und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus

von Doris Anselm 
3,8 Sterne bei9 Bewertungen
und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus
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Positiv (6):
once-upon-a-times avatar

Sprachlich super, inhaltlich auf teilweise beinahe gewollt wirkende Weise verwirrend. Dennoch: Ein Buch, dem man Zeit widmen sollte.

Kritisch (1):

Skurril und offene Enden, keine gute Mischung.

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Inhaltsangabe zu "und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus"

Was ist der Auslöser für Veränderung in unserem Leben? Die Nachricht einer längst vergessenen Freundin, eine Kränkung zu viel, eine absurde Passion, der es plötzlich nachzugeben gilt. In Doris Anselms Erzählungen begegnen uns Karrieremenschen und Loser, Charismatiker und Verrannte, die diese Momente lostreten oder erleben. So wechselt ein Schmuckstück den Besitzer, unpersönlich und doch symbolträchtig. Am Ende ist ein Mädchen erwachsen geworden und ihr Lehrer ein Stück kindlicher. Dabei bleibt manches scheinbar Wichtige elegant in der Schwebe, um den Blick fürs Wesentliche zu öffnen. Ereignisse wirken aus der Vergangenheit in eine intensiv wahrgenommene Gegenwart hinein, ein bedrohlicher Unterton schwingt mit, ein böses Wuchern und Wachsen. Doris Anselms Debüt besticht durch seine hellsichtigen Beobachtungen, sprachliche Reife und Vielschichtigkeit.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783630875262
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Luchterhand
Erscheinungsdatum:13.03.2017

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Rezensionen und Bewertungen

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    Booklove91s avatar
    Booklove91vor einem Monat
    Vielschichtige Erzählungen

    Inhalt:
    Was ist der Auslöser für Veränderung in unserem Leben? Die Nachricht einer längst vergessenen Freundin, eine Kränkung zu viel, eine absurde Passion, der es plötzlich nachzugeben gilt. In Doris Anselms Erzählungen begegnen uns Karrieremenschen und Loser, Charismatiker und Verrannte, die diese Momente lostreten oder erleben. So wechselt ein Schmuckstück den Besitzer, unpersönlich und doch symbolträchtig. Am Ende ist ein Mädchen erwachsen geworden und ihr Lehrer ein Stück kindlicher. Dabei bleibt manches scheinbar Wichtige elegant in der Schwebe, um den Blick fürs Wesentliche zu öffnen. Ereignisse wirken aus der Vergangenheit in eine intensiv wahrgenommene Gegenwart hinein, ein bedrohlicher Unterton schwingt mit, ein böses Wuchern und Wachsen. Doris Anselms Debüt besticht durch seine hellsichtigen Beobachtungen, sprachliche Reife und Vielschichtigkeit.

    Meine Meinung:
    Die 16 Kurzgeschichten (einer kalten Natur/Juls Hände /Was Würde Amy Tun /Rose und Marille /Holsteiner /Pony und Poelchau /Puck /Kumys /Talente /Rapunzel /Lametta /Das Gartenjahr /Vaters Fahrt /früh /Porzellan /dann ist alles ganz leicht ) sind unabhänig voneinander und inhaltlich auch sehr verschieden, was bereits an den Titeln erkennbar ist.

    Anselm's Erzählungen haben mich berührt, unterhalten,aber vor allem auch sehr verwirrt, was nicht zuletzt an dem großen Deutungsspielraum liegt, den die Autorin dem Leser gibt.

    Sie schreibt sehr ruhig und teilweise melancholisch, dabei jedoch auch kraftvoll und mit verstecktem Witz und schafft es auf den wenigen Seiten, dass man sich als Leser gut in die jeweiligen Themen hineinfindet.

    Das Buch hinterlässt mich jedoch mit einer Unentschlossenheit, es gut oder schlecht zu finden.

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    AnnieHalls avatar
    AnnieHallvor 3 Monaten
    Tiefgründige Geschichten

    Und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus ist eine Sammlung von Kurzgeschichten von Doris Anselm, 2017 erschienen im Luchterhand Literaturverlag.

