Stille Wasser

von Donna Leon 
4,1 Sterne bei30 Bewertungen
Stille Wasser
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Nils avatar

Im Vergleich zu anderen Brunetti-Krimis ist dieser etwas lahm. Sehr schade.

A

schwächster Brunetti Roman bisher, lange kein Fall, irgendwie diesmal nicht so gelungen...

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Inhaltsangabe zu "Stille Wasser"

Schwächeanfall in der Questura. Das Räderwerk des Alltags hat Brunetti zermürbt. Krankgeschrieben, soll sich der Commissario in der Lagune von Venedig erholen. Wie wunderbar, einmal nicht Verbrechern hinterherzujagen, sondern in ländlicher Idylle seine Gedanken mit den Wolken ziehen zu lassen! Doch zwischen Bienen und Blumen kommt er einem größeren Fall als je zuvor auf die Spur.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257069884
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:24.05.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 24.05.2017 bei Diogenes erschienen.

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    Mary2s avatar
    Mary2vor einem Monat
    Ein stiller Brunetti-Roman in ruhigem Tempo

    Der sechsundzwanzigste Brunetti-Roman nimmt die Leser mit in die venezianische Lagune.

    Kurz vor dem Burnout stehend wird Brunetti krankgeschrieben und zieht sich in das Haus eines Verwandten auf der stillen Insel Sant‘ Erasmo zurück. Lesen, rudern, zur Ruhe kommen soll sein Tagesablauf werden. Mit dem ansässigen Davide Casati, einst ein Ruderfreund von Brunettis Vater, begibt sich der Commissario auf ausgedehnte Bootstouren durch die Lagune. Auch der Leser entschleunigt bei den Betrachtungen zum meditativen Rudersport, der Bienenzucht und den Gezeiten in der Lagune.

     

    Schließlich gibt es doch wieder Arbeit für Guido Brunetti: Casati und sein Boot sind nach einem Unwetter verschwunden. Bei der anschließenden Suchaktion wird der Vermisste tot aufgefunden: Unfall, Suizid oder Mord?

    Brunetti taucht tief in die Vergangenheit ein und recherchiert bei allen Personen aus Casatis Umfeld – behutsam, aber hartnäckig.

    Dabei kommen traurige und tragische Wahrheiten zutage. Ein lange zurückliegender Arbeitsunfall sowie die damaligen Kollegen werden zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Am Ende sind zwar nicht alle Fragen gelöst, aber Brunetti hat seine Arbeit getan und kann wieder in den Alltag zurückkehren.

     

    Ein Roman ganz im Stile von Donna Leon. Der vertraute Leser wird sich sofort einfinden können und sich auf den langsamen Rhythmus des Buches einstellen.

    Jedoch taugt „Stille Wasser“ nicht zum Einstieg in die Brunetti-Reihe. Freude werden nur diejenigen haben, die Brunetti schon gut kennen. Mir hat dieser Fall wieder einmal gut gefallen, ich vergebe die volle Punktzahl und freue mich auf die Fortsetzung.

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    UteSeiberths avatar
    UteSeiberthvor einem Jahr
    Erholungsferien ohne Erholung

    Brunettis anstrengender Alltag mündet in einem Schwächeanfall und er soll sich nun in der Villa einer Verwandten Paolas in der Lagune
    erholen.Er lernt den älteren Casati kennen ,der sich um seine Bienen und das Bienensterben kümmert und meint,die Umwelt der Lagune
    sei vergiftet,daher auch das Bienensterben.Eines Tages  ist Casati 
    verschwunden und wird tot aus der Lagune geborgen.Brunetti will klären ob es eine Selbstmord oder ein Mord ist.Er findet zwei ehemalige Kollegen von Casati,die ebenfalls körperlich beeinträchtigt
    sind,einer ist blind und der andere hat beide Unterschenkel verloren.
    Waren sie und Casati vor vielen Jahren vielleicht in einen Umweltskandal um die Lagune verwickelt? Diese Nachforschungen
    fand ich sehr interessant.

