The Goldfinch

von Donna Tartt 
4,5 Sterne bei35 Bewertungen
The Goldfinch
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Caro_Lesemauss avatar

Zu Recht erhielt Donna Tartt hierfür den Pulitzer-Preis! Ein grandioser Roman

Klasse Buch! Zwischendurch etwas langatmig aber wenn man durch diese Passagen durch ist gewinnt es sofort wieder an fesselndem Aufschwung.

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Inhaltsangabe zu "The Goldfinch"

Aged thirteen, Theo Decker, son of a devoted mother and a reckless, largely absent father, survives an accident that otherwise tears his life apart. Alone and rudderless in New York, he is taken in by the family of a wealthy friend. He is tormented by an unbearable longing for his mother, and down the years clings to one thing that reminds him of her: a small, strangely captivating painting that ultimately draws him into the criminal underworld.§As he grows up, Theo learns to glide between the drawing rooms of the rich and the dusty antiques store where he works. He is alienated and in love - and his talisman, the painting, places him at the centre of a narrowing, ever more dangerous circle. The Goldfinch is a haunted odyssey through present-day America and a drama of enthralling power.§Combining unforgettably vivid characters and thrilling suspense, it is a beautiful, addictive triumph - a sweeping story of loss and obsession, of survival and self-invention, of the deepest mysteries of love, identity and fate.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9780349139630
Sprache:Englisch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:784 Seiten
Verlag:Little, Brown Book Group
Erscheinungsdatum:19.06.2014
Das aktuelle Hörbuch ist am 22.10.2013 bei BLACKSTONE AUDIO BOOKS erschienen.

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    The iron butterflys avatar
    The iron butterflyvor 3 Monaten
    "Sorrow inseparable from joy."

    “The Secret History” still on my mind, I didn’t hesitate to read Donna Tartts‘ “The Goldfinch”. Now turning the last page I don’t regret spending my time with Theo Decker.

    Theo himself tells his story, he reviews his life, a life full of yearnings, secrets, friendship, failures, lies and lessons to be learned. At the age of thirteen, Theo and his beloved mother get caught in a destructive catastrophe in their favorite museum. Just a few moments before the blast of a bomb, Theo was watching at the tiny painting “The Goldfinch” of the painter Fabritius with his mother. She told him her love for this small piece of art, she told him the story of Fabritius, a pupil of Rembrandt who died in an explosion in Delft himself. Everything of his art was destroyed besides this little piece of art. Now, a few minutes later, Theos’ life has changed upside down. He is hurt, confused, alone. Between all the noise, mess and destruction, the only person near him is an old man, he has just noticed in the rooms of the museum because of the red haired girl in his company. The man is badly hurt, Theo can’t help him besides taking a ring and a message from him. And the severe request to evacuate the “Goldfinch” painting. It takes Theo a long time to face the fact that he is now an art thief, it takes him some time, because there is so much else to face. The death of his mother, the fact that his grandparents don’t want him to live with them, the absence of his father.

    Donna Tartt has created Theos story full of melancholy and self-destruction, but also full of suspense and love. A perfect, intelligent, long lasting story. Love it!

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    Caro_Lesemauss avatar
    Caro_Lesemausvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Zu Recht erhielt Donna Tartt hierfür den Pulitzer-Preis! Ein grandioser Roman
    Ein zutiefst beeindruckendes Buch

    Theodore Decker ist 13 Jahre alt, als seine Mutter bei einem Terroranschlag auf ein New Yorker Kunstmuseum ums Leben kommt. Zuletzt hatten sich die beiden das Gemälde "Der Distelfink" (The Goldfinch) von Carel Fabritius aus dem Jahr 1654 angeschaut. Dieses verhältnismäßig kleine Stück Kunst wird Theo in den kommenden Jahren begleiten, während er immer wieder versucht, neu zu wurzeln und dabei scheitert.


