Die Geschichte handelt von dem aus einfachen Verhältnissen stammenden Studenten Richard Papen, der sich an einem elitären College einer abgeschotteten Gruppe von Griechisch-Studenten anschließt. Als ein Ritual in einem Mord endet, versucht die Gruppe die Tat zu vertuschen und der Roman erzählt vorrangig warum und wie die Beteiligten daran zerbrechen. Die atmosphärisch dichte Handlung besticht vor allem durch ihren hohen Detaillierungsgrad und die psychologische Tiefe, was vor allem in der ersten Hälfte des Buches zu überbordend und dadurch zäh wirkt.
Bei den Protagonisten steht Richard Papen im Fokus der Handlung, was durch die Ich-Erzählperspektive zusätzlich verstärkt wird und ihm so eine hohe Glaubwürdigkeit und psychologische Tiefe verleiht. Relevante Nebenprotagonisten sind die Mitglieder der abgeschotteten Gruppe, die mit ihren individuellen Charakteren eine faszinierende Mischung ergeben und so für eine toxische Gruppendynamik sorgen.
Wer stille psychologische Thriller mit moralischer Ambivalenz und dichter Atmosphäre mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist sehr detailreich, anspruchsvoll und ist der Haupttreiber für die Atmosphäre der Geschichte.
Einziger Minuspunkt: Die Detailtiefe, vor allem in der ersten Hälfte des Buches, wirkt zäh aber da die Geschichte insgesamt so überzeugt, ziehe ich keinen Punkt ab.
Insgesamt kann ich das Buch sehr empfehlen.
Donna Tartt

Lebenslauf
Alle Bücher von Donna Tartt
Die geheime Geschichte
Der Distelfink
Der kleine Freund
Der Distelfink
Die geheime Geschichte
The Secret History
The Goldfinch
Neue Rezensionen zu Donna Tartt
Ein abgelegenes College irgendwo in den Bergen von Vermont. Der Icherzähler, aus einer bildungsfernen Mittelschichtfamilie in Kalifornien, fühlt sich fremd unter all den reichen, verwöhnten Prep-School-Kids. Er schafft es in den exklusiven und hermetisch abgeschotteten Zirkel des Altgriechisch-Professors Julian und findet dort Anschluss an eine sehr spezielle Studentenclique. Bei einem Wochenende auf dem Land töten die Studenten im nächtlichen Rausch einen örtlichen Farmer. Ein Kommilitone erfährt die Wahrheit, er erpresst die andern und muss deshalb sterben. An der Schuld und den Folgen der Tat zerbricht die Gruppe und alle streben in der einen oder anderen Form ihrer persönlichen Hölle entgegen.
„The Secret History“ lebt von der Idee, den Mechanismus einer klassischen griechischen Tragödie - mit schuldloser Schuld und der erbarmungslosen Bestrafung durch ein göttliches Schicksal - in der Jetztzeit aufleben zu lassen. Die Idee ist gut, schreiben kann Donna Tartt auch - kein Wunder, dass das Buch bei Publikum und Kritik ein Riesenerfolg war.
Die verwöhnte Clique amoralischer reicher Collegekids, die sich berauschen wollen und nach Extremen haschen, der exzessive Konsum von Alkohol und anderen Drogen, all das erinnert stark an das Werk des Studienfreundes von Tartt, Bret Easton Ellis, dem das Buch auch in Dankbarkeit gewidmet ist. Die Story um den schmarotzenden Erpresser Bunny und seine Italienreise wirkt wie eine Hommage an Patricia Highsmith und ihren talentierten Tom Ripley, wie das ganze Buch, das doch in den 1980-ern spielen soll, für mich viel mehr den Esprit der Zeit knappe dreißig Jahre zuvor atmet. Die beklemmende Phase, in der die Studenten bange darauf warten, dass Leiche und Tat entdeckt werden, erinnert an Dostojewski, der auch prompt erwähnt wird, für alle, denen die Anspielung entgangen sein sollte. Der Text ist klug geschrieben, voller geistreicher Zitate und Referenzen, auf Griechisch, Lateinisch, Französisch, Deutsch. Eigentlich genau mein Ding.
Dennoch hat mir das Buch nicht gefallen. Zumindest nicht so gut wie den vielen, die des ungebremsten Lobes voll sind. Und lange nicht so gut wie der „Distelfink“ (The Goldfinch), den ich davor gelesen habe, obwohl Donna Tartt ihn gute zwanzig Jahre nach ihrem Erstling geschrieben hat.