    Doris Anselm erzählt eindringlich von Veränderungen im Leben, dabei gehen alltägliche Momente ins Surreale über und unscheinbare Gegenstände werden zu bedeutungsschweren Symbolen. 16 Geschichten, die den Blick für das Wesentliche schärfen, den auslösenden Moment, der kleine oder große Veränderungen zur Folge hat. Erzählungen, die berühren, unterhalten, mitunter verwirren und viel Deutungsspielraum lassen.
    Die bildhafte Sprache, durchsetzt mit ungewöhnlichen Metaphern und Vergleichen, macht die Geschichten lebendig und fesselnd, wobei einige Formulierungen noch lange nachwirken.

    Außergewöhnliche Geschichten, die an den Erfahrungsschatz des Lesers anknüpfen und ihn entsprechend berühren oder auf Distanz halten. Allein gemein ist die präzise Beobachtung und Vielschichtigkeit, klar formuliert und gut komponiert.

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    once-upon-a-times avatar
    once-upon-a-timevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Sprachlich super, inhaltlich auf teilweise beinahe gewollt wirkende Weise verwirrend. Dennoch: Ein Buch, dem man Zeit widmen sollte.
    Erzählungen in wunderbarer Sprache

    Ein Titel, so sperrig wie der Inhalt der Seiten, das ist „und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus“. Darin finden sich Erzählungen, die mal mehr und mal weniger zusammenhängend sind, jedoch eines gemeinsam haben: Sie sind unerwartet und sie sind verwirrend.

    Das Geflecht aus Momenten, in denen sich etwas Gravierendes ändert, ist kaum zu entwirren, weil es schwierig ist, zu erkennen, wo es zusammenhängt. Im Prinzip sind die Erzählungen weitgehend voneinander unabhängig, ihre Bedeutung wird jedenfalls nicht einfacher zu verstehen, wenn man den Kontext kennt (soweit man bei diesem Buch von „Kontext“ sprechen kann).

    Jede der Erzählungen begann für mich desorientiert und mit dem Versuch, die Situation einzuordnen. Wer ist der Ich-Erzähler? Kam er oder sie vielleicht bereits vor, weiß man schon etwas über ihn oder sie? Und überhaupt: Wovon ist hier eigentlich gerade die Rede?
    Dessen sollte man sich bewusst sein, bevor man das Buch in die Hand nimmt.

    Ich glaube, man sollte diesem Buch beim Lesen ziemlich viel Aufmerksamkeit schenken. Die verwirrenden, obskuren Geschichten scheinen sinnvoller zu werden, wenn man sie ein zweites Mal liest, wenn man darüber spricht. Also: Man kann dieses Buch wirklich gut lesen, wenn man ihm viel Zeit und Aufmerksamkeit widmet. Ich wünschte ein wenig, ich hätte es mit jemandem zusammen gelesen, mit dem ich mich darüber hätte austauschen können.

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    Thrillerkistes avatar
    Thrillerkistevor einem Jahr
    Kurzmeinung: literarische Hochleistung
    Rezension

    Doris Anselm hat in diesen Buch eine literarische Hochleistung gebracht. Die Geschichten, welche sie erzählt sind nicht nur emotional, tiefberührend, sonderd auch unterhaltend. Sie sollen zum nachdenken anregen. Welche Situationen lassen Menschen an einem Wendepunkt ihres Lebens ankommen? Diese Frage bearbeitet Doris Anselm mit sehr viel feingefühl und lässt den Leser zu einem Denkanstoß kommen, an dem ich zeitweise wirklich nachgedacht habe. Welche Erlebnisse haben mein Leben verändert? War mir der Wendepunkt überhaupt bewusst? Ich habe durch das Buch gemerkt, dass es gut ist manchmal einfach kurz inne zu halten und über das Leben nachzudenken. Die Zeit geht so schnell an uns vorbei, dass wir überhaupt nicht mehr über den Sinn nachdenken. Wir leben zu schnell und die Kurzgeschichten dieses Buches laden ein nachzudenken. Tolles Buch - 5 von 5 Punkte.