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    karatekadds avatar
    karatekaddvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wieder einmal ein stiller Umweltroman. Stimmt nachdenklich. Typisch Donna Leon.
    Stille Wasser - Stille Geschichte

    Dies ist des Commissario Brunettis inzwischen sechsundzwanzigster Fall.

    "Wer wusste schon, was jemand sah? Oder fühlte. Jeder Mensch war ein Universum für sich, mit unendlich vielen Möglichkeiten und Fähigkeiten." - und Geheimnissen und Abgründen, möchte ich ergänzen. (Seite 333)


    Brunetti ist kaputt. Es ist zwar ein fingierter Schwächeanfall während einer brisanten Vernehmung, aber im Ospedale merkt Guido, dass er wirklich auf dem Zahnfleisch kraucht. Krank!


    Paola, Guidos Frau, erscheint wutentbrannt, eher aber wohl besorgt, am Krankenbett. Der junge Kollege, den Guido mit dem Anfall aus der Patsche half, stand plötzlich in der Universität in Uniform vor ihr. 


    Nun verhilft sie ihm zur Erholung in einer Villa auf Sant´ Erasmo.Verwaltet von Davide Casati. Der kannte Guidos Vater von einer gemeinsam gewonnenen Ruder-Regatta. Das verbindet. Und so fängt die Erholung an: Lesen, Rudern, Schlafen... 


    Doch Casati, scheint schwer an einem Problem zu brüten. Er hält Bienenstöcke auf den Inselchen in der Lagune. Erschütternd und geheimnisvoll. der vernarbte Rücken des Lagunen-Imkers.
    Bald ahnt der Leser, das Sterben der Bienen könnte durch ein Umweltverbrechen verursacht wurden sein...


    Und dann findet Brunetti mit den Kollegen auf Sant´ Erasmo die Leiche des Freundes in dessen Boot. Ein Unfall?




    * * *

    Es ist nicht das erste Mal, dass Donna Leon sich italienischer Umweltverbrechen annimmt. Diesmal aber ist es nicht vordergründig die Gier von Firmen, welche diese begehen, hier geht es um die Menschen, die darin verwickelt werden. Und so wird Brunetti daran erinnert: "...die wenigsten denken an die Folgen ihres Tuns. Die eigenen Wünsche rechtfertigen alles." (Seite 332)


    In dieser Geschichte ist also die Suche nach Tätern nicht der Zweck des Handelns von Guido Brunetti, der diesmal mi seiner Kollegin Griffoni ermittelt, unterstützt von Signorina Elettra, die in jedem Hackerclub würde unterkommen können und bemerkenswert wenig gestört vom Vice Questore Patta. Aber vielleicht stört der ja nicht, weil es gerade irre warm ist in Venezia.



    * * *



    Donna Leon bleibt der Art und Weise ihrers Schreibens treu. Ich mag diese Figur, wenn sie ihn an die mahnenden Worte seiner Mutter denken lässt, "dass er von anderen nicht verlangen konnte, die dinge so zu sehen wie er selbst." (Seite 330)


    Oder wenn sie einer Figuren über Männerfreundschaften sagen lässt: "Männer haben keine Freunde,... Männer haben Kameraden und Kumpels und Kollegen, aber die wenigsten haben Freunde. Und wenn doch, sind es meistens Frauen, manchmal sogar die eigene." (Seite 233) Und jetzt, wo ich den Klebezettel entferne, merke ich, das ist eigentlich ein "Schlüsselspruch", dessen "Wahrheit" sich am Ende der Geschichte bestätigt.


