Jenseits der blauen Grenze

von Dorit Linke 
4,5 Sterne bei43 Bewertungen
Jenseits der blauen Grenze
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Neue Kurzmeinungen

somnialees avatar

Hochspannend, dramatisch, fesselnd, ein wichtiges Zeitdokument: Dieses Buch hat mich tief berührt und lässt lange nicht los.

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Ein wunderschönes Buch über das Leben in der DDR und den Fluchtversuch!

Alle 43 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Jenseits der blauen Grenze"

Die DDR im August 1989: Hanna und Andreas sind ins Visier der Staatsmacht geraten und müssen ihre Zukunftspläne von Studium und Wunschberuf aufgeben. Stattdessen sehen sie sich Willkür, Misstrauen und Repressalien ausgesetzt. Ihre einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben liegt in der Flucht über die Ostsee. Fünfzig Kilometer Wasser trennen sie von der Freiheit – und nur ein dünnes Seil, das ihre Handgelenke verbindet, rettet sie vor der absoluten Einsamkeit …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783734882012
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Magellan
Erscheinungsdatum:25.07.2016

Rezensionen und Bewertungen

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    Lilli33s avatar
    Lilli33vor 7 Monaten
    Beklemmend und fesselnd erzählt

    Gebundene Ausgabe: 304 Seiten

    Verlag: Magellan (21. Juli 2014)

    ISBN-13: 978-3734856020

    empfohlenes Alter: ab 15 Jahren

    Preis: 16,95€

    auch als Taschenbuch erhältlich


    Beklemmend und fesselnd erzählt


    Inhalt:

    Hanna und Andreas leben in Rostock. Die unterdrückenden Maßnahmen des DDR-Regimes werden für sie immer unerträglicher, sodass sie schließlich ihre Flucht in den Westen planen. Im August 1989 wollen sie über die Ostsee nach Fehmarn schwimmen, ein gefährliches Unterfangen …


    Meine Meinung:

    „Jenseits der blauen Grenze“ ist Dorit Linkes Debütroman und wirklich lesenswert. Der Roman ist nicht in Kapitel unterteilt; die einzelnen Szenen sind lediglich durch die Andeutung einer Wellenzeichnung voneinander abgetrennt. Dies ist erst mal gewöhnungsbedürftig, aber nicht unbedingt schlecht, denn es passt ganz gut zur Handlung.


    Hanna erzählt in der Ich-Form. Sie beschreibt die Flucht fast minutiös, jeden Beinschwung, jeden Armzug, jedes Ein- und Ausatmen. Okay, nicht wirklich jedes ;-) Aber doch so viel, dass man genau fühlt, wie scheinbar unendlich lang die beiden schwimmen und dem kalten, salzigen Wasser ausgesetzt sind, wie ihre Muskeln schmerzen und erlahmen oder krampfen, wie viel Angst sie vor der Küstenwache haben oder davor, dass wegen ihrer Flucht ihre Angehörigen bestraft werden könnten. 


    Die aktuellen „Ereignisse“ sind zwar nicht besonders abwechslungsreich, aber trotzdem spannend erzählt. Sie werden immer wieder unterbrochen durch Rückblicke in die Vergangenheit, die Kindheit und Jugend von Hanna und Andreas und ihrem Freund Jens, genannt Sachsen-Jensi. In diesen Rückblicken wird klar, wie die drei Freunde immer wieder an ihre Grenzen stießen, warum sie in Konflikt mit dem Regime kamen - teilweise ganz ohne eigenes Verschulden. Dies war mir zum Teil etwas zu schwarz-weiß gemalt, aber doch sehr überzeugend dargestellt. Schön, dass es in den Rückblicken auch immer wieder ein paar witzige Szenen gibt, die diese beklemmende Geschichte ein wenig auflockern.


    Ich kann nun gar nicht sagen, ob mich die Flucht oder die Vergangenheit, die zur Flucht geführt hat, mehr mitgenommen hat. Beides hat mich berührt und gefesselt und ergibt zusammen ein rundes Ganzes. Besonders gut gefiel mir auch der Schluss, den ich so nicht erwartet hätte. 


    ★★★★☆



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    Chiaramauss avatar
    Chiaramausvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wunderschönes Buch über das Leben in der DDR und den Fluchtversuch!
    Jenseits der blauen Grenze

    Die DDR im August 1989: Hanna und Andreas sind ins Visier der Staatsmacht geraten und müssen ihre Zukunftspläne von Studium und Wunschberuf aufgeben. Stattdessen sehen sie sich Willkür, Misstrauen und Repressalien ausgesetzt. Ihre einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben liegt in der Flucht über die Ostsee. Fünfzig Kilometer Wasser trennen sie von der Freiheit - und nur ein dünnes Seil, das ihre Handgelenke verbindet, rettet sie vor der absoluten Einsamkeit...
    Dieses Buch ist so schön! Ich habe gerade aufgehört zu lesen und kann mich noch immer nicht ganz aus seinem Bann befreien. Dorit Linke schafft es mit ihrem einzigartigen Schreibstil, ihre Leser an die Geschichte von Hanna, Andreas und Jens zu fesseln. Sehr interessant wird das Leben in der DDR beschrieben - mir haben vor allem die Witze sehr gut gefallen ;-) Aber die vielen Nachteile der DDR kommen gut heraus und schließlich bleibt Hanna und Andreas keine andere Wahl, als zu fliehen. Fünfzig Kilometer, meine Güte, das ist wirklich sehr viel. Atemberaubend wird die Flucht beschrieben, sehr detailliert erfährt man alles über die komplizierten Schwimmvorgänge, die Energie einsparen sollen - sonst ist es unmöglich, 25 Stunden durchzuschwimmen. Eine sehr berührende Geschichte über das Leben und die Flucht aus dem Osten. Vor allem im letzten Teil des Buches musste ich mir immer wieder die Tränen wegwischen. Überaus empfehlenswert!