    Der Roman wird aus Theos Sicht erzählt und begründet sich in der Auflösung am Ende auf seine Tagebuchaufzeichnungen über gute zehn Jahre. Am Ende des Romans ist Theo also Mitte 20. Durch diese innere Perspektive kommt man dem Protagonisten sehr nahe, ich habe mich ihm absolut verbunden gefühlt.
    Ich kann meine Gefühle zu diesem Buch kaum in Worte fassen. Die Geschichte hat mich vollständig in ihren Bann gezogen. Auch wenn ich gerade nicht las, dachte ich über Theo nach und wie es wohl mit ihm persönlich weitergehen wird. Auch wenn in der Handlung nicht ein Kracher auf den anderen folgt, sondern ganz im Gegenteil immer wieder teils philosophische Betrachtungen eingewebt sind, habe ich es als spannend empfunden, allein wegen der persönlichen Komponente und weiteren Entwicklung des Jungen bzw. später Erwachsenen. Seine Labilität und was der Verlust eines Elternteiles mit einem Menschen in diesem Alter machen kann, waren sehr realistisch dargestellt. Auch die ständige Präsenz des berühmten Gemäldes in Theos Denken und Handeln, die Dinge, die er damit verband - allen voran natürlich seine Mutter - werden sprachlich wundervoll ausgearbeitet. 
    Gegen Ende begeben sich Theo und sein irgendwie bester Freund Boris nach Amsterdam, wo alles aus dem Ruder läuft. In der Erzählung passieren mehrere Dinge auf einmal, was sich zunächst verwirrend liest. Auch diese Passagen waren dadurch sehr realistisch, da schließlich aus Theos Wahrnehmung berichtet wird und diese Ereignisse für ihn selbst ebenfalls hochgradig verwirrend und durcheinander wirbelnd waren.
    Ich weiß nicht, wie es in der Übersetzung umgesetzt wurde, aber im Original kann man die Figuren förmlich sprechen hören, durch die vielen eingeschobenen Fragezeichen, mit denen tatsächlich viele Amerikaner zu sprechen scheinen, wenn sie ständig während des Redens eine Oktave hoch gehen. 
    Trotz der enormen Länge kommt der Roman mit verhältnismäßig wenigen Charakteren aus. Dies hat den großen Vorteil, dass sie alle durch Theos Beobachtungen tiefgründig gezeichnet werden. 

    Fazit:
    Ich habe mit Theo gelitten und geweint, gehofft und gelacht, mich über ihn geärgert und ihn schütteln wollen, obwohl ich ihn gleichzeitig doch verstehen konnte. Dieses Buch war eine wahre Freude, dennoch sollte man Durchhaltevermögen mitbringen, da es für einen Roman schon sehr umfangreich ist. Aber dafür bekommt man auch wirklich etwas geboten! Ich würde eigentlich gern mehr als 5 Sterne vergeben.

    Kommentare: 2
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    ichundelaines avatar
    ichundelainevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein grandioser Auftakt, der sich zum Ende hin irgendwie verläuft...
    Eigentlich ein schöner Coming of Age Roman....

    Als Theo Decker vor der Anhörung bezüglich seines Schulverweises noch schnell mit seiner Mutter ins Museum geht, ahnt er nicht, dass sich sein Leben ändern und das Bild des Distelfinks für immer mit seinem Schicksal verwoben sein wird.

    Das Museum wird von Terroristen gesprengt und Mitten in Schutt und Asche verliert Theo nicht nur seine Mutter, sondern trifft auch den sterbenden Welty, der ihn zu seinem Freund und Antiquitätenhändler Hobie schickt.

    Nach dem Ereignis wird Theo herumgereicht wie ein Wanderpokal (Eltern eines Freundes, sein Vater in Las Vegas), bis er irgendwann bei Hobie landet und dort das Handwerk des Restaurateurs und Händlers lernt. Was allerdings weder Hobie noch sonst irgendwer wissen ist, dass Theo ein Geheimnis hat, es liegt eingetaped und dick verpackt in einem Lagerraum und begleitet ihn seit dem Anschlag auf das Museum...