    Es sind die gewohnt leisen Töne eines besonderen Polizisten (in der Literatur), wenn der, die Tochter des Davide Casati nach der Bienenpflege befragend zur Antwort erhält:



    "'Ich habe es nie gelernt. Jahrelang habe ich ihn zu den Bienen begleitet und ihm zugesehen, trotzdem weiß ich nicht, was oder wann etwas zu tun ist, oder womit sie im Winter gefüttert werden. Ich habe nicht richtig aufgepasst. Er hat versucht, mir alles zu erklären, aber es hat mich nicht interessiert. Ich wollte nur den Honig.' Sie seufzte.
    Immer sind es die kleinen Tücken, die uns aus der Bahn werfen, dachte Brunetti. Trauer liegt in uns vergraben wie eine Landmine: Schwere Schritte stapfen folgenlos daran vorbei, während andere, die kaum den Boden berühren, sie zur Explosion bringen." (Seite 225)


    Und so findet man in den Romanen der amerikanischen Venezianerin ganz viele Dinge, die einen anhalten, einhalten lassen beim lesen.

    * * *


    Ganz am Schluss betrachtet der Commissario Dottore Guido Brunetti ein Tatortfoto noch einmal ganz genau... 


    Mögen es doch bitte mehr als dreißig Fälle werden.



    * * *



    Im Jahre 1981 zog die im Jahr 1942 geborene Amerikanerin nach Venedig. Hier wurde sie mit den Brunetti-Romanen weltberühmt. Die meisten wurden in Deutschland und in den USA verkauft. Sie soll mal gesagt haben, wenn die auf den italienischen Markt kämen, müsste sie das Land verlassen.



    ► DNB / Diogenes / Zürich 2017 / 978-3-257-06988-4 / 343 Seiten
    ► Donna Leon Webseite
    ► Donna Leon: Unsere Autorenseite
    ► Das Brunetti Projekt
    © KaratekaDD

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor einem Jahr
    Sterben die Bienen, stirbt der Mensch ..

    Um seinen Mitarbeiter Pucetti vor einer Dummheit zu bewahren simuliert Guido Brunetti eine Herzattacke. Er wird in die Klinik eingeliefert und durchgecheckt. Doch ganz ungeschoren kommt der Commissario nicht davon. Die Jahre der Verbrecherjagden, die ihn ohnmächtig machenden Missstände, die Querelen mit Vice-Questore Patta – das alles hat Spuren hinterlassen. Brunetti wird krank geschrieben und er erholt sich auf einer kleinen Insel, auf der Paolas Familie praktischerweise eine kleine Villa besitzen. 

    Dort lernt er Davide kennen, einen alten und einsamen Mann, der in der salzige Lagune Bienen züchtet. Für Brunetti ist das Rudern mit Davide eine willkommene Abwechslung, ist der Bienenzüchter doch ein Freund seines verstorbenen Vaters. Der raue, schweigsame Witwer sorgt sich um seine Bienenvölker, von denen eins nach dem anderen stirbt.

    Doch dann, in einer Sturmnacht kehrt Davide nicht mehr von einem Ruderausflug zurück. Comm. Brunetti pfeift auf die Erholung und ermittelt. Gibt zwischen es dem Tod der Bienen und dem von Davide einen Zusammenhang?

    Meine Meinung:

    Ein Krimi ganz nach meinem Geschmack. Keine wilden Verfolgungsjagden, sondern sachliche Ermittlungsarbeit. Zeugen und Kollegen aus Davides Vergangenheit, die alle ähnliche Narben auf Körper und Seele wie der Tote haben und die lügen, wie gedruckt.

    Was soll hier vertuscht werden? Dass man in Italien (so wie in einigen anderen Ländern) es mit der korrekten Entsorgung von chemischem Abfall nicht so genau nimmt, ist ja bekannt.
    Donna Leon greift in ihrem 26. Fall wieder einmal die Verschmutzung von Venedigs Lagune auf. Ein schier unerschöpfliches Thema, zu dessen Gunsten diesmal die Zankereien mit Alvise und/oder Patta in den Hintergrund treten.