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    Dorfwolfs avatar
    Dorfwolfvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein sehr gutes Buch.
    Hannas DDR-Geschichte

    Das Buch ist fantastisch. Es erzählt die Geschichte von Hanna, wie sie zusammen mit Andreas über die Ostsee aus der DDR fliehen. Dabei springt die Geschichte immer wieder in Hannas Vergangenheit und erzählt einzelne Erlebnisse aus ihrem Leben in der DDR.

    Das Buch liest sich flüssig, da es mit jeder Seite spannender wird. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass ich das Buch in wenigen Tagen fertig gelesen habe.
    Die Handlung der Geschichte hat mich auch sehr begeistert, da es zum einen das schwere Leben der DDR Kinder zeigt und die noch schwerere Flucht so realistisch beschreibt, dass man meinen könnte, sie währe so echt passiert.

    Das Buch ist im Großen und Ganzem sehr gut. Ich kann es nur jedem weiter empfehlen, auch wenn jemand sich nich für politische oder historische Ereignisse wie die Zeit in der DDR interessiert.

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    JuliaSchus avatar
    JuliaSchuvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr gutes Buch mit toll eingearbeiteter DDR-Geschichte. Absolut empfehlenswert!
    Berührend und beängstigend: Eine Zeichnung einer ganzen Generation! Großartig!


    Vielleicht kann man sogar schon so weit gehen und „Jenseits der blauen Grenze“ aus heutiger Sicht als historischen Roman bezeichnen, da er sich auf eine unglaubliche Art und Weise mit der DDR Geschichte auseinandersetzt. Der Roman von Dorit Linde war 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und ist ein großartiges Werk, das man mit Faszination und Ergreifen liest. Es macht die damalige DDR-Realität vorstellbar und erzählt dem Leser eine unvergessliche Geschichte.

    Hanna und Andreas halten es in der DDR nicht mehr aus. Von der Staatsmacht unterdrückt und all ihren Zukunftsmöglichkeiten beraubt bleibt ihnen nur die Flucht. Kein Abitur, kein Wunschberuf, stattdessen nur die Arbeit in einem Dieselmotorenwerk bringt die beiden dazu in den Westen zu wollen – über die Ostsee, also über die blaue Grenze. Fünfzig Kilometer schwimmen, mit nichts als dem, was sie am Körper tragen können. Dunkelheit, Kälte und körperliche Erschöpfung. Und nur eine Schnur verbindet die beiden im Wasser und rettet sie vor der absoluten Einsamkeit…

    Dach Buch beginnt sehr unvermittelt. Hanna und Andreas stehen am Beginn ihrer Flucht über die Ostsee. Der Plan ist gut durchdacht, doch was die beiden Jugendlichen wirklich erwartet, können sie nicht wissen.
    „Jenseits der blauen Grenze“ erzählt eine sehr berührende Geschichte. „Berührend“ allerdings nicht im Sinne von Romantik, sondern eher im Sinne von Ergreifung. Die beiden Jugendlichen, die sich im August 1989 zur Flucht entschieden haben, sprießen voller Leben und können die nahende Wende nicht absehen. Wer hätte das damals wohl auch tun können? Für den Leser, der nun einmal mehr weiß als die Protagonisten, ist dies sehr traurig. Aber macht das die Geschichte nicht noch lesenswerter?

    Als Leser begibt man sich zusammen mit Hanna und Andreas au die Flucht. Das Buch ist nicht in normale Kapitel oder Ähnliches unterteilt, sondern lediglich in wechselnde Abschnitte. Während der Flucht erinnert sich Hanna, die Ich-Erzählerin, an ihr Leben in der DDR. Auch wenn die Flashbacks manchmal etwas verwirrend sind, da sie nicht alle in chronologischer Reihenfolge stehen, erfährt man so sehr viel über die DDR. Ich bin Geschichtsstudentin und hatte das Thema der DDR im Abitur. Demnach würde ich nicht sagen, dass ich wenig über die DDR weiß. Aber der Stoff, den Dorit Linde in den Roman einarbeitet, kann man so nicht kennen, wenn man kein Zeitzeuge ist. Das Buch ist unglaublich authentisch und real. Das Leben der Jugend in der DDR wird lebendig erzählt, so dass man die Gefühle und Handlungen zwischen verzweifelt und rebellisch mehr als nachvollziehen kann. Die Gedanken der Jugend, die man vielleicht wirklich stellvertretend betrachten kann, sind erschütternd. Es ist faszinierend, wie sich die Menschen in diesem Staat gefühlt haben, wie der Schulalltag aussah, wie man auf rebellische Handlungen reagierte und wie offen man mit der Not an allem, vor allem an westlichen Waren, klarkam. Besonders schön finde ich es, wie die berühmten Witze über die DDR ins Buch fließen. Es ist allzu bekannt, dass die Menschen, die die Witze vor den falschen Menschen erzählten inhaftiert und von der Stasi beobachtet wurden. Was das betrifft, haben die Protagonisten in „Jenseits der blauen Grenze“ wohl Glück gehabt. Doch allzu viel haben sie davon auch nicht, denn beobachtet werden auch sie im Alltag.