Was stört mich? Zum einen gönnt sich das Buch durchaus die eine oder andere Länge - besonders augenfällig bei der detaillierten Beschreibung des Besuchs in Connecticut bei Bunnys Eltern und der ganzen Beerdigung - das bringt den Plot nicht voran, es zeigt uns nichts von den Hauptfiguren, sondern dient nur zum Spott über die neurotische und oberflächliche High Snobiety. Ich vermisse auch die Glaubwürdigkeit: Ein Haufen reicher, bequemer, verwöhnter Oberschichtsprösslinge, die auf ein elitäres, aber bedeutungsloses Provinzcollege gehen (okay, vielleicht hat es rein akademisch nicht für Harvard oder Yale gereicht) und dort - nicht BWL, nicht Jura, nicht Literatur oder Kunstgeschichte, sondern ausgerechnet - Altgriechisch belegen? Anspruchsvoll und mühsam, brotlos und obendrein herzlich wenig prestigeträchtig und partytauglich. Dann diese Griechischklasse von Professor Julian Morrow, der nur eine handverlesene Schar von Studenten zulässt und verlangt, dass man ausschließlich bei ihm studiert und alle anderen Fächer abwählt. Das wirkt arg aus dem Baukasten eines urschlechten Horrorfilms geklaubt, um nur ja ein hermetisches Setting zu erzeugen. Schließlich die Rolle des Icherzählers am Geschehen: Die Clique will die ekstatische Erfahrung eines wahrhaft dionysischen Rausches erfahren, der Icherzähler wird nicht eingeweiht, angeblich, weil man ihn nicht gut genug kennt, aber dennoch lädt man ihm zum Wochenende aufs Land dazu, wo im Geheimen der Rest der Gruppe das Bacchanal anstrebt (und dabei den Farmer tötet). Ich weiß nicht, ich weiß nicht …
Nein, das holpert für mich hinten und vorne, und die papierenen Charaktere machen es nicht besser. Keiner aus der Gruppe, auch der Icherzähler nicht, erwacht in meiner Vorstellung so richtig zum Leben und lässt mich mitfiebern, sie bleiben konstruierte, in aller verqueren Schrägheit doch stereotype, leblose Gestalten. Einzig interessant ist der erpresserische Schmarotzer Bunny, - dessen nonchalante Art, die schuldgeplagten Kommilitonen auszupressen, hat individuelle Klasse und Reiz. Vor allem die Szene, wo er den Icherzähler auf einer Party mit inquisitorischem Verhör bloßstellen und der Lüge überführen will, ist wirklich stark und intensiv getroffen. Da würde auch Frau Highsmith applaudieren. Leider stirbt Bunny schon vor der Hälfte und lässt uns mit dem Rest der Pappkameraden einigermaßen ratlos zurück.
Extrem ungewöhnliche Handlung mit leichtem Schauerroman-Touch. Mord aus der Sicht der Täter wie Dostojewskis ‚Schuld und Sühne‘.
Es gibt einige starke Hauptfiguren: Henry, Julian, vielleicht noch Bunny - in sich stimmige Persönlichkeiten, mit deutlichen Eigenarten, Gewohnheiten, Sprachstilen.
Es gibt aber auch schwache Hauptfiguren: die Zwillinge Charles und Camilla, Francis und Richard – sie haben keine starken Charaktere, keine deutlichen Eigenschaften, nichts Besonderes. Sie sind einfach nur da und trinken viel.
Starke Momente:
- Richard fühlt sich angezogen von der verschworenen Gemeinschaft der Griechisch-Klasse, auf der Suche nach Anschluss an der neuen Uni.
- Er merkt, dass die Clique ihm etwas verheimlicht - Neugier, Rätsel
- Die Trostlosigkeit einer amerikanischen Uni in den langen Semesterferien
- Anfänger bei der Mordplanung – meinen sie es wirklich ernst?
- Die Suche der Polizei und der Medien nach dem verschwundenen Bunny, wobei die 4 Täter die unwissenden, trauernden Freunde spielen müssen, um sich nicht zu verraten.