    Fazit:

    Ein Krimi rund um Commissario Brunetti, der nachdenklich stimmt.


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    Haverss avatar
    Haversvor einem Jahr
    Alles beim Alten in der Serenissima

    Nach einer simulierten Herzattacke, mit der Brunetti einen ungestümen Kollegen davor bewahren möchte, eine Dummheit im Affekt zu begehen, muss sich der Commissario in ärztliche Behandlung begeben. Offenbar fordern 25 Dienstjahre doch ihren Tribut, denn die Ergebnisse der Routineuntersuchung zeigen Auffälligkeiten. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Ärztin ihm eine Auszeit zur Regeneration vorschlägt. Nur gut, dass Paolas Tante in der Lagune auf Sant‘ Erasmo, der „Gemüseinsel“, eine Villa besitzt, die nicht genutzt wird. Dort richtet sich Brunetti nun für die kommenden Wochen ein. Natürlich mit seinen geliebten Büchern im Gepäck, um der Langeweile zu entfliehen. Völlig überflüssig, wie sich herausstellt, denn Davide Casati, der Verwalter des Anwesens, ist ein Freund seines verstorbenen Vaters und dessen ehemaliger Bootskamerad. Er nimmt Brunetti unter seine Fittiche und zeigt diesem auf ihren gemeinsamen Ruderausflügen nicht nur die beeindruckenden Schönheiten der Lagune, sondern auch die verheerenden Folgen, die das Eingreifen der Menschen in dieses einzigartige Ökosystem hat. Doch dann trifft ein Unwetter Sant‘ Erasmo, und am nächsten Morgen ist Davide Casati spurlos verschwunden…

    „Stille Wasser“, so der Titel des neuen Kriminalromans von Donna Leon, ist einer der besten Bände der Reihe. Die verschiedenen Personen sind überzeugend und lebendig gezeichnet, allen voran Davide Casati, der gute Mensch, der unbedacht gehandelt hat und deshalb von Schuldgefühlen geplagt wird, aber auch seine ehemaligen Kollegen, die sich ihre Schuld vergolden lassen.

    Und wie wir es von der Autorin seit nunmehr 25 Bänden gewohnt sind, entwickelt sie diese Story routiniert. Eine aktuelle Note erhält die Geschichte durch Casatis „Mädchen“, seine Bienen, deren Stöcke er an verschiedenen Stellen in der Lagune verteilt hat. Als ein Volk nach dem anderen stirbt, erkennt er, dass jede Aktion eine Reaktion zur Folge hat – auch wenn oft andere für die eigene Schuld bezahlen müssen.

    Sind wir doch mal ehrlich: die Brunetti-Krimis lesen wir nicht wegen der nervenzerfetzenden Hochspannung, sondern weil wir die besondere Atmosphäre lieben, die sie jedes Mal aufs Neue garantieren. Und die Themen, mit denen Donna Leon in „Stille Wasser“ den venezianischen Commissario sowie ihre Leser konfrontiert, sind auch nicht neu, haben aber von ihrer Aktualität nichts verloren und scheinen die Autorin immer wieder umzutreiben: Der rücksichtslose Umgang mit der Natur. Profitinteressen, die über allem stehen. Bestechlichkeit und Schweigen, erkauft mit hohen Beträgen. Von daher - alles beim Alten in der Serenissima!

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    Petra1984s avatar
    Petra1984vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Brunetti mal anders
    Brunetti mal anders

    Es handelt sich um einene ganz typischen Krimi von Donna Leon. Die Handlung plätschert so dahin und extreme Höhen und Tiefen. Für Fans von Donna Leon und Comissario Brunetti ein Muss.  Etwas anders ist diesmal, dass der Comissario in eine Krise gerät und auch über die Pension nachdenkt. Er nimmt sich eine Auszeit und dann verschwindet sein Freund.....