    Die Protagonisten gefielen mir ebenfalls sehr gut. Die Authentizität ist in Büchern mit geschichtlichem Faktor sehr wichtig und die ist hier mehr als gelungen. Hanna ist Leistungsschwimmerin, fiel dem System aber des Öfteren negativ auf, weshalb sie das Abitur nicht machen darf und auch sportlich nicht vorankommen wird. Andreas ist ein absoluter Verlierer des Systems. Der Bad-Boy im Buch, von denen es viele gegeben haben muss. Und dann wäre da noch Sachsen-Jensi, der dritte im Bunde, der mit seinem niedlichen Humor besticht. Auch wenn nur Hanna und Andreas fliehen, handeln die Flahbacks doch immer von den drei besten Freunden, die eigentlich alle das Gleiche denken. 
    Der Schreibstil der Autorin ist klasse. In den Flashbacks, die einen großen Teil im Buch einnehmen, ist er flüssig und nah.  In den Passagen der Flucht ist er umso interessanter. Er ist von der Anstrengung der beiden geprägt und von den Gedanken der Ungewissheit. Jederzeit können sie erwischt werden und das beschäftigt Hanna ungemein. Mit dem nahenden Ende, naht auch die körperliche Erschöpfung – und dem ist der Schreibstil angepasst. Die Sätze werden kürzer. Ellipsen beherrschen die Seiten. Man bekommt nur noch Gedankenfetzten mit. Dieses sprachliche Mittel finde ich einfach nur gut und ist sehr schlau eingesetzt. 

    Fazit:
    Ich wurde im gesamten Leseprozess gefesselt. Dorit Linde, die selbst Leistungsschwimmerin war, erzählt die Geschichte authentisch und ergreifend. Sie bringt den Leser dazu ebenfalls entsetzt, traurig und verzweifelt zu sein. Man fühlt mit der Geschichte mit und lernt nebenbei noch eine Menge über den Alltag in der DDR. Ein Land, das noch gar nicht so lange von der Bildfläche verschwunden ist. Für mich bildet „Jenseits der blauen Grenze“ sowohl eine spannende Lektüre, als auch ein gut recherchiertes geschichtliches Werk. Ich möchte es mit dem Attribut „großartig“ beschreiben und verbleibe voller Respekt und Freude über dieses gute Buch mit 5 Sternen.

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    Die-weinvor 3 Jahren
    Urst stark! Ein Buch, das mich tief berührt hat ...

    Nachdem Hannas bester Freund Andreas beschließt aus der DDR zu flüchten, plant sie gemeinsam mit ihm die Strecke durch die Ostsee. Fünfzig Kilometer schwimmend bis nach Fehmarn, und da weder Andreas noch Hanna eine glückliche Zukunft in der DDR sehen, fasst Hanna den Entschluss, mit ihm zu gehen. Im Gepäck haben sie lediglich ein in Folie geschweißtes Mosaik-Heft für ihren Freund Sachsen-Jensi, Blockschokolade, Schmerztabletten sowie eine Wasserflasche. Lediglich ein dünnes Band, dass sich beide um's Handgelenk binden, hält die beiden Freunde während ihrer kräftezehrenden Flucht zusammen.

    Auf dieses Buch war ich wirklich sehr gespannt, da mich die Thematik nach wie vor sehr interessiert, und als ich schließlich den Klappentext las und erfuhr, wie die beiden Freunde flüchten wollten, hielt ich das schlichtweg für Wahnsinn. Dennoch weiß ich, dass tausende Menschen genau diesen Weg in die Freiheit wählten.

    Hanna, aus deren Sicht die Geschichte geschrieben ist, habe ich bereits nach wenigen Seiten in mein Herz geschlossen und je mehr ich über ihre Kindheit und Jugend in der DDR erfuhr, desto besser verstand ich, warum sie diesen Weg wählte. Hanna wuchs in einer liebevollen Familie auf und wollte, nachdem sie nicht gut genug für den Leistungssport war, Biologie studieren. Stattdessen wurde sie dazu verdonnert Dosenöffner sowie Schiffsschrauben zusammen zu bauen. Sie hat sich längst damit abgefunden, aber als ihr bester Freund beschließt zu flüchten, muss sie einfach mit ihm gehen. Wie soll sie denn ohne ihn das alles ertragen. Ihr gemeinsamer Freund Sachsen-Jens durfte bereits einige Jahre zuvor mit den Eltern ausreisen. Während Hanna und Jens durch die Ostsee schwimmen, blicken sie immer wieder zurück auf ihre gemeinsame Kindheit und Jugend und obwohl ich die Flucht unheimlich spannend fand, mochte ich diese Rückblenden fast noch lieber, da sie bei mir so viele schöne lustige sowie irrsinnige Erinnerungen wach werden ließen. Die tiefe und ehrliche Freundschaft der Drei hat mich zutiefst berührt und ich fand es bemerkenswert wie diese sich aufeinander verlassen konnten.