- Die falschen Fährten, die Fantasie der Gesellschaft, die ihre Lieblingsthemen in das Verbrechen hineininterpretiert (Drogen, Araber)
- Die Beerdigung von Bunny, der die Täter als Gäste seiner Eltern beiwohnen.
Mir blieb unklar: warum studieren sie Altgriechisch – ohne Aussicht auf irgendeine Berufstätigkeit? Wie kann es sein, dass der einzige Dozent eines Studienfachs nur eine Klasse hat – (dann könnte man das Studienfach ja nur alle drei oder vier Jahre studieren)? Warum und wie bringen sie den Farmer um? Warum diskutieren sie keine Alternativen, um Bunny zum Schweigen zu bringen? Warum haben sie keine Gewissensbisse? Woher kommt am Anfang ihr Interesse an Drogen- und Orgienexperimenten? Warum bringt sich Henry um?
Handlungsaufbau: der erste Teil des Romans wird durch die Vorgeschichte, Durchführung und Vertuschung der Morde zusammengehalten. Im zweiten Teil bricht die Clique durch interne Streitigkeiten (Eifersucht) auseinander. Es gibt aber keine Kausalität zwischen dem ersten und dem zweiten Teil der Geschichte. Das Eifersuchtsdrama hätte es auch ohne Mord gegeben. Es sind eigentlich zwei Geschichten.
Erzähltechnik: mehrmals erwähnt der Ich-Erzähler Richard, dass er die Geschichte viele Jahre später aus der Erinnerung aufschreibt. Das erlaubt ihm auch Vorblenden (z. B. erfährt man vom Tod Bunnys lange vorher.) Dann wiederum ist man dicht bei den Figuren in einzelnen, sehr detailliert und stimmungsvoll erzählten Begebenheiten, wie man sie in distanzierten Rückblicken nicht erzählen würde.
Der Ich-Erzähler ist eine Randfigur der Clique. Die anderen verschweigen ihm zunächst vieles und erscheinen ihm und dem Leser rätselhaft. Das erzeugt eine gewisse Spannung. Diese Rätsel werden dann auf einen Schlag gelöst, indem einer aus der Clique in einem endlosen Monolog alles aufklärt. Diese endlosen Monologe gibt es öfters und sind praktisch Geschichten in der Geschichte. Ich vermute, die Autorin musste diese Erzähltechnik wählen, weil sie die Geschichte durchgängig aus der Perspektive von Richard, dem Außenseiter, erzählen lässt. Alles was ohne ihn passiert, muss ihm also erzählt werden. Dieses Erzählen aus zweiter Hand ist aber weniger intensiv als das unmittelbare Erleben.
Der Ich-Erzähler erzählt manchmal sehr detailliert und stimmungsvoll, mit vielen Gedanken und Gefühlen - man versteht gut, was er tut. Manchmal gibt es aber auch lange Passagen nur auf der Handlungsebene, ohne Gedanken, Ziele und Gefühle, wobei es unklar bleibt, warum er das tut, was er tut.
Viele Beschreibungen, Handlungen, Dialoge sind für meinen Geschmack zu lang, zu ausführlich, ich brauche nicht von jeder Zigarette, von jedem Glas Whiskey, von jeder Rückfrage („Wirklich?“) erfahren. Die Langatmigkeit machte mich ungeduldig.
Manchmal gibt es lange detaillierte Passagen, bei denen ich mich gefragt habe: warum wird mir das überhaupt erzählt, wo ist der Bezug zur bisherigen Geschichte? Ich dachte dann beim Lesen: gut, das wird vielleicht später klar. Wurde es aber nicht.
Ich hatte manchmal Schwierigkeiten, meine Lesemotivation aufrechtzuerhalten: die Figuren – Mörder ohne starke Gefühlsregungen, ohne Gewissensbisse – waren mir nicht sehr sympathisch. Ich fürchtete, dass noch mehr hässliche Szenen mit Blut, Krankheit, Alkoholexzessen, Streit oder Leichen auf mich zukommen, den Figuren war alles zuzutrauen. Allerdings herrschte aus demselben Grund auch immer eine gewisse Spannung – wie gesagt, den Figuren war alles zuzutrauen.
Es herrschte auf jeden Fall immer eine beklemmende Grundstimmung. Man lernt die Figuren auf den 600 Seiten so gut kennen, leidet so lange mit ihnen mit, dass sich am Schluss zwar ein leichter Trennungsschmerz einstellt - aber auch Erleichterung.
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