella Di Pietrantonio hat einen Roman über Familie und Liebe geschrieben, über zerbröckelnde Fernbeziehungen, über die Notwendigkeit des Körpers eines Freundes, um ihre Leiden oder ihren Durst nach Umarmungen zu teilen. Ein Roman über die Zärtlichkeit, die Schuld, die untrennbare Verbindung von zwei Zwillingsschwestern. Sie erzählt die Reise von ihrer Konzentration auf ihre Trauer, die Wiedereröffnung in der Welt der anderen. Donatella Di Pietrantonio schreibt sehr dicht, manchmal komplex, manchmal sanft und effektiv über die Beziehung von Liebe und Hass, Schmerz in unauslöschlichen, schillernden Bilder. Und vor allem die dramatische Schönheit, der leeren, zerstörten Häuser und Plätze, die noch erzählen. Sie schreibt einfach, aber prägnant, witzig und sie trifft einen außerordentlichen emotionalen Ton. Mir kommt es vor, wie eine unaufhörliche Serie von Fotos oder kleinen ergreifenden und aufschlussreichen Gemälden. Das schmerzhafte Thema, das behandelt wird, wird durch eine beeindruckende und anspruchsvolle Prosa, die in den Winkeln der Tragödie köstliche Poesie versteckt, gemildert. Für alle, die sehr gut geschriebene, intensive Geschichten lieben, die dem Schmerz ausdrücken und eine ergreifende Beschreibung liefern, die aber nie banal werden und auch Hoffnung bieten. Ein Buch dass Sie in einem Zug durchlesen. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages http://www.kunstmann.de/titel-0-0/bella_mia-1101/ Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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