    Der lockere und humorvolle Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und am Ende des Buches gibt es auch eine Übersicht, in der einige Begriffe genau erklärt werden. Die Handlung wechselt ständig zwischen der spannenden Flucht, bei der man sehr gut die Kälte des Meeres nachempfinden kann, und der schönen aber auch vom Staat vorgegebenen Kindheit und Jugend, hin und her. Bereits in der Schule eckten die Drei mit ihrer offenen und ehrlichen Art immer wieder an und dann ist da immer noch Hannas Großvater, der sich einfach nie anpassen konnte und immer noch eins obendrauf setzte.

    Mein Fazit:

    Ein Buch, das einfach jeder gelesen haben sollte. Es ist ein Stück deutsche Geschichte und ich würde mir wünschen, dass dieses Buch noch viele begeisterte Leser findet. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite und zugleich so berührend und amüsant geschrieben, dass man es nach dem Lesen wie ein Fotoalbum voller Erinnerungen an sich drücken möchte.

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    raven1711s avatar
    raven1711vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein spannendes und bewegendes Stück deutscher Geschichte. Unbedingt lesen!
    Ein Lesemuss! Spannende und berührende deutsche Geschichte

    Inhalt:

    Die DDR im August 1989: Hanna und Andreas sind ins Visier der Staatsmacht geraten und müssen ihre Zukunftspläne von Studium und Wunschberuf aufgeben. Stattdessen sehen sie sich Willkür, Misstrauen und Repressalien ausgesetzt. Ihre einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben liegt in der Flucht über die Ostsee. Fünfzig Kilometer Wasser trennen sie von der Freiheit – und nur ein dünnes Seil, das ihre Handgelenke verbindet, rettet sie vor der absoluten Einsamkeit …

     

    Meinung:

    Auch dieses Buch hat eine Nominierung für den Jugendliteraturpreis 2015 erhalten. Ich muss gestehen, dass mich das Thema DDR nicht immer sehr reizt und ich manchmal das Gefühl einer Übersättigung habe, da das Thema so oft in Film und Fernsehen präsent ist. Aber natürlich bin ich jederzeit gerne bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen. Und Gott sei Dank habe ich mich für dieses Buch interessiert.

    Zentrales Thema in diesem Buch die Flucht über die Ostsee, ergänzt von den Begleitumständen, die Hanna und Andreas zu dieser Maßnahme getrieben haben. Dabei haben unsere Protagonisten kein Boot, sondern müssen die Strecke zum rettenden Fehrmann schwimmend zurücklegen. Diese Passagen sind dabei so spannend gestaltet, dass an keiner Stelle im Buch Langeweile aufgekommen ist. Die Autorin legt direkt mit der Flucht los und erzählt dann in Rückblenden von Hannas Leben in der DDR. Nach und nach kristallisiert sich so der Grund für Hannas und Andreas Flucht heraus. Zwischendrin geht dann der dramatische Überlebenskampf auf der Ostsee für die zwei weiter. Ob sie es schaffen, verrate ich an dieser Stelle nicht, dass müsst ihr selber nachlesen.

    Als Westkind der 80er habe ich vom Mauerfall und den ganzen Ereignissen drum herum direkt nicht so viel mitbekommen, denn mal ehrlich, welche 6/7-Jährige interessiert sich da schon für Politik? Trotzdem bleibt natürlich Einiges hängen und auch später in der Schule und aus eigenem Interesse erfährt man mehr über die DDR. Ein klares Bild habe ich von der Zeit in der DDR natürlich nicht, aber genau diesen Punkt trifft die Autorin hier sehr gut. Sie schildert in klaren Worten, wie die Verhältnisse dort drüben waren. Sie schönt dabei nichts und man kann sich sehr gut in die Protagonisten hineinversetzen. Richtig gut gefallen hat mir, dass es auch ein Glossar am Ende des Buches gibt, was es der Jüngeren und der unbedarften Westgeneration einfacher macht, bestimmte Begriffe zu verstehen. Auch die Umgebung und das Ambiente konnte ich mir sehr gut vorstellen. Typische Vorgänge in der DDR, wie z. B. die Jugendweihe sind sehr gut beschrieben. Auch hier hat die Autorin es geschafft, ein klares Bild zu erstellen.

    Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Man spürt, wie problematisch der Umgang mit den Autoritätspersonen für die Jugendlichen ist. Die ständige Überwachung und die Rechtfertigungen für Handlungen zehren an den Nerven. Hanna ist dabei die ruhigste der drei Freunde, Sachsen-Jensi ist der Spaßvogel des Trios, der mit viel Eigenironie durchs Leben geht. Zwar machen ihn die vielen Hänseleien aufgrund seines Aussehens und seiner Herkunft zu schaffen, trotzdem hat er immer sehr viel Humor. Andreas dagegen ist eine sehr verlorene Figur. Er hat es von allen am Schwersten, denn sein Elternhaus ist nicht das Beste und auch die Schule macht ihm zu schaffen. Das unfaire System kommt ihm und seinen Zukunftsträumen nicht entgegen.

    Dieses Buch bewegt und regt zum Nachdenken an. Auch jetzt noch, eine Woche nachdem ist es ausgelesen habe, ist die Geschichte in meinem Kopf immer noch präsent. Es prangert die Lebensumstände und Zwänge der DDR an, dies aber in einem jugendlichen und klaren Stil. Seine Hauptfiguren verliert das Buch dabei nicht aus den Augen und man bangt bis zur letzten Seite um Hanna und Andreas. Richtig erschüttert hat mich, dass zwei so unbedarfte Personen, die eigentlich nur ihren Weg im Leben gehen wollen, von den Umständen und Verhältnissen zu solch einer extremen Verzweiflungstat getrieben werden.