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    Matzbachs avatar
    Matzbachvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Same Procedere as every year. Nichts Neues von Frau Leon
    Plätscher, plätscher

    Man muss schon ein Hardcore Leon-Fan sein, um dieses Buch zu mögen. In gewohnt beschaulicher Art und Weise lässt Leon ihren Brunetti dieses Mal inoffiziell ermitteln.

    Brunetti täuscht, um einen Untergebenen bei einem Verhör von Übergriffen abzuhalten, einen Schwächeanfall vor, der dazu führt, dass ihm eine verständige Ärztin eine Auszeit verschreibt. Diese nimmt er in der Villa eines der Verwandten seiner Frau, die auf einer kleinen Insel in der Lagune vor Venedig liegt. Der Verwalter der Villa erweist sich als ein Freund von Brunettis Vater, gemeinsam unternehmen die beiden ausgedehnte Rudertouren in der Lagune. Doch nach einem schweren Unwetter wird der Verwalter vermisst. Gemeinsam mit der Wasserpolizei macht sich Brunetti auf die Suche und findet tatsächlich das Boot und die Leiche des Mannes. Ein tragischer Unfall? oder doch vielleicht Selbstmord, denn in den letzten Gesprächen mit Brunetti deutete der Verwalter an, schuld am Tod seiner Frau zu sein. Eher inoffiziell begibt sich Brunetti auf Spurensuche im früheren Leben des Mannes und stößt auf einen lange zurück liegenden Unfall in einer Entsorgungsfirma.

    Wie gesagt, ich lese seit gut 19 Jahren die Leon-Krimis, aus alter Gewohnheit sind die jährlichen Neuerscheinungen gesetzt. Doch zunehmend frage ich mich, warum. Die Handlung plätschert gediegen vor sich hin, bis Seite 120 wird Brunettis Aufenthalt in der Lagune beschrieben, bis dann so etwas wie leichte "Spannung" aufkommt. Doch auch die "Lösung" des Falles ist eher zufällig und vor allem unbefriedigend. Ich könnte mir vorstellen,. dass jemand, der diesen Teil der Reihe als erstes liest, die Finger davon lässt, aber getreue Leon-Fans werden auf solide Art bedient.

     

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor einem Jahr
    Die Wasser der Lagune