    Das war mein erstes Buch von Donna Tartt und es ist auch das, für welches sie den Pulitzer Preis erhielt. Ich bin bei solchen Auszeichnungen immer leicht skeptisch. Zu Beginn gefiel mir ihr Stil auch wirklich sehr gut, allerdings geht dem Buch zum Ende hin stark die Luft aus (bei fast 800 Seiten auch kein Wunder....) und ich wollte, dass es einfach nur schnell zu Ende geht. Ferner konnte ich das Buch auch jederzeit weglegen, da ich zu den Charakteren immer eine Distanz hatte und mich deren Schicksale eher peripher interessierten.

    Alles in allem eine schön erzählte Geschichte, aber kein must-read..
     

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Poesie in Romanform. Wunderschön zu lesen. Ein Meisterwerk.
    Donna Tartt - The Goldfinch

    Carel Fabritius Gemälde „The Goldfinch/Distelfink“ ist das letzte, worüber der junge Theodor Decker mit seiner Mutter im Museum spricht, bevor eine Bombe hochgeht und zahlreiche Besucher – darunter Theos Mutter – tötet. Theo selbst hatte Glück nur leicht verletzt zu sein. In einer gespenstischen Szenerie irrt er durch das Gebäude und sieht dort einen alten Mann wieder, der mit seiner Enkelin ebenfalls das Museum besucht hatte und den Theo zuvor beobachtete. Dieser gibt ihm einen besonderen Ring, was ihre Verbindung auf sehr lange Zeit besiegelt. Aber Theo nimmt noch etwas mit bevor er sich einen Weg nach draußen bahnt: das Gemälde, das seine Mutter so faszinierte. Es folgt für ihn eine Odyssee: keine nahen Verwandten in New York kommt er zunächst bei einem Schulfreund unter, dessen Familie zur Upper Class gehört und ein ganz anderes Leben führt als er es kennt. Trotz der Freundlichkeit aller bleibt Theo isoliert und findet so den Weg zum Haus des verunglückten alten Mannes, wo er feststellt, dass das Mädchen, Pippa, ebenfalls – traumatisiert wie er – überlebt und nun vorläufig bei Hobie, dem Geschäftspartner ihres Großvaters, lebt. Plötzlich taucht auch sein Vater wieder auf und reißt ihn erneut aus dem Leben, um ihn nach Las Vegas mitzunehmen. Es folgen Jahre des Drogenkonsums und des sinnlosen Zeitvertreibs mit seinem neuen Freund Boris, der in der Kunstwelt in der Wüste ebenfalls nicht angekommen ist. Nach dem Tod seines Vaters, die Umstände mehr zweifelhaft als glaubwürdig und vermutlich seinen Spielschulden zu verdanken, kommt Theo zurück nach New York und findet bei Hobie und Pippa Unterkunft. Er hatte sich bereits im Museum in Pippa verliebt, doch diese Liebe scheint vom Schicksal nicht begünstigt zu sein, dafür findet Theo Freude an der Restaurierung und am Handel mit antiken Möbeln. Sein Leben kann fast wieder normale Bahnen annehmen, doch er schleppt ja immer noch ein Geheimnis mit sich rum: das berühmte Gemälde von Fabritius.

    Der Roman ist allein schon aufgrund seiner Länge kaum in Worte zu fassen. Zu viele Handlungsstränge, einzelne Episoden und Lebensabschnitte reihen sich aneinander, um an Ende die Geschichte dieses Bildes erzählt zu haben. Diese tritt zwar immer wieder in den Hintergrund, ist aber für mich das Highlight des Buches. Die Beschreibungen und Erklärungen rund um die Gemälde und auch die Möbel sind faszinierend und lassen Donna Tartts Sprachgewalt besonders wirken. Der Vogel, der wie Theo nicht im Käfig sitzt, aber angekettet und damit nicht frei ist, ist eine wunderschöne Parallele, die sich durch den Roman zieht.