    Erzählt wird das Buch aus der Ich-Perspektive. Hanna nimmt uns mit auf ihre Flucht durch die Ostsee und lässt uns an ihren Gedanken und Erinnerungen teilhaben. Die Autorin schafft es gekonnt, den Spannungsbogen oben zu halten und die Informationen nach und nach einzufügen, ohne in die Länge zu ziehen oder Logiklücken zu produzieren.

    Vielen Dank an den Magellan Verlag für das Rezensionsexemplar.

     

    Fazit:

    Ein spannendes Stück Geschichte, authentisch und jugendnah erzählt. Für mich ein absolutes Lesemuss! Lest dieses Buch!

    Von mir gibt es ganz klar 5 von 5 Punkten!

    (Mein Blog: vanessasbuecherecke.wordpress.com)

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    ClaudiasBuecherhoehles avatar
    ClaudiasBuecherhoehlevor 3 Jahren
    Eine Reise in die Vergangenheit

    Jenseits der blauen Grenze von Dorit Linke
    erschienen bei Magellan

    Der Klappentext

    Die DDR im August 1989: Hanna und Andreas sind ins Visier der Staatsmacht geraten und müssen ihre Zukunftspläne von Studium und Wunschberuf aufgeben. Stattdessen sehen sie sich Willkür, Misstrauen und Repressalien ausgesetzt. Ihre einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben liegt in der Flucht über die Ostsee. Fünfzig Kilometer Wasser trennen sie von der Freiheit – und nur ein dünnes Seil, das ihre Handgelenke verbindet, rettet sie vor der absoluten Einsamkeit …

    Meine Meinung zum Cover

    Das Cover hat einerseits etwas vom schönen Urlaubsfeeling: Strand, Sonne, Meer – wenn da nicht der Stacheldraht im Vordergrund wäre… Ein ganz klares Zeichen für den Inhalt des Buches. Die Story selbst wird abwechselnd aus der Vergangenheit und der Gegenwart erzählt.
    Kapitelkennzeichnungen gibt es erstaunlicherweise gar nicht, was ich anfangs etwas verwirrend fand. Einzig die Absätze sind durch eine kleine Wellen- oder Wasserzeichnung voneinander getrennt.

    Charaktere und meine Meinung

    Hanna und Andreas sind unsere Protagonisten in diesem Buch. Andreas wollte den Osten wegen verschiedener Dinge verlassen, Hanna konnte ihn nicht alleine lassen. Ein sehr schöner, aber natürlich auch riskanter und gefährlicher Zug von ihr. Dass einem alleine die Flucht aus der DDR gelingt, ist ja schon schwierig genug – aber gleich Zweien? Ihr Fluchtweg ist über die Ostsee bis ganz nach Fehmarn geplant, was ich von der Idee her nicht schlecht fand. Mich erstaunte es auch, dass es ihnen augenscheinlich so „leicht“ gemacht wurde. Die Bewachung hatte ich mir stärker vorgestellt.
    Andreas ist ein vorlautes Kind in der Schule gewesen, der sich damit so einigen Ärger eingehandelt hat. Im Gegensatz zur Gegenwart, denn da zeigt er eine sehr ruhige, fast ängstliche Seite von sich.
    In der Vergangenheit spielt auch der Mitschüler von Hanna und Andreas, Sachsen-Jensi, eine Rolle. Jens kam eines Tages aus Sachsen in ihre Klasse und eckte gleich wegen seinem ausgeprägten Dialekt an. Sehr schön fand ich einige Sätze, die in genau diesem wieder gegeben wurden. Ich konnte ihn mir bildlich richtig gut vorstellen!

    Die Story beginnt mit der Gegenwart. Die Protagonisten sind kurz davor, in die Ostsee zu gehen und ihre Flucht zu beginnen. Hier gefiel mir sehr gut, dass die beiden die Flucht äusserst detailliert geplant hatten. Keine überstürzte Aktion, sondern wirklich gut überlegt. Durch die einzelnen Vergangenheitskapitel wird die Geschichte um einiges aufgelockert und der Leser wird in die DDR-Zeit versetzt. Wie krass war es, dass Jugendliche allein wegen geschenkten Süßigkeiten in der Schule einen Eintrag ins Buch bekamen! Für uns aus dem Westen wahrscheinlich ganz unvorstellbar… Man wird in eine Zeit zurückversetzt, in der Twix noch Raider hieß, die Sehnsucht nach der neuesten Musik und einem Konzertbesuch fast auswegslos erscheint und man wirklich froh sein konnte, ohne einen Besuch beim Rektor den heutigen Schultag überstanden zu haben… Eine Jugend, die aus der FDJ und Jugendweihe bestand und man einen Witz nach dem anderen über die DDR vom Stapel ließ. Ein wirklich krasses Weltbild, das nach so langer Maueröffnung bei mir schon langsam in Vergessenheit geraten ist. Als ich dann auch noch mit Hanna und Andreas an der S-Bahn-Station Lütten Klein ankam, wurde ich erst einmal in meine eigene Vergangenheit katapultiert. Lütten Klein ist ein Ortsteil von Rostock, den ich kurz nach der Maueröffnung im Jahr 1990 als Teenager aus privaten Gründen besucht habe. Das war schon ein eigenartiges Gefühl beim Lesen, da es sich ja nur um einen ganz kleinen Teil der Stadt handelt.