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    KasiaJaeckels avatar
    KasiaJaeckelvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Fein analysierte Abbilder städtischen Lebens und von Lebensumbrüchen...
    Von Lebensorten und Lebensumbrüchen

    Kennt Ihr das auch? Manchmal trifft man Menschen und der erste Eindruck ist irgendwie vage. Unentschieden. Man kann gar nicht sagen, ob das Gegenüber einem sympathisch ist oder nicht. Nach dem zweiten oder dritten Treffen jedoch, entdeckt man mehr und mehr Gemeinsamkeiten und einnehmende Aspekte an dieser Person und entschiedet sich denjenigen/diejenige zu mögen.

    So ging es mir auch mit dem Debüt von Doris Anselm „und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus„. Hierin kreiert die Autorin ein ganzes Kaleidoskop aus Lebensmomenten variierender Personen, die für einen Umbruch im Leben gesorgt haben.

    Der erste sympathiefördernde Moment zwischen mir und dem Buch entstand mit der Kurzgeschichte „Was Würde Amy Tun„.
    Wie in allen Anselm´schen Kurzgeschichten steigen wir in eine ausschnitthafte Gedanken- oder hier Erinnerungswelt der Protagonistin ein. Die junge, im Leben gut situierte, Frau erhält eine SMS von einer alten Schulbekanntschaft aus einem USA-Austausch. Indem sie ihren Erinnerungen an diese Begegnung folgt, lernen wir als Leser wie unsere Protagonistin sich mit einer streng-religiösen Gemeinschaft und der ausgesprochen prüden Austauschfreundin konfrontiert sah. Und sich durch deren Sicherheit in sich und der Welt provoziert fühlte. Die Provokation hat sie zu einer extremen Tat – einem Diebstahl – verleitet, der für einen tiefen Bruch in der Beziehung sorgte.
    Jetzt, sprich Jahre später, erfahren wir mit dem SMS-Austausch der beiden jungen Frauen, dass die damalige Tat nicht nur einen Bruch in der Freundschaft bewirkt hatte, sondern noch tiefere Spuren in der Freundin hinterließ. Verletzungsspuren und vor allem tiefe Zweifel schienen die Folge.

    Oder war doch alles nur Zufall?

    Kann eine einzelne kleine Teenager-Missetat massive Folgen für ein gesamtes Leben haben?

    Derartig ausgeprägte Fragen hinterließ die Geschichte und weckte in mir Respekt vor der gelungenen Konstruktion der Geschichte sowie Neugier auf mehr Ideen aus der Anselm´schen Feder.

    Ich brauchte nicht lange warten. Nahezu jede der nachfolgenden Kurzgeschichten überraschte mich erneut. Durch präzise ausgewählte Verortungen der einzelnen Szenen und exzellent durchdachte schnelle Entwicklung jeder einzelnen Handlung. Das ganze mit einer Prise bissigem Humor. Die Auswahl der Orte bildet ferner ein fein analysiertes Abbild städtischen Lebens der heutigen 20-somethings.

    Stilistisch glänzt das Debüt durch die hohe Kunst über ausschnitthafte und inkomplette Sätze ein Lichtbild der Innenwelt der Erzähler zu erschaffen. Ganz als ob man eine Computertomographie von einzelnen Gedanken der Erzähler in deren Alltagssprache erstellen würde. Das muss man können, ohne zu gewollt zu erscheinen oder den Leser ganz zu verlieren.

    Hier ist es gelungen.
    Daher ein literarischer Daumen hoch von mir.

    Eure Kasia – Buchstabendrechsler

    Kommentare: 2
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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Skurril und offene Enden, keine gute Mischung.
    Sehr gewöhnungsbedürftig.

    Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar aus dem Luchterhand-Verlag.

    Was ist der Auslöser für Veränderung in unserem Leben? Die Nachricht einer längst vergessenen Freundin, eine Kränkung zu viel, eine absurde Passion, der es plötzlich nachzugeben gilt. In Doris Anselms Erzählungen begegnen uns Karrieremenschen und Loser, Charismatiker und Verrannte, die diese Momente lostreten oder erleben.

    Das Buch kostet bei Amazon in der gebundenen Ausgabe mit 192 Seiten 18,00€ und in der Kindle-Edition 13,99€.

