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MelE

vor 2 Jahren

(14)



"Jenseits der blauen Grenze" ist ein Roman, der das Leben als Jugendliche/r in der ehemaligen DDR verdeutlicht und mir erneut bewusst macht, wie eingeschränkt junge Menschen waren. Eine Flucht über die Ostsee Richtung Fehmarn scheint die einzige Loslösung zu sein, um das Leben nicht mehr fremdbestimmt leben zu müssen. Ich habe es als  sehr beklemmend empfunden und dennoch fühlte ich mich in der authentischen Erzählweise sehr wohl, da nichts beschönigt wurde, sondern eindrücklich an mich appelliert wurde. "Jenseits der blauen Grenze" erzählt in Rückblenden und Gegenwart die Geschichte drei Jugendlichen, die von Natur aus zwar unterschiedlich sind, sich aber vom System der DDR lossagen möchten. Eine Story in der Gewalt in Familien nicht vertuscht wird und auch deutlich wird, wie eingeschränkt das Leben und Denken war. Wer sich nicht anpasst, wird in Jugendwerkshöfe abgeschoben oder darf sich beruflich oder schulisch nicht entfalten, obwohl die Leistungen stimmen würden. Ich habe es als gewaltig empfunden und wieder einmal festgestellt, wie wenig ich vom System der DDR wusste, gerade was das Anpassen von Jugendlichen betrifft. Wer sich wehrt, wird bestraft und ausgegrenzt. Ob eine Flucht über das Meer sinnig ist? Ein Abenteuer, welches Kraft und Mut erfordert. Es bleibt die Wahl, entweder zu sterben, sich einfach einen fremden Willen aufzwingen lassen oder einen Neuanfang in der Bundesrepublik Deutschland zu starten. Mir zeigt "Jenseits der blauen Grenze" die Verbitterung und Verzweiflung sehr deutlich und daher wirkt der Roman wirklich sehr beklemmend. Natürlich gibt es auch viele schöne und amüsante Momente, die in den Rückblenden recht deutlich werden, aber sobald wir uns als Leser wieder in der kalten Ostsee befinden erdrücken die Emotionen komplett. Gerade durch die berührenden Szenen im Buch empfand ich das Buch als authentisch und konnte komplett mit den Protagonisten mitfühlen. Für mich war es eine ganz besondere Reise in die Vergangenheit. Eine Reise in meine eigene Jugendzeit als Twix noch Raider hieß und Modern Talking die Charts erstürmten. Ein erneutes Bewusst werden, wie frei ich mich entfalten konnte, ohne in meinem Denken und Handeln eingeschränkt zu werden.

Für jugendliche Leser ab 14 Jahren unbedingt geeignet, um auch ihnen bewusst zu machen, wie die Geschichte eines geteilten Deutschlands geschrieben wurde. Sicherlich gab es auch ganz, ganz viel Gutes in der DDR und dieses Buch ist nur ein kleiner Auszug dessen, welches aber regelrechte Beklemmungen in mir auslöst und auch nicht unbedingt positive Rückblicke zulässt. Die Verzweiflung wird deutlich und nur eine Flucht ermöglicht frei zu denken, handeln und zu leben. Niemand schreibt dir deinen Lebensweg vor oder schränkt dich ein. Du selbst bist derjenige / diejenige, die bestimmt und niemand anders.

Autor: Dorit Linke
Buch: Jenseits der blauen Grenze
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