    Mein Fazit

    Dorit Linke hat mich mit ihrem Debütroman „Jenseits der blauen Grenze“ in eine für mich längst vergangene Zeit zurück versetzt. Ihr Schreibstil gefiel mir gut, die Idee hinter der Story ebenso. Einzig die Charaktere blieben gesichtslos für mich, eine ausgeprägte Bindung konnte ich leider nicht aufbauen. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit lockerte die Geschichte auf, was auch gut so war. Nur eine Flucht aus dem Osten in den Westen wäre zu langatmig geworden. Die ständige Angst, geschnappt zu werden, drückt sich sehr gut bei den Charakteren aus und erscheint jederzeit logisch. Das Ende ist anders, als ich erwartet hatte, was aber keineswegs negativ zu bewerten ist. Das einzigartige DDR-Feeling drückt sich in vielen Kleinigkeiten aus – man merkt, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht. Eine Flucht noch im August 1989 aus der DDR bringt einen aus heutiger Sicht natürlich sehr zum Nachdenken. Wenn Hanna und Andreas da gewusst hätten, was sich im November ereignen würde, hätten sie sich die ganzen Strapazen sparen können… Alles in allem ein gutes Buch, das einen auf die andere Seite der Grenze entführt und sich somit 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen verdient hat.

    Die Autorin

    Dorit Linke, geboren 1971 in Rostock, wuchs in der DDR auf. Sie machte Abitur, war Leistungssportlerin und Rettungsschwimmerin. Den politischen Wandel Ende der Achtziger erlebte sie bewusst mit, nahm an den Montagsdemonstrationen teil und war achtzehn Jahre alt, als die Mauer fiel. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. Jenseits der blauen Grenze ist ihr erster Roman.

    ab 15 Jahren
    304 Seiten
    ISBN 978-3-7348-5602-0
    Preis: 16,95 Euro

    © Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

    An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für dieses Exemplar bedanken!

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    MelEs avatar
    MelEvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Beklemmende Atmosphäre, die lehrt, ohne belehrend zu sein. Absolute Leseempfehlung!
    Abenteuer Ostsee



    "Jenseits der blauen Grenze" ist ein Roman, der das Leben als Jugendliche/r in der ehemaligen DDR verdeutlicht und mir erneut bewusst macht, wie eingeschränkt junge Menschen waren. Eine Flucht über die Ostsee Richtung Fehmarn scheint die einzige Loslösung zu sein, um das Leben nicht mehr fremdbestimmt leben zu müssen. Ich habe es als  sehr beklemmend empfunden und dennoch fühlte ich mich in der authentischen Erzählweise sehr wohl, da nichts beschönigt wurde, sondern eindrücklich an mich appelliert wurde. "Jenseits der blauen Grenze" erzählt in Rückblenden und Gegenwart die Geschichte drei Jugendlichen, die von Natur aus zwar unterschiedlich sind, sich aber vom System der DDR lossagen möchten. Eine Story in der Gewalt in Familien nicht vertuscht wird und auch deutlich wird, wie eingeschränkt das Leben und Denken war. Wer sich nicht anpasst, wird in Jugendwerkshöfe abgeschoben oder darf sich beruflich oder schulisch nicht entfalten, obwohl die Leistungen stimmen würden. Ich habe es als gewaltig empfunden und wieder einmal festgestellt, wie wenig ich vom System der DDR wusste, gerade was das Anpassen von Jugendlichen betrifft. Wer sich wehrt, wird bestraft und ausgegrenzt. Ob eine Flucht über das Meer sinnig ist? Ein Abenteuer, welches Kraft und Mut erfordert. Es bleibt die Wahl, entweder zu sterben, sich einfach einen fremden Willen aufzwingen lassen oder einen Neuanfang in der Bundesrepublik Deutschland zu starten. Mir zeigt "Jenseits der blauen Grenze" die Verbitterung und Verzweiflung sehr deutlich und daher wirkt der Roman wirklich sehr beklemmend. Natürlich gibt es auch viele schöne und amüsante Momente, die in den Rückblenden recht deutlich werden, aber sobald wir uns als Leser wieder in der kalten Ostsee befinden erdrücken die Emotionen komplett. Gerade durch die berührenden Szenen im Buch empfand ich das Buch als authentisch und konnte komplett mit den Protagonisten mitfühlen. Für mich war es eine ganz besondere Reise in die Vergangenheit. Eine Reise in meine eigene Jugendzeit als Twix noch Raider hieß und Modern Talking die Charts erstürmten. Ein erneutes Bewusst werden, wie frei ich mich entfalten konnte, ohne in meinem Denken und Handeln eingeschränkt zu werden.

    Für jugendliche Leser ab 14 Jahren unbedingt geeignet, um auch ihnen bewusst zu machen, wie die Geschichte eines geteilten Deutschlands geschrieben wurde. Sicherlich gab es auch ganz, ganz viel Gutes in der DDR und dieses Buch ist nur ein kleiner Auszug dessen, welches aber regelrechte Beklemmungen in mir auslöst und auch nicht unbedingt positive Rückblicke zulässt. Die Verzweiflung wird deutlich und nur eine Flucht ermöglicht frei zu denken, handeln und zu leben. Niemand schreibt dir deinen Lebensweg vor oder schränkt dich ein. Du selbst bist derjenige / diejenige, die bestimmt und niemand anders.