    Donna Leons Commissario Brunetti Romane zu lesen, ist ein wenig wie ein Familientreffen.
    Seit nunmehr 25 Jahren erscheint pünktlich jedes Jahr ein neuer Band, zuverlässig wie Ostern und Weihnachten. Zeit genug, die Charaktere, die seltsam alterslos sind – aber ist das in Familien nicht auch so, dass Eltern, Tanten und schließlich auch man selbst gefühlt nicht altern?-, in und auswendig kennenzulernen. Venedig, oder Donna Leons Bild von Venedig, sind dem Leser schon fast so vertraut wie der Heimatort. Um das zu unterstützen, gibt der Diogenes Verlag wunderbare kleine Stadtpläne heraus: Venedig mit Donna Leon und es gibt sogar eigene Internetseiten, die die Spuren des Commissario in seiner Lagunenstadt verfolgen.
    Donna Leon selbst lebt schon seit fast zehn Jahren nicht mehr in Italien, sondern in der Schweiz in einem klitzekleinen Dorf in Graubünden. Schon lange sind ihre Klagen zu hören über den Ausverkauf ihrer noch immer geliebten ehemaligen Wahlheimat: Touristenmassen , die sich durch die kleinen Calli drängen, völlig überzogene Preise, Korruption und Vetternwirtschaft und in zunehmendem Maße die Umweltverschmutzung, die die uralte Stadt zu zerstören droht.
    Sie ist auch das beherrschende Thema in Brunettis sechsundzwanzigstem Fall. In ihm ist alles so vertraut wie auf dem erwähnten Familienfest, und doch auch ein wenig anders. Guido Brunetti verlässt diesmal nämlich die Stadt. Keine Angst, er fährt nicht weit, nur hinaus in die venezianische Laguna, auf die Insel Sant´Erasmo. Dorthin schickt ihn seine Frau Paola, nachdem er einen aus Kollegialität zwar gespielten, aber irgendwie doch auch nicht ganz unbegründeten Schwächeanfall erlitten hatte und von der Arbeit für zwei Wochen freigestellt wurde. Hier in der Weite und relativen Einsamkeit der Lagune will Guido die brüllend heißen Tage nur mit Lesen, Essen und Rudern verbringen. Partner bei letzterem ist ihm der alte Verwalter seines Gasthauses (natürlich eine mehr als komfortable Villa im Besitz der weiteren Familie Falieri). Dieser war schon früher Ruderkamerad von Brunettis Vater. (Man sollte bei solchen Zufällen nicht so knauserig sein.)
    Der Aufenthalt in der Lagune bedingt natürlich, dass wichtige Ingredienzien jedes Brunetti-Romans diesmal ein wenig kurz kommen: die Familie nimmt relativ wenig Raum ein, Signorina Elettra und der eitle Patta kommen nur ganz am Rande vor, und auch Venedig selbst bleibt im Hitzedunst am Horizont versteckt. Dafür gibt es viel Lagunenatmosphäre, die Donna Leon in bewährter Manier zu vermitteln versteht.
    In ebenso bewährter Manier bringt sie ihr Anliegen, und das hat sie in jedem ihrer Romane, vor. Diesmal ist es die Verschmutzung der Lagune und der Umwelt im Allgemeinen, mit der das weltweite Bienensterben einhergeht. Dieses ist in letzter Zeit ein (durchaus ehrenwertes und wichtiges) Modethema geworden – Bücher über Bienen zuhauf. Hier ist es der alte Davide Casati, der seine Bienenstöcke in der Lagune versorgt und den ihr Tod sehr beunruhigt. Eines Tages wird er nach einem schweren Unwetter selbst tot aufgefunden. Sein Boot ist gekentert und er ertrunken. Ein Unfall, Selbstmord aus Kummer über den Krebstod seiner Frau – oder ein Verbrechen? Klar, dass Brunetti nicht länger im Urlaubsmodus verweilt, sondern diskret ermittelt.
    Wie in vielen Brunetti-Romanen dauert es eine ganze Zeit, bis die Handlung Fahrt aufnimmt, Zeit, die mit Stimmungsbildern, ruhigen Alltags- oder Ermittlungsroutinen gefüllt wird. Und auch dann befinden wir uns nur in einem Bummelzug. Action gibt es nahezu nie, keiner der Beteiligten pflegt Geistesblitze zu haben oder ungewöhnliche Methoden zu pflegen. Wie auf dem Familientreffen entwickelt sich alles langsam und, es muss gesagt sein, ein wenig langweilig. Wem also Familientreffen und Langeweile schon immer ein Graus waren – Hände weg von diesem Buch. Ebenso enttäuscht werden – wieder einmal – alle, die eine wirkliche Auflösung verlangen, oder dass die Bösen am Ende bestraft werden. Auch diesen Ansinnen ihrer Leser widersteht Donna Leon in fast jedem Fall. Vieles bleibt auch in „Stille Wasser“ offen. Die Welt und das Leben sind zu kompliziert für einfache Lösungen.
    Alle anderen aber, vor allem natürlich alle Mitglieder der großen Brunetti Familiengemeinde, lesen einen wunderbar ruhigen, und allein schon dadurch irgendwie widerständigen, einen atmosphärischen, einen klugen und mit einer typischen Leon-Botschaft versehenen Krimi. Und freuen sich nach dem Zuklappen auf das nächste Treffen im kommenden Jahr. 

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    Daniel_Allertseders avatar
    Daniel_Allertsedervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehr gut, nur manchmal etwas langgezogen
    Ein sehr guter Roman!

