Donna Tartt The Little Friend

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Inhaltsangabe zu „The Little Friend“ von Donna Tartt

A follow up to the "The Secret History".

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  • Rezension zu "The Little Friend" von Donna Tartt

    The Little Friend

    Madame Swann

    Harriet Cleve, die zwölfjährige Protagonistin des Romans, wächst in einer Kleinstadt in Mississippi auf. Als sie selbst noch ein Baby war, wurde ihr damals neunjähriger Bruder Robin ermordet, doch den Mörder hat man nie gefunden. Dieses Unglück hat die Familie in ihren Grundfesten erschüttert und prägt auch noch nach über zehn Jahren das Leben der einzelnen Familienmitglieder. Harriet beginnt nun selbst Nachforschungen anzustellen, um den Mörder ihres Bruders zu finden und sich an ihm zu rächen. Ich wusste schon vorher, dass man dieses Buch nicht mit dem ersten Roman von Donna Tartt („Die geheime Geschichte“), der zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört, vergleichen darf (dann kann es nur schlecht abschneiden!) und bin deshalb nicht mit einer solchen Erwartungshaltung, sondern möglichst unvoreingenommen an die Lektüre herangegangen. Die ersten 200 Seiten haben mir auch ziemlich gut gefallen. Man wird langsam in die Geschichte eingeführt, mit den Charakteren vertraut gemacht, kann in die sommerlich-heiße Südstaatenatmosphäre des beschaulichen kleinen Städtchens Alexandria eintauchen. Soweit so gut. Dass der Roman einige Längen aufweist, zeichnete sich zwar bereits ab, doch zu diesem Zeitpunkt konnte ich darüber noch hinwegsehen, da mir das Buch ansonsten sehr gut gefiel und es noch spannend zu werden versprach (vor allem der mitreißende Prolog ließ das vermuten). In äußerst langsamem Erzähltempo wird die Geschichte von Harriets Familie vor dem Leser aufgefächert, einem Epos, einer Familiensaga gleichend. Wäre das Buch dieser Linie treu geblieben, hätte es mir vielleicht sogar besser gefallen. Aber nach etwa 200 Seiten verliert der Roman seine Linie. Die Passagen, die ab diesem Zeitpunkt regelmäßig auch aus Sicht der Ratliff-Brüder (die Harriet verdächtigt, mit dem Tod ihres Bruders etwas zu tun zu haben) erzählt werden, haben mich richtiggehend gelangweilt. Was mich außerdem sehr gestört hat: dass die Handlung nicht (oder erst ganz zum Schluss) richtig in Gang kommt, keinen klaren roten Faden aufweist und insgesamt viel zu viel erzählt wird, das für die Story bedeutungslos ist. Zu viele Dinge werden angerissen und nicht weitergeführt oder nur erzählt, weil die Autorin sie – in Kindheitserinnerungen schwelgend – gerne erzählen wollte (sie ist selbst in den Südstaaten aufgewachsen), so jedenfalls kam es mir vor. Damit verbunden ist eine weitere Schwäche des Romans: Er weiß nicht, was er will. Er ist weder Krimi noch Thriller, aber auch keine richtige Familiensaga. Zugleich enthält er Elemente einer Kinder-Abenteuergeschichte und Elemente eines Entwicklungsromans. Hybride Genrevermischungen sind ja oft gerade auch wegen ihrer nicht existierenden klaren Zuordenbarkeit und ihrer verschwimmenden Grenzen besonders reizvoll, aber hier ist dieser Versuch eindeutig misslungen – nichts Halbes und nichts Ganzes ist dabei herausgekommen. Trotz all seiner Schwächen würde ich „The Little Friend“ trotzdem als schönen Roman bezeichnen, der Charme hat. Seine Stärke liegt vor allem in den liebevoll, detailreich und glaubhaft gezeichneten Charakteren – lebendige Figuren entwerfen kann Donna Tartt einfach, das hat sie in beiden ihrer Romane bewiesen! Und ich mochte das Südstaaten-Setting sehr gerne, konnte mich unheimlich gut in die Atmosphäre dieses kleinen Ortes und das Leben seiner Bewohner in den heißen Sommermonaten hineinversetzen. Was die Handlung angeht, haben mir die letzten 100 Seiten auch wieder besser gefallen als das Durcheinander in der Mitte, da wurde es dann endlich doch noch mal spannend (die Szene im Wasserspeicher fand ich sehr gelungen!) und auch der Schluss war für mich stimmig und hat das Buch gut abgerundet – und mich wieder etwas versöhnlicher gestimmt. Im Gegensatz zu vielen anderen Lesern, die eine restlose Aufklärung des Falls erwarteten, hat mich das Ende nicht enttäuscht, ich fand es vielmehr passend so wie es ist. Ein abschließendes Urteil zu fällen, ist wirklich schwer. Ich kann nur sagen, dass ich diesen Roman weder empfehlen, noch davon abraten kann ihn zu lesen. Ich hatte selten nach der Beendigung der Lektüre so ambivalente Gefühle wie bei „The Little Friend“, ein Buch, das mich lange beschäftigt und mich gedanklich begleitet hat, Wochen später noch. Eines möchte ich jedoch noch festhalten: Schreiben, gerade was ihre Ausdrucksweise und besondere Formulierungen betrifft, kann Donna Tartt, das hat sie auch mit diesem Roman bewiesen. Aber wie sie sich so verzetteln konnte, so wenig Spannung, so wenig Struktur, so wenig klare Linie hineinbringen konnte (vor allem nach der so hervorragend konstruierten „Geheimen Geschichte“), wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.

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