    Dieses Buch ist der Debütroman der Autorin und besteht aus Erzählungen, also Kurzgeschichten. Ich war sehr neugierig auf das Buch, weil mich der Klappentext angesprochen hat, außerdem wollte ich ausprobieren, wie ich mit Kurzgeschichten zurechtkomme. Tatsächlich hat mir dieses Buch so gar nicht gefallen, was aber weniger an der Strukturierung gelegen hat, sondern eher an dem Erzählstil der Autorin.

    Doris Anselm erzählt sehr kompliziert, wie ich finde, dadurch hatte ich Mühe, den Geschichten überhaupt zu folgen. Sie jagt in wechselnden Erzählperspektiven durch das Gefühlswirrwarr der Menschen, dadurch war es mir wenig, bis gar nicht möglich, mich auf die Geschichten einzulassen, geschweige denn, die Handlungen der Figuren nachzuvollziehen.

    Man merkt, dass die Autorin Kunstwissenschaften studiert hat, denn sie schreibt in einem sehr bildhaften Stil, der es mir gut ermöglichen konnte, mich an die verschiedenen Settings zu denken. Sie schreibt voller Metaphern und Vergleiche, die ich nicht immer nachvollziehen konnte, und deswegen auch nicht verstanden habe.

    Was sie allerdings sehr gut geschafft hat, war durch die Erlebnisse mancher Figuren Mitleid mit den Figuren zu erregen, was mich dann hat weiterlesen lassen, weil ich wissen wollte, wie die Geschichte endet. Was leider nicht immer funktioniert hat, denn oft sind die Auflösungen eben nicht vorhanden, das mag ich leider gar nicht, denn es lässt mich unzufrieden zurück.

    Wer poetische Schreibstile schätzt, keine Angst vor skurrilen Geschichten hat und mit offenen Enden zurecht kommt, für den ist das Buch sicherlich gut geeignet.

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    TinaLiests avatar
    TinaLiestvor einem Jahr
    Von Veränderungen, Chancen, Neuanfang

    Ich als hoffnungslos romantisch-literarische Seele bin dem Titel dieses Erzählungsbandes vollkommen verfallen. „und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus“ – das zeigt schon, dass die Sprache außergewöhnlich ist. Doris Anselm, Gewinnerin des openmike 2014, schafft Sprachbilder, die eigentlich überhaupt nicht passen und irgendwie doch so treffend sind. Sie kombiniert Wörter so, dass sie direkt in mein Leserherz treffen.

    Doch nicht nur der Titel, auch der Inhalt überzeugt – wenn auch nicht jede einzelne Geschichte. Sie erzählt leise von Veränderungen, Chancen, Neuanfang. Die Protagonisten in den Kurzgeschichten könnten dabei nicht unterschiedlicher sein, ebenso wenig die Geschichten. Ob es um die knisternde Anziehungskraft eines in die Jahre gekommenen Kioskbesitzers, das Erwachsenwerden eines Teenie-Mädels oder den Schrebergarten zweier Rentner-Ladies  geht: Was am Anfang mit einem Stück Alltag beginnt, ist am Ende irgendwie ganz anders, es wurde ein Wandel vollzogen, eine Veränderung. Manche Veränderungen sind eher klein und leise, manche laut und mit großem Knall. Manche Geschichten sind distanzierter als andere, manche treffen genau auf den Punkt.

    Man muss den Stil mögen, die schrägen Charaktere – bei mir hat das nicht immer funktioniert, aber doch meistens. Meine liebste Erzählung: „Pony und Poelchau“. Doris Anselm werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

    Zum Blogartikel mit noch mehr Buchempfehlungen auf Revolution, Baby, Revolution.