    Trotz fast 800 Seiten bleibt das Figurenpersonal relativ begrenzt, was Tartt viel Raum gibt, diese differenziert und facettenreich zu zeichnen. Theo als Erzähler macht enorme Wandlungen durch, kommt jedoch letztlich immer wieder zu dem Jungen zurück, der er zum Zeitpunkt des Attentats war. Für mich ebenfalls sehr überzeugend ist Boris, der russische Freund, der zwar allerlei Illegales treibt, das Herz jedoch am rechten Fleck trägt. Auch die New Yorker Figuren haben alle ihre Ecken und Kanten, werden aber glaubwürdig und lebendig dargestellt.

    Die Handlung ist in der Gesamtschau vielleicht nicht ganz glaubwürdig, zu viele Zufälle und Tote für diese Art Roman, aber darüber lässt sich dank der wirklich treffsicheren und stilistisch perfekt zu dieser Kunstwelt passenden Sprache der Autorin hinwegsehen. 

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    WildRoses avatar
    WildRosevor 4 Jahren
    Sehr guter Roman

    Mit fast 900 Seiten eignet sich "The Goldfinch" nur für geduldige Leser. Wer aber bereit ist, sich auf ein Leseabenteuer der besonderen Art aufzumachen, wird es vermutlich nicht bereuen! Donna Tartts Roman besticht durch eine spannende, berührende Geschichte, einen durch und durch menschlichen Protagonisten und die klare und doch auch sehr poetische Sprache. Der Distelfink ist ein klug gewähltes Symbol und die um das Gemälde herum von der Autorin sorgsam konstruierte Geschichte wirklich absolut einmalig. Insbesondere der erste Teil des Buches, in dem der Protagonist Theodore noch nicht erwachsen ist und sich nach dem tragischen Tod seiner Mutter doch ganz alleine zurechtfinden muss, ist sehr gelungen. Mich hat das Lesen dieser Passagen unglaublich berührt. Auch Theodores Aufenthalt bei seinem Vater und dessen Freundin Xandra schildert die Autorin auf eine sehr lebendige, ergreifende Art und Weise. Auch Boris, Theodores einziger Freund während seiner Zeit bei seinem Vater, ist ein für das Buch zentraler Charakter und gut charakterisiert. Die Passagen, in denen die beiden herumtoben, klauen, saufen, Drogen nehmen und miteinander diskutieren, waren für mich ein Highlight des Buches.
    "The Goldfinch" geht auch sehr kraftvoll weiter, allerdings verlor das Buch für mich zu dem Zeitpunkt, zu dem Theodore mit seiner Verlobten Kitsey in New York wohnte, ein wenig an Spannung. Es gab eine etwa 100-seitige Durstrecke, die dann zum Glück wieder endete. Ebenfalls etwas zu langatmig war mit Theodores Aufenthalt in dem Hotel in Amsterdam. Manchmal verwendet die Autorin meiner Meinung nach einfach zu viele Worte, wo weniger Worte absolut ausreichend wären.
    Das Ende war ganz schön, ich hätte mir vielleicht etwas mehr erwartet - noch etwas mehr Tiefgang, einen "richtigen" Abschluss, so genau kann ich das selbst nicht sagen - ,doch insgesamt war ich sehr zufrieden und empfand die Lektüre von "The Goldfinch" hauptsächlich als fast atemberaubend lebendig, sehr emotional und bewegend.
    (Ein paar kleinere "Fehler" sind mir während der Lektüre aufgefallen, beispielsweise berichtet der Protagonist einmal, er habe nach dem Tod seiner Mutter ständig geweint; an einer späteren Stelle des Romans meint er dann, nach dem Tod seiner Mutter gar nicht mehr richtig geweint zu haben. Außerdem taten sich bei mir ein- oder zweimal Fragen auf, beispielsweise warum die Eskapaden von Boris und Theo an der Schule anscheinend vollkommen unbemerkt blieben und wer ihre Kotze und all den Dreck beseitigte, wenn sie mal wieder Drogen und Alkohol konsumiert hatten bis zum Umfallen? Sollte die Autorin diese Details tatsächlich einfach nicht bemerkt haben, so ist dies angesichts der Länge des Buches allerdings verständlich und schmälert das Lesevergnügen kaum).

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    Ellen-Dunnes avatar
    Ellen-Dunnevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Meine Güte, diese Frau kann schreiben!
    Stil über alles

    Meine Güte, diese Frau kann schreiben! Die Geschichte über Theo Decker, der mit 13 bei einem Terroranschlag auf ein Museum seine geliebte Mutter verliert, ein wertvolles Bild stiehlt und ihm obsessiv verfällt, ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie intensiv und lohnend ein Buch sein kann. Die differenzierten Charaktere und die bunte, präzise Sprache haben mich schwer beeindruckt. Ja - bei Boris' konfusen Ansprachen im Suff/Drogenrausch wurde ich schon manchmal ungedultig, und auch durch den Plot des Bilderdiebstahls durch Martin/Horst/Sascha bin ich nicht ganz durchgestiegen, aber ich kann nicht anders als Donna Tartts Stil, Beobachtungen und Gedankengänge über das Leben, die Liebe und gequälte Seelen zu bewundern, während der arme Theo Decker von einem Drama ins nächste stolpert. Dieses Buch braucht definitiv Zeit und Konzentration. Doch meiner Meinung nach nicht umsonst.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wunderbares Werk, das mich aufgesaugt, emotional tief berührt, mit seiner erzählerischen Schönheit begeistert und wieder ausgespuckt hat
    The Goldfinch - Donna Tartt

    Inhalt

    Es passiert, als Theo Decker dreizehn Jahre alt ist.
    An dem Tag, an dem er mit seiner Mutter ein New Yorker Museum besucht, verändert ein schreckliches Unglück sein Leben für immer.

    Er verliert sie unter tragischen Umständen und bleibt allein und auf sich gestellt zurück, sein Vater hat ihn schon lange im Stich gelassen. Theo versinkt in tiefer Trauer, die ihn lange nicht mehr loslässt. Auch das Gemälde, das seit dem fatalen Ereignis verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden.

    Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen. Und das Gemälde, das ihn auf merkwürdige Weise fasziniert, scheint ihn geradezu in eine Welt der Lügen und falschen Entscheidungen zu ziehen, in einen Sog, der ihn unaufhaltsam mit sich reißt.

    Meine Meinung

    Viel zu lange steht dieses Buch bei mir im Regal und nun habe ich mir viel Zeit genommen, um es zu lesen. Tatsächlich habe ich neun Tage für die 864 Seiten gebraucht. Und gestern, nach den letzten Seiten, fühlte ich mich ein wenig verloren und niedergeschlagen.

    Es dauert nicht lange und man möchte den Protagonisten, Theo Decker, am liebsten in den Arm nehmen, trösten und in Sicherheit bringen. Er erzählt seine Geschichte, die über 14 Jahre geht, selbst. Mit 13 Jahren verliert er seine Mutter, als er mit ihr das Museum of Modern Art in New York besucht. Ein Bombenanschlag reißt sie brutal aus seinem Leben und nimmt ihm die einzige Orientierungshilfe, die er noch hat, die einzige Person, die ihn bedingungslos liebt, und er sie. Er gibt sich selbst die Schuld an ihrem Tod, weil sie später an diesem Tag einen Termin in seiner Schule hatten; Theo ist suspendiert worden. So bleiben die selbstanklagenden Gedanken bei Theo nicht aus. Sein Vater hat die Beiden einige Monate vorher verlassen und sie wissen nicht, wo er sich aufhält.

    Als Theo nach der Explosion zu sich kommt, gibt es eine Begegnung, die, neben dem Tod seiner Mutter, großen Einfluss auf seinen Leben haben wird. Und da gibt es das kleine Gemälde eines Distelfinks, das seine Mutter so sehr geliebt hat.

    Ich muss bewundern, wie meisterhaft Donna Tartt die Gefühle von Theo vermittelt hat: seine unendliche Trauer, seine Verzweiflung, das Gefühl absolute keinen Halt mehr im Leben zu haben und am liebsten einfach aufgeben zu wollen. Nie hätte ich geglaubt auch nur ansatzweise wissen zu können wie das ist als 13-jähriger den einzigen Menschen zu verlieren, den man im Leben liebt, um dann ganz allein dazustehen. Als man langsam wieder Hoffnung schöpft, wird alles wieder zunichtegemacht und Theo wird wieder aus seiner Umgebung gerissen.

    Boris, ein Ukrainer, der auch einen Großteil seines Lebens in Australien verbracht hat, tritt in Theos Leben und wird sein bester Freund. Selbst ein mutterloser Junge, dessen Vater Alkoholiker ist und ihn sich selbst überlässt, ist nicht gerade das was Theo braucht. Boris ist vielleicht der schillerndste Charakter in der ganzen Geschichte, aber er ist der Typ Mensch der mir persönlich unsympathisch ist. Dabei muss man aber bedenken, dass er auch nur das Ergebnis seines bisherigen Lebens und der Vernachlässigung ist.

    Die Charaktere sind jeder für sich so einzigartig, dreidimensional und detailliert. Ich liebe Hobie, den Restaurateur antiker Möbel; man sieht zu ihm auf, spürt seine Gutmütigkeit, man riecht das Holz und seine Werkstatt, spürt seine Ruhe, die Geduld und seine Liebe. Pippa, das rothaarige Mädchen, das Theo schon im Museum mit den Augen verfolgt hat; das unscheinbare Mädchen, das schwer verletzt wird in der Explosion, dessen Leben auch völlig aus der Bahn geworfen wird. Es entsteht eine besondere Verbindung zwischen ihnen. Die reiche und eher gefühlskalt wirkende Mrs. Barbour, ihre Familie und später auch ihre eigene Tragödie.

    Theos Geschichte zerriss mir das Herz und nicht nur einmal habe ich so viel Traurigkeit gespürt, dass ich am liebsten geheult hätte. Es zeigt wie eine einzige, schnelle Entscheidung das weitere Leben lenkt und aus einer vielversprechenden Zukunft eine dunkle, kalte Welt macht. Eine tiefsitzende posttraumatische Belastungsstörung, die wie ein roter Faden durch Theos Leben läuft, lässt ihn hinabsinken in eine Welt, die niemals die Seine hätte sein sollen. Es gibt viele Themen im Buch; Freundschaft, Liebe, Trauma, Trauer, Einsamkeit, Drogen- und Alkoholsucht, Betrug und Verrat. Schicksalsschläge, die ein Kind komplett aus der Bahn werfen. Und so viele Facetten von zwischenmenschlichen Beziehungen. Eine extrem ergreifende Geschichte, die mich bis in den Schlaf verfolgt hat.

    Ja, es ist ein sehr dickes Buch, aber es waren nur die letzten 50-60 Seiten, die sich etwas hingezogen haben. Am Ende gibt es dann doch sehr viele philosophische Gedanken, die mir in dem Ausmaß zu viel waren. Ein wunderbares Werk, das mich aufgesaugt, emotional tief berührt, mit seiner erzählerischen Schönheit begeistert und wieder ausgespuckt hat.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Hartes Schicksal sprachgewandt verpackt

    Donna Tartts „Der Distelfink“ beginnt mit einem veritablen Big Bang: einer Explosion im Metropolitan Museum of Art, bei der ein Teenager seine Mutter verliert. Das Schicksal dieses Jungen und das eines Gemäldes aus dem Museum, eben des "Distelfinks" des niederländischen Altmeisters Carel Fabritius, bilden den roten Faden dieses mitreißenden Entwicklungsromans, der zugleich eine Meditation über Kunst und Leben, Freiheit und Notwendigkeit, Größe und Hybris ist.

    Leider bin ich immer wieder über die Erzählperspektive gestolpert. Der Hauptcharakter Theodore Decker lässt sein Leben ab dem 13. Lebensjahr für uns Revue passieren. Trotz massiven Drogenkonsums sind die Ereignisse und Dialoge, auch aus jungen Jahren, so detailliert geschildert, dass es einfach unglaubwürdig erscheint.

    Insgesamt aber ein interessanter Roman der auch mit seiner tollen Sprache überzeugen kann.

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    TinaGers avatar
    TinaGervor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Müssen wir uns von Besitz freimachen? Sind wir an eine Illusion gekettet, wie der Goldfinch an seine Fessel?
    The Goldfinch

    Warum lieben wir Dinge mehr als Menschen? Warum häufen wir in unserem Leben den banalsten Besitz an, jagen gleich eines Fetischisten immer neuen Verführungen von Kommerz und Kunst nach, während das Glück der Welt doch in einer kleinen Geste, in einer freundschaftlichen Berührung, in der Liebe liegt?

    Donna Tartt entfaltet auf sagenhafte Weise diese einfache Frage. Sie nimmt sich Zeit, die sie sich durchaus stellenweise zu viel genommen hat. Ja, damit fällt sie mir auch auf die Nerven, doch das große Bild betrachtend, verzeihe ich ihr spielend und überblättere den Upper Class und Kunstblabla einfach. Ganze Figuren – wie Horst / Lucien – hätten für mich gestrichen werden können, sie haben keinerlei Bedeutung, während für diverse lose Fäden nicht mal mehr Zeit bleibt, um sie abzubinden. Gottlob will man fast meinen. Ja, ich könnte anführen, wie ihr die Ich-Perspektive Theos immer wieder auf die Füße fällt, denn die Einschränkungen dieser Erzählform sind durchaus herausfordernd, ich könnte anführen, wie sie kleine Erwachsene erzählt, weil ihr die Kids offenbar irgendwann auf den Senkel gegangen sind, ich könnte anführen, wie sie mich genervt hat mit ihren ausschweifenden Recherchen, wie wenig mich der Goldflatterich, die 9/11 Kopie und sonstige Plots interessiert haben, doch was bleibt ist schlicht so berührend, auf das alle Kritik verklingt.

    Sie erzählt mit Theo Decker einen hoch identifizierenden Protagonisten. Ich habe mich selten so oft wiederentdeckt, wie in diesem verlorenen Urbanisten. Seine Abgeschnittenheit von der Welt, sein Kampf, seine Fehler, sein konstantes Scheitern sind berührend und doch nicht niederdrückend, sondern bereichernd, fast erfrischend. Ich finde es unsagbar lässig, wie sie durch ihre Vorwegnahmen alle Spannung im Keim erstickt. Was brauchen wir um glücklich zu sein? Müssen wir uns frei machen von allem Besitz? Sind wir an eine Illusion gekettet, wie der kleine Goldfinch an seine Fußfessel? Ist das nicht auch der Grund, warum sie Theo Fälschungen verkaufen lässt? Warum er den Besitz des Goldfinches als Last empfindet? Für mich ist dieser Roman nicht der große Kunstroman, der die Schönheit der Malerei preist, sondern das genaue Gegenteil. Für mich ist der Text der Versuch eines Befreiungsschlages aus den Ketten dieser ewigen schönen oberflächlichen Welt und der Versuch einer Rückbesinnung auf die wahren, zwischenmenschlichen Werte, die das Leben lebenswert machen. Tartts Sprachwitz ist ein Genuss. Ihre schrägen Einfälle sind wunderbar. Leseempfehlung für alle mit besonderer Fähigkeit zum stellenweise Querlesen. Das braucht man bei dem Roman. 

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Klasse Buch! Zwischendurch etwas langatmig aber wenn man durch diese Passagen durch ist gewinnt es sofort wieder an fesselndem Aufschwung.
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