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    Toirses avatar
    Toirsevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Dieses Buch schafft es die Vergangenheit lebendig werden zu lassen!
    Wenn die Vergangenheit lebendig wird

    Erster Eindruck:

     Ich hatte schon einmal irgendwo hier auf dem Blog erwähnt wie toll ich die Cover der Magellan-Bücher finde, oder? Dieses ist auf jeden Fall keine Ausnahme.  Auch toll: Der Einband und farbigen Seiten hinten und vorne aber genau den gleichen Blauton. Nur etwas zu freundlich für Ostsee ist die Farbe.


    Inhalt:

    Hannah und Andreas stehen am Strand bei Kühlungsborn. Sie wollen aus der DDR fliehen. Das Abitur wurde ihnen verweigert, Hannah auch der Erfolg als Sportlerin und nun wollen sie einfach nur weg. In den Westen. Über die Ostsee.


    Meine Meinung:

    Dorit Linke schreibt sehr eindringlich. Im ersten Moment kann man fast nicht glauben was man liest. Man möchte Andreas und Hannah anschreien, ihnen sagen „Ihr seid doch verrückt!“. Aber es kommt auch gleich das Gefühl auf, dass die Flucht eigentlich keine Wahl ist. Das es einfach sein muss.

    In Rückblenden wird erzählt wie es überhaupt zur Flucht gekommen ist. Sie unterbrechen die Erzählung er eigentlichen Flucht immer wieder. Eigentlich mag ich diesen Aufbau mit Rückblenden nicht so gerne. Grade, wenn wie hier die Rückblenden nicht in sich chronologisch sind. Andererseits: 300 Seiten Schwimmen in der Ostsee am Stück wären auch langweilig. Und die Rückblenden sind wirklich sehr gut eingefügt in das Geschehen. Meist löst irgendetwas Hannahs Erinnerung aus und sie erzählt dann aus der Vergangenheit.

    Ich selbst bin erst nach dem Mauerfall geboren. Für mich existiert die DDR nur in Geschichtsbüchern. Interessantes Thema aber zum Scheitern verurteilt. So ähnlich wie die Weimarer Republik. Dorit Linke schafft es die DDR lebendig werden zu lassen.


    Fazit:

    Ein wirkliches gutes Buch. Ein „echter“ historischer Roman, der es schafft Vergangenes lebendig werden zu lassen ohne dabei belehren zu wollen oder sich nach Geschichtsbuch anzuhören.


    Von mir gibt es daher 5 Sterne!


    Diese Rezension erschien ursprünglich auf meinem Blog Büchernest

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    ConstanzeBuddes avatar
    ConstanzeBuddevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Packender Roman über eine nahezu wahnwitzige Flucht aus der DDR. Absolut lesenswert!
    Wenn Verzweiflung uns antreibt ...

    Wie verzweifelt muss man sein, um 50 Kilometer durch die Ostsee schwimmen zu wollen?

    Hanna und Andreas sind 17 Jahre alt, träumen vom Abitur und einem anschließenden Studienplatz.
    Doch in der DDR ist dies nicht so ohne Weiteres möglich.
    Durch ein Verhalten, das den Vorstellungen der sozialistischen Regierung widerspricht, haben Hanna und Andreas die Möglichkeit einer selbstbestimmten Zukunft verloren.
    Der Willkür und der Unterdrückung der Stasi ausgesetzt, sehen die beiden nur einen Ausweg:
    Die Flucht über die Ostsee.
    Von Warnemünde aus wollen sie mit einer einfachen Taucherausrüstung und einem Seil, das ihre Handgelenke verbindet, zur 50 Kilometer entfernten Insel Fehmarn schwimmen.
    Doch auch die Seegrenze ist streng bewacht und das offene Meer unberechenbar.

    Dorit Linke hält sich nicht mit einer langen Einleitung auf, sondern zieht den Leser direkt ins Geschehen, an den Abend vor der Flucht.
    Aus Hannas Sicht wird erzählt, wie sie und Andreas auf die Dunkelheit warten, um dann von den Grenzposten unbemerkt in die Ostsee zu gehen.
    Sehr eindringlich werden kühle Berechnung, Abwägung der Gegebenheiten aber auch Ängste und Hoffnungen der Protagonisten geschildert. Während der Lesens überkommt einen das Gefühl, als säße man mit am Strand und warte gespannt auf den günstigsten Moment.
    Und trotzdem fragt man sich, warum Hanna und Andreas diese Strapazen mit ungewissem Ausgang auf sich nehmen wollen.

    Während sie nebeneinander durch die Ostsee schwimmen, denkt Hanna immer wieder an das, was sie zurücklassen und an alles, was zur Flucht geführt hat.
    Diese Rückblenden wechseln sich mit den Geschehnissen während der Flucht ab und zeichnen ein Bild von Jugendlichen, wie es sie zu hunderten in der DDR gegeben haben wird.
    Hanna und Andreas und ihr Freund Sachsen-Jensi sind normale Teenager, die ihren Interessen nachgehen, Probleme mit den Eltern und Klassenkameraden haben, die Streiche spielen, von der Zukunft träumen und immer wieder ihre Grenzen austesten.
    Die Situationen, die die drei Freunde erleben, sind dabei mal sehr ernst, mal zum Brüllen komisch.
    Sachsen-Jensi, der immer einen Ost-Witz auf Lager hat, stets eingeleitet mit "Kennt ihr den schon?", Andreas, der Jensi mit seinem sächsischen Akzent und seinem Aussehen stets aufzieht, und Hanna, die nie um einen Spruch verlegen ist.
    Doch mit wachsendem Alter stellen die drei fest, wie sehr ihr Leben vom Staat beeinflusst wird, und es stört sie zunehmend, dass ihr Reden und Handeln beobachtet und zensiert wird.