    Meine Meinung

    Donna Leon ist eine äußerst bekannte und beliebte Krimiautorin. Ihre Bücher mit Commissario Brunetti sind Kult – bereits sechsundzwanzig Fälle sind erschienen, und mehrere Teile wurden von Degedo Film der ARD verfilmt. Die Romane, die mit dem atmosphärischen Venedig und dem sympathischen Kommissar begeistern, sind im Diogenes Verlag erschienen. »Stille Wasser« ist Donna Leon’s neuestes Werk, und auch der ruhigste Teil der Brunetti-Reihe. Ich habe mich sehr auf Donna Leon’s neues Buch gefreut, nicht weniger, weil ich noch nie wirklich ein Buch von ihr gelesen hatte. Commissario Brunetti ermittelt diesmal etwas außerhalb von Venedig; er setzt sich auf der Insel Sant‘Erasmo für einige Wochen zur Ruhe. Er rudert, liest, isst, macht Ausflüge mit seinem Fahrrad und lässt es sich vollkommen gut gehen. Doch auch im Urlaub schläft das Böse nicht…

     

    Überrascht hat mich sofort die sehr spannende Szene zu Beginn des Romans, in der der Grund für Brunetti’s »Urlaub« geschildert wird. Ich wusste ja, dass Brunetti ein tapferer und äußerst sympathischer Typ ist, was sich auch gleich nach den ersten Seiten bestätigte. Den Vorwürfen von Brunettis Frau Paola nach zu urteilen begibt sich ihr Ehemann sehr oft in solche waghalsigen Situationen wie zu Beginn des Buches. Das machte den Kommissar auf Anhieb zum Freund, zum Vertrauten; Donna Leon vermittelte mir das Gefühl, als würde ich den Kommissar seit Jahren kennen – lag es an der warmen und freundlichen Darstellung des Charakters? Ja, das würde ich so unterschreiben: Die Autorin besitzt einen sehr flüssigen und verständlichen Schreibstil! Ihre Art, die Charaktere – besonders Brunetti – darzustellen, ist eine Kunst, die nur die wenigsten Autoren beherrschen! Ihre leichten und angenehmen Satzkonstruktionen und -gefüge vermitteln eine willkommene Atmosphäre, ein Setting und einen Charakter, den man schon lange kennt.

      Die Story, die uns Signora Leon vermitteln möchte, beinhaltet ein nicht weniger kulturelles und touristisches Problem; die Verschmutzung und Verunreinigung der Kanäle in Venedig, der nicht abreißende Touristenstrom und der abnorme Umgang mit der Stadt und den Kulturgütern. Im Roman der venezianischen Autorin, die seit 1981 in dieser wunderschönen Stadt lebt, spricht sie sich, so interpretiere ich es zumindest, das Problem von der Seele. Der Skandal, der im Buch aufgedeckt wird, weißt auf das sich auflösende Kulturgut hin, welches unbedingt zurückgewonnen werden muss.

      Wie bereits erwähnt, ist »Stille Wasser« ein ruhiges Buch, wenn nicht sogar das Ruhigste von Leon. Brunetti macht Urlaub und versucht sich zu entspannen, aus diesem Grund liest man viel vom Rudern, vom Lesen, vom Wetter, von der Insel im Allgemeinen. Trotzdem aber bleibt ein Mord, bzw. ein Fall nicht außen vor. Es passiert natürlich was, nur muss man hierfür etwas mehr lesen. Die erste Hälfte des Buches ist im Prinzip die Schilderung von Brunettis freien Tagen. Ganz langsam beginnt dann die Suche nach dem verschwundenen Casati. Natürlich werden hier Umstände und für den späteren Fall wichtigen Begriffe und Orte beschrieben, dennoch aber dauert es ein wenig, bis Brunetti wieder polizeitechnisches zu tun hat. Für mich, der Donna Leon noch nie gelesen hat, auf eine Art abschreckend und enttäuschend, keinesfalls aber deswegen schlecht. Das Buch ist ruhig, dennoch interessant und auch später spannend und sehr überzeugend. Einen Stern Abzug wegen der leicht dahinfließenden Story.