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    J
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Man rangiert sofort im Geschehen wie in einem morgentlich-vorstädtischen Haltestellengespräch.
    Wenn aus der Hand ein Satz fällt

    Doris Anselms Erzählungen verbindet die Plötzlichkeit alltäglicher Überfälle. Man rangiert sofort im Geschehen wie in einem morgentlich-vorstädtischen Haltestellengespräch, das sich nicht vermeiden ließ. Es wird viel vorausgesetzt und wenig ausgeführt. Ins Zentrum rückt ein Vorgang, für den es zig Beispiele in der Nachbarschaft gibt. Ein Interesse keimt an gehetzter Gleichgültigkeit vorbei. Ein Satz “fällt wie aus der Hand”. Eben noch garantiert der gute Ruf einer Haushüterin ein erfreuliches Einkommen. Sie selbst hebt ihre Diskretion und den zu verschwiegenen Aufenthalten sie verurteilenden Takt hervor. Sie setzt sich engere Grenzen als in den Arbeitsplatzbeschreibungen gezogen werden - und im nächsten Augenblick setzt sie ein Haus unter Wasser, um es wie das sinkende Schiff zu verlassen.
    Die Autorin erzählt so, als sei der Leser sozial angeschlossen und ereignisnah erreichbar. Eine Staubwolke verflüchtigt sich, auf der “zerhackte(n) Straße” erscheint Tobias Schwarz und startet einen Erinnerungsfilm. Er endet in drei Feststellungen. 1. Die berichtende Anlageberaterin verdross schon in der sechsten Klasse eine stämmige Gesundheit. 2. Tobias litt damals an einer komplizierten Krankheit, die seine körperliche Entwicklung hemmte. 3. Seine Mutter versorgte die Unterstützer_innen ihres Sohnes mit unangenehm “weichen ... Vollwertwaffeln”.
    Das ist eine Szene aus dem kollektiven Gedächtnis, es sind auf dem heißen Stein der Gegenwart verdampfende Allerweltserinnerungen. In der zwangsläufigen, die Schilderung förmlich begründenden Begegnung, unternimmt Tobias einen asthmatischen Anlauf zur Verschleierung seiner Hinfälligkeit. Im weiteren Tagesverlauf versagt die aus ihrem Trott gerissene Beraterin beruflich. Abends bemerkt sie einen “schwarzen Spiegelschrank” im Vorfeld einer Veränderung ihrer Verhältnisse. Der Leser erkennt sie wieder als Lora Schmarges. Zwei Geschichten zuvor war sie ein schlampiges, mit einer irritierenden Familie geschlagenes, misstrauisch beäugtes und als Freundin ungeeignetes Kind im Hoheitsgebiet einer hochmütigen Erzählerin. Bei den alten Schmarges schimmelte sogar das Plastik. Loras Eltern rauchten Nebelwände zusammen, während sie Hartnäckigkeit auf verlorenem Posten bewiesen. In der Nähe ihres Hauses gedieh unter Dotterblumen fettes Moos. Jetzt dementiert Loras Selbstbewusstsein diese Vergangenheit. Lora legt das Bürokampfkostüm ab und macht den Invaliden zum Liebhaber.
    An anderer Stelle tritt Tobias als Kronzeuge eines akademischen Versagens auf. Er hustet, da ein anderer raucht. Seine unerklärliche Dienstbereitschaft unterwandert freundschaftliche Verhältnisse im Dunst von Wenn & Wäre. Wenn er ... dann wäre/hätte er ... Die Geschichte entgeht einer schlüssigen Auffassung, vielleicht als komponierte Entgleisung oder Umleitung zu einer Sackgasse des Begreifens.
    Krolle hält sich nur mit dem eigenen Scheitern auf. Unwillkürlich fragt man sich, wie nah kommt man ihm gefahrlos? Er ist ein Schmuddel mit vom Wanst gespannter Trainingsjacke. Ein Rucksack ist ihm unentbehrlich. Er trägt einen englischen Gasdrucklader in die Kampfzone des S-Bahnverkehrs. Krolle erschöpft sich in kurzfristigen Vorteilnahmen. Bedeutend (in unbeschriebenen Kreisen) macht ihn das seltene Recht, Lea anzurufen. Lea könnte wegen Jul schon einmal auf Karli eifersüchtig gewesen sein? Oder wuchs sie wie Amy in England auf und war christlich, bis zu dem Tag, als sie von Adrian bekehrt wurde?

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    Anne-Sophie_Fuchss avatar
    Anne-Sophie_Fuchsvor 2 Monaten

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