    Die Autorin beschreibt sehr anschaulich, wie sich vermeintliche Kleinigkeiten summieren, wie die Verzweiflung wächst. Der Leser wächst so mit in die Entscheidung zur Flucht hinein, man kann emotional nachempfinden, warum es keinen anderen Ausweg für Hanna und Andreas gibt.
    So bedrückend Dorit Linke die Repressalien gegen die Protagonisten schildert, genauso eindringlich sind auch die Szenen der Flucht geschrieben. Man hofft und bangt mit jedem Schiff, das sich den Flüchtlingen nährt, man spürt die Krämpfe in den Muskeln, die Kälte des Wassers auf der Haut und schließlich die Erschöpfung und die Angst, wenn scheinbar nichts mehr geht. Man atmet mit Hanna im gleichen Rhythmus, spürt die Schwimmzüge nach und will schließlich einfach nur noch ankommen.

    Dorit Linke hat mit Jenseits der blauen Grenze einen Roman geschaffen, der unter die Haut geht und den Leser nicht mehr loslässt. Die Spannung ist buchstäblich auf jeder Seite spürbar und macht es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen.
    Es wird nichts beschönigt, aber auch nichts verdramatisiert, was die Geschichte noch einmal beklemmender macht.
    Dazu trägt auch das eindrucksvolle Cover von Christian Keller bei. Der Stacheldraht, der den Strand und das offene Meer abtrennt, bleibt immer im Blickfeld, selbst wenn man sich auf die dahinterliegende Strandidylle konzentrieren möchte. Und es verdeutlicht, dass jenseits der blauen Grenze auch jenseits des Stacheldrahts, jenseits der Unterdrückung bedeutet, und wie unmöglich es scheint, diese Grenze zu überwinden.  

    http://www.constanze-budde.de/b%C3%BCcherregal/rezensionen/jenseits-der-blauen-grenze/

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Ahoi ihr buchverrückten Leseratten!


    Es gibt wieder eine fantastische Neuigkeit aus der wunderbaren Welt der Bücher zu vermelden: Es ist ein neuer Verlag in Sicht! Magellan - der Verlag mit dem Wal - geht mit einem breit gefächerten Programm an den Start und erfreut uns mit herrlichen Kinder- und Jugendbüchern, die nicht nur optisch einiges hermachen.

    Mit einer Aktionswoche möchten wir gemeinsam mit dem Magellan-Verlag die Premiere feiern und einen Blick auf die vielen neuen Bücher werfen, die ab Juli erscheinen. Zudem gibt es jeden Tag eine neue Möglichkeit, die Schätze aus dem Hause Magellan zu gewinnen und somit eure Büchersammlung um das ein oder andere Prachtexemplar zu erweitern.


    Hier findet ihr alle Aktionen der Woche in der Übersicht:

    Montag: Leserunde zu "Glücksdrachenzeit" mit Autorin Katrin Zipse
    Dienstag: Die Magellan Kinderbücher: Verlosung eines Bilderbuch-Pakets 
    Mittwoch: Leserunde zu "Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte" von Crystal Chan
    Donnerstag: Buchverlosung zu "Perfekt ist jetzt" von Tim Tharp
    Freitag: Fragerunde mit Katharina Nüßlein vom Magellan Verlag und Verlosung eines großen Magellan-Goodie-Pakets

    Mehr über den Verlag mit dem Wal:




    "Magellan ist ein konzernunabhängiger Verlag mit den Schwerpunkten Bilder-, Kinder- und Jugendbuch Als innovative „Buchschmiede“ möchten wir unsere Leserinnen und Leser mit einer neuen Art des Büchermachens für uns gewinnen. Mit anspruchsvollen Titeln, die sich sowohl inhaltlich als auch optisch und haptisch vom Mainstream abheben.

    Lebensnahe Themen für alle Altersstufen liegen uns am Herzen, wir möchten Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen. Unsere Autoren erzählen Geschichten, die in der Realität verhaftet sind und dennoch immer das Besondere bieten. Wir trauen unseren Lesern mehr zu. Ernstere Themen werden nicht ausgespart. Gleichzeitig bewegen wir uns mit skurrilem Humor, außergewöhnlichen Illustrationen und schrulligen Charakteren weg von eingefahrenen Mustern. "



    Zudem achtet der Verlag auch besonders auf umweltverträgliche und nachhaltige Produktion der Titel - ganz nach dem Slogan "Natürlich Magellan"! Es wird auf säurefreien und chlorfrei gebleichten FSC-Papieren aus verantwortungsvollen Quellen gedruckt und Farben auf Pflanzenölbasis, Klebstoffe ohne Lösungsmittel, Lacke auf Wasserbasis und Zellophanierfolie ohne Weichmacher benutzt - produziert wird hauptsächlich in Deutschland.

    Mehr Informationen zum Verlag bekommt ihr auf der Website und auf der Facebook-Seite.

    Jetzt wünschen wir euch viel Spaß bei der Aktionswoche mit den vielen Leserunden und Gewinnspielen und auch bei der Fragerunde am Freitag! Es gibt viel zu entdecken, viel zu sehen und natürlich viel zu lesen! Leinen los!