    Fazit

     

    Empfehlenswert! Fantastischer Schreibstil, tolle Charaktere, sehr viel venezianischer Flair und auch eine Message, verpackt in einem Roman – ein leichtes und ruhiges Buch. Ungewöhnlich, aber gut!

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    W
    WinfriedStanzickvor einem Jahr
    „Stille Wasser“ ist trotz seiner klug aufgebauten Spannung ein nachdenkliches Buch



    In ihren neuen, dem mittlerweile sechsundzwanzigsten Fall ihres venezianischen Commissarios Guido Brunetti, findet Donna Leon nach dem schon viel besseren letzten Fall wieder zu alter literarischer Stärke zurück. Zwar wird wieder, wie das in Italien eher die Regel zu sein scheint, der Schuldige nicht gefunden und verurteilt, aber daran hat man sich mittlerweile auch bei anderen Autoren wie etwa bei Camilleris Montalbano, schon gewöhnt.

    „Stille Wasser“ zeigt Donna Leon, ihren Brunetti und auch die Lagune von Venedig von einer anderen, sehr nachdenklichen und philosophischen Seite.

    Nachdem Brunetti bei einem Verhör eines hochrangigen Bürgers, der natürlich am Ende nicht für das Verantwortung übernehmen muss, was er offensichtlich getan hat, seinem Kollegen zur Hilfe kommt, der aus Wut kurz davor ist, dem Verdächtigen, dem Anwalt Antonio Ruggieri an den Kragen zu gehen, indem er einen Schwächeanfall vortäuscht. Das Verhör wird abgebrochen, Brunetti mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Klinik gebracht und von dort mit dem dringenden Rat für eine berufliche Auszeit wieder entlassen.

    Da es seinem schon lange gespürten Bedürfnis entgegenkommt, nimmt Brunetti diesen Rat an, und verbringt unter Vermittlung seiner Frau Paola zwei Wochen in einem Haus von Paola Verwandten auf der Insel Sant`Erasmo in der Lagune von Venedig.

    Dort wohnt auch der alte Davide Casati, ein Mann, mit den Brunettis Vater schon ruderte und ein legendäres rennen gewann. Brunetti und Casati kommen sich bei zahlreichen Rudertouren durch die Lagune näher. Auf diesen Touren erfährt er viel über das bedrohte und  schon stellenweise zerstörte Ökosystem der Lagune  und das rätselhafte Sterben von vielen von Casati Bienenvölkern, die er auf vielen verschiedenen Inseln der Lagune aufgebaut hat.

    Man ahnt als jemand, der vor Jahrzehnten genau die Nachrichten verfolgt hat, schon etwas davon, dass es wahrscheinlich um irgendeinen Umweltskandal gehen wird.

    Und als Casati, dessen Frau vor einigen Jahren an Krebs gestorben ist, wofür er sich die Schuld gibt, eines Tages nicht mehr auftaucht und verschwindet, überredet Brunetti seinen Kollegen Vianello, sich kran k schrieben zu lassen und sozusagen undercover mit ihm nach Casati zu suchen.

    Und sie kommen auf ganz alte Spuren und einen unglaublichen Skandal.

    Donna Leon betont schon in ihren letzten Romanen immer wieder, in welch schrecklichem Zustand Venedig und seine Umgebung durch immer mehr Touristen und Umweltsünden sich befinden. Man spürt ihrem Buch ab, wie sehr sie unter dieser immer negativeren Entwicklung leidet und sie lässt auch ihren Commissario an ihrer Skepsis teilhaben.

    „Stille Wasser“ ist trotz seiner klug aufgebauten Spannung ein nachdenkliches